Erstellt mit MAGIX Reisebericht "Eines Tages lasse ich mich von Michael am Boden des Ngorongoro-Kraters absetzen, weil ich im Tiefflug zwei  Nashörner in einer Gruppe von Löwen gesehen habe und außerdem eine Strecke weiter zwei Leoparden, die gerade  auf Jagd sind... Die beiden Nashörner sind leicht zu finden, weil auf ihrem Rücken hellweiße Kuhreiher sitzen. Von  den Löwen aber ist nichts zu entdecken, ein Löwe kann sich schon unsichtbar machen, wenn das Gras nur 30 cm  hoch ist..."  Mit diesem Zitat aus dem Buch "Serengeti darf nicht sterben" von Bernhard und Michael Grzimek möchte ich unseren Ausflug in  den berühmten Krater im Norden Tanzanias beginnen. Bereits um 7 Uhr holten uns einheimische Fahrer mit ihren klapprigen Jeeps vom "Kudu-Camp" ab. Immer zu fünft quetschten wir  uns durch die enge Tür. Drinnen hatten wir dann etwas mehr Platz. Wir hatten uns mit Adi und Ingrid aus Wien zusammen getan  und uns vor der Abfahrt noch kräftig mit Sonnencreme, Faktor 30 und höher, eingerieben. Schließlich würden wir einen ganzen  Tag mehr oder weniger in der prallen Gebirgs-Sonne verbringen. Manche Jeeps haben ein Sonnendach, das Schatten wirft.  Unserer nicht. Für die 30 km von Karatu zum Eingang des Schutzgebietes benötigten wir auf einer Rüttel-  und Schüttelpiste ganze 1 ½ Stunden. 30 US$ kostet der Eintritt, dazu kommen 15 US$  Kratergebühr, bei ROTEL vom Reiseteilnehmer als Eigenunternehmung selbstverständlich aus eigener Tasche zu bezahlen. Zunächst rüttelten wir noch etwa 20 Minuten am Kraterrand entlang, bis wir zu einem  Aussichtspunkt kamen. Von hier aus kann man die Größe des Schutzgebietes eigentlich nur  erahnen. 8.200 km² umfasst das Gebiet. Der größte, nicht mit Wasser angefüllte Krater der  Erde, dessen Rand zudem auch noch vollständig erhalten ist, weist eine Fläche von 380 km²  (12 x 18 km), vom Kraterrand gemessen, vor. Dieser befindet sich auf 2.250 m NN. Der  Kraterboden liegt 600 - 700 m tiefer und misst immerhin noch 250 km². Der Ngorongoro-Krater  gehört nach wie vor zum Ökosystem der Serengeti (die mit 14.763 km² fast so groß wie  Schleswig-Holstein ist). 1956 wurde der Krater jedoch auf Veranlassung der britischen Kolonialverwaltung aus dem Serengeti-NP ausgegliedert. Teile des Schutzgebietes werden noch heute von nomadisierenden Massai mit  ihren Herden aufgesucht. Nicht weit vom Aussichtspunkt entfernt befindet sich die Grzimek-Grab- und Gedenkstätte.   Michael Grzimek fand hier seine letzte Ruhestätte, nachdem er 24-Jährig bei einem Alleinflug  über die Serengeti ums Leben kam, nachdem Vater und Sohn bei den Flamingos im  Ngorongoro-Krater zu Besuch waren. "Serengeti darf nicht sterben" ist sein Vermächtnis. Die  britische Verwaltung der Nationalparks Tanganjikas setzte auf sein Grab die Inschrift:  "MICHAEL GRZIMEK, 12.4.1934 - 10.1.1959, Er gab alles, was er hatte, sogar sein Leben, um  die wilden Tiere Afrikas zu schützen." Später wurde auch sein Vater, Bernhard Grzimek, hier  beigesetzt.  Und es ging noch weiter am Kraterrand entlang, bevor wir die steile Abfahrt in den Krater  begannen. Ab und zu begegneten uns Massai-Krieger mit weißen Gesichtern. Es sind die frisch beschnittenen Jungen dieses  Volks-Stammes, die sich durch die weiße Farbe vor dem "bösen Blick" schützen wollen. Dazu zählt auch ein Schnappschuss mit  dem Fotoapparat. Doch die Zeiten haben sich geändert. Gegen ein entsprechendes Trinkgeld lassen sie sich als  Touristenattraktion liebend gern ablichten. Die Ein- und Ausfahrten des Ngorongoro-Kraters sind sehr schmal und deshalb im  Einbahnverkehr zu befahren. Innerhalb des Kraters wird im Uhrzeigersinn gefahren, damit sich die zwar in der Anzahl  begrenzten, aber doch recht zahlreichen Landrover nicht zu sehr behindern.  Die Safari-Jeeps dürfen nur im Lerai Forest, wo sich Toiletten befinden, und am Picknickplatz verlassen werden. Solange muss  man sich eben ein eventuell dringendes Geschäft verkneifen. Doch die Natur ist so interessant, dass man gar nicht an ein  eventuelles Geschäft denken kann. Der Lerai Forest ist ein kleines Wäldchen mit Fieberakazien, die auch "Königin der  afrikanischen Akazien" genannt werden. In den 80er Jahren des 20. Jh. wurde dieser Wald immer lichter und kleiner, da viele  Bäume bereits abgestorben sind. Man erkennt Fieberakazien an ihrem gelben Stamm. Hier leben auch die Vervet-Meerkatzen.  Sie tummeln sich und spielen miteinander, lausen sich gegenseitig und klauen gern mal etwas von einem zu neugierigen Tourist. Die geübten Fahrer öffneten nun die Jeep-Dächer, dass wir genügend Sicht in die Weite des Kraters haben und ausgiebig filmen  und fotografieren können. Ich weiß nicht, ob es schade oder ein Glück war, dass unser Jeep kein Sonnenverdeck hatte. Wir  konnten somit auch nach oben in den blauen Himmel weithin schauen; und ich war ganz erstaunt, dass ich später überhaupt  keine Anzeichen von Sonnenbrand und Sonnallergie bei mir bemerkte. Immerhin hielten wir uns 6 Stunden im Krater auf!  Die Safari war so schön, dass ich Schwierigkeiten habe, mit Worten unsere Erlebnisse und  Eindrücke wiederzugeben. Selbst der mittlerweile fertig gestellte Videofilm kann nie so schön  sein wie das Erlebnis afrikanische Wildnis selbst. In dem weitläufigen Schutzgebiet muss man trotz des überwiegend vorherrschenden  Kurzgrases die Augen sehr anstrengen, um Wildtiere zu entdecken. Schließlich halten sie sich  nicht unbedingt am Rande der Staubpiste auf, um auf neugierige Touristen zu warten. Nun ja,  ausgenommen vielleicht die Riesen-Trappe. In der Gluthitze von mindestens 50 °C lag sie  direkt am Wegrand, schnappte mit dem Schnabel nach kühlender Luft, rollte mit den Augen,  doch die Jeeps beachtete sie keineswegs. Die in Europa vorkommenden Großtrappen haben  normalerweise einen Fluchtabstand von 1 - 2, mindestens aber ½ km. Oftmals entdeckt man  nur weiße Köpfe im Gras. Nach einer Weile stand die Riesentrappe auf und marschierte auf  dem vor 3 Tagen abgebrannten Gras davon - und würdigte uns mit keinem Blick!  Nicht ganz so nah, aber doch nah genug, entdeckten wir zwei Löwen im kurzen Gras. Es waren mehr oder weniger die  markanten Köpfe, die uns auf sie aufmerksam machten. Mal kurz hoch geschaut - ach, nur ein paar Touristen, und wieder  hingelegt. Zum Liebesspiel kam unser Jeep leider zu spät (man hat es uns später erzählt). "Nein, ich fotografiere sie jetzt nicht",  sagte Adi in seinem Wiener Dialekt, "wir werden ja noch so viele Löwen sehen, und viel näher!" Wenn er sich da mal nicht  täuscht, denn bis zum South Luangwa NP in Zambia sollten es die einzigen Löwen unserer Tour gewesen sein. Aber die Strauße, etwas weiter entfernt, die haben wir beim Sex erwischt. Eigentlich sahen wir nur einen schaukelnden schwarzweißen Strauß, die  Flügel weit ausgebreitet. Ab und zu kam ein langer graubrauner Hals, ebenfalls schaukelnd, zum Vorschein. Die ganze  Zeremonie dauerte an die drei Minuten. Dann ließ das Männchen vom Weibchen ab und trabte genüsslich davon.  "Da ist ein Rhino", rief Ingrid, die ständig mit dem Fernglas im Anschlag auf der Suche nach Sensationen war. "Wo?" "Da hinten  am Horizont!" Mit dem Zoom der Videokamera konnte ich ganz weit hinten am Horizont, durch das Flimmern der Hitze  verschwommen, einen schwarzen Fleck erkennen. Man benötigt schon ein wenig Fantasie, um daraus ein Nashorn zu machen.  Doch wir hatten eben kein Glück, das Spitzlippennashorn aus der Nähe zu beobachten. Bei nur noch etwa 1 Dutzend Stück  braucht man sich da nicht zu wundern.  Der Picknickplatz befindet sich in der Nähe eines Sees. Die darin lebenden Flusspferde suchten gerade Abkühlung im Wasser  und kümmerten sich nicht um die vielen Touristen. Im Gegensatz zu den Schwarzmilanen. Die Greifvögel freuten sich auf die  über 100 Jeeps und 5 Mal so viele Menschen mit Brot und Gemüse in den Händen. Denn wenn man nicht vorsichtig ist, klauen  sich die Milane, im Sturzflug kommend, überaus geschickt Sandwich, Gurke oder Hühnerkeule, bevor man selbst mit der Hand  zum Mund gelangt. Hier gab es Toiletten - und sogar einen Wasserhahn, doch offenbar war das Wasser ausgegangen, denn der  Hahn blieb trocken...  Und nach dem ½ -Stündigen Mittagspäuschen setzten wir die Tour unter gleißendem Himmel  fort. Die meisten Tiere hatten irgendwo Schutz vor der glühenden Sonne gesucht. In einer  Sandhöhle, an der wir sicherlich schnell vorbeigefahren wären, würden wir allein hier  herumstöbern, hielt unser Guide an und wirbelte viel Staub hinter uns auf - zur Freude für den  nachfolgenden Jeep. In der kleinen Höhle, man glaubt es kaum, lag eine Familie Tüpfelhyänen  und ruhte sich aus. In der Nähe befindet sich der Lake Magadi (Sodasee). Dieser wirkte mehr  rosa als blau. Hier drängelten sich Hunderte von Flamingos Flügel an Flügel. Von einem  Geräusch, vielleicht aber auch aus Angst vor dem vorbeischleichenden Goldschakal, flüchteten  sie etwas weiter in Richtung Mitte des Salzsees. Plötzlich wurde es laut unter den Jeepfahrern.  Wir verstanden zwar kein Wort Suaheli, dachten uns aber, das etwas besonderes passiert sein  muss. Vielleicht ein Leopard, die man doch recht selten zu sehen bekommt? Unser Fahrer  startete durch und brauste über dem salzhaltigen Boden davon. Doch es handelte sich nur um  einen Jeep, der beim Durchfahren eines Baches stecken geblieben war und sich nicht aus eigener Kraft befreien konnte. Beim  Gas geben wühlten sich die Hinterräder nur noch weiter in den Schlamm. Ein anderer Jeep wollte helfen. Doch sind die  Touristenjeeps weder mit einer Seilwinde noch mit einem Abschleppseil ausgestattet. Also versuchte er es mit Schieben, was  sich als völlig unzureichend erwies. Erst die nachher herbeigerufenen Ranger hatten entsprechendes Werkzeug dabei und  konnten den Jeep aus seiner misslichen Lage befreien. Da waren wir aber schon wieder unterwegs und fanden uns mitten in einer Weißbartgnu-  Herde wieder. Beiderseits vom Fahrweg machten es sich die Tiere bequem. Und rührten sich  natürlich keinen Zentimeter von der Stelle. Schließlich waren sie hier die Herren im Hause.  Sollen doch die Zweibeiner sehen, wie sie weiter vorankommen. Ab und an tauchte ein  schwarz-weiß gestreiftes Zebra zwischen den schwarzen Gnus auf - ein toller Kontrast zum  gelbbraunen Kraterboden. Am, nein im Hippo-Pool war Action angesagt. Während auf der  immergrünen Wiese die Nimmersatte Nahrung suchten, vergnügten sich die Flusspferde in  ihrem Swimmingpool und spritzten sich das kühle Nass mit den Schwänzen auf die trockenen  Hautpartien. Ein Raunen und Staunen ging durch unsere Reihen: Ein Hippo nach dem  anderen drehte sich um die eigene Achse, die vier breiten Stamper dabei in die Luft gestreckt.  Und dann hörten wir wieder "Klatsch - klatsch - klatsch - klatsch" - das Bespritzen ging von  vorne los.  Wir sahen Gold- und Schabracken-Schakale, Tüpfelhyänen und verschiedenste Herdentiere, viele Vogelarten wie z. B.  Flamingos oder Kronenkraniche. Der Krater, stets gut bewässert, ist ein immergrüner Paradiesgarten für alle Tiere. Sie finden  hier einen überreichlich "gedeckten Tisch". Und dann, im etwas höheren Gras, entdeckten wir einen der "Big Five", den  Geparden. Offenbar befand er sich gerade auf der Jagd und fühlte sich durch uns ertappt oder beobachtet. Jedenfalls stand er  bald auf und blickte verunsichert in unsere Richtung. Angesichts der vielen neugierigen Touristen wurde nun nichts mehr aus  seinem Mittagsmahl, einer Antilope, die in unmittelbarer Umgebung graste und schnell die Flucht ergriff, als der Gepard sich  erhob. Majestätisch aufrecht saß er alsbald in der flimmernden Hitze, vom Staub der herbei eilenden Jeeps umgeben. Wir waren schon mehrere Stunden unterwegs, als uns plötzlich ein Elefant über den Weg lief. Nein, er lief nicht über den Weg, er  kam auf dem Weg auf uns zu. Ganz sachte hielt unser Jeep an, machte den Motor aus - und wartete ab. Immer näher kam der  Elefant. Anfangs standen wir beiden Ehepaare noch im Jeep, Bertram und Adi fotografierten, ich filmte. Einer nach dem anderen  rutschte langsam auf seinen Sitz hinunter. "Nicht fotografieren", warnte Ingrid sorgenvoll. Wir hatten schließlich keine Erfahrung  und wussten nicht, wie der Dickhäuter reagieren würde. "Komm runter", sagte Ingrid und zupfte mich am Ärmel an unten, als der  Elefant noch ganze 5 m von unserem Jeep entfernt war. Doch die Sorge war völlig unbegründet, denn er wollte ja nur an das  frische Gras, vor dem unser Jeep zum stehen gekommen war. Wegen des Hindernisses auf seinem Weg, bog er nach rechts -  von uns aus nach links - ab und ging wei-ter fressend davon, furzte lautstark und holte sich anschließend die köstlichen  Akazienschoten vom nahe gelegenen Baum. Herrlich! Es war einfach zu schön! Noch nie zuvor hatten wir einen Elefanten aus  einer derartig kurzen Entfernung gesehen - ohne Graben und Zaun davor.  Die Zeit war schon weit fortgeschritten, als wir uns zum Lerai-Wald zurückbegaben, um noch einmal kurz die Beine zu vertreten.  "Hast dich wohl doch nicht getraut, oben zu bleiben", neckte mich unsere Reiseleiterin, obwohl sie genau wusste, dass man sich  einem Elefant nicht zu sehr nähern sollte. Ja, hätten wir unser Erlebnis im South Luangwa NP ("Der Elefant und das große rote  Ungetüm") vorher gehabt, wäre ich sicherlich nicht im Fond des Wagen verschwunden, sondern mit der Kamera im Freien  geblieben. Als wir uns nach der steilen Ausfahrt aus dem Krater auf dem 30 km langen Rückweg zum Camp befanden, ließ uns der Reifen  vom rechten Hinterrad im Stich. Und dabei waren wir doch die ersten im Konvoi mit beträchtlichem Vorsprung vor den anderen  aus der Gruppe. Und Ingrid und ich freuten uns doch so sehr darauf, die ersten unter der Dusche zu sein. (Bei `zig Camp-  Besuchern und nur zwei Duschen ist das sehr vorteilhaft!). Auch wenn wir dann doch nicht die ersten waren, wir empfanden es  geradezu als Wonne, uns die mächtige Staubschicht des Tages von der Haut zu waschen. Copyright © 2003 Regine Werle. Alle Rechte vorbehalten 11. September 2002