SPANIEN
Zu Fuß durch Spaniens Hauptstadt - oder: Wie man aus der Not eine Tugend macht
6. - 25. Mai 2002

I. Die liebe Not mit dem Auto
II. Wie man mit dem Zug durch Spanien fährt
III. Madrid - Stadt der Superlative
III.1. Klima und Geschichte
III.2. Kriminalität
III.3. Zwei (?) Stunden im Museum
III.4. Parks und Gärten
III.5. Altstadt - das Königliche Madrid
III.6. Zoo/Aquarium
IV. El Pardo
V. Aranjuez
VI. Córdoba
VII. Sevilla
VIII. Anhang
VIII.1. Abkürzungen
VIII.2. Chronologischer Ablauf


I. Die liebe Not mit dem Auto

Montag, 6. Mai 2002: Endlich war es so weit - die lange geplante Andalusien-Tour konnte beginnen. Weil der geplante Sonntags-Bierkurs in March wider Erwarten doch noch mit gebuchten 6 Personen (von denen allerdings dann nur 4 kamen) stattfand und weil auch der VW-Bus wegen Leistungseinbruches in der Werkstatt war, musste ich die Abreise um eine Woche verschieben. Hoffentlich ist mit dem Ersatz-Motor, den ich erst im Januar einbauen ließ, alles in Ordnung!? Um 9.30 Uhr ging es los. Allerdings erst einmal Dia- und Video-Film-Nachschub beim Media-Markt in Bulach und dann noch einen neuen Ölmess-Stab bei VW-Stoppanski in Ettlingen kaufen. Über die Wintersdorfer Brücke erreichte ich Frankreich, wo ich beim riesigen Auchan in Illkirch Tank und 20-Liter-Reservekanister mit Diesel für 70 ct/l (12 ct billiger als in D) auffüllte. Um 11.45 Uhr verließ ich Strasbourg und fuhr hauptsächlich auf Nebenstrecken ohne viel (LKW-)Verkehr gen (Süd-)Westen über Colmar, Wittelsheim, Belfort, Vesoul, Auxonne, Nolay, Autun, Moulins bis Montmarault. Dort fuhr ich auf die Autobahn A-71 Orléans-Clermont-Ferrand, um bei der nächsten Rastanlage Allier/Saulzet, wo ich um 22.15 Uhr ankam, zu tanken und zu übernachten.

Dienstag, 7. Mai 2002: Um 6 Uhr setzte ich meine Tour fort, verließ die Maut-Autobahn bei der nächsten Abfahrt Montluçon wieder, umfuhr die Stadt und fuhr über Guéret, Bellac, Confolens, Angoulême, Bordeaux bis ich endlich gegen 11 Uhr die Kiefernwälder von Les Landes erreichte. Diese Gegend gefällt mir sehr gut und erst hier kommt auch immer Urlaubslaune auf nach der anstrengenden Fahrt Richtung Spanien. Es war allerdings noch ein ganzes Stück bis dorthin.
Und nun begann der VW-Bus wieder Ärger zu machen. Wieder rauchte es bei stärkerer Belastung schwarz aus dem Auspuff, und das, obwohl ich das Auto sehr schonte und nur Nebenstrecken nahm, wo ich mir keine Rennen mit LKWs liefern musste. Also beschloss ich, nun noch vorsichtiger zu fahren und plante etwas um. Eigentlich wollte ich über San Sebastián und Burgos nach Madrid fahren, und von dort weiter in den Süden. Die Extremsteigung von der Biscaya über das Kantabrische Gebirge zur Meseta erschien mir für mein Auto zu hart, weshalb ich einen anderen Weg nahm.
Über Mont-de-Marsan, Orthez und Oloron-Sainte-Marie steuerte ich den Pyrenäen-Pass Col du Somport [1.650 m NN] an, den ich gegen 21 Uhr kurz vor Einbruch der Dunkelheit überquerte. Der Bus hatte ganz schön zu schnaufen und schaffte die Steigung z. T. nur noch im 2. Gang! So steil war es aber gar nicht - mir schwante schon Übles. Direkt an der Grenze, schon in Spanien, liegt der Ski-Ort Cadanchú; der war jetzt im Mai noch ziemlich verschneit - es war ein besch... Frühjahr, nicht nur in Deutschland.
Bergab nach Jaca, das ich schon von meiner 1999er Tour kannte, und Sabiñánigo ging es wieder sehr gut und der Motor schien erholt. Allerdings musste ich nun noch die Pyrenäen-Vorbergkette Sierra de Guara im Pass Puerto de Monrepos [1.262 m NN] überqueren, dessen Steigung stärker ist als der eigentliche Pyrenäen-Pass Somport. Hier kam der Bus nun z. T. auch nur noch im 1. Gang hoch und ging mehrmals sogar aus. Es hatte also keinen Wert, so weiterzufahren. Ich beschloss, am nächsten Tag eine VW-Werkstatt aufzusuchen. An einer Schnellstraßen-Raststätte am Rande von Huesca legte ich um 22.30 Uhr erst mal eine Nachtruhe ein.

Mittwoch, 8. Mai 2002: Ich hatte superschlecht geschlafen und war schon um 4 Uhr wieder wach. Das Auto-Problem drängte und ich wollte so früh wie möglich Madrid erreichen, um dort eine Werkstatt aufzusuchen. Vorbei an Zaragoza nahm ich die Autovía N-II Richtung spanische Hauptstadt. Allerdings schon die erste leichte Steigung machte diesen Plan zunichte, da der Bus nicht mehr hoch kam. So fuhr ich nach Zaragoza zurück, suchte eine VW-Werkstatt und hatte auch Glück, recht schnell eine zu finden. Als sie endlich um 8 Uhr öffnete, wurde mir erklärt, mein Auto sei zu alt und man könne es deshalb nicht reparieren (Das war eine VW-Vertragswerkstatt!!). Der Werkstattmeister (im Anzug!) skizzierte mir den Weg zu einer vorgeblichen Spezial-Werkstatt, die so alte Autos machen könne. Mit viel Mühe fand ich sie auch - ausgeräumt und verlassen!
Nun hatte ich genug - ich beschloss auf Nebenstrecken nach Madrid weiterzufahren. Die Schnellstraße N-II verließ ich vor der ersten großen Steigung und fuhr entlang des Tales des Río Jalón Richtung Madrid. Es war eine wunderschöne Strecke über La Almunia, Saviñán, Calatayud, Alhama de Aragón, Arcos de Jalón, Medinaceli, Sigüenza, Jadraque, Guadalajara und Alcalá de Henares (für viele dieser Orte siehe Reisebericht 1999 Castilla-León). Der Bus hatte aber alle Mühe vorwärts zu kommen und gab nun auch schon bei kleineren Steigungen öfters den Geist auf.
In Sichtweite des Madrider Flughafens Barajas fand ich eine riesige VW-Werkstatt. Erleichtert, sie mit des Busses letzter Kraft erreicht zu haben, betrat ich die geheiligten Hallen - und wurde bitter enttäuscht: Ja natürlich könnte man mein Auto reparieren - Termin im Juni (wir hatten den 8. Mai!!!!!).
Entsetzt ob dieser aussichtslosen Lage rief ich den ADAC an. Dort versuchte man mir zu helfen. Sie machten eine VW-Werkstatt ausfindig, die bereit war sich das Auto vorzunehmen. Ausgestattet mit Adresse, Madrid-Stadtplan (den ich in weiser Voraussicht (?) dabei hatte) und letztem Lebenswillen des Busses erreichte ich diese dann auch - nahe des Atocha-Bahnhofes. Als man mein Auto sah, konnte man dort aber plötzlich keine VW-Busse reparieren - ich wurde zu einer weiteren Adresse geschickt. Aber auch dort Fehlanzeige! Jedoch hätte diese Firma eine Extra-Werkstatt für Nutzfahrzeuge etwas außerhalb im Industrie-Gebiet Vallecas. Ich fuhr hin und stellte mich zum Übernachten vor das Tor.

Donnerstag, 9. Mai 2002: Am Morgen um 8 Uhr wurde geöffnet und nach einigem guten Zureden schauten sich 3 (!) Mann den rauchenden und stotternden Motor an, um mir dann zu erklären, dass dies ein sehr großes internes Problem desselben sei und man so was leider nicht reparieren könne. Aber in der Nähe Richtung Süden an der Avenida de Andalucía sei eine Fachwerkstatt für Lieferwagen....
Ich klammerte mich auch noch an diesen Strohhalm und fuhr.. oder besser: kroch dorthin. Nach längerer Suche und Durchfragen (die Mercedes-Werkstatt direkt gegenüber kannte die Firma nicht??!!) fand ich den Laden - geschlossen! Heute war Fiesta de Getafe und das Industriegebiet gehört zu dieser Madrider Trabantenstadt Getafe und hatte deshalb auch Feiertag.
Nun war ich kurz vorm Nervenzusammenbruch! Ich rief abermals beim ADAC an, wo man mir wieder eine andere Werkstatt heraussuchte, diesmal keine von VW sondern eine Freie. Da ich es meinem Bus nun aber nicht mehr zumuten wollte noch weiterzufahren und vielleicht endgültig auf der Schnellstraße liegenzubleiben, bot der ADAC einen Abschleppwagen an. Der kam auch nach knapp 2 Std. und beförderte mich und den Bus in die Werkstatt Hermanos Martinez, C. Marina Vega 61, Barrio Zofio, Usera, 28026 Madrid. Die Straßen waren so eng, dass der Abschleppwagen teilweise nicht durchkam und entgegen der Einbahnrichtung wieder hinausfahren musste, aber letztendlich hat er es doch geschafft, den Bus vor der Werkstatt abzuladen.
Das war eine Werkstatt: Es gab hier alle Geräte - nicht mehr die Neuesten, aber gut in Schuss. Der Meister Julio und sein Geselle ? waren sehr nett und hilfsbereit. Sie hörten und schauten sich den Motor an und Julio hörte gleich den Ausfall eines Zylinders. Sie probierten dann den ganzen Tag herum, fanden aber keinen "einfachen" Fehler.

Puerta de Atocha Freitag, 10. Mai 2002: Nach dem Frühstück in einer Bar fuhr ich mit dem Bus No zum Atocha-Bahnhof und machte von dort eine ganztägige Riesen-Erkundungstour durch das gesamte Madrider Zentrum bis zur Plaza de España, zum Palacio Real und über die Plaza Mayor zurück zum Atocha-Bahnhof. Von dort gings per Bus zurück zur Werkstatt. Die beiden hatten auch heute nicht viel erreicht, aber immerhin konnte ich mit dem VW-Bus zum Atocha-Bahnhof fahren, um heute Abend Regine dort abzuholen. Bis zum Montag musste er allerdings wieder bei der Werkstatt sein; jedenfalls hatte ich es so mit Julio vereinbart.
Regine sollte gegen 23.15 Uhr ankommen - was auch klappte. (siehe "Wie man mit dem Zug durch Spanien fährt")

Samstag, 11. Mai 2002: Was tut man, wenn man notgedrungen mehrere Tage in einer Großstadt wie Madrid verweilen muss, von der man das Meiste schon gesehen hat? Erst einmal schlafen. Der Vortag war so anstrengend und das Wetter nicht gerade einladend. Um 8 Uhr zeigte das Thermometer nur 8 °C - eine unnormale Temperatur für Madrid im Mai! Wir frühstückten um 9.30 Uhr in einer Bar in der Nähe, als es anfing Bindfäden zu regnen. Doch der Guss verzog sich recht schnell. Dann begannen wir unseren ersten Stadtrundgang.

Werkstatt Hermanos Martinez Sonntag, 12. Mai 2002: Am Morgen wollten wir uns einen anderen Standplatz suchen, doch das Problem, wegen dem wir hier festsaßen, wurde noch schlimmer. Also entschlossen wir uns, zur Werkstatt zu fahren, wo wir am Montag sowieso sein müssten. Unterwegs kamen wir nur vorwärts, indem wir mit angezogener Handbremse fuhren. Ansonsten wären wir an jeder roten Ampel hängen geblieben. Ein Glück, dass neben der Werkstatt noch ein Platz frei war.
Ich legte mich anschließend bis 8 Uhr noch einmal hin. Als ich dann aufstand, hatten wir klaren Himmel, aber nur 8 °C. In einer der vielen Bars auf der C. Raffaela Ibarra frühstückten wir in Ruhe, bevor wir mit dem Bus No 6 in die Innenstadt fuhren. Da wir nun einmal die (notgedrungene) Gelegenheit hatten, noch mehr von Madrid zu sehen, als manch anderer Tourist, nutzten wir die Zeit, 2 weitere Museen anzuschauen...
Eigentlich wollten wir ja in der Innenstadt Mittagessen gehen. Aber das erwies sich als aussichtsloses Unterfangen. Erstens waren die Restaurants, Bars und Döner-Imbisse total überfüllt, und zweitens waren bei den von uns entdeckten Tagesmenüs für 6 oder 7 € übers Wochenende die Preise auf über 9 € hochgesetzt. Also verzichteten wir und fuhren zurück zum Auto. Wir entschlossen uns, in die Bar "El Mesón" essen zu gehen; wir standen direkt vor ihrer Tür. Hier bestellten wir eine wunderbare Paella und blieben bis 18 Uhr. Anschließend hielten wir Siesta bis 21 Uhr und gingen dann in eine weitere Bar einen trinken. Erst gegen 23 Uhr verschwanden wir in den Kojen.

Montag, 13. Mai 2002: Um 7 Uhr wachte ich später wieder auf. Das Wetter war klar, aber die Temperatur nur 11 °C. Nun, schließlich befinden wir uns auf 650 m NN. Wir begutachteten erst einmal den Einbruch-Schaden von der Nacht im "El Mesón" - offen stehende Türen und eiligst verlassene geknackte Automaten - und nahmen in einer Bar ein Frühstück. Dann räumten wir die Kisten in den Wohnraum des Busses und gaben Julio (El chefe) den Schlüssel. Dieser erwartete heute eine neue Einspritzpumpe und könnte sie dann gleich einbauen. Wenn es Probleme gäbe, sollte er uns übers Handy erreichen.
Wir beschlossen, den wunderschönen Tag zu nutzen und in den etwas außerhalb gelegenen Zoologischen Garten zu fahren...
Als wir um 17.30 Uhr zurück in der Werkstatt waren, erhielten wir eine schlechte Nachricht. Die von Julio besorgte Einspritzpumpe war noch defekter als unsere. Nun musste Bertram wieder mit dem ADAC in Barcelona telefonieren. Dieser versprach, eine Austauschpumpe zu besorgen und sich zu melden, wenn er eine hätte. Nun wollten wir den Abend wieder in einer Bar verbringen. Doch beim Aussteigen aus der hinteren Bustür landete ich auf dem Benzinkanister und riss mir Hose und Hintern auf. Das tat höllisch weh. Und bevor wir gehen, musste ich noch die Hose flicken. Vielleicht war das auch gut so, denn in dem Moment erhielten wir die Nachricht, dass der ADAC eine Pumpe in Barcelona gefunden hat und diese mit Kurier nach Madrid geschickt und am Mittwoch bei uns eintreffen würde. Doch am Mittwoch wird nichts gemacht, da ist hier Feiertag. Also frühestens Donnerstag. Wenn wir Pech haben, sitzen wir noch länger in Madrid fest. So wurde nun aus unserem ersehnten Andalusienurlaub eine Städtereise "x Tage Madrid".
Von 19 - 21 Uhr hielten wir uns in der "Cafetería" auf der Hauptstraße auf. In einer Zeitung lasen wir, dass morgen die ganze Region Madrid Sonne pur bekommen würde. Als wir zurückkehrten, war Julio mit seinen Leuten immer noch bei der Arbeit.

Dienstag, 14. Mai 2002: In dieser Nacht habe ich wunderschön geschlafen. Und die Nacht blieb ruhig, bis auf die Müllabfuhr, die hier nach Mitternacht die Tonnen leerte - und das täglich!!
Da heute mit unserem Auto nichts passierte, nutzten wir die Zeit für einen Ganztagesausflug nach Aranjuez...
Um 15.10 Uhr fuhren wir zurück, weil wir noch Brot kaufen und die Autobatterie mit Werkstattstrom laden wollten. Gegen 17 Uhr erreichten wir den Stadtteil Zófio, wo sich die Werkstadt befand. Im Auto war es elend heiß. Gegen 19.30 Uhr gingen wir wieder in eine Bar, tranken etwas und schauten den Stierkampfübertragungen aus der berühmten Arena "Las Ventas" hier in Madrid zu. Einerseits ist so ein Stierkampf ja interessant, aber andererseits auch eine ungeheure Tierquälerei. Der Stier wird mit Elektroschock wild gemacht und dann in das Rondell geschickt. Drei Toreros sorgen mit ihren pinkfarbenen Tüchern dafür, dass der Stier sich völlig verausgabt. Und wenn der Stier einmal auf sie zurennt, verstecken sich die Feiglinge hinter der Bande. Anschließend kommt ein Picadero in die Arena, der von seinem gepanzerten Pferd aus den Stier mehrfach mit einer Lanze in die Widerrist ansticht. Danach werden dem Stier durch einen Torero noch mehr Verletzungen zugefügt, indem er ihm mehrere Banderillas (bunt umwickelte Stecken) in den Rücken steckt. Völlig blutüberströmt wird der arme Stier, der zuvor 4 oder 5 Jahre ein herrliches Leben auf einer Dehesa verbringt, nun vom Matador mit einem roten Tuch gehetzt, bis er sehr schwer atmet und kaum noch Kraft hat. Daraufhin sticht ihm der Matador mit einem Degen ins Herz - der Stier verblutet langsam innerlich. Er steht nur noch da, wird teilweise von den Toreros noch hin und her gescheucht. Erst wenn er auf die Knie sinkt, erhält er den "Gnadenstoß", einen Stich in den obersten Halswirbel, worauf er endlich stirbt. Die 23.000 Zuschauer jubeln, der Matador lässt sich feiern und der tote Stier wird von 3 Pferden aus der Stierkampfarena gezogen. Manche Matadore sind richtige Stümper, die 3 oder 4 Anläufe brauchen, bevor sie dem Stier den Degen tödlich verpasst haben. Und wenn der "Gnadenstoß" ebenfalls 4 Anläufe benötigt, dann ist das eine enorme Tierquälerei.

Mittwoch, 15. Mai 2002: Diese Nacht habe ich nicht so gut geschlafen. Bei jedem Wackeln des Autos war ich munter. Vermutlich hatte ich Angst, dass die Einbrecher vom Montag wieder kommen könnten. Als wir um 8 Uhr aufstanden, war das Wetter richtig toll, das Thermometer zeigte schon 16 °C. Wir frühstückten wieder in einer Bar.
Heute wird am Auto auch nichts gemacht, denn der 15. Mai ist in der Stadt Madrid Feiertag. Also mussten wir den Tag irgendwie über die Runden bringen, und zwar mit Museum und einem weiteren Stadtrundgang)...
Im "El Mesón" herrschte am Abend schon richtige Fußballstimmung mit Schalmeiengetute und Real-Madrid-Hymne "Vaya Madrid", gesungen von Placido Domingo.
Wir verbrachten den Abend in der Bar "La Union" und sahen uns dort das Champions-League-Finale Real Madrid gegen Bayer Leverkusen an. Unserer Meinung nach (aber nicht weil wir Deutsche sind) lieferten die Deutschen das bessere Spiel. Fast die ganze Zeit über bewegten sich die Spieler in der Madrider Spielhälfte. Als nach 4 min durch einen Zufall das 1:0 für Madrid fiel, brüllte die ganze Bar. (Eigentlich hatten wir gehört, dass die Spanier für Leverkusen fiebern, da Real Madrid in Spanien genauso "beliebt" ist wie Bayern München in Deutschland. Doch um diese Stimmung einzufangen, befanden wir uns leider in der falschen Bar.) In der 14. min kassierte Real den Ausgleich. Danach griffen die Leverkusener immer wieder an, die Madrileños foulten und wirkten eher wie ein unkoordinierter Haufen denn eine Fußballmannschaft. In der 45. min schaffte der weltbeste (französisch-algerische!) Fußballer Zidane das Unmögliche, in der spanischen Presse als das "Tor eines Außerirdischen" bezeichnet. Irgendwie bekam er um die Ecke den Ball ins Tor. (Zidane selbst musste sich das Tor später 5 Mal anschauen, bevor er begriff, dass er es war, der es geschafft hatte!) Und wieder wackelte die Bar vor Gebrüll. In der zweiten Halbzeit spielte Madrid auf "Halten", während Leverkusen sich nicht geschlagen geben wollte und wieder das Spiel dominierte. Kurz vor Ende setzten sie noch den Torwart César außer Gefecht, doch es half nichts, denn der Ersatztorwart konnte vier Torchancen der Deutschen in den letzten vier Spielminuten vereiteln. Ihr könnt Euch nicht vorstellen, was nach Spielende hier in Madrid ablief. Uns taten die Ohren weh, man feierte, orderte Sekt, sprang auf die Tische - es waren teilweise auch primitive Chaoten in unserer Bar. Auf der Straße fuhren winkende und hupende Autokorsos vorbei. Die Fernsehübertragung von der Plaza de Cibeles zeigte ein völlig aufgelöstes Madrid. Später gab es noch Krawalle mit mehreren Verletzten und 6 Festnahmen. Ein Glück, dass wir uns außerhalb des Zentrums befanden. Als wir unsere Getränke zahlen wollten, bekam der Wirt, der uns immer für Franzosen gehalten hatte, mit, dass wir Deutsche waren. Er entschuldigte sich bei uns - vermutlich für die chaotische Freude - und spendierte uns zwei Bier vom Fass.
Die Nacht haben wir super geschlafen... (siehe "Kriminalität")
In den letzten 3 Jahren hatte sich in Madrid so einiges verändert. Besonders fiel uns auf, dass die Hundehäufchen auf den Fußwegen und Rasenflächen auf ein Minimum beschränkt wurden. Oft sieht man die Hundehalter mit Plastiktüten die Häufchen ihrer Lieblinge beseitigen. Vermutlich gibt es inzwischen hier ein entsprechendes Gesetz. Dann existieren neue Schilder "Fußgängerüberweg". Die Polizei ist mehr dahinterher, die Autofahrer dazu zu bringen, an diesen Überwegen und an Ampeln dafür zu sorgen, dass Fußgänger ungefährdet die Straße überqueren können.

Donnerstag, 16. Mai 2002: Von 8.30 - 9 Uhr frühstückten wir in der Bar "La Union" und lasen dabei die Zeitung. Wenn man der Wettervorhersage trauen darf, werden es trotz stärkerer Bewölkung heute 31 °C in Madrid. Als wir zurück zur Werkstatt kamen, war die für heute angekündigte Einspritzpumpe noch nicht da. Also räumten wir die Kisten nach vorne, um den Motorraum freizumachen, und gaben Julio die Autoschlüssel. Den Tag über standen wieder ein Museum und eine Sehenswürdigkeit auf dem Programm...
Als wir gegen 14 Uhr zurückkehrten, baute der aus Bulgarien stammende Mechaniker gerade die Einspritzpumpe ein. Im Stand funktionierte der Motor danach super, doch schon bei der ersten Testfahrt war an der ersten Ampel alles vorbei - das Problem kam wieder. So ging das noch drei Mal. Bertram meinte, der Motor laufe auch nicht rund, er holpere. Es wäre wohl ein Zylinder nicht in Ordnung. Nun wurde auch noch der Motor auseinander gebaut. Ich setzte mich derweil in eine Bar. Dann kam Bertram mit der äußerst schlechten Nachricht: der gesamte Zylinderkopf war defekt. Wenn wir damit weiterfahren würden, wäre der Motor bald ganz kaputt. Julio versuchte, einen gebrauchten Zylinderkopf zu finden, hatte aber kein Glück, auch der ADAC wollte sich melden, wenn er etwas gefunden hätte. Für uns hieß es nun endgültig: Urlaub adé. Es gab nun nur noch die eine Frage: Sehen, dass wir irgendwie nach Hause kommen würden. Also wird derjenige, der uns den Motor eingebaut hat, für die gesamten Kosten als Garantiefall aufkommen müssen. Ein Glück, dass seit Anfang diesen Jahres die Garantie auch auf Gebrauchtteile ausgedehnt wurde.
Der Bus wurde nun mit zerlegtem Motor auf die Straße geschoben, damit wir wieder etwas zum Schlafen hatten. Völlig appetitlos saßen wir anschließend in der Cafetería beim Stierkampf und aßen mehr aus Frust denn aus Hunger.

Freitag, 17. Mai 2002: Gegen 8 Uhr wachten wir auf und gingen erst gegen ½10 Uhr in eine Bar. Es trieb uns ja nichts, wir hatten alle Zeit der Welt. Über eine Std. hielten wir uns hier auf, dann gingen wir zum Auto zurück. Wir wollten nicht groß weggehen, weil wir auf den erlösenden Anruf vom ADAC warteten. Zuvor vergewisserte sich Bertram bei unserem Anwalt, dass es sich bei unserem Fall wirklich um einen Garantiefall handelt. Letztlich würde für die Rastatter Werkstatt der Rücktransport und eigenes Reparieren teurer werden als der Einbau hier. Tatsächlich rief der ADAC auch bei Julio in der Werkstatt an. Mit dem Ergebnis, dass in Spanien kein Ersatzteil zu finden sei. Bertram gab dann die verlangte Motornummer durch und der ADAC Barcelona das Anliegen weiter nach München. Wir vertrieben uns die Zeit mit Dösen, Laptop-Schreiben und Lesen. Kurz nach 14 Uhr erkundigte sich Bertram noch einmal beim ADAC, weil ja Montag in Deutschland Feiertag ist. Als sich dann München bei uns meldete, die niederschmetternde Nachricht: Man hätte einen Zylinderkopf bestellt, der würde aber frühestens am Dienstag hier eintreffen, wahrscheinlich erst gegen Ende nächster Woche. Na prima! Und was machen wir hier die ganze Zeit? Rumsitzen und Däumchendrehen!!!???
Gegen 15.30 Uhr fuhren wir zum Atocha-Bahnhof, weil wir beschlossen hatten, wenigstens das Wochenende nach Cordobá und Sevilla zu fahren...
Per Bus durch den Mega-Berufsverkehrsstau zum Auto zurückgekehrt, ging erst einmal ein Regenguss nieder. Während dieser Zeit packte ich ein paar Sachen fürs Wochenende zusammen, und Bertram döste auf dem Oberbett vor sich hin.
Abends setzten wir uns wieder in die Bar "Cafetería", wo man uns mittlerweile schon kannte.

Montag, 20. Mai 2002: Als wir um 13.20 Uhr wieder in Madrid ankamen, zeigte auch hier das Thermometer 35 °C in der Sonne. Im Auto hatten sich sogar 40 °C angestaut. Welche Aussichten für die nächste Zeit, die wir hier gefangen sind!!! Und in Deutschland ist Feiertag, weshalb unser Ersatzteil noch nicht auf der Reise ist. Nun gut, dann wird der Rest des Tages ein Faulenztag. Am Abend waren wir wieder in der Cafetería, wo man uns mittlerweile schon etwas nebenbei zukommen lässt - wir kommen ja nun schon ein paar Tage hierher. Meine Lieblings-Ración sind pikante Miesmuscheln, Mejillones. Sie sind drei Mal so groß wie die bei uns und werden kalt mit einer sauren Soße gereicht.

Dienstag, 21. Mai 2002: Es war schon 9.30 Uhr, als ich aufwachte; Bertram schaute gerade, was wir hier in Madrid noch machen könnten.
In der galizischen Bar "La Barca" frühstückten wir gerade, als der ADAC anrief und meinte, die Motornummer passe nicht zum Turbo-Bus. Wir zurück zur Werkstatt, die Kisten wieder nach vorn gestellt und der Mechaniker schaute noch einmal nach. Doch es stimmte: die Nummer begann mit JK und nicht mit JM wie für einen Turbo-Diesel üblich. Das hieß nichts anderes, als dass uns der Gauner in Rastatt einen falschen Motor eingebaut hatte. Und der schaffte natürlich die Belastung nicht. Unser Auto konnte also nichts dafür! Nun muss uns der ADAC einen falschen Zylinderkopf schicken, damit wir wenigstens nach Hause kommen; die Kosten für alles einschließlich eines passenden Motors werden wir dann - wenn nötig vor Gericht - als Regress fordern.
Da es nun schon fast Mittag war, beschlossen wir, ein weiteres Museum sowie den Botanischen Garten zu besuchen. Und wieder machten wir mit der spanischen Kriminalität Bekanntschaft...
Wieder beim Auto rief Bertram abermals beim ADAC an, weil wir den Tag über nichts mehr gehört haben. Nun erreichte er, dass der Zylinderkopf nach Madrid und nicht - wie normalerweise üblich - nach Barcelona geschickt wird. Uns würde deswegen noch ein Tag verloren gehen. Aber vom Flughafen müssen wir das Ersatzteil nun selbst abholen. Der ADAC erstattet Taxi-Kosten in Höhe von 78 €.
Der Abend gehörte wieder der Cafetería und einem Bierchen. Nun bekam ich die Muscheln schon umsonst dazu. Wahrscheinlich bin ich die einzige, die sie in Massen ist. Und wieder kam Stierkampf im Madrider Fernsehsender. Bis zum 13. Juni dauert die Saison; täglich 6 Stiere (4-5 Jahre, >500 kg) oder Novillos (2-3 Jahre, ca. 470 kg) und 3 Matadore. Beinahe hätte der Stier heute oder gestern geschafft, den Matador aufzuspießen. Ein Stier stolperte und legte sich dann auf alle viere, so nach dem Motto: Du kannst mich mal, ich will nicht mehr.

Mittwoch, 22. Mai 2002: Wieder schliefen wir bis 9 Uhr und frühstückten in der Eclair-Bar. Dann rief Bertram beim ADAC an, was nun werden würde. München hatte sich noch nicht gemeldet; dann erfuhren wir, irgendwann heute Abend geht das Ersatzteil auf die Reise. Die genauen Daten erhielte Barcelona erst nach 15 Uhr. Also Telefonat mit München-Ersatzteilversand. Die sagten, entweder mit Iberia 21.30 Uhr oder mit Lufthansa 22 Uhr wäre das Teil in Madrid. Barcelona gab erst nach 15 Uhr die genauen Daten durch. Also würde Bertram morgen früh den Zylinderkopf am Flughafen in Barajas abholen. Wir - und die Werkstatt auch - hoffen, dass das Auto dann morgen oder übermorgen fertig wird. Wir haben keine Lust, auch noch das kommende Wochenende hier zu verbringen. Und die Werkstatt schließt am Freitag Mittag, weil Julio zu einer Hochzeit eingeladen ist.
Nun hatten wir den ganzen Tag Zeit, wieder einen anderen Teil von Madrid zu erkunden. Mit Bus No 81 bis Plaza Eliptica, dann mit Metro No 6 bis Moncloa, dort umgestiegen in Überlandbus No 601. Dieser fuhr in ca. 10 - 15 min, teilweise auf der Autobahn, vorbei an dem wegen seiner Steineichen berühmten ehemaligen königlichen Wildpark, bis El Pardo... Mit dem Bus No 601 fuhren wir nach der Besichtigung nach Madrid zurück und begannen am Punkt Moncloa einen riesigen Spaziergang...
Anschließend ging es mit Bus No 6 und abermals ziemlich fußlahm wieder zurück zum Auto, wo wir uns eine Ruhepause gönnten.

Donnerstag, 23. Mai 2002: Schon um 6.30 Uhr machte sich Bertram auf den Weg zum Flughafen, um den Zylinderkopf abzuholen. Das dauerte letztlich so lange, dass der erst um 11.10 Uhr wieder zurück war. Er lieferte das Teil in der Werkstatt ab und wir gingen in eine Bar frühstücken. Es war die Bar, in der wir das Fußballspiel vor einer Woche gesehen haben; hier gibt es nämlich Weinbergschnecken in einer köstlichen Soße. Als wir zur Werkstatt zurück kamen, war unser Bus schon hineingeschoben worden und der Mechaniker gerade dabei, den Zylinderkopf zusammenzusetzen. Er war guter Dinge, meinte, heute Abend sei er fertig, der Bus. Wir waren etwas skeptisch, denn das hatte er schon drei Mal gesagt.
Wir fuhren nun wieder in die Stadt...
Gegen 18 Uhr kehrten wir zur Werkstatt zurück. Dort wurden unsere Hoffnungen jäh zerstört: der Zylinderkopf war der falsche. Er hatte ein Loch zuviel, wo das Kühlwasser herauslief. Der ganze Stress vom Morgen, die ganze Arbeit des Mechanikers umsonst! Wir waren total fertig. Nun bot uns der ADAC von sich aus einen Rücktransport des Autos nach Deutschland an, der zu Beginn wegen des Alters verweigert worden war. Und Bertram versuchte zu verhandeln, dass auch ich einen Rückflug vom ADAC spendiert bekomme, weil er weder Hotel, noch Mietauto, noch Taxi zum Flughafen in Anspruch genommen hatte. Ich hätte keine Lust, noch eine Woche allein hier rumzuhocken. Und mit Englisch komme ich nicht sehr weit, und mein Spanisch ist nicht so gut.
Das Auto wurde wieder auf die Straße geschoben, damit wir bis zu unserer Abreise noch drinnen schlafen könnten. Nächste Woche wird Julio es in seiner Werksatt aufbewahren, bis die Spedition kommt, die den Bus in den nächsten 14 Tagen nach Deutschland holt. Wir müssen nun noch eine Inventarliste machen und unsere Sachen, die wir zuhause brauchen, zusammenpacken. Ein Glück, dass ich den Trolly mitgenommen hatte.

Freitag, 24. Mai 2002: Wir schliefen erst einmal bis 9 Uhr, bevor wir in die Bar frühstücken gingen. Uns erwartete ja nichts mehr. Und gesehen hatten wir auch schon alles. Wir mussten nur noch auf unsere Flugnummer warten und unsere Sachen zusammenpacken. So hatte ich mir das Ende des - und überhaupt den gesamten - Urlaub nicht vorgestellt. Bertram sorgte noch dafür, dass Julio sein Geld erhielt und wir warteten auf die Daten für den Rückflug.
Gegen 13 Uhr fuhren wir noch einmal in die Stadt, um uns bei tollem Sommerwetter von Madrid zu verabschieden...
Plaza de Cibeles Gegen 16 Uhr marschierten wir über die Plaza de la Independencía und die Plaza de Cibeles zur Gran Vía, um in unserem Internetcafé die letzten Grüße loszuwerden. Von der Plaza J. Benavente aus fuhren wir mit dem Bus No 6 zurück in den Stadtteil Zofío, wo unser Bus stand. Freitag Abend erstickt Madrid im Verkehr. Wir brauchten für die Strecke fast 1 Std., knapp das Doppelte der normalen Fahrzeit. Busse stehen ja genauso im Stau wie alle anderen Fahrzeuge. Es ist katastrophal. Also, wer mal mit Auto unterwegs in Spanien ist: solltet Ihr Madrid besuchen, parkt außerhalb der Stadt und fahrt mit einer Cercanía oder Metro ins Stadtzentrum!
Am Abend gingen wir ein letztes Mal in unsere Cafetería "Vicentín", um Muscheln und andere Tapas zu essen. Als wir bezahlen wollten, bekamen wir noch zwei Cañas, Fassbier, auf Kosten des Hauses. Leider konnten wir Ihnen nicht sagen, dass wir nicht mehr kommen würden, als sich die beiden Besitzer von uns "bis morgen" verabschiedeten, um unser allein bleibendes Auto nicht zu gefährden.

Samstag, 25. Mai 2002: Wir ließen den Tag gemütlich angehen. Schließlich hatten wir bis zu unserem Abflug noch genügend Zeit. Wir überprüften, ob wir alle Wertsachen eingepackt hatten und erstellten noch eine Inventarliste vom Bus, die wir ins Handschuhfach legten, für den Fall, dass beim Rücktransport irgendetwas passiert. Gegen 13 Uhr brachen wir auf, den Schlüssel für's Auto warf Bertram in die Werkstatt. (Julio wollte den Bus am Montag in die Werkstatt rollen, wo der dann bis zur Abholung durch die Spedition bleiben würde. Jedenfalls sah es so aus, als würde das Auto nur vorübergehend verlassen sein. Mit dem Bus No 81, der Metro No 6 und No 8 ging's nun zum Flughafen. Samstags fuhren die Busse und Metros nicht so oft und außerdem Kurzzüge, sodass die Bahnen recht voll gewesen sind. Die Temperaturen lagen in Madrid wieder bei ca. 30 °C.
Am Flughafen Barajas holten wir uns am SWISS-Schalter unser elektronisches Ticket ab. Anschließend gaben wir unseren Trolly, der mehr als die zulässigen 6 kg wog, auf und verbrachten die letzten 2 Std. bis zum Abflug im Warteraum am Gate. Vorher riefen wir noch kurz in Dresden und Karlsruhe an.
Pünktlich um 17.05 Uhr verließen wir mit einem AirBus A320 der Fluggesellschaft SWISS (Flug-Nr. LX2023) das Gate und rollten zum Start. 7 Flugzeuge starteten noch vor uns, sodass wir erst um 17.25 Uhr in die Luft abhoben. Der Service bei SWISS ist gut und schnell (das Flugzeug war nur zu ¾ belegt), wir bekamen Erfrischungsgetränke und eine kalte Platte, kurz vor der Landung noch eine kleine Tafel Schweizer Schokolade. Bis zu den Pyrenäen war das Wetter und die Sicht noch super. Danach gab es fast nur noch dicke Wolken. Drüber hinaus lugten Mont Blanc und Matterhorn. Auch ein paar Seen waren gut zu erkennen. Wir flogen mit dem Wind, d. h. schneller als die zulässigen 850 km/h, und landeten dadurch bereits um 19 Uhr auf dem Züricher Flughafen, der zurzeit umgebaut wird. Die SWISS zeigt auf ihren Bildschirmen nicht nur die Fluglinie an, sondern auch eine Übersicht des Flughafens mit Ankunftsgate und Anschlussflügen. In Zürich waren es nur 10 °C.
Um 20.10 Uhr verließen wir den Flughafen in einer Embraer 145 (49 Sitze zzgl. 2+2 Crewmitglieder) der Billigfluglinie CROSS AIR (Flug-Nr. LX1080)in Richtung Frankfurt. Der Flieger war nur halb besetzt und daher auch nur 1 Stewardess an Bord. Kaum hatten wir die Flughöhe erreicht, bereitete die junge Frau die Getränke vor. Dazu gab es einen kleinen Imbiss in Form eines belegten Brötchens. Die Sicht war einigermaßen gut. Durch die Wolken lugten z. B. der Bodensee und die Stuttgarter Umgebung hervor.
Punkt 21 Uhr landeten wir in Frankfurt/Main. Es war ein langer Gang von der Busankunft Terminal 2 bis zur Gepäckausgabe. Da wir aus einem Nicht-EU-Staat kamen, mussten wir auch noch durch eine Passkontrolle. Mit dem neu eingerichteten Terminal 1 / Fernbahnhof - Terminal 2 - Bus fuhren wir zum Bahnhof. Dadurch spart man viel Zeit. Normalerweise müsste man mit der Sky-Line zum Terminal 1 fahren und dann noch ca. 15 - 20 min zum Bahnhof laufen. Dann hätten wir vielleicht den Zug nach Karlsruhe nicht geschafft.
So waren wir gegen 23.30 Uhr zuhause.
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II. Wie man mit dem Zug durch Spanien fährt

Freitag, 10. Mai 2002: Das Flugticket hatten wir schon Anfang April besorgt, da es um Himmelfahrt/Pfingsten herum schon so gut wie keine Flüge in Spaniens Süden mehr gab. Einen Flug nach und von Madrid schlugen wir aus, weil es von dort so weit bis Andalusien ist. Da blieb als einzige und günstige Alternative Jerez de la Frontera, an der Südküste in der Nähe der portugiesischen Grenze. Und ich freute mich so auf Andalusien, nachdem es im Mai 1999 wegen dem Werkstattaufenthalt in Tournus/Frankreich nicht geklappt hatte. Und nun erfuhr ich gestern am Telefon von Bertram, dass er nicht nach Jerez kommen kann, weil das Auto ein größeres Problem hat und die Teile erst Montag geliefert werden können. Ich war so deprimiert, das kann man sich gar nicht vorstellen! Jerez ist 590 Straßen-km von Madrid entfernt!!!
Wie komme ich nun nach Madrid? Den Charterflug umbuchen war nicht möglich - die Fluggesellschaft Hapag Lloyd wusste nicht, wie das geht und TUI, zu denen ich verbunden wurde, wollten mir höchstens ein neues Ticket verkaufen, da ich bei Alltours und nicht bei ihnen gebucht hatte. Da rief ich meine Schwester Katrin an, ob sie mir im Internet eine Zugverbindung von Jerez nach Madrid heraussuchen könne. Ich war ihr später sehr dankbar dafür, denn damit hatte ich keine Probleme bei der Verständigung.

Am Freitag Morgen überraschte mich Bertram im Tiefschlaf mit der freudigen Botschaft, für den 21-Uhr-AVE eine Reservierung besorgt zu haben. Da war ich etwas erleichtert und konnte erst einmal die Reise antreten.
Um 15.15 Uhr startete in Frankfurt/Main die voll besetzte Boeing 737/800 für ca. 2.000 km in Richtung Jerez, an Bord 184 Touristen, die sich auf ihren Urlaub in Andalusien freuten. Ich musste die ganze Zeit überlegen, wie würde wohl unser Urlaub nun aussehen? Würde ich den Zug nach Sevilla und vor allem den nach Madrid schaffen? Der Flug ging in ca. 10.000 m Höhe über Luxemburg, Pamplona, südlich von Madrid und Sevilla nach Jerez, wo wir kurz nach 18 Uhr bei stark bewölktem Himmel und 18 °C landeten.

Ich sprintete sofort zu den Taxen und sagte "Main Station". Daraufhin schauten mich die Fahrer an, als käme ich vom Mond. Erst auf mein "Estación de trenes" führte mich einer zu seinem Fahrzeug und brachte mich in ca. 25 min und für 10 € zum Bahnhof, mitten durch die für die Fería de Caballos abgesperrte Innenstadt. Hier waren viele Leute per Pferdekutsche und in Flamenco-Kleidung unterwegs. Schade, dass wir von der Fería nun nichts mitbekommen.
Am Bahnhofsschalter war ich froh, wenigstens ein bisschen Spanisch zu können - mit Englisch kommt man auch hier in Andalusien nicht sehr weit. Nach einem Kauderwelsch von spanischen, englischen und französischen Vokabeln - nach zwei Jahren waren meine Spanischkenntnisse etwas eingerostet - und dem Vorlegen meiner Zugverbindung sowie der Reservierungsnummer bekam ich mit Erfolg meine beiden Zugfahrkarten. Dabei schüttelte der Bahnangestellte mit dem Kopf, weil ich vorhatte, innerhalb von 8 min in Sevilla den Anschlusszug zu bekommen.
Um 19.41 Uhr fuhr der Andalucía-Exprés (Zug-Nr. AE 3015), von Cadíz kommend, pünktlich in Richtung Sevilla ab. Ein Ehepaar, das mit mir im Flieger saß, wollte auch nach Sevilla und meinte, dort sei ein Kopfbahnhof und die Rolltreppe zum Gleiswechsel an der Kopfseite. Daraufhin stiegen wir ganz vorne ein. Der kurz nach Abfahrt vorbeikommende Schaffner schüttelte auch den Kopf und meinte, mit Gepäck sei die Zeit viel zu knapp. (Ich habe bisher alle Anschlusszüge mit 8 min Umsteigezeit bekommen. Er ging vermutlich von der Gemütlichkeit der Spanier aus.) Und wieder nur Spanisch. Auf mein Englisch reagierte er nicht. Das einzige Wort, das ich richtig verstand, war "¿Comprende?" - Verstehen Sie? Trotzdem, immer die Haltestellenanzeige und die dahingleitende Zeit beobachtend, genoss ich die Fahrt durch die Weiten Andalusiens. Fast nur Felder, ab und zu eine Schafherde und einmal ein kurzer Stopp wegen einer Herde Ziegen auf den Gleisen.
Kurz vor Sevilla sagte mir der Schaffner, dass der AVE am Gleis 5 ankommen werde und dass ich ihm folgen solle. Ich wusste in diesem Moment nicht, was mich erwartete, warum ich ihm folgen sollte. Er führte mich in den hinteren Teil des ersten Wagens und ließ mich an der Station San Bernardo in den hinteren Wagen umsteigen. Ich hatte die Zuggröße mächtig unterschätzt. Auch in diesem Waggon lief ich bis ganz hinten. So war ich in Sevilla - Santa Justa um 20.55 Uhr ganz nah an der Rolltreppe. (Sevilla war seit der Expo 1992 kein Kopfbahnhof mehr.) Ich glaube, die Spanier haben noch nie jemanden so wetzen sehen. Innerhalb 1 min war ich von Gleis 10 am Gleis 5 (diese liegen nicht so weit auseinander wie z. B. in Frankfurt).
Völlig außer Atem stand ich am Kontrollzugang zum AVE (Zug-nr. AVE 9643). Aus Sicherheitsgründen werden die Tickets der ankommenden Passagiere registriert und das Gepäck gescannt - ähnlich wie am Flughafen. Mein Wagen Nr. 8 war glücklicherweise ganz hinten, sodass ich nicht mehr weit laufen musste. Der Zug war wirklich bis auf den letzten Platz ausgebucht. Danke, Bertram, für die Reservierung! Pünktlich um 21 Uhr verließen wir den Bahnhof in Sevilla, um in 2½ Std. die Strecke von ca. 400 km nach Madrid zu schaffen, nur ein Halt nach einer ¾ Std. in Córdoba war drin. AVE bedeutet "Vogel" und wie ein Vogel gleitet die TGV-Nachbildung durch die Landschaft. (Innen erinnerte mich der Zug an den ICE, nur etwas enger gebaut.) Fast die ganze Zeit habe ich geschlafen. Um 23.15 Uhr erreichten wir den Bahnhof Puerto de Atocha in Madrid, wo Bertram schon auf mich wartete. Den defekten Bus hatte er in der Nähe des Bahnhofes geparkt.

Fahrkartenverkauf in Spanien: "Der normale Ticketverkauf im Regional- und Fernverkehr beginnt erst 2 Std. bis ½ Std. vor Abfahrt. Vor den Schaltern bilden sich dann oft lange Schlangen. Der Vorverkauf (anticipada) erfolgt ..." [aus: Reiseführer Michael-Müller "Andalusien", 1999] nach einem Nummernsystem. Man zieht sich "su tourno", seine Nummer, und wartet manchmal über 1 Std., bis man an der Reihe ist. In Madrid gibt es dieses moderne Nummernsystem auch an den "intercipada"-Schaltern, den Schaltern für Verkauf am Abfahrtstag, wenn der Zug in mehr als 2 Std. abfährt.

Puerta de Atocha Freitag, 17. Mai 2002: Gegen 15.30 Uhr fuhren wir zum Atocha-Bahnhof, weil wir beschlossen hatten, wenigstens das Wochenende nach Cordobá zu fahren. Doch das Bahnpersonal streikte! Das hieß, seit 14 und noch bis 18 Uhr ging so gut wie gar nichts mehr, dann erst ab 22 - 6 Uhr. Es war nur ein Schalter geöffnet, für den man eine Nummer ziehen musste (siehe "Fahrkartenverkauf in Spanien"). Gerade war No 510 dran und wir hatten 578/579 gezogen!!! Das bedeutete, ca. 1½ Std. warten. Nun, Warten sind wir ja von diesem Urlaub schon gewöhnt. Gegen 17.45 Uhr öffnete ein weiterer Schalter und Punkt 18 Uhr ein dritter. Dann ging es relativ schnell, denn viele Menschen erschienen schon gar nicht mehr. Mit dem Talgo 200 werden wir morgen nach Andalusien fahren. Dieser Zug ist nicht so komfortabel wie der AVE, dafür aber mit 40 € um 20 € pro Nase billiger.

Samstag, 18. Mai 2002: Wir standen schon um 7.15 Uhr auf und fuhren bei schönem, aber noch kühlem Wetter zum Atocha-Bahnhof. Die Zeit bis zur Abfahrt unseres Zuges nutzten wir wieder zu einem 1,50-€-Frühstück in der nahen Bar. Um 9.32 Uhr verließ unser Talgo 200 in Richtung Málaga - dorthin wollten wir ursprünglich auch - Madrid. Eigentlich hatten wir zwei Gangplätze, doch eine russische Familie wollte zusammensitzen und durch den Tausch bekamen wir doch einen Fensterplatz. Mir gegenüber saß ein junger Mann in kurzen Hosen und Muskelshirt. Bestimmt fährt er nach Málaga, 4 Talgo-Std. von Madrid entfernt, zum Baden. Mit einem riesigen Badetuch schützte er sich vor der gut kühlenden Klimaanlage; wir hatten unsere Sweatshirts an. Es war schön, die Montes de Toledo wiederzusehen, auch wenn wir es uns nicht so vorgestellt hatten. Der Talgo hielt in Ciudad Real (siehe Reisebericht "Castilla-Leon", 1999) und Puertollano.
Um 11.32 Uhr erreichten wir Córdoba.

Sonntag, 19. Mai 2002: Mit 5 min Verspätung startete unser Andalucía-Exprés mit hoher Geschwindigkeit wackelnd in Richtung Cádiz. Wir nutzten diese Zugart nicht nur, weil sie wesentlich billiger ist als AVE oder Talgo, sondern weil wir die Landschaft genießen wollten. Der Zug hielt in Posadas (Temperaturanzeige im Zug: 19 °C), Palma del Río (21 °C), Peñaflor (21 °C) und Lora del Río (22 °C). Gegen 10.50 Uhr erreichten wir Sevilla...
Völlig fertig ... warteten wir abends auf den 18.46er Andalucía-Exprés in Richtung Jaén, um nach Córdoba zurück zu fahren. Der kam mit 10 min Verspätung, aus der ½ Std. wurde, weil wir noch auf Anschlussreisende warteten. Holpernd und fast aus den Gleisen springend holte der Zug später 10 min davon wieder auf. Trotzdem bekamen wir eine wunderschöne Landschaft zu sehen: Plantagen von Orangenbäumen, Orangenernte, einen Zitronenbaum, Spargel- und Maisfelder, noch nicht blühende Sonnenblumenfelder, Feigenbäume, Pfirsichplantagen, blühende und Früchte tragende Opuntienhecken, Agaven, Ziegenherden, den Guadalquivir; wir passierten - nah oder fern - die typischen weißen Dörfer Carmona und Peñaflor sowie die Festung Almodóvar del Río.
Gegen 20.30 Uhr erreichten wir wieder Córdoba. zum Anfang zurück

III. Madrid - Stadt der Superlative

III.1. Klima und Geschichte

Klima: "Die hohe Lage der Stadt verursacht starke Temperaturschwankungen, die täglich bis 17 °C betragen können... Die Sommer sind heiß (bis 43 °C), die Winter ziemlich kalt (bis -12 °C). Die ehedem als klar, wenn auch schneidend gerühmte Luft Madrids wird durch den nicht zu bändigenden Verkehr und Industrieemissionen mehr und mehr verschmutzt." [aus: Reiseführer Baedeker "Spanien", 1998]

Geschichte: Im 10. Jh. wurde an der Stelle des jetzigen Schlosses eine kleine maurische Stadt gegründet. 1103 eroberte Alfons VI. die Festung ‚Madschrít'. Um 1239 versammelte Ferdinand IV. die ersten Cortes in ‚Madrit'. Kaiser Karl V. ließ den alten Alcázar zum Stadtschloss umbauen. 1561 verlegte Philipp II. den Hof von Toledo endgültig nach Madrid. Im 18. Jh. wird unter den Bourbonen der Palacio Real errichtet, nachdem das Schloss abbrannte. Zu Beginn des 19. Jh. besetzten die Franzosen die Stadt und ließen mehrere Viertel niederreißen, um in der Stadt Platz zu schaffen. Am 2. Mai 1808 kam es zum Aufstand gegen die Franzosen. Ende des 19. Jh. stieg Madrid zur modernen Stadt auf. Am 14. April 1931 wird in Madrid wird die Republik proklamiert. Im Bürgerkrieg erfolgte eine schwere Belagerung durch die Franco-Truppen, der eine 2-Wöchige Schlacht im November 1936 folgte. Kapitulation am 28. März 1939 (Quelle: Reiseführer Baedeker "Spanien", 1998) zum Anfang zurück

III.2. Kriminalität

Samstag, 11. Mai 2002:Als wir gegen Mitternacht vom Inti-Illimani-Konzert wieder am Bus waren, schauten wir uns die gemachten Video-Aufnahmen vom heutigen Tag an. Offenbar sah und hörte man nichts von außen. Da wir unter einer Laterne standen, sahen wir um so besser, wer um unser Auto schlich. Plötzlich hörten wir etwas an der Fahrertür. Bertram sprang nach vorne und brüllte: ¿Que pasa? und erschreckte den Möchte-Gern-Einbrecher wahrscheinlich zu Tode. Der nahm die Füße in die Hand und sprintete davon. Wir überlegten, was ihn wohl dazu brachte, unsere alte Karre aufzubrechen, bis Bertram einfiel, dass die - leere - Fototasche auf dem Fahrersitz stand. Die Lehre: Selbst wenn man im Auto ist, sollte man nie etwas sichtbar liegen lassen!!! Gottseidank ist nichts passiert.

Montag, 13. Mai 2002: Etwa um 4.15 Uhr wachte ich - trotz Ohrstöpsel - auf und dachte, Bertram wäre draußen gewesen und hätte die Tür laut zugeschlagen. Doch den Lärm verursachten zwei Kerle, die gerade bei "El Mesón" die Tür mit einer Brechstange aufhebelten und anschließend die beiden Spielautomaten knackten und mit dem Kleingeld verschwanden. Alles war innerhalb von 2 - 3 min vorbei. Die Polizei konnten wir nicht anrufen, weil wir die entsprechende Nummer gar nicht wussten. Also beschlossen wir, von nichts zu wissen - die beiden waren sowieso schon über alle Berge. Trotzdem war mir später den ganzen Tag nicht so wohl, weil ich mir Gedanken darüber machte, ob wir nicht ein bisschen mit Schuld daran trügen, weil wir die Tür mit unserem Bus von anderen uneinsehbar gemacht haben. Doch Bertram meinte, das waren Professionelle, die wären so oder so gekommen.

Mittwoch, 15. Mai 2002: Die Nacht haben wir super geschlafen. Vielleicht auch deshalb, weil ich gesehen habe, dass der Wirt vom "El Mesón" seine neu installierten Spielautomaten über Nacht offen stehen ließ - wie manch andere Bar auch - um eventuellen Gaunern begreiflich zu machen, dass es hier nichts zu holen gibt.
In diesem Zusammenhang muss ich auch erwähnen, dass es in ganz Madrid keinen einzigen frei stehenden Automaten gibt, weder für Fahrscheine noch für Zigaretten. Sie würden wahrscheinlich jede Nacht aufgebrochen, um an das Kleingeld zu kommen. Maximal innerhalb von Bars oder Metrostationen sind derartige Automaten zu finden.

Dienstag, 21. Mai 2002: Nach dem Besuch des Botanischen Gartens wollten wir zur Plaza Puerta del Sol, um uns eine CD mit andalusischer Musik zu kaufen. Unterwegs dachten wir, in einer der einheimischen Bars ein paar Tapas zu essen. So gingen wir in die nur von Einheimischen gut besuchte Café Bar "Puerta Visagra". Wir tranken 2 Bier und aßen 2 Bocadillas Fleisch und Würstchen (diese Portionen sind kleiner als Raciones). Dafür verlangte der Wirt "Cuatorce Euros". Ehe wir begriffen, dass das ja 14 € hieß, hatten wir schon bezahlt. Bertram machte kehrt und wollte sich beschweren, doch der Wirt meinte, 6 € pro Portion seien normal. Dies ließen wir uns nicht bieten. Wir gingen zur nahe gelegenen Polizeistation, die aber nicht zuständig war. Wir waren bei der Policia Nacional gelandet und für solche Fälle ist die Policia Municipal (PM) zuständig. Doch wir erfuhren, dass es in jeder Bar eine Preisliste geben müsse - die in dieser Bar aber nicht aushing. Bertram ging nun noch einmal zur Bar; es gäbe keine Preisliste. Also drohten wir dem Wirt an zur Polizei zu gehen. Er glaubte uns nicht. Wir liefen nun zur Plaza Puerta del Sol, doch dort gab es keine PM. Also riefen wir sie per Telefon (092) und gingen zur Bar zurück. Der Wirt hatte mittlerweile die Bar vorübergehend geschlossen. Als die Polizistin die Preisliste verlangte, musste der Wirt diese erst suchen und entstauben. Auf die Frage, warum diese nicht aushängt, konnte er nichts sagen. Wir schrieben nun eine Reklamation (Hoja de reclamación), die an die spanische Handelskammer gehen und wo man die Preise prüfen und ggf. erstatten würde. Dann sagte Bertram, wenn der Wirt uns die Hälfte des bezahlten Betrages sofort zurückerstatten würde, sähen wir von der Anzeige ab. Ihr wisst gar nicht, wie schnell die Kasse offen war und er uns das Geld gab! Die Polizistin vermerkte nun auf dem Formular, dass sich beide Parteien geeinigt hätten - sonst könnte die Polizei noch als korrupt gelten - und ließ beide Parteien unterzeichnen. Wir waren zufrieden, und bevor wir die Bar verließen, sahen wir noch, wie der Wirt seinen Personalausweis zückte und die Polizistin einen weiteren Zettel schrieb. Er bekommt nun wahrscheinlich ein Buß- oder Ordnungsgeld aufgebrummt, weil seine Preisliste nicht offen aushing. Und wir sind aus diesem Vorfall auch schlauer geworden: In Zukunft werden wir uns vorher nach der Preisliste für Tapas (lista de tapas) umsehen bzw. danach fragen. Und wenn wir keine sehen, dann gehen wir eben nicht in diese Bar. Eins ist jedoch sicher: Wenn man kein Spanisch kann, kann man sich auch nicht mit der PM verständigen. Der den Anruf Entgegennehmende sprach nur spanisch. Und der Polizist konnte nur ein bisschen englisch. Deshalb, Leute, seid Ihr mal in Spanien, denkt an das, was wir hier geschrieben haben: Preise ansehen!!!
Nun setzten kehrten wir zur Plaza Puerta del Sol zurück, erledigten unseren Einkauf, kehrten noch kurz ins Internetcafé "Telefónica" ein. Hier arbeitet man übrigens mit USER ID und Passwort. Wenn man die bezahlte Std. nicht voll aufbraucht, kann man noch einmal wiederkommen und den Rest nutzen. zum Anfang zurück

III.3. Zwei (?) Stunden im Museum

Sonntag, 12. Mai 2002:Den Prado hatten wir ja bereits vor 3 Jahren gesehen. Zu Fuß marschierten wir die ca. 2 km zum Archäologischen Museum. Unterwegs kamen wir an einem Brunnen vorbei, der über das neue Kulturzentrum mit einer solchen Lautstärke dahinbraust, dass man sein eigenes Wort nicht mehr versteht, wenn man sich dort unten befindet.
Museo de Arqueológico Nacional Das Museo Arqueológico Nacional (Archäologisches Nationalmuseum) gilt nach dem Prado als wichtigstes Museum und hat Sonntags freien Eintritt. So sparten wir 3,01 € pro Person. (Das kommt daher, dass die Spanier ihre Peseten-Preise Cent-genau umgerechnet haben.) Das Museum wurde 1867 gegründet und 1895 im Gebäude der Nationalbibliothek eingerichtet. Wir besuchten zunächst die Säle 2 - 18 im Untergeschoss, die die Iberische Frühgeschichte darstellen und Funde aus Spanien, Nordafrika, Ägypten und dem Nahen Osten, aus Italien sowie eine hervorragende Sammlung griechischer Vasen zeigen. Anschließend wagten wir noch einen Blick in die Säle 19 und 20 im Erdgeschoss. In letzterem steht die Dame von Elche, die weltbekannte, aus dem 3. oder 4. Jh. v.d.Z. stammende Kalksteinbüste einer reich geschmückten Frau. Sie ist das Paradestück des iberischen, vorrömischen Spanien. Die Büste wurde 1897 bei der iberischen Siedlung Illici gefunden. Ganze 2 Std. hielten wir uns hier auf. Zuletzt besichtigten wir noch die getreue Nachbildung der Höhlenmalereien von Altamira unter dem Garten des Museums.
Nun marschierten wir weiter zum Museo Thyssen-Bornemisza an der Plaza de Cánovas del Castillo. Die seit Herbst 1992 hier ausgestellten Kunstwerke, rund 800, wurden von der Familie Thyssen-Bornemisza im Laufe von 2 Generationen zusammengetragen, von denen der spanische Staat erst im Juli 1993 den wichtigsten Teil erwarb. Hier zahlten wir 4,80 € Eintritt. In dem früheren Adelspalast Villahermosa, Ende 18./Anfang 19. Jh., der durch eine Renovierung seiner musealen Funktion angepasst wurde,

"sind auf einzigartige Weise Impressionisten und Surrealisten, Monet, Manet, Degas, Renoir und Pissarro, Dalí, Margritte, Max Ernst und Tanguy neben Braque, Picasso, deutschen Expressionisten, russischer Avantgarde und amerikanischer Moderne" [aus: Reiseführer MarcoPolo "Madrid", 1999]

vereint. Der Rundgang, sofern man im 2. Stockwerk beginnt, offenbart sich als historischer Rundgang. Im 2. Stock findet man u. a. Renaissance und Klassizismus, venezianische Schule des 18. Jh. oder auch flämische und deutsche Schule. In der Abteilung "Porträtmalerei/Frührenaissance" entdeckten wir u. a. "Heinrich VIII" von Hans Holbein, in der Abteilung "Deutsche Malerei des 16. Jh." Werke von Dürer und Lukas Cranach d.Ä. Im 1. Stock hängen u. a. Bilder der Expressionisten Emil Nolde, Franz Marc und Karl Hubbuch (Letzter aus Karlsruhe!). Die "Experimentelle Avantgarde" zeigt mehrere Kunstwerke von Picasso. Ganz besonders gefreut habe ich mich, als wir in der Abteilung "Synthese der modernen Kunst (Europa)" zwei bekannte Werke von Marc Chagall entdeckten: "The Madonna of the Village" (1938-42) und "The House in Grey" (1917). An einigen Stellen hingen nur Fotos der Bilder, die gerade an andere Museen und Ausstellungen ausgeliehen waren. In einigen Fällen wird die vorübergehende Abwesenheit durch andere Werke aus dem Museum selbst oder großzügige Leihgaben der Barone Thyssen-Bornemisza aus ihrer Privatsammlung ersetzt. In diesem Museum blieben wir 2½ Std. bis 15.45 Uhr - und trafen auch noch den jungen Mechaniker aus der Werkstatt.

Mittwoch, 15. Mai 2002: Mit dem Bus No 81 fuhren wir bis Oporto und von dort mit der Metro No 6, auch Circular genannt, bis zur Plaza Argentina. Von hier aus war es nicht sehr weit bis zum Museo Nacional de Ciencias Naturales, das wir uns ansehen wollten. Es ist unterteilt in einen biologischen und einen geologischen Teil. Im biologischen Teil findet man diverse ausgestopfte Tierarten aus verschiedenen Jahrhunderten sowie ein Königliches Kuriositätenkabinett. Hier wird gezeigt, wie man im 17./18. Jh. forschte und konservierte. Die naturwissenschaftliche Sammlung geht auf Karl III. zurück. Der Stolz des Hauses sind seine Dinosaurier, die sich im geologischen Teil des Museums befinden. So z. B. das Skelett eines Diplodocus oder das eines Flugsauriers, ein paar Knochen an einem Modell eines Riesenelefanten. Besonders interessant ist das Skelett eines blattfressenden Riesenfaultiers (Megatherium americanum) aus dem Pleistozän, das 1788 im argentinischen Luján gefunden wurde. Das Lebewesen war ca. 1,80 m groß. Uns hat sehr gut gefallen, wie anhand unzähliger Schautafeln und Funden die Entwicklung der Pflanzen- und Tierwelt dargestellt wurde. Wusstet Ihr z. B., dass die Ursprünge der Menschheit in Afrika liegen? Der Homo sapiens entwickelte sich aus einem Menschen, der seine Wurzeln in Zentralafrika hatte. Die Schwarz-Afrikaner sehen diesem Urahn heute noch ähnlich: vorgewölbte Stirn, breite Nase, wulstige Lippen...

Donnerstag, 16. Mai 2002: Um 9.30 Uhr begaben wir uns mit Bus und Metro in Richtung Moncloa. Hier befindet sich das Museo de América, das wir uns für heute vorgenommen haben - ich glaube, ich kann die nächsten 2 Jahre keine Museen mehr sehen! In diesem Museum hat man versucht, das vorkolumbianische Amerika in Ethnographie und künstlerischen Zeugnissen ebenso darzustellen wie die spanische Verwaltung mit Dokumenten, Karten und dem Gesetzeswerk der "Leyes de Indias". Erst 1965 wurde das Museum eröffnet. Seine Sammlung geht aber auf Kardinal Cisneros (15. Jh.) zurück. In einem aus Konservierungsgründen abgedunkelten Kabinett im ersten Stock findet man all die Sachen, die in der damaligen Zeit gefunden und museal zusammen gestellt wurden, teilweise sind die einzelnen Exponate hinter Rauchglasscheiben eines massiven Holzschranks noch mit Originalbeschriftungen versehen. Im zweiten Stock findet man u. a. eine Nachbildung des berühmten Goldschatzes der Quimbaya-Indios, eine "Madrid-Relief" genannte Grabplatte aus der Blütezeit der Maya-Kultur sowie den "Tro-Cortesianische Kodex". Das ist ein aus zwei Teilen zusammengesetztes Maya-Faltbuch mit den auf Baumrinde gemalten Hieroglyphen ihres Kalenders und der figürlichen Darstellung von Alltag und Riten. Überall im Museum findet man - den entsprechenden Kategorien zugeordnet - Keramik aus Chimú-, Mochica- und Nazca-Kultur, wie wir sie schon aus Perú kennen. In vielen Schaubildern werden die Besiedelungen und Eroberungen Amerikas und auch Columbus' 4 Reisen anschaulich dargestellt. Besonders beeindruckt waren wir von der hier ausgestellten Mumie der Paracas-Kultur und eines ihrer riesigen kostbaren Mäntel. (Details siehe Reisebericht "Südamerika", 2001)

Dienstag, 21. Mai 2002: Da es nun schon fast Mittag war, beschlossen wir, das Museo Nacional de Etnología (Ethnologisches und Antropologisches Museum) in der Nähe vom Atocha-Bahnhof zu besuchen. Hier findet man völkerkundliches aus aller Welt, unterteilt nach Kontinenten. So kann man u. a. maurische Schwerter, thailändische Buddhas und afrikanische Masken besichtigen. Zurzeit gibt es hier eine Ausstellung Arte "Plumario" Amazónico, wo u. a. verschiedene Federschmuckarbeiten aus dem Amazonasgebiet zu sehen sind. Im anthropologischen Teil des Museums gibt es hauptsächlich Schädel und Skelette zu sehen. Dann lag in einem Schaukasten eine Mumie, die man auf den Kanarischen Inseln gefunden hat. Besonderheit ist das Skelett eines 26-Jährigen aus dem 19. Jh. aus der Provinz Badajoz, der 2,35 m groß war. Dieser Mann war Attraktion in einem Zirkus; dann lernte ihn Dr. Velasco kennen und kaufte ihm für 3.000 Pts. sein Skelett ab. Bei dessen Konservierung verlor die Größe 10 cm. zum Anfang zurück

III.4. Parks und Gärten

Jardín Botánico Dienstag, 21. Mai 2002: Nach dem Museum besuchten wir den Jardín Botánico. Der Garten wurde 1755 auf Geheiß des Königs Ferdinand VI. angelegt. Er zeigt Gartenpflanzen, Heilpflanzen, alte Rosensorten, Duftpflanzen und essbare Pflanzen, Pflanzen aus Spanien und Portugal sowie Amerika uns Australien. Dann gibt es eine Botanische Abteilung, wo Pflanzen systematisch nach Familien und Abstammung um 12 Springbrunnen angeordnet sind. Die dritte Abteilung präsentiert die verschiedensten Sträucher und Bäume.

Parque del Retiro Freitag, 24. Mai 2002: Es wurde ein ausgedehnter Spaziergang im Parque del Retiro, den wir vor drei Jahren mehr im Regen kennen gelernt hatten. Der Park wurde als königlicher Park und Schauplatz glanzvoller Feste 1632 vom Herzog von Olivares an Philipp IV. übergeben. Nachdem im 18. Jh. Teile für das Publikum geöffnet worden sind, ging er 1869 ganz an die Stadt über. Seither ist er ein beliebtes Erholungsgebiet für die Madrileños. Auch wir fanden hier Caféterrassen, Brunnen, Denkmäler, einen Kristallpalast und den großen Bootsteich, Mittelpunkt des Parks. An diesem befindet sich ein eindrucksvolles Reiterdenkmal für Alfons XII. Allerdings lungerten hier auch etliche Schwarzafrikaner-Grüppchen herum, die Vorbeigehenden (auch uns) Hasch und andere Drogen anboten. zum Anfang zurück

III.5. Altstadt - das Königliche Madrid

Atocha-Bahnhof Samstag, 11. Mai 2002: Erste Station war der Atocha-Bahnhof, den wir schon 3 Jahre zuvor kurz gesehen hatten. Die Umgestaltung zum Palmengarten war mittlerweile fertig und man fühlt sich für kurze Zeit in den Dschungel versetzt. Von hier riefen wir kurz in Dresden an, damit Regine's Eltern wussten, dass ihre Tochter gut angekommen ist.
Von hier aus unternahmen wir einen großen Spaziergang, um noch einige Plätze zu sehen, die wir damals nicht geschafft haben. Zunächst liefen wir die C. de Santa Isabella hinauf, vorbei am Centro de Arte Reina Sofía bis zum Mercado. Hier herrschte geschäftiges Treiben. Es gab fast mehr Fischstände mit Hecht, Aal, Calamaris, Pulpo und anderen Meerestieren sowie Fleischstände als Obst und Gemüse. Die begrünte Plaza Santa Ana mit dem Calderón-Denkmal wurde gerade umgebaut, sodass dort gerade keine "anheimelnde" Atmosphäre herrschte, wie wir sie vor 3 Jahren kennen gelernt haben. Vermutlich errichtet man hier eine neue Tiefgarage, denn Madrid erstickt in parkenden und fahrenden Autos. Plaza del Sol: Nullpunkt Die Plaza Puerta del Sol kannten wir zwar auch schon, aber es war doch schön, mal wieder hier zu sein. Nur der Null-Punkt, wo die 6 wichtigsten Nationalstraßen von Spanien zusammenlaufen, war etwas herunter getreten, aber noch zu erkennen. Wir suchten ein Internet-Café auf - mit 1 € / ¼ Std. leider das Teuerste im Umkreis, wie wir später feststellten. Durch die Fußgängerzone und über die Plaza de Callao gelangten wir zur Avenida Gran Vía Gran Vía. Diese Straße wurde nach umfangreichen Abbrucharbeiten eines alten engen Stadtviertels 1910 begonnen. Damit gab sich Madrid zu Beginn des 20. Jh. einen kosmopolitischen Anstrich. Zwar ist die "Große Straße":

"nicht mehr das wichtigste Geschäftsviertel, aber noch immer reiht sich Kino an Kino, Café an Café und die pompösen Fassaden einer nachgeholten Gründerzeit sind durch Patina schon fast schön geworden." [aus: Reiseführer MarcoPolo "Madrid", 1999]

Im ersten Abschnitt von der C. de Alcalá bis zur Red de San Luis zeigt sie noch den Charakter aus dem 19. Jh. Geht man die Straße weiter über die Plaza de Callao bis zu Plaza de España, wird die Gran Vía amerikanisch. Hier steht u. a. die Plaza de España: Edificio de España mit Cervantes-Denkmal Telefónica, der 1929 fertig gestellte erste Wolkenkratzer Madrids, der lange Zeit Wahrzeichen des Fortschritts war.
Am Ende der verkehrsreichen Gran Vía befindet sich die Plaza de España, aufgrund ihrer zentralen Lage ein beliebter Treffpunkt heimischer und ausländischer Jugend vor abendlichen Streifzügen. Wir nutzten hier die ersten warmen Sonnenstrahlen zum Ausruhen. Das riesige Cervantes-Denkmal im Park wird der Bedeutung des Dichters nicht gerecht. Zusammen mit seinen Romanhelden Don Quichote und Sancho Pansa blickt er, in Stein gemeißelt, von einem Sockel in Richtung Mancha. Dahinter türmt sich an der Ostseite des Platzes das wuchtige, in der Gigantonomie des Franco-Regimes erbaute, Edificio de España in die Höhe. Das Gebäude ist 107 m hoch und beherbergt in 96 m Höhe sogar ein Schwimmbaad. Im Westen steht der 124 m hohe Torre de Madrid, Wohn- und Geschäftshaus. Beide Gebäude waren in den 50er Jahren des 20. Jh. die höchsten Gebäude der Welt.
Nun führte uns der Rundgang vorbei am Palacio Real (siehe Reisebericht "Castilla - La Mancha", 1999), über die Plaza de la Villa, einer der schönsten Plätze der Altstadt, mit dem Casa del Ayuntamiento (Rathaus) und die Plaza de la Puerta Cerrada zur autofreien Plaza Mayor. Plaza Mayor: Ayuntamiento Die Plaza wurde 1619 auf Plänen von Herrera basierend vollendet. Man nutzte sie vielfach zu Festlichkeiten, Turnieren, Pferderennen und Stierkämpfen, aber auch zu Hinrichtungen. In der Mitte befindet sich das Reiterstandbild Philipps III. Wie auch vor 3 Jahren tummelten sich hier auf der Plaza Mayor die meisten Menschen. Die Arkadencafés und -bars waren gut gefüllt und die Plaza diesmal mit einer Bühne verbaut. Grund ist die Fiesta San Isidro 2002, die vom 9. - 19. Mai andauert. San Isidro ist der Stadtpatron von Madrid. Wir sahen ein Veranstaltungstransparent und entdeckten darauf, dass heute Abend auf der Plaza Mayor Inti Illimani spielen sollten. Wir beschlossen, am Abend wiederzukommen.
Jetzt hatten wir aber genug und begaben uns über die C. de Atocha wieder zum Bus zurück. Von 15 - 17 Uhr hielten wir Siesta und wurden vom Regen geweckt. Aber bis 19 Uhr hatte sich die Wolke verzogen und die Sonne kam wieder durch.
Vorsichtshalber nahmen wir aber den großen grünen Schirm mit, dazu eine Flasche Wasser, dicke Jacken und eine Matte zum Hinsetzen. Wir ergatterten einen guten Platz am Laternensockel auf der Plaza Mayor. Von hier aus konnten wir das Aufblasen eines Heißluftballons beobachten, der dann längere Zeit ca. 2 m über der Plaza schwebte. Um 21 Uhr begann das wunderschöne Konzert. Es war kaum zu glauben: die gesamte Plaza Mayor war voller Menschen, ganz vorne natürlich die jubelnden Fans. Das Wetter spielte auch gut mit, zum Schluss hatten wir klaren Himmel. Dazu die beleuchtete Plaza - ein wunderschönes Bild.

Azca Mittwoch, 15. Mai 2002: Nach zwei Std. Museum spazierten wir den Paseo de la Castellana entlang, um uns das in der Nähe befindliche Stadtviertel Azca anzusehen. 204 ha

"mit Bank- und Bürogiganten, Wohntürmen, belebten Fußgängerzonen, einem Straßennetz auf drei unterirdischen Ebenen und oder Verlassenheit nach Büroschluss" [aus: Reiseführer MarcoPolo "Madrid", 1999]

kennzeichnen Madrids Manhattan. Nur an einem Feiertag wie heute ist tote Hose, kaum Fußgänger unterwegs und die Geschäfte geschlossen. Das Viertel wurde 1954 - 1964 als Einkaufs- und Bürozentrum errichtet. Hervorstechend steht in der Mitte das blendendweiße Rechteck des Torre de Picasso von Minoru Yamasaki, mit 155 m das höchste Gebäude Spaniens. Daneben befindet sich der gläserne, mehrfach geschwungene, 113 m hohe Torre de Europa (1987) mit einem Restaurant und Fitnesscenter in schwindelnder Höhe. Interessant präsentiert sich das schlichte Glasviereck der Bank BBV von Francisco Javier Saenez de Oiza mit umlaufenden Sonnenblenden über jedem der 30 Geschosse.
Azca: Estadio Santiago de Bernabéu An der gegenüber liegenden Seite des Paseo de Castellana steht die "Betonschüssel" des Estadio Santiago de Bernabéu, wo der Fußballclub Real Madrid zu Hause ist und wo sich bereits einige Fans wegen des heute Abend in Glasgow stattfindenden Champions-League-Finale eingefunden haben.
Mit der Metro Circular ging es nun zurück ins Stadtzentrum bis zur Station Tribunal, von wo aus wir in Richtung Gran Vía liefen und uns unterwegs in einem Kurden-Restaurant einen Hammelfleisch-Döner schmecken ließen. Von einem Internetcafé schickten wir Grüße an alle zu Hause Gebliebenen und marschierten zur Plaza Major. Dort war gerade keine Veranstaltung - die Trachtenshow um 11 Uhr hatten wir verpasst und es sollte erst in 1½ Std. weitergehen. Da es sehr schwül war und uns die Füße vom Laufen schmerzten, beschlossen wir zum Bus zurückzukehren.

Arco de Victoria mit Mirador del Faro de Madrid Donnerstag, 16. Mai 2002: Ganze 2 Std. benötigten wir für unseren Rundgang durch das Museo de América. Anschließend besuchten wir den noch in keinem unserer Reiseführer stehenden und noch nicht so lange existierenden Mirador del Faro de Madrid für 1 €. Mit einem Panorama-Lift mit Blick auf den Arco de Victoria gelangt man binnen kurzer Zeit nach oben. Leider gibt es die Aussicht auf Spaniens Hauptstadt nur durch eine Glasscheibe, die auch noch von vielen Längsstreben durchbrochen ist. Läge die Aussichtsplattform im Freien, wären wir sicherlich nicht so sehr enttäuscht gewesen; trotzdem hatte sich der Ausflug gelohnt.

Pantheón de Goya Mittwoch, 22. Mai 2002: Mit dem Bus No 601 fuhren wir von El Pardo wir nach Madrid zurück und begannen am Punkt Moncloa einen riesigen Spaziergang entlang des Flusses Manzanares. Eigentlich wollten wir das Pantheón de Goya besuchen, das sich in der Ermita de San Antonio de la Florida befindet. Goyas Kuppelfresken in der Ermita sind nämlich eine Kostbarkeit.

"Darin vereinigen sich der sozialkritische Goya der Zeichnungen und Radierungen und der Goya der exquisiten Palette mit herrlichen Blau- und Ockertönen. Für ‚Die wunderbare Erscheinung des heiligen Antonius in Lissabon' malte er an den Kuppelrand an einer Trompe-l'œil-Balustrade Typen aus dem Volk." [aus: Reiseführer MarcoPolo "Madrid", 1999]

Puente de Segovia Seit 1919 Goyas sterbliche Überreste hier ihre letzte Ruhe fanden, wurde der Ort ein Goya-Museum, das Zeichnungen, Graphiken und Porträts ausstellt. Doch wir kamen wieder einmal mitten in der Siestazeit. Und noch 1½ Std. warten wollten wir auch nicht.
Wir setzten also unsere Tour in einem locker bewölkten Madrid bei ca. 19 °C im Schatten fort. Immer am Manzanares entlang, solange es ging. Die Puente de Segovia, 1584 errichtet, war Madrids erste feste Brücke; heute donnern hier auf vier Spuren viele Tonnen Blech pro Tag 'rüber und 'nüber. Berühmt wurde sie durch Spottverse verschiedener Dichter, obwohl diese eher den meist wasserarmen Manzanares meinten, den die Brücke auf 200 x 30 m überspannt. Über den Manzanares gibt es viele kleine Fußgängerbrücken. Doch dort, wo man rechts und links des Flusses die Autobahn planierte, kann kein Fußgänger mehr diese Brücken nutzen. Puente de Toledo Welch Glück, dass wenigstens die Puente de Toledo nicht mehr für Autos befahrbar ist. Sie ist ein prächtiges Beispiel für den in Spanien bekannten überladenen (churrigueresken) Barockstil und steht seit 1959 unter Denkmalschutz. Ein wenig erinnert sie mit ihren Ausbuchtungen an die Augustusbrücke in Dresden. Auf beiden Seiten der Puente de Toledo erheben sich in der Mitte auf den Brüstungen reich verzierte Säulen mit der Darstellung des Stadtpatrons, des Hl. Isidro, und seiner Frau, Sta. María de la Cabeza. In der Nähe der Brücke befindet sich die Bauerei des einheimischen und gut schmeckenden Mahou-Bieres.
Puerto de Toledo Nun marschierten wir auf der C. de Toledo zum Puerto de Toledo. Ausmaß, Architektur und das Dekor mit allegorischen Figuren sind Ausdruck einer auftrumpfenden Imponierhaltung. 1827 wurde das Tor nach langer Bauzeit ein Siegestor für den nach der Franzosenherrschaft zurückgekehrten Ferdinand VII.
Da wir Appetit auf Hammelfleisch-Döner hatten, liefen wie die C. de Toledo weiter bis zur Plaza Mayor, da wir dort einen solchen Imbiss entdeckt hatten.

Donnerstag, 23. Mai 2002:Seit gestern war die neue Metro-Station Nuevos Ministerios, bis zu der die Linie 8, die zum Flughafen fährt, verlängert worden war. Die wollten wir uns ansehen. Die Wege waren so lang, dass es mehrere Laufbänder innerhalb eines Ganges gab. Mit der Metro No 8 fuhren wir weiter zum Flughafen, den ich ja nur von den Terminals her kannte. Leider gab es keine Aussichtsplattform, um Starts und Landungen zu beobachten. Doch im Metro-Bahnhof gab es eine Tafel, wo man die Madrid-Ansicht bei Nacht sehen konnte, als würde man gerade in Madrid landen.
Mit der Metro zurück und umsteigen in Linie 4, um zur Station Colón zu kommen. Hier befindet sich an der Plaza de Colón, in den 70er Jahren entstanden, das Centro Cultural, wo wir schon einmal waren und wo der laute Springbrunnen ist. Hier findet gerade die kostenlose Ausstellung "El país del quetzal" statt, wo es um die Maya-Kultur in Guatemala geht. Die Ausstellung war sehr schön gemacht, mit kurzem Videofilm, überdimensionalen Fotografien von Tikal und bedeutenden Kirchen, überall Vitrinen mit Exponaten, die aus verschiedenen Museen in Guatemala eingeflogen worden sind. Darunter waren u. a. Felsblöcke von über 2 m Höhe oder kirchliche Statuen ähnlichen Ausmaßes. zum Anfang zurück

III.6. Zoo/Aquarium

Zoo: Elefanten Montag, 13. Mai 2002: Wir beschlossen, den wunderschönen Tag zu nutzen und in den etwas außerhalb gelegenen Zoologischen Garten zu fahren. Wir blieben von 11.30 - 16 Uhr dort. Der Eintritt war mit über 12 € zwar extrem teuer, doch hatte der Zoo so viel und so schönes zu bieten, dass es das Geld allemal wert war.

"Die Zooanlage ist einmalig auf der Welt. Das Zoo-Aquarium Madrid entspricht den modernsten internationalen Erfahrungen über den Umgang mit Wildtieren in Gefangenschaft. Das Gelände erstreckt sich über 20 ha der Grünfläche der Casa del Campo... Der Zoo vereint auf seinem Gebiet einen traditionellen Zoo, Delfinarium, Aquarium und Aviarium (Anm.: Vogelzoo). Nicht zu vergessen die Vorführungen der Seehunde und Seelöwen, La Pequeña Granja (Anm.: Kinderzoo) und der Komplex der Naturwunder (Anm.: Vivarium; Reptilien). Die Anordnung der Tierarten richtet sich nach zoogeographischen Richtlinien und die Freigehege gestalten den Lebensraum der einzelnen Arten nach. Aber über allem steht heutzutage eine der wichtigsten Aufgaben der zoologischen Gärten: das Überleben und die Fortpflanzung bedrohter Tierarten zu sichern, um sie später in ihrem natürlichen Lebensraum wieder auszuwildern. Zoo: Braunbären Dank des EEP, konnten viele gefährdete Tierarten, die in zoologischen Gärten auf der ganzen Welt gehalten werden, bisher vor der Ausrottung bewahrt werden. Das Zoo/Aquarium besitzt weite Gartengebiete, in denen sich über 100 verschiedene Pflanzenarten befinden, die mittels illustrierter Tafeln erläutert werden und den Zoo somit auch zum botanischen Garten machen. Die Bedeutung der zoologischen Sammlungen ist äußerst bemerkenswert und umfasst 5.000 Individuen aus mehr als 500 Tierarten, die alle zoologischen Gruppen umfassen: Säugetiere, Vögel, Reptilien, Amphibien, Fische und Wirbellose. Aber der besondere Wert dieser Sammlung ist die hohe Zahl "seltener Arten", d. h. Arten, die in Freiheit bereits ausgestorben oder vom Aussterben bedroht sind, darunter Tieflandgorilla, Berberlöwe, Weißer Tiger, Kleiner Panda, Wisent, Auerochs, Schabrackentapir, Hirscheber, Bongo, Kulan, Weißkopfadler, Riesenschildkröten und Saharagazellen, weshalb dieser Zoo zu den weltweit wichtigsten Institutionen zählt." [aus: Zooführer Madrid]

Zoo: Defin-Show Wir sahen u. a. Auerochsen, Seepferdchen und "Tante Snugata", die Seenadel, Haie in einem riesigen Aquarium, mehrere Sibirische Tiger, einen brütenden Pyton und einen Koala mit Namen Yali, was Aboriginee-Sprache ist und soviel wie Soñor (dt. etwa: Träumer) bedeutet. Es gibt verschiedene Veranstaltungen, u. a. Dressuren mit Robben, Greifvögeln und Papageien. Bei der Delfinshow waren wir mit dabei. Sie war wunderschön. Die Rückfahrt unternahmen wir nicht mit dem Bus No 33, sondern mit Metro No 10 und No 1 bis Puerta del Sol. zum Anfang zurück

IV. El Pardo

Mittwoch, 22. Mai 2002: Mit Bus No 81 bis Plaza Eliptica, dann mit Metro No 6 bis Moncloa, dort umgestiegen in Überlandbus No 601. Dieser fuhr in ca. 10 - 15 min, teilweise auf der Autobahn, vorbei an dem wegen seiner Steineichen berühmten ehemaligen königlichen Wildpark, bis El Pardo. Die normalen Busse der roten Linie hätten ggf. 1 Std. benötigt, weil sie überall halten. Vor drei Jahren hatten wir hier den Königspalast nicht gefunden. Nun schafften wir es, an einer (spanischen) Führung - mittwochs für EU-Bürger gratis - durch den Palacio Real El Pardo teilzunehmen. El Pardo Der Palast wurde 1543 von Enrique IV. gebaut, 1553 von Carlos V. wieder aufgebaut, ein Brand 1604 zerstörte den Palast erneut. Danach wurde der Palast von verschiedenen Monarchen erweitert. Durch die Erweiterung von 1772 durch Carlos III. erhielt das Schloss seine heutige Form. Der dafür zuständige Architekt Sabatini besorgte auch die Ausstattung des Palastes mit Gemälden, 200 Wandteppichen mit Motiven von Goya, Bayeu und González Ruiz, Möbeln, Lampen und Uhren, die zum Teil heute noch erhalten sind. Goya hat für El Pardo 5 seiner bekanntesten Szenen gezeichnet. In einem der Räume entdeckten wir ein Porträt von Isabel der Katholischen von Johann von Flandern. Nach dem Ende des spanischen Bürgerkrieges wählte der Diktator Franco den Palast zu seinem Sitz und residierte hier 35 Jahre lang bis zu seinem Tod. Seine Gigantomanie, wie wir sie schon vom "Valle de Los Caídos" kannten, machte sich auch hier bemerkbar. Seit 1983 ist der Palacio Museum und Domiziel für ausländische Staatschefs bei ihren Besuchen in Spanien.
In der Nähe befindet sich auch der Wohnsitz des heutigen Königspaares, der Palacio de la Zarzuela.
Mit dem Bus No 601 fuhren wir nach Madrid zurück und begannen am Punkt Moncloa einen riesigen Spaziergang. zum Anfang zurück

V. Aranjuez

Dienstag, 14. Mai 2002: Mit dem Bus ging es bis zum Bahnhof Atocha. Dort kauften wir uns ein Ticket "ida y vuelta" (hin und zurück) nach Aranjuez. Anschließend frühstückten wir in der Bar, die wir am Samstag morgen schon besuchten.
Das Wetter war wirklich schön (um 8 Uhr schon 14 °C) und der Himmel strahlend blau. Später kamen ein paar Schönwetterwolken auf und die Temperatur stieg auf 25 °C im Schatten (über 30 °C in der Sonne). Um 10.32 Uhr ging es mit der Cercanía, einer Art S-Bahn, in ¾ Std. nach Aranjuez, wo wir vor 3 Jahren, fast auf den Tag genau, schon einmal waren. Doch damals hatte der Aranjuez: Palacio Real Palacio Real nicht geöffnet. Den Besuch wollten wir dieses Mal nachholen. Der Palacio Real wurde 1560 auf Geheiß Philipps II. nach Plänen des Erbauers von El Escorial, Juan Bautista de Toledo, begonnen und unter Juan de Herrera fortgeführt. 1660 und 1665 wurde das Schloss bei 2 Bränden zerstört und durch Philipp V. wieder aufgebaut. Unter dem Bourbonenkönig Carlos III. wurde der Palast um 2 Seitenflügel erweitert. Es standen zwar viele Leute an, doch es dauerte nicht sehr lange, bis unsere Führung (in spanischer Sprache) begann. Wenn ich in der Nähe des Führers war, konnte ich den Ausführungen auch ganz gut folgen und recht viel verstehen. Die Innenräume des Palastes sind mit wertvollen Teppichen, Möbeln, Porzellanen, Uhren, Gemälden u. a. Kunstgegenständen ausgestattet; der Thronsaal ist völlig mit Samt ausgekleidet. Einen Höhepunkt stellt der Porzellansaal dar, üppig mit Porzellantafeln aus den Madrider Buen-Retiro-Werkstätten geschmückt. In feiner Malerei sind darauf chinesische Motive dargestellt. Im Anschluss an die Führung konnten wir noch das kleine Museum besichtigen. Hier waren u. a. Kinderutensilien wie Wiegen, Bettchen und Nachttöpfe aus dem 17./18. Jh. ausgestellt.
Aranjuez: Jardínes Gegen 13 Uhr begannen wir einen Rundgang durch die Gärten. Den "Jardín de Parterre" an der Ostseite ließ Philipp V. 1726 im französischen Stil anlegen. Der "Jardín de la Isla" auf einer künstlichen Insel im Fluss Tajo gelegen, ist der älteste der Gärten von Aranjuez. Isabella die Katholische ließ hier eine Huerta in eine Gartenanlage umwandeln. Wir hielten in diesem Garten Siesta. Leider waren die Fontänen noch nicht in Betrieb, sodass die schöne Atmosphäre, wie wir sie damals erlebten, nicht zustande kam. Trotzdem war es wunderschön. zum Anfang zurück

VI. Córdoba

Córdoba: Plaza Santa Catalina Samstag, 18. Mai 2002: Um 11.32 Uhr erreichten wir Córdoba [119 m NN; 283.000 Ew.], nach Sevilla die bedeutendste Stadt Andalusiens, am Fuße der Sierra de Córdoba, Ausläufer der Sierra Morena, gelegen. Die Stadt besitzt einen der größten Altstadtkerne aller spanischen Provinzstädte: enge gewundene Gassen, kleine Plätze, niedrige weiß getünchte andalusische Häuser geben der Stadt ihren bis heute erhaltenen maurischen Charakter.
Im Reiseführer vom Michael-Müller-Verlag "Spanien", 1997, (den andalusischen hatten wir dummerweise in Madrid vergessen) entdeckten wir zwei Pensionen in der Nähe des Bahnhofes. Doch die eine wirkte zerstört und die andere gab es gar nicht mehr. Also machten wir uns mit unserem Trolly auf den Weg in die Altstadt. Zwei Pensionen waren bereits belegt. Dann kamen wir zum "Hostal Maestre":

"...ein echter Tipp. Gut geführtes Haus in ruhiger Lage etwas abseits der Touristenströme, mit vielen Antiquitäten und Nippes eingerichtet. Gleich zwei begrünte Patios... Ratsam, sich das Zimmer vorher zeigen zu lassen, es gibt auch einige wenige fensterlose Räume..." [aus: Reiseführer Michael-Müller "Andalusien", 1999]

Für 32 €/Nacht quartierten wir uns hier für das Wochenende ein. Das Zimmer war klein, aber sauber, das Fenster ging zu einer kleinen Dachterrasse. Die Pension ist wirklich hübsch. Wir machten uns erst einmal frisch und starteten dann zu einem sehr langen Stadtrundgang:

Zunächst marschierten wir in brütender Hitze - es waren mindestens 33 °C im Schatten - zur La Mezquita-Catedral. Die ehemalige Hauptmoschee des westlichen Islams und heutige Kathedrale ist das bedeutendste Denkmal der Stadt. Sie gehört zu den größten Moscheen der Erde und ist die bedeutendste Schöpfung maurischer religiöser Baukunst in Spanien. Die Mezquita kann ohne weiteres mit Mekka oder Damaskus konkurrieren. Im Jahre 785 begann - nach der Eroberung durch die Mauren - unter Abd ar-Rahman I. der Bau der Moschee mit 11, zum heutigen Orangenhof hin offenen Schiffen und der nach Mekka gerichteten Gebetsnische (arab.: mihrâb) am Ende des etwas größeren Mittelschiffes. Abd ar-Rahman II. verlängerte um 830 - 850 die Schiffe und Abd ar-Rahman III. ließ 951 das Minarett erbauen, das heute die Form eines Kirchturms hat. Der zweite Anbau erfolgte um 960 unter Al Hakam II., dadurch erhielt die Moschee ihre heutige Länge von 179 m. Er baute auch den einzigartigen ‚Dritten Mihrâb'. Und um 990 wurde die Moschee unter Almansur auf ihre heutigen Dimension ausgedehnt. Es kamen weitere 8 Schiffe hinzu, sodass der Gebetsraum schließlich 19 Schiffe umfasste. Córdoba: La Mezquita Catedral Nach der Rückkehr der Christen geschah vorerst nichts. Während der Regentschaft Karls V. erfolgte 1523 - 1599 der Bau einer großen Kathedrale inmitten des islamischen Gebetsraumes unter dem Architekten Hernán Ruiz. 63 Säulen wurden dabei zerstört. Als Karl V. wenige Jahre nach Baubeginn die Bauarbeiten besichtigte, soll er zu den Bauherren gesagt haben:"Wenn ich gewusst hätte, meine Herren, was Sie vorhatten, hätte ich es nicht gestattet, denn was Sie hier gebaut haben, findet man überall, aber was Sie zerstört haben, gibt es nirgends auf der ganzen Welt." (Quelle: Reiseführer Baedeker "Spanien", 1998) Um 1599 begann man auch mit dem Umbau des Minaretts zum Kirchturm.
Als wir die Mezquita betraten, erfassten wir sogleich die Einmaligkeit dieses Bauwerks. Ein Teil der insgesamt 856 frei stehenden Säulen, die in der Längsrichtung durch weiß-rote Hufeisenbogen verbunden sind, stammt aus antiken Gebäuden und christlichen Kirchen; das Material: Marmor, Jaspis, Porphyr. Der ‚Dritte Mihrâb', der Mihrâb Nuevo, ist ein unvergleichliches Meisterwerk islamischer Baukunst und Ornamentik: die hohe Kuppel aus einem einzigen Marmorblock gehauen, der Raum selbst voller floralen und geometrischen Mustern und Koranversen in arabischen Schriftzeichen. Gegenüber dem Mihrâb liegt die Capilla Villaviciosa, die erste christliche Kapelle in der maurischen Moschee; daneben die in meisterhaftem Mudéjarstil gearbeitete Capilla Real, einst Grabkapelle der kastilischen Könige Ferdinand IV. und Alfons XI. In der Mitte der Moschee befindet sich das als Chor dienende gotische Kreuzschiff mit der Capilla Mayor, eine Kirche für sich bildend. Das reich geschnitzte barocke Chorgestühl stammt aus dem 18. Jh., der Hochaltar von 1618 besteht aus rotem Marmor, die beiden Kanzeln aus Mahagoni und Marmor.

Schräg gegenüber der Kathedrale steht der Palacio Episcopal (Bischöflicher Palast), im 15. Jh. auf den Ruinen eines Kalifenpalastes errichtet und 1745 erneuert. Südlich davon erhebt sich der Triunfo de San Rafael. Die 1765 errichtete Säule zeigt den gleichnamigen Erzengel.
Von hier aus ist es nicht mehr weit bis zur Puerta del Puente, ein im 16. Jh. erbauter, als Brückentor dienender, dorischer Triumphbogen. Córdoba: Puente Romano Hier beginnt die 16-Bogige Puente Romano (Römerbrücke) über den Río Guadalquivir. Sie wurde nach dem Sieg Caesars im Römischen Bürgerkrieg über Pompejus erbaut. Die heutige Brücke ist eine 223 m lange maurische Brücke, die auf den Fundamenten der römischen errichtet wurde. Am Südende der Brücke steht der mächtige Torre de la Calahorra aus dem Jahr 1369.
Weiter flussabwärts findet man noch eine der Molinos arabes, der riesigen Holz-Wasserräder (siehe Reisebericht "Syrien/Jordanien", 1998) aus maurischer Zeit, heute ziemlich vernachlässigt und auch nicht singend, wie die in Syrien.
Der Alcázar de los Reyes Cristianos hatte gegen 16 Uhr noch 1½ Std. Siesta (seit 14 Uhr). Die mächtigen Mauern und Türme stammen teilweise noch aus maurischer Zeit. Er soll in seinem Innern prächtige Gärten mit Wasserspielen enthalten. Als wir um 19.02 Uhr wieder zurück waren, ließ man uns nicht mehr rein, weil der Einlass ½ Std. vor Schließung endet. Die beiden Matronen am Tor ließen auch nicht mit sich reden und schickten noch mehrere Besucher weg. Wenn wir hätten Eintritt bezahlen müssen, dann wäre eine Besichtigung sicherlich noch möglich gewesen. Doch heute war "Internationaler Tag des Museums" und deshalb alle Eintritte frei.
Also marschierten wir, nachdem wir unsere Trinkflasche am Trinkwasserbrunnen aufgefüllt hatten, zunächst zum Bahnhof, um uns Fahrkarten nach Sevilla für morgen zu kaufen. Dabei hatten wir wieder mit dem Nummernsystem zu kämpfen und warteten in einem überklimatisierten Raum auf unseren Aufruf. Die Dame am Schalter 6 schniefte erbärmlich - eine Jacke durfte sie wahrscheinlich nicht anziehen.
Córdoba: Plaza de las Tendillas Über die Plaza de las Tendillas kehrten wir in die Altstadt zurück. Auf der Plaza steht ein Reiterdenkmal für den in Montilla bei Córdoba geborenen ‚Gran Capitán', Gonzalo Fernández de Córdoba (1453-1515), der für die Könige von Aragón das Königreich Neapel eroberte.
Wir spazierten nun durch die Judería, das ehemaligen Judenviertel unter arabischer Herrschaft. Enge Gassen, die Häuser weiß getüncht, die Innenhöfe mit Pflanzen voll gestellt. Viele dieser wunderschönen Patios stehen in einem jährlichen Wettbewerb um den schönsten Innenhof. Córdoba: Patio in der Calle Pintor Bermejo Der Patio in der C. Pintor Bermejo hat uns sehr gut gefallen. Der ältere Herr kümmert sich um alles allein, beginnt im Januar/Februar mit dem Bepflanzen der Töpfe, gießt mit Bechern, die an langen Stangen befestigt sind, die am Dach hängenden Blumentöpfe. Bis Juli, dann ist es hier so heiß, dass alles kaputt geht. Man erkennt Preis gekrönte Patios immer an einem kleinen Hinweisschild und/oder den angeschlagenen Öffnungszeiten. Die Besitzer der Patios freuen sich natürlich über ein entsprechendes kleines Trinkgeld.
Die Plaza del Potro liegt am Ende der Gasse, in der sich unser Hostal befindet. Der Platz erhielt seinen Namen von der kleinen Brunnenskulptur in Gestalt eines Fohlens. An der Plaza steht die alte Herberge ‚Mesón del Potro', in der schon Cervantes abgestiegen sein soll. Heute ist sie Sitz des Kulturamtes und Ort von Kunstausstellungen und Konzerten.
Um 20 Uhr landeten wir völlig fertig in der gegenüber vom Hostal liegenden Taberna "Sociedad de Plateros", der ersten und größten der Taberna-Barkette: Kachelgeschmückte, lichte Räume, ein mit Glas überdachter Patio. Hier probierten wir salada con mariscos (Tomatensalat mit Meeresfrüchten) und rabo de toro (Stierschwanz), ein für Córdoba typisches Gericht (Welcher der beim Stierkampf getöteten Stiere mag das wohl gewesen sein?)
Anschließend kehrten wir ins Hostal Maestre zurück. Ich freute mich schon seit mehreren Tagen auf die Dusche! Ach tat das gut!!! Gegen 22.45 Uhr lagen wir in den Betten, doch die Nacht wurde sehr laut: Unsere Nachbarn feierten - wie bei den Spaniern üblich - sehr lange; bei den hellhörigen Wänden war es sehr unangenehm, bis fast 6 Uhr immer wieder durch den Lärm aufzuwachen. Wir wollten schließlich nicht erst um den Mittag herum aufstehen...

Sonntag, 19. Mai 2002: Wir standen bereits um 7 Uhr wieder auf, um vor der Zugabfahrt nach Sevilla noch frühstücken zu gehen. Doch Sonntag Morgen hat in Córdoba keine einzige Bar offen! Blieb als nur noch der Bahnhof, und hier war es bis zu drei Mal so teuer wie in einer normaler Bar. Nun hatten wir richtigen Sommer: wolkenloser Himmel, um 8 Uhr bereits 19 °C im Schatten....
Gegen 20.30 Uhr waren wir wieder zurück in Córdoba. Noch ½ Std. quälten wir uns durch die Stadt zum Hostal. Nach einer ausgiebigen Dusche ging es uns viel besser. Die Taberna war überfüllt, sodass wir an der Bar nur eine Sangría tranken und dann weitergingen. In der Café-Bar "Callejón" gab es Chipirones, unser Leibgericht von Asturien. Doch leider waren sie frittiert und nicht gebraten und dadurch fast genau so ekelhaft fetttriefend wie das Pollo al Ajillo, das Bertram aß.
Gegen 23.15 Uhr fielen wir total fertig in die Kojen. Die Nacht war zum Glück sehr ruhig; die Krachmacher von letzter Nacht waren nicht mehr im Hostal.

Montag, 20. Mai 2002: Wir standen um 8.15 Uhr auf und packten unsere Sachen zusammen. Auch dieser Tag versprach sehr heiß zu werden. Als wir aus dem Hostal traten, waren es bestimmt schon 20 °C. In der Café-Bar "Bocadi" frühstückten wir und schrieben vier Karten an Leute, die keine Email haben; sozusagen: "Der Schein trügt". Wir nahmen den um 20 min. verspäteten 11 Uhr 21er Talgo, der ohne Halt nach Madrid fuhr. zum Anfang zurück

VII. Sevilla

Sonntag, 19. Mai 2002: Gegen 10.50 Uhr erreichten wir Sevilla [10 m NN, 678.000 Ew.], viertgrößte Stadt Spaniens. Die Hauptstadt Andalusiens liegt in einer fruchtbaren Ebene im andalusischen Tiefland am Río Guadalquivir. Bei Flut können selbst größere Seeschiffe den 87 km vom Meer entfernten Hafen von Sevilla erreichen, das letzte Stück durch den die Flusskrümmung abschneidenden Canal de Alfonso XIII. Seit 1948/49 wird der Hauptarm des Guadalquivir westlich um die Stadt geleitet, die Hafenanlagen verblieben jedoch im alten Flussbett. Somit ist Sevilla auch heute in der Lage, die produzierten Nahrungsmittel und Textilien zu verschiffen.
Der Bahnhof Santa Justa, ein Geschenk an Sevilla anlässlich der Expo 1992 für den Hochgeschwindigkeitszug AVE nach Madrid, ist ein ganzes Stück von der Altstadt entfernt. Uns erschien die Entfernung sehr kurz, doch wir benötigten etwa 1 Std. durch die extrem verwinkelte Stadt. Es war schon sehr heiß, keine Wolke am Himmel. Einer Anzeige zur Folge waren es - 16.25 Uhr - 36 °C (29 °C im Schatten). Die Zeitung am nächsten Tag verriet: es waren 37 °C im Schatten (ca. 45 °C in der Sonne). Nun, Sevilla gilt als die heißeste Stadt Europas, wo die Skala im Sommer schon mal 48(!) °C im Schatten erreichen kann.
Sevilla: Alcázar - Puerta de León Gegen 12 Uhr erreichten wir den an der Südseite der Plaza del Triunfo gelegenen Real Alcázar de Sevilla, vor dem schon eine große Schlange Touristen wartete. Ursprünglich war er das Schloss der maurischen, später der christlichen Könige und bekam seine jetzige Gestalt in der zweiten Hälfte des 14. Jh. unter Pedro dem Grausamen (der übrigens der lustigste der Könige war) durch maurische Architekten. Wir gelangten zunächst in den mit Orangen bepflanzten Patio de Leones, von wo aus man in die Sala de la Justizia gelangte. Weiter ging es durch einen Torbogen in den Patio de la Montería (Haupthof), den Hof der königlichen Leibgarde. An dessen Südseite erstreckt sich die reich gegliederte Hauptfassade des inneren Alcázar im Mudéjar-Stil, des eigentlichen Palastes Pedros des Grausamen. Sevilla: Alcázar - Patio de la Montería Rechts führt eine prachtvolle Treppe ins Obergeschoss mit den Gemächern der Katholischen Könige. Um diese zu besichtigen, musste man eine extra Eintrittskarte lösen, und da nur 15 Menschen auf einmal reindurften (ein Unding bei Tausenden von Touristen an einem Tag!), war die 13.30 Uhr-Führung schon voll; für die um 15.30 Uhr sollte es erst ab 15 Uhr Karten geben. Also ließen wir es bleiben. Rechts neben dieser Treppe befindet sich der Cuarto del Almirante, der Saal der Admiralität.
Wir besichtigten deshalb den Palacio Mudéjar. Wendet man sich vom Vorraum aus nach links, gelangt man in den Patio de las Doncellas (Mädchenhof), bezaubernder Mittelpunkt des Palastes. Der Hof wurde von 1369 - 1379 erbaut, zeigt prachtvolle Zackenbogen und durchbrochene Oberwände und wird von 52 Marmorsäulen getragen. Durch die Verspieltheit der maurischen Dekore und Formen bekamen wir einen Minieindruck, wie es wohl in der Alhambra in Granada aussehen mag, die uns durch unser Pech leider durch die Lappen geht. Von diesem Hof aus betraten wir den Salón de Embajadores (Gesandtensaal). Er ist der älteste und schönste Saal des Alcázars, über und über mit arabischen Schriftzeichen und Schmuckfriesen verziert. Die prachtvolle Stalaktitenkuppel aus Zedernholz stammt von 1420. Rechts und links des Saales liegen Wohnräume der Maria de Padilla, Favoritin von Pedro dem Grausamen. Weiter nach rechts gelangten wir in den kleinen maurischen Patio de las Muñecas (Puppenhof), den Innenhof der Privatgemächer. Es schlossen sich die Speisesäle Salón del Techo Felipe II. und Salón del Techo de Carlos V. an. Vom Palacio aus gelangten wir nun in die von Karl V. angelegten Gärten des Alcázar. Sevilla: Alcázar - Grottenwand Diese sind durch eine Grottenwand in 2 Hälften geteilt und enthalten u. a. unterirdische Badeanlagen, wie z. B. die Baños de D.a Manate Patille, und den Pabellon Carlos V., ein kleines Gartenhaus von 1540. Wir spazierten durch die Jardínes del Alcázar: Jardín de la Galera, Jardín de Troya, Jardín de la Cruz, Galería del Grutesco, Jardín de las Damas, Jardín del Mercurio, Jardín del Chorón. Dann erreichten wir über den Patio del Cruzero die Capilla del Palacio Gotico, die Hauskapelle Karls V., reich mit Kacheln ausgekleidet. Hier findet man auch eine alte Orgel und einen Chorstuhl aus damaliger Zeit. In der Sala de Tapices y Sala de Fiestas und in den anderen Sälen des Palacio Gotico hängen flämische Wandteppiche aus dem 16. - 18. Jh. Am Interessantesten sind die Teppiche, die die Eroberung von Tunis darstellen. Es befindet sich hier aber auch ein Teppich mit einer eingesüdeten Landkarte, auf der Rom oben links und Santiago de Compostela unten rechts zu finden sind.
Da die Kathedrale noch nicht geöffnet hatte, spazierten wir durch die engen Gassen hinunter zum Canal de Alfonso XIII nahe des Flusses Guadalquivir, auf dem hier Ausflugsschifffahrt betrieben wird. Sevilla: Torre del Oro Hier steht auch der 6-Eckige Torre del Oro von 1220 (ein Teil von 1760). Er war ursprünglich ein mit Goldazulejos geschmückter maurischer Befestigungsturm, wurde später unter Pedro dem Grausamen als Schatzhaus und Gefängnis benutzt. Heute beherbergt er das Marinemuseum und ist außerdem beliebtes Fotomotiv für Brautpaare. Weiter gings in brutaler Hitze zur Sevilla: Plaza de Toros Plaza de Toros, der Stierkampfarena, die 14.000 Plätze umfasst und als eine der bedeutendsten Stierkampfarenen Spaniens gilt, zu der auch ein Stierkampfmuseum gehört, das - wie soll es auch anders sein - wegen Siesta gerade geschlossen hatte. Wir kamen nun zur weiten Plaza Nueva, die mit Palmen bepflanzt und von Bank- und Bürohäusern umgeben ist. Hier versuchte eine Zigeunerin, uns Geld zu entlocken, doch als Bertram ihr "Fuera!" (Verschwinde!) zubrüllte, schaute sie verdutzt drein. Vermutlich dachte sie, sie hätte einen Spanier erwischt, der wie ein Tourist aussieht. An der Ostseite des Platzes befindet sich das Ayuntamiento (Rathaus), ein stattlicher Renaissancebau von 1564, dessen reich verzierter östlicher Teil als eine der reizvollsten Schöpfungen des plataresken Stils gilt.

Der Eintritt in die Kathedrale (sonst 6 €) ist Sonntags gratis. Ich weiß nicht, wie viele Menschen gleichzeitig mit uns hier waren, ich weiß nur: man bekam nichts aufs Video oder Foto, ohne dass jemand ins Bild lief, so drängelte man sich. Die Kathedrale wurde 1402 - 1506 an der Stelle der maurischen Hauptmoschee erbaut. Sie ist einer der größten und reichsten gotischen Dome der Christenheit. Die Kirche ist 117 m lang, 76 m breit und 40 m hoch und ist einer der eindrucksvollsten gotischen Kirchenräume Spaniens. Unter den 75 Glasbildern, die der Innenraum aufweist, stammen die ältesten u. a. von Enrique Alemán (1504). In den Seitenkapellen befinden sich zahlreiche Grabmäler und Altargemälde. Den Chor-Abschluss bildet eine schöne "Reja" (Gitter) von 1519; das gotische Chorgestühl entstand zwischen 1475 und 1479. In der Capilla Mayor dominiert ein riesiger Retablo aus Holz. Mehrere Meister arbeiteten daran von 1482 - 1564. In der Mitte befindet sich ein aus Silber getriebenes Bild der Virgen de la Sede, umgeben von 45 holzgeschnitzten Darstellungen aus dem Leben Christi und Mariä. Im südlichen Querschiff der Kathedrale findet man bei der Puerta de San Cristóbal das Grabdenkmal des Entdeckers und Seefahrers Christoph Kolumbus. Es wurde 1892 in der Kathedrale zu Havanna errichtet und nach dem Verlust Kubas im Spanisch-Amerikanischen Krieg 1898 nach Sevilla überführt. Die Capilla Real, ein 38 m hoher Renaissancebau mit hoher Kuppel, der 1551 - 1575 anstelle der alten königlichen Grabkapelle erbaut wurde, konnten wir leider nicht besichtigen, da diese gerade einer Restauration unterzogen wurde.
Sevilla: Kathedrale - La Giralda Ich wagte es, die Rampe von La Giralda bis zur arabischen Plattform hinaufzulaufen - selbstverständlich war das nur im langsamen Gänsemarsch möglich. Wie in einem Donald-Duck-Trickfilm die Ameisen - so mechanisch schlängelten sich hier die Touristen die ca. 35 Stockwerke hinauf. Die ‚Wetterfahne', das 97 m hohe, berühmte Wahrzeichen Sevillas, erhebt sich zwischen der Puerta de los Palos und der in den Orangenhof führenden Puerta de Oriente. Der Turm, errichtet von 1184 - 1196, war Minarett der maurischen Hauptmoschee.

"1568 setzte man eine Glockenstube auf, deren Spitze die 4 m hohe Windfahne, den Giraldillo, trägt, eine den Glauben darstellende weibliche Figur mit dem Banner Konstantins. Von der ersten Galerie mit 24 Glocken hat man aus 70 m Höhe eine weite Aussicht über die Stadt und ihre Umgebung. Über der Galerie liegt die ‚Matraca', ein hohes Holzgehäuse mit den in der Karwoche statt der Glocken benutzten Klappern." [aus: Reiseführer Baedeker "Spanien", 1998]

Oben musste man dann warten, um einen Ausguck zu finden. Vier Anläufe benötigte ich, um alle vier Himmelsrichtungen zu erwischen. Doch der Blick von dem ehemaligen Minarett über Sevilla ist einmalig. Man sagt, soweit man von hier blicken kann, so weit kann man die Giralda sehen. Nach ½ Std. war ich wieder unten in der Kathedrale, wo Bertram auf mich wartete, der ja schon einmal vor 10 Jahren hier war und den Ausblick bereits kannte.
Der Patio de los Naranjos (Orangenhof) ist der ehemalige Hof der Moschee und liegt an der Nordseite der Kathedrale. Der 8-Eckige westgotische Brunnen in seiner Mitte ist der Rest des islamischen Brunnens für religiöse Waschungen. Die Puerta del Perdón am Orangenhof besitzt noch die bronzenen Torplatten aus maurischer Zeit.

Nun hatten wir noch 2½ Std. bis zur Zugabfahrt und liefen schon langsam in Richtung Bahnhof. Doch es blieb noch Zeit, zum Parque de María Luisa zu laufen, einer ausgedehnten Gartenanlage und Stiftung der Infantin von Spanien, María Luisa Fernanda de Bourbón. Hier wurde 1929/30 die Ibero-Amerikanische Ausstellung abgehalten. Sevilla: Plaza de España Deren Überbleibsel ist die halbkreisförmige Plaza de España mit dem Palacio Central und seinen zwei 82 m hohen Ecktürmen, davor ein großer Springbrunnen. Mit den Kutschwagen (Stadtrundfahrten für >30 €) und dem kitschig-blauen Himmel ein wunderschönes Motiv. Vor dem Palacio befanden sich Kacheln, auf denen sich alle Regionen von Spanien mit jeweils einem typischen Motiv darstellen.
Hier suchten wir - wie überall in Sevilla - vergeblich nach einem Trinkwasserbrunnen, wie wir sie vor drei Jahren in jeder Stadt fanden. In Sevilla gab es keinen einzigen mehr, dafür in touristisch gut besuchten Gegenden Stände, wo man ½ l Stilles Wasser für 1-2 € kaufen konnte; für unseren Wasserbedarf zu teuer. Also hoben wir den letzten Schluck Wasser so lange wie möglich auf. An einem Automat für Speiseeis kauften wir ein Wassereis, nur um etwas Flüssigkeit zu haben. Die eklige Süße war dabei erst einmal zweitrangig. Ein Glück war der Bahnhof nicht mehr weit. Und dort gab es Wasser in Mengen...
Gegen 17.45 Uhr waren wir zurück am Bahnhof, hatten aber noch nicht alles von Sevilla gesehen; u. a. hätte mich noch die Isla Mágica, das Weltausstellungsgelände von 1992, interessiert. Vielleicht klappt es ja irgendwann noch einmal. Völlig fertig - ich hatte mir wahrscheinlich den rechten Fuß überlastet, sodass ich nur noch hinken konnte - warteten wir auf den 18.46er Andalucía-Exprés in Richtung Jaén, um nach Córdoba zurück zu fahren. zum Anfang zurück

VIII. Anhang

VIII.1. Abkürzungen

Anm. Anmerkung   Pts. Pesetas, ehem. spanische Währung
arab. arabisch   sog. so genannt
C. Calle (Straße)   span. spanisch
d.Ä. der Ältere   Sta./Sto Santa/Santo
dt. deutsch   Std. Stunde(n)
Ew. Einwohner   u. a. unter anderem / und anderes
ha Hektar   v.d.Z. vor der Zeitrechnung
hl./Hl. heilige   z. B. zum Beispiel
Jh. Jahrhundert   z. T. zum Teil
n.d.Z. nach der Zeitrechnung   z. Zt. zurzeit
NN Meereshöhe (Normal-Null)  
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VIII.2. Chronologischer Ablauf

Bertram's Tour nach Madrid

Montag 06. Mai 2002 Karlsruhe - Montluçon 671 km
Dienstag 07. Mai 2002 Montluçon - Huesca 790 km
Mittwoch 08. Mai 2002 Huesca - Madrid 512 km
Donnerstag 09. Mai 2002 Madrid - Getafe 44 km
Freitag 10. Mai 2002 Madrid

Regines Anreise oder: Wie man mit dem Zug durch Spanien fährt

Freitag 10. Mai 2002 Karlsruhe - Madrid

Die gemeinsame Tour:
A. Zu Fuß durch Spaniens Hauptstadt (oder: Wie man aus der Not eine Tugend macht)

Samstag 11. Mai 2002 Madrid:
Atocha-Bahnhof
Mercado
Plaza Santa Ana
Plaza Puerta del Sol
Gran Vía
Plaza de España
Plaza Mayor
Sonntag 12. Mai 2002 Madrid:
Museo Arqueológico Nacional
Museo Thyssen-Bornemisza
Montag 13. Mai 2002 Madrid:
Zoologischer Garten
Dienstag 14. Mai 2002 Aranjuez
Mittwoch 15. Mai 2002 Madrid:
Museo Nacional de Ciencias Naturales
Azca
Donnerstag 16. Mai 2002 Madrid:
Museo de América
Mirador del Faro de Madrid
Freitag 17. Mai 2002 Madrid

B. Mit der Eisenbahn nach Andalusien

Samstag 18. Mai 2002 Madrid - Córdoba 350 km
Córdoba:
La Mezquita-Catedral
Puente Romano
Alcázar de los Reyes Cristianos
Bahnhof
Plaza de las Tendillas
Judería
Patios
Sonntag 19. Mai 2002 Córdoba - Sevilla 130 km
Sevilla:
Real Alcázar de Sevilla
Canal de Alfonso XIII
Torre del Oro
Plaza de Toros
Plaza Nueva
Kathedrale
La Giralda
Plaza de España
Sevilla - Córdoba 130 km
Montag 20. Mai 2002 Córdoba - Madrid 350 km

C. Und noch einmal auf Museumstour in Madrid

Dienstag 21. Mai 2002 Madrid:
Museo Nacional de Etnología
Jardín Botánico
Mittwoch 22. Mai 2002 El Pardo
Madrid:
Pantheón de Goya
Puente de Segovia
Puente de Toledo
Puerto de Toledo
Donnerstag 23. Mai 2002 Madrid:
Plaza de Colón / Centro Cultural
Freitag 24. Mai 2002 Madrid:
Parque del Retiro

D. Vorzeitige Heimreise

Samstag 25. Mai 2002 Madrid - Zürich 1.250 km
Zürich - Frankfurt 300 km

E. Bilanz

20 Reisetage
2054 Kilometer im VW-Bus
266 Liter Diesel
xx Liter pro 100 Kilometer (nicht feststellbar)
Fazit: Rückflug für 2 Personen und Rücktransport des Busses. zum Anfang zurück

Copyright © 2002/2004 Regine & Bertram Werle. Alle Rechte vorbehalten


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