SPANIEN
CASTILLA - LEÓN - ARAGÓN
16. August - 04. Oktober 1999
Teil 1: Castilla - León

 

 

Von Karlsruhe nach Madrid - Bertram
Von Dresden nach Madrid - Regine
El Escorial
Von El Escorial nach Segovia
Segovia
Von Segovia nach Soria
Soria
Durch Naturparks nach Burgos
Burgos
Auf dem "Camino de Santiago" nach Palencia
Palencia und Valladodid
Von Valladolid nach León
León
Durch das Kantabrische Gebirge nach Zamora
Zamora
Durch die Agrarsteppe nach Salamanca
Salamanca
Mit einem Abstecher nach Portugal in die Sierra de Gredos
Wanderung in der Sierra de Gredos
Ávila
Auf dem Rückweg nach Madrid
Auf Wiedersehen...


Von Karlsruhe nach Madrid - Bertram

Die Idee war, dass ich mit dem Bus voraus fahre, mir dabei Zeit lasse und nicht die teuren Autobahnen in Frankreich und Spanien nehme, sondern auf Landstraßen bleibe. Das so gesparte Geld ergibt dann Regines Flugticket, und wir haben auch noch 4-5 Tage von ihrem Urlaub gespart.
Abfahrt war am Montag, 16. August, nachmittags gegen 15 Uhr. Auf der A-5 bis zum Dreieck Neuenburg, dann im Elsass auf der französischen Autobahn A-36 bis Burnhaupt, denn ab dort kostet sie Maut. Durch die Franche-Comté (Belfort, Vesoul, Gray) ging es nach Dijon im Burgund. Hier übernachtete ich nach 413 km auf einem Innenstadt-Parkplatz. Das Wetter war fast nur regnerisch mit teilweise kräftigen Schauern.
Schon um 6.30 Uhr fuhr ich am nächsten Morgen weiter. Über Autun, Decize (beide noch Burgund), Vallon-en-Sully (Auvergne), Le Châtre, Argenton-sur-Creuse (Centre) führte der Weg in Hauptrichtung West-Südwest, ab La Trimouille (Poitou-Charentes) fast genau nach Süden. Nach Bellac (Limousin) und Mont-de-Marsan (Aquitaine) erreichte ich gegen 23.30 Uhr die Vorpyrenäen-Stadt Pau - an diesem wettermäßig sehr wechselhaften Tag hatte ich in 17 Stunden 840 km auf fast LKW-freien Nebenstraßen zurückgelegt.
Auch in Pau verbrachte ich die Nacht auf dem zentralen Platz, sodass ich am nächsten Morgen gleich ein Café aufsuchen konnte. An diesem Tag war der Grenzübertritt nach Spanien geplant. Nach Oloron, vorbei am Pic du Midi d′Ossau (2.884 m NN), folgte der Aufstieg zum Puerto del Portalet (1.794 m NN), der die Grenze zu Spanien darstellt. Das Wetter war herrlich - wolkenlos, strahlender Sonnenschein und 15 °C.
Die erste spanische Region war Aragón, zunächst jedoch nur im Transit: Über deren Orte Sabiñánigo, Huesca, Zaragoza und Calatayud erreichte ich per Schnellstraße, größtenteils Autovía, die Zielregion.
Vor dem ersten Ort der

Region CASTILLA-LEÓN - Provinz Soria

fuhr ich bei Granja de San Pedro für eine kleine Rast (mittlerweile waren es 35 °C) auf einen Feldweg ab, dabei fand ich schon die ersten interessanten Pflanzen und Tiere. Dieser Feldweg führte auch weiter nach Santa María de Huerta, wo man von einem Hügel einen schönen Blick auf den Ort mit seinen z. T. verfallenen alten Bauernhäusern und Stallgebäuden hat. Hauptattraktion ist das 1162 von Alfonso VII. gegründete Zisterzienserkloster (monasterio cisterciense), dessen Kirche und viele andere Teile allerdings aus dem 17. und 18. Jh. stammen. Das Kloster wurde 1835 verlassen und verfiel. 1930 bezogen es die Zisterzienser neu und begannen mit der Restauration. Im Klosterhof steht eine Miniatur-Nachbildung der Anlage - d a s sieht lustig aus!
Von meinem Aussichtshügel sah ich in der Ferne schon eine interessant wirkende Burgruine und beschloss dorthin zu fahren. Das Dorf heißt Montuenga de Soria: die arabische Burg war allerdings zu sehr verfallen, um sie genauer zu erkunden; auch ist sie in keinem Reiseführer erwähnt - aber von weitem ist sie dennoch beeindruckend.
Da ich keine Lust mehr auf Schnellstraßen und Raser hatte, nahm ich die alte N-IIa, die nahezu parallel zur neuen Autovía N-II verläuft. Ich bin diese Straße in der Gegenrichtung auch schon mal gefahren, und zwar 1980 mit meinem Freund Michael ‚Astro′ Porzelt auf dem Heimweg von Madrid nach meiner ersten eigenständigen Auslandsreise (damals gab es die autovía noch nicht). Von Arcos de Jalón bis Jubera führt die N-IIa durch eine Schlucht - die Gargantas del Río Jalón mit dem Ort Somaén, der schön an einem Hang liegt. Vom Ausgang der Schlucht hat man direkten Blick zu der mittelalterlichen Stadt Medinaceli (1.160 m NN, 725 Ew.) auf einer Hügelspitze. Dabei handelt es sich um eine keltiberische Gründung (ca. 200 Jahre v. Chr.). Heute sind noch Reste aus der Römerzeit erhalten, darunter der einzige dreibogige Triumphbogen in Spanien aus dem 2. oder 3. Jh. Auch sonst besitzt Medinaceli ein malerisches Ortsbild mit vielen alten, z. T. verfallenden Häusern. Wichtigste Kirche ist die Stiftskirche Colegiata de Santa María.
11 km westlich liegt die prähistorische Siedlung Ambrona mit einem Museo Paleontológico. Schon von weitem kann man einen Elefanten sehen - ja wirklich! Aber es handelt sich nur um ein von weitem sehr echt wirkendes Ganzkörpermodell von Elephas namadica (für Nicht-Lateiner: Ur-Elefant, Jung-Pleistozän) dessen Skelette hier ausgegraben wurden. Auch heute noch finden Ausgrabungen statt; es war gerade ein Bus des Geologischen Instituts der Universität von Madrid da, mit einer Studentengruppe, die hier beim Transport schwerer Felsbrocken bzw. beim Herauspräparieren feinster Versteinerungsstrukturen aus den Felsen hautnah praktische Erfahrungen sammelte. Die bekommen dann vielleicht nach dem Studium wenigstens einen Job auf dem Bau - in Spanien sind die Berufsaussichten für Biologen/Geologen nämlich auch nicht besser als hierzulande.
Ich fuhr an diesem Abend noch ein paar Kilometer weiter in die

Region CASTILLA - LA MANCHA - Provinz Guadalajara

Nach 448 km übernachtete ich in Sigüenza (982 m NN, 5.500 Ew.; sprich: Siguenza), einer ebenfalls keltiberischen Gründung, um mir gleich am Morgen die Stadt am Río Henares anzuschauen. Ich wurde von Gesang (!) geweckt, und als ich durch meinen Vorhang linste, sah ich eine ganze Meute durch die Straße ziehen, vorneweg ein Pastor mit Megaphon, der den Vorsänger übernahm. Später fand ich dann heraus, dass die Gläubigen von der Kathedrale zur Kirche Santa María la Vieja (vermutlich die ursprüngliche Kathedrale) und zurück zogen. Dabei durchquerten sie auch den Almadena-Park, an dem ich mein Nachtquartier bezogen hatte. Sigüenza besitzt eine Plaza Mayor, an der sowohl die spätromanische Kathedrale (12.-14. Jh.), die fast wie eine Festung wirkt, als auch das Rathaus (ayuntamiento) zu finden sind. Das Castillo aus dem 12. Jh. dient heute als Parador - ich habe es nicht besucht.
Durch eine schöne Tallandschaft mit weiten Feldern ging es nun weiter, zunächst nach Palazuelos mit erstaunlich gut erhaltener Stadtmauer und daran angebautem Castillo (15. Jh.). Es folgten noch einige kleine Dörfer, die teilweise in keiner Karte verzeichnet sind; danach erreichte ich Atienza (1.169 m NN, 500 Ew.), im Mittelalter wichtiger Handelsplatz, ein typisches kastilisches Dorf zu Füßen einer Burg, das unter dem besonderen Schutz von König Alfons VIII. stand, weil die Einwohner ihm 1162 halfen seinen Thron zu bewahren, den ihm sein Onkel Fernando II. von León und Aragón streitig machte.
In der Sierra de la Bordera gibt es riesige Viehweiden, auf denen Rinder und Pferde ein anscheinend paradiesisches Freiland-Leben führen - das Herz eines Öko-Freaks schlägt bei solch einem Anblick höher! Leider findet man aber auch in Spanien immer häufiger Massentierhaltungsanlagen; das war vor EU-Zeiten kaum üblich, aber seit Spanien - einer der Hauptnutznießer von EU-Landwirtschaftssubventionen - Mitglied der EU wurde, lohnt sich die extensive Weide-Haltung nicht mehr. Doch hier in der Sierra de la Bordera scheint die Zeit stehengeblieben zu sein. Ein besonders schönes Beispiel dafür ist Hiendelaencina: kleine steinplattengedeckte Häuser, hölzerne Viehställe und Pferche, vor dem Ort bäuerliche Gemüsegärten, etwas weiter kleine Äcker, Wiesen und Weiden; hier sind die EU-Gelder offenbar noch nicht angekommen. Eine Bilderbuch-Festung überragt Jadraque (832 m NN): Burg des Cid oder Castillo de Osuna genannt, erbaut um 1500 von Kardinal Mendoza auf dem "vorzüglichsten Hügel der Welt".
Das Tal des Río Henares ist in eine flache Kalktafel hinein erodiert, deren Reste als Inselberge aus der Ebene aufragen. An einem dieser Zeugenberge liegt das mittelalterliche Städtchen Hita (876 m NN), das teilweise noch von einer in Resten erhaltenen Stadtmauer umgeben ist.
Der Ort Torija (964 m NN) besitzt eine Templer-Burg aus dem 13. Jh., die in jüngerer Zeit wieder aufgebaut wurde und mit ihren zackenbekrönten Türmen eine eigenartige Wirkung besitzt. Mir fielen auch die recht große alte und die gigantische neue Getreidesilo-Anlage von Torija ins Auge, die heute wie moderne Kathedralen den Ort als größte Gebäude beherrschen; die ganze Gegend hier dient dem Getreideanbau, was auch an den ausgedehnten Ackerflächen sichtbar wird.
Inmitten dieser Agrarlandschaft liegt die Provinzhauptstadt Guadalajara (641 m NN, 67.000 Ew.), eine iberische Gründung, deren Namen auf das arabische Quad al-Hadschara ("Fluss aus Steinen") zurückgeht. Besonders unter dem mächtigen Adelsgeschlecht der Mendoza erlangte die Stadt großen Einfluss als deren Machtzentrum. Heute ist Guadalajara aufgrund der Nähe zu Madrid (55 km) zur Satellitenstadt degradiert. Aus ihrer großen Geschichte sind noch etliche sehenswerte Baudenkmale erhalten. Eindrucksvollstes Beispiel stellt der Palacio del Duque del Infantado (Prinzenpalast) dar, der unter den Mendozas 1461-1480 von dem französisch-stämmigen Architekten Juan Guas unter Verwendung spätgotischer und mudéjarer Stilelemente errichtet wurde.
Nach 173 Tageskilometern suchte ich hier einen Supermarkt auf, dessen Parkhaus sogar für meinen Bus hoch genug war! Nach beinahe vier Tagen hatte ich meine von zuhause mitgebrachten Vorräte fast völlig aufgebraucht und der Einkauf war dringend nötig. Ich übernachtete im Stadtzentrum, um gleich am nächsten Morgen auf Besichtigungstour zu gehen.

Danach ging es weiter auf der im Ausbau zur Schnellstraße nach Cuenca und Albacete befindlichen N-320, um dann aber glücklicherweise auf die noch nicht verbreiterte und begradigte, durch Bergland führende CM-2006 nach Pastrana (800 m NN) abzubiegen. Die Hauptsehenswürdigkeiten dieser ehemaligen Herzogsstadt gaben leider nichts her: Der an der Plaza de la Hora (Platz der Stunde) gelegene Palacio Ducal de Mendoza (Herzogspalast) war wegen Renovierung in Planen gehüllt. Hier hielt Felipe II. die Prinzessin Eboli ihre letzten fünf Lebensjahre gefangen; sie durfte sich nur eine Stunde täglich am Fenster des danach benannten Platzes zeigen. In der aus dem 16. Jh. stammenden Colegiata de la Asunción (Stiftskirche) kann man vier gotische Wandteppiche aus dem belgischen Tournai bewundern, die die Eroberung Arzilas und Tangers durch Alfonso V. von Portugal im Jahr 1471 zum Thema haben. Auch hier kam ich zu kurz bzw. zu spät - Siesta der Kirche.
Kurz hinter Pastrana führte mich der Weg ins Flachland der Río-Tajo-Niederung mit endlosen Getreidefeldern. Hier war dann auch die Grenze zur

Region und Provinz MADRID

Auf ein größeres Stück begleitet die Straße den Río Tajo, sodass ich nach einigem Suchen bei Buenamesón einen idealen Badeplatz im Schutze des Galeriewaldes, eine Seltenheit in der ansonsten fast baumlosen Ebene, fand. Es war einfach herrlich, ein paar Runden zu schwimmen. Die Straße entfernt sich dann wieder vom Fluss und durchquert ein Hügelland bei Colmenar de Oreja. Hier ist die Landschaft kleinräumig gegliedert; die Ackerflächen werden immer wieder von Macchia- und Garrigue-Riegeln unterbrochen, in denen es von Heuschrecken und Zikaden nur so zirpte - für mich war das eine akustische Wohltat!
In Colmenar de Oreja (761 m NN) selbst suchte ich nach der Iglesia Parroquial de Santa María la Mayor, fand aber zuerst kaum in den Ort rein, dann die Kirche nicht und zu schlechter Letzt fast nicht mehr heraus; so verließ ich diese Kleinstadt unverrichteter Dinge.

Der nächste interessante Ort war Chinchón (753 m NN, 4.000 Ew.). Etwas außerhalb der Kernstadt fand ich einen Parkplatz, zufällig genau neben einer Sehenswürdigkeit, der massiven, einschiffigen Iglesia Parroquial de la Asunción. Sie wurde 1537 in gotischem Stil als Kapelle der Grafen begonnen und 1626 im Renaissance-Stil vollendet. Von hier stieg ich den Hügel hinab zur Plaza Mayor, sie gilt als das beste Beispiel eines Marktplatzes mit Arkaden in Kastilien. Der Grundriss ist unregelmäßig und die bedeckten Gänge und Loggien geben dem Platz ein einmaliges Aussehen und eine unverwechselbare Atmosphäre. Im Sommer dient dieses Kleinod als provisorische Corrida (Stierkampfarena), und auch bei meinem Besuch war ein Pferch aus Holzbalken aufgebaut; mir gefiel besonders der Brunnen am Rande des Platzes.
Nach der Besichtigung von Chinchón das gleiche Theater wie in Colmenar: ich fand kaum noch aus dem Ortsteil heraus und von dem Hügel herunter, wo mein Parkplatz war - alles verbaut, Einbahnstraßen, Treppen, Feldwege... Letztlich war ich aber dann doch erfolgreich und konnte meine Fahrt fortsetzen.

Bei Titulcia machte ich Siesta am Río Jarama, um kurz vor Sonnenuntergang über Arganda nach Alcalá de Henares (587 m NN, 163.000 Ew.) zu fahren, wo ich dann auch nach 221 Tageskilometern übernachten wollte. Es war Freitagabend 21 Uhr, als ich dort ankam, und die ganze Stadt voller Leute, zu Fuß und - viel schlimmer - mit dem Auto! Es war ein Trubel und ein Gedränge, kein einziger Parkplatz zu finden. So verließ ich die Kernstadt wieder, um in einem Industriegebiet zu nächtigen. Das war ganz i. O. bis auf die vorbei rasenden Autofahrer, das immer wieder automatisch aufleuchtende Licht an einer Fabrikhalle und das Ablassgeräusch von (hoffentlich nur) Dampf oder Pressluft in der Nähe. Gegen 3 Uhr wurde ich wach, fuhr dann wieder in die City - und fand nur mit Mühe einen freien Parkplatz, denn die Leute schickten sich eben gerade so an, endlich nach Hause zu gehen. An Schlaf war jedoch nicht mehr zu denken, denn bis zum Sonnenaufgang gegen 6 Uhr war Völkerwanderung an meinem Bus vorbei angesagt!
Als es endlich hell wurde, machte ich mich auf die Socken, um die Stadt bis 9 Uhr (ab da sollten alle Innenstadt-Parkplätze wieder Gebühren kosten) genauer vor die Linsen (Augen, Foto, Video) zu bringen. Zuerst fielen mir die vielen Störche auf den Großstadt-Dächern auf - es war einfach unglaublich und wirklich faszinierend: In Deutschland fast ausgestorben und nicht einmal mehr in dörflicher Umgebung vorkommend, und hier inmitten der Stadt! Tja, bei uns wird auch noch der letzte Winkel irgendwie genutzt und reglementiert, selbst für Brachflächen gibt es Vorschriften!!! Alcalá de Henares war als ‚Complutum′ schon unter den Römern eine bedeutende Stadt; die Mauren nannten es ‚Al-Kala-en-Nahr′, woraus sich der heutige Name entwickelte. Lange Zeit war hier die Residenz vieler spanischer Könige und Alcalá somit Hauptstadt. Die 1498 von Kardinal Ximénez de Cisneros gegründete Universität erlangte internationales Ansehen, besonders durch die 1517 veröffentlichte erste mehrsprachige Bibel ‚Biblia Complutensis′. 1836 wurde die Universität nach Madrid verlegt und erst seit jüngerer Zeit ist Alcalá wieder Universitätsstadt. Die alte Universität Colegio de San Ildefonso mit ihrer plateresken Hauptfassade von 1543, eine der schönsten ganz Spaniens, stellt die Hauptsehenswürdigkeit der Stadt dar. Beeindruckend soll auch das in der benachbarten Iglesia de San Ildefonso befindliche Grabmahl Kardinal Cisneros sein, was ich aufgrund der frühen Stunde leider nicht überprüfen konnte. Der Hauptplatz heißt nicht, wie sonst üblich, Plaza Mayor, sondern Plaza de Cervantes, hier steht auch ein Cervantes-Denkmal. Der Autor des berühmten ‚Don Quijote′ Miguel de Cervantes Saavedra wurde nämlich in Alcalá geboren, und es gibt auch ein Museo Casa de Cervantes, allerdings nicht sein Geburtshaus, sondern ein Nachbau an etwa der Originalstelle.
Nach meiner Tour durch Alcalá de Henares war der Flughafen von Madrid Barajas das nächste Ziel. Da Regine erst gegen 19 Uhr landen sollte, hatte ich noch viel Zeit. So ging ich erst mal ins größte Einkaufszentrum Europas am Rande der Madrider Satellitenstadt Torrejón de Ardoz, um Vorräte für das kommende Wochenende und die folgenden Tage zu bunkern: Getränke, Teigwaren, Konserven, Dauerwürste, Zwiebeln, Kartoffeln ....; ich fand auch ein schönes (spanisches) Buch über spanische Nationalparks.
Da die letzten Tage ziemlich anstrengend waren, beschloss ich heute kleines Programm zu fahren (eigentlich wollte ich nach Madrid rein). Die Gegend östlich von Madrid wird im Reiseführer Natur - Spanien von Roberto Cabo, 1991 als sog. Nebenreiseziel erwähnt:

"Das Gebiet südöstlich von Madrid, zwischen N-III und N-IV ähnelt mit seinen trockenen Lehm- und Gipsböden einer Halbwüste. Bebauung, Abfallausbringung und landwirtschaftliche Erschließung haben in den letzten Jahren stark zugenommen. ... Durch diese Steppenlandschaft fließen der Manzanares- und der Jarama-Fluss. Kleine flussbegleitende Wäldchen aus Weiden, Eschen und Pappeln geben der grauweißen Landschaft einige grüne Farbtupfer ... Nordöstlich des Flughafens von Madrid, zwischen den Orten Belvis de Jarama und Fuente el Saz, sind einige Kiesgruben entstanden...."

Seit das Buch geschrieben wurde hat sich viel verändert, die Kiesgruben habe ich nicht mehr gefunden, möglicherweise wurden sie zur Gewinnung von Gewerbeflächen zugeschüttet. Da ich keine Lust hatte, ca. 40 km in den heute bestehenden Parque regional del Sureste zu fahren, suchte ich mir ein stilles Plätzchen für den Rest des Tages, was in der dicht be- und vor allem zersiedelten Region um Madrid nicht sehr einfach war. Schließlich wurde ich auf dem Hochwasserdamm des Río Jarama beim Ort Belvis de Jarama fündig. Gegen 18 fuhr ich dann zum Flughafen Madrid-Barajas, um Regine in Empfang zu nehmen.zum Anfang zurück

Von Dresden nach Madrid - Regine

Am Samstag, 21. August, regnete es in Dresden. Das Thermometer zeigte nicht mehr als 16 °C. Um 14.40 Uhr ging mein Flug von Dresden nach Frankfurt/Main mit LH 4278, einer Boeing 737. Der Weiterflug nach Madrid mit einem Airbus A-320 erfolgte 16.55 Uhr mit 30 min Verspätung über Niederoberstein - Luxemburg - Paris-Süd - Orléans - Limoges - Bordeaux - Pamplona - Madrid. In dem Flugzeug waren zu 98 % Spanier. Kein Wunder, dass Bertram mich nicht auf Anhieb gefunden hat. Ich sah ihn im Madrider Flughafen zuerst. Draußen erlitt ich fast einen Hitzeschock: gegen 19.30 Uhr waren es noch 37 °C; und das auf 600 m NN!!!

Die gemeinsame Tour

Nachdem ich mich sommerlich umgezogen habe, fuhren wir 50 km aus der Millionenstadt hinaus nach San Lorenzo de El Escorial (1.028 m NN, 9.000 Ew.). Wir übernachteten vor dem mächtigen Klosterpalast El Escorial, der den Ort beherrscht. Es war so warm, dass wir uns mit nassen Handtüchern kühlen mussten.
Der Morgen begrüßte uns mit herrlichem Sonnenschein; im Laufe des Tages zeigte das Thermometer 36 °C. Zuerst stand das große Königsschlosszum Anfang zurück

El Escorial

auf unserem Programm. El Escorial wurde unter Felipe II. von 1563 bis 1584 erbaut. Es sollte als Palast und Sommersitz des Königs genutzt werden, als Kloster an den Leidensweg des Hl. Laurentius erinnern und als Mausoleum für die iberischen Monarchen dienen. Deshalb schufen die spanischen Baumeister Juan de Toledo und später Juan de Herrera ein äußerlich beeindruckendes Bauwerk von gewaltigen Dimensionen (208 x 162 m) mit 2.673 kleinen Fenstern, die den Eindruck einer Bastion noch verstärken, mit über 1.200 Türen und 86 Treppen. Außerdem: 16 Höfe und 88 Brunnen; die Gänge sind zusammen 16 km lang. Von außen erinnert die Anlage eher an eine Festung oder eine Kaserne denn an ein Kloster.
Den Kern des Baukomplexes bildet die mit ihren beiden Türmen und der 90 m hohen Kuppel hochaufragende Basilika. Diese ist charakterisiert durch Strenge und Monumentalität. Durch die Vierungskuppel fällt kaltes Licht ins Kircheninnere und lässt die kostbaren Materialien des 30 m hohen Retablos glänzen. Da gerade eine Messe stattfand, hatten wir keine Möglichkeit, die Pracht ausführlich anzusehen.
Anschließend kamen wir in die Museen. Im Saal des Heiligen Mauritius ist die bemalte Holzskulptur des "Heiligen Michael, der den Dämon besiegt" ("San Miguel Arcángel venciendo al demonio"), ein Werk der Kammerbildhauerin von Karl II., Luisa Roldán, zu sehen, sowie bedeutende Webarbeiten aus der Serie Goldtücher, z. B. "Tapiz II de la serie de los "Paños de Oro" 1502", und die Versuchungen des Heiligen Antonius. Die Säle des Architekturmuseums (Museo de Arquitectura) bieten eine didaktische Zusammenstellung von Plänen, Modellen und anderen Gegenständen, die schon alleine das architektonische Design des Escorial, von seinen mittelalterlichen Vorläufern bis zu den im 18. Jh. errichteten Neukonstruktionen des Königssitzes, erläutern sowie die künstlerischen Aspekte der verschiedenen handwerklichen Arbeiten im Laufe seiner Erbauung. Sehr interessant waren die Kranmodelle, die beim Klosterbau verwendet wurden. Diese fanden wir in einem Modell der Escorial-Baustelle wieder. Das dritte Museum ist die Gemäldegalerie (Museo del pintura). Diese befindet sich im sogenannten Sommerpalast von Philipp II. In neun Sälen findet man Werke der venezianischen, spanischen, flämischen und holländischen Malerei. Ein Saal ist dem stark italienisch beeinflussten flämischen Maler Michel Coxcie (1499-1592), u. a. "Das Abendmahl" ("La ultima cena"), gewidmet, der sehr viel für Philipp II. arbeitete. Im siebten Saal, dem ehemaligen Wandelgang des Sommerpalastes, fällt u. a. das Gemälde "Enthauptung des Jakobus" ("La decapitación de Santiago el Mayor", 1571) des Malers Juan Fernández Navarrete llamado el Mudo (1538-1579) auf.
Nun kamen wir in den Palacio de los Austrias. Hier befindet sich u. a. der Porträtsaal mit Werken von J. Pantoja de la Cruz ("Don Juan de Austria", "Carlos I") und Türen aus deutscher Intarsienarbeit. Wir entdeckten auch einen Datumsmesser, der sich an der Sonne orientiert.
Die Grüfte waren danach an der Reihe. Eine der wichtigsten Funktionen von El Escorial ist es, als Grabstätte der Könige Spaniens zu dienen. Die Gruft der Könige ist kreisförmig mit einer Kuppel; der Kreisumfang ist in acht Segmente aufgeteilt und mit Marmor und Bronze verkleidet.

"In den Urnen ruhen (nachdem sie zuvor jahrelang in einem unmittelbar daneben liegenden Raum, der ′Faulkammer′, verwest sind) die Reste der Monarchen und ihrer Gemahlinnen, letztere jedoch nur, falls sie die Mutter eines Königs waren; und zwar die Könige an der rechten Seite des Altares und die Königinnen an der linken, in chronologischer Reihenfolge von Karl I. bis zu Alfons XIII, über einen Zeitraum von vier Jahrhunderten der spanischen Monarchie." [aus: Klosterführer "Das Kloster San Lorenzo El Real de El Escorial", 1998]

Und die beiden leeren Urnen sind - so sagte uns ein Aufseher - für König Juan Carlos und Königin Sofia reserviert. Die Gruft der Infanten wurde auf Initiative von Isabella II. gebaut und 1888 fertig gestellt. Jede ihrer neun Kammern besitzt einen Altar und ist mit Marmor ausgekleidet.
Die Kapitelsäle (salas capitulares) dienten der Zusammenkunft der einhundert Mönche, die das Kloster bewohnten. Es handelt sich um zwei Säle, die durch einen zentralen Vorraum voneinander getrennt sind, und zwar den Vikarsaal und den Priorsaal. In letzterem befindet sich u. a. Tizians "La ultima cena", das leider oben und an den beiden Seiten abgeschnitten wurde, um es in den freien Raum einzupassen, wo es im Kloster hängen sollte.
Über den Hof der Könige, wo wir kurz dem Gesang der Nonnen des angeschlossenen Klosters lauschen konnten, gelangten wir in die Bibliothek. Obwohl ihr Bestand mehrere Einbußen erlitt - die schwerste infolge des Brandes von 1671 -, sind heute über 40.000 Texte erhalten, unter denen sich eine überaus reichliche Sammlung lateinischer, griechischer, arabischer und hebräischer Handschriften befindet. Der Hauptsaal ist 55 m lang und 10 m breit. Er beeindruckt durch die reiche Gestaltung der Regale und seine Fresken. Interessanterweise stehen die Bücher mit dem Rücken zur Wand in den Regalen - um die Buchrücken vor Lichteinfluss zu schützen! Am Ende des langen Ganges steht die esfera armilar ("Kreiskugel") von 1582. Diese stellt ein altes Weltbild von Ptolomäus mit der Erde als Mittelpunkt dar.zum Anfang zurück

Von El Escorial nach Segovia

Am späten Vormittag waren wir mit der Besichtigung fertig. Wir wollten nun das in der Nähe liegende Faschismusdenkmal Valle de los Caídos anschließen. Auf dem Weg dahin sahen wir Hubschrauber mit Wassersäcken, die zur Brandbekämpfung eingesetzt werden. Am Eingang zum Tal wies man uns zurück mit der Begründung eines Feuers (inciendo). In dieser Gegend soll es schon öfter gebrannt haben. Nun gut, wir kommen am Ende des Urlaubes noch einmal hier vorbei. Vielleicht haben wir dann mehr Glück.
Wenig später erreichten wir Manzanares el Real (908 m NN, 4.500 Ew.). Das prächtige Castillo in gotisch-mudéjarem Stil aus dem 15. Jh. hatte Siesta, aber wir die Gelegenheit im Wehrgang spazierenzugehen. Von hier aus führte eine Nebenstraße am Embalse de Santanilla entlang nach Miraflores de la Sierra (1.150 m NN). Wir fuhren hinauf zum Pto de la Morcuera (1.796 m NN) in der Sierra de Guadarrama. Hier oben waren wir gegen 17 Uhr und das Thermometer zeigte immer noch 30 °C. Die Straße M-611 war eine landschaftlich reizvolle Strecke. Auf ihr ging′s hinab ins schöne Tal des Río Lozoya und Rascafría (1.163 m NN), durch das Tal hindurch und wieder hinauf zum Pto de Navacerrada (1.860 m NN) und zum Pto de los Cotos (1.830 m NN). Hier in der Nähe gibt es das Skigebiet Valdesquí, wo im Winter an den Skiliften unheimlich viel los sein muss. Genügend Parkplätze scheint es zu geben. Hier oben überquerten wir die Grenze zur

Region CASTILLA-LEÓN.

Da hier in Spanien die selbe Zeit läuft wie in Deutschland, wir aber sehr viel weiter westlich sind, hatten wir 1½ Stunden länger Tag und erreichten noch bei Helligkeit gegen 19 Uhr San Ildefonso (1.192 m NN) mit dem Versailles nachempfundenen Schloss La Granja. Der Besuch der ca. 145 ha großen herrlichen Parkanlage mit 26 Fontänen ist sicherlich erholsam und schön. Die Siesta war jedoch vorüber und viele Spanier aus ihren Häusern gekommen, um hier zu spazieren und zu flanieren. Und damit war es uns zu voll und zu laut. Das Schloss war um diese Zeit bereits geschlossen und von außen gibt es nicht sehr viel her.
Im letzten Sonnenlicht erreichten wir nach 260 Kilometernzum Anfang zurück

Segovia

(1.000 m NN, 53.000 Ew.) und übernachteten unterhalb der Kathedrale der Stadt an der nördlichen Flanke der Sierra de Guadarrama. Am nächsten Morgen hatten wir wieder Sonnenschein pur. 2½ Stunden ließen wir uns für die Stadtbesichtigung Zeit.
Der Alcázar ist eine gewaltige Festung, die im pinienbestandenen Westen der Stadt nahtlos aus der Stadtmauer wächst. Der ursprüngliche Bau aus dem 12. Jh. wurde im 14.-16. Jh. immer wieder den Wünschen seiner Bewohner, kastilischer Könige, angepasst. (Hinter der Stadtmauer beginnt die "Wüste".) Für Touristen war er heute geschlossen. Außerdem befindet sich hier die Militärakademie. Wir marschierten weiter zur Plaza de la Merced mit der romanischen Kirche Iglesia de San Andres, dann zur Iglesia de San Esteban. Diese steht unweit nördlich der Plaza Mayor an der leicht abschüssigen Plaza de San Esteban. Ihr hoher Turm besteht aus sechs durch Bogen aufgelockerten Segmenten und wird von einem Helm mit Wetterhahn abgeschlossen.
An der Nordseite der Plaza Mayor, lebhafter Mittelpunkt der Altstadt mit Straßencafés und einem Musikpavillon in der Mitte, steht das schlichte Ayuntamiento aus dem 17. Jh., an der Südostseite die 1558 vollendete gotische Kirche San Miguel, wo Isabella die Katholische zur Königin ausgerufen wurde. Die sich auf dem höchsten Punkt der Altstadt erhebende, aus gelbem Gestein erbaute Kathedrale ist eine spätgotische Basilika, die 1525-1593 errichtet wurde. Die ersten "Frühaufsteher" saßen bereits in den Bars und ein Zeitungsverkäufer war bei der Arbeit.
Das Wahrzeichen Segovias ist der Acueducto Romano, von der UNESCO zum kulturellen Erbe der Menschheit erklärt. Er überspannt am südöstlichen Ende der Stadtmauer die Plaza del Azoguejo und garantierte bis vor wenigen Jahren frisches Wasser aus den Bergen. Das eindrucksvolle Bauwerk wurde vermutlich unter Kaiser Trajan im späten 1. Jh. n. Chr. errichtet. Eine noch heute aus der Sierra de Fuenfría kommende 17 km lange Wasserleitung überschreitet mit 118 aus Granitquadern ohne Mörtel und Klammern erbauten Bogen (7-28,5 m Höhe) und 818 m Gesamtlänge (davon nach einem Knick in der südlichen Vorstadt 276 m mit 43 zweistöckigen Bogen über dem Platz) das von den Vorstädten eingenommene tiefe Tal und führt bis zur Oberstadt, wo sie unterirdisch beim Alcázar endet.zum Anfang zurück

Von Segovia nach Soria

Gegen 11 Uhr verabschiedeten wir uns und fuhren auf der N-110 weiter nach Pedraza de la Sierra (470 Ew.). Das mauerumgürtete kastilische Städtchen liegt auf einem Berg; ein schmales Stadttor erlaubt die Einfahrt in den Ort. Das Auto ließen wir - wie öfter in solchen kleinen Orten - außerhalb der Stadtmauern stehen. Die schöne Plaza Mayor ist noch im alten spanischen Stil erhalten, jedoch touristisch angehaucht. Die mächtige Burg thront auf einem riesigen Felsblock.
Durch die Meseta, die zentralspanische Hochebene, wo es an der neugebauten Straße keine Parkmöglichkeit gab, kamen wir nach Sepúlveda (1.032 m NN, 1.340 Ew.). Der Ort besitzt noch wohlerhaltene römische Befestigungen und mehrere romanische Kirchen. An einer Schlucht entdeckten wir in einer Felswand Gänsegeier, die sich durch uns nicht stören ließen. Eine Besichtigung des Castillos von Peñafiel (756 m NN, 5.000 Ew.) war nicht möglich, weil die Straße hinauf gerade neu gebaut wurde. Das 211 m lange, im 10. Jh. von den Grafen von Kastilien gegründete großartige Castillo weist 12 runde Türme und einen 24 m hohen Bergfried auf. Mitten in der Siesta erreichten wir den Ort Aranda de Duero (798 m NN, 31.000 Ew.). Die Kirche Santa María la Real, um 1500 von Simon von Köln begonnen, besitzt eine besonders schöne Fassade mit einem isabellinischen Portal. Einen kostenfreien Parkplatz gab es nicht. Wir bezahlten für eine halbe Stunde und hofften, dass die Kiche irgendwo in der Nähe sei... Sie war es, hatte aber geschlossen, wie jede Kirche während der Siestazeit. In einer Bar tranken wir eine Horchata und wollten dann weiterfahren. Bertram hatte beim Ausparken ganz schön zu tun, denn ein Lieferfahrzeug hatte uns "eingeparkt".
Da es sehr heiß war - gegen 17 Uhr immer noch 37 °C -, suchten wir den Stausee Embalse de Linares de Arroyo auf, in der Hoffnung auf ein Bad. Aber der Stausee war sehr dreckig und von unserem Standplatz unter einem Baum ziemlich weit weg. Das Problem allgemein: Aufgrund der großen Trockenheit in Spanien sowie der Nutzung der Flüsse für die Bewässerung der Felder, sind fast alle Stauseen im Spätsommer ziemlich ausgetrocknet und die meisten Flüsse führen kein Wasser mehr. Auch der Stausee von Linares de Arroyo hatte nur noch wenig Wasser. Also brachen wir auf und suchten uns einen anderen Platz. Es war nicht leicht, eine Stelle am wasserreichen Fluss Duero zu finden, an der man die Möglichkeit hat, ins Wasser zu gehen. Entweder ist das Ufer so steil, dass nur Angler zu ihren Fischgründen kommen, oder man findet keine Abfahrt von der Straße an den Fluss. Wir hatten Glück und noch vor dem Abendbrot nahm Bertram ein Bad im kühlen Nass. Mir war der Einstieg viel zu steil. Ich traute mich nicht, in den Fluss zu steigen, weil ich dachte, vielleicht komme ich da nicht mehr raus...
Im Dunkeln setzten wir später unsere Fahrt nach El Burgo de Osma fort und übernachteten dort nach 260 km auf einem großen Parkplatz vor der Stadtmauer.

Am nächsten Morgen - es war stark bewölkt und nur 11 °C - stand die Stadtbesichtigung von El Burgo de Osma (850 m NN, 5.050 Ew.) auf dem Programm. In der Bar Uxama, wo wir einen Kaffee tranken, war der Barmann zu den Spaniern richtig freundlich, zu uns eher muffig. Vielleicht sind die Leute morgens so launisch, weil sie so zeitig aufstehen müssen, schließlich war es erst 8.30 Uhr und die Straßen leer. Wir sahen an der Plaza Mayor das Rathaus und das Hospital de San Agustín aus dem 17. Jh., dessen Erkennungszeichen zwei wappengeschmückte Barocktürme sind. Die 1551 von Bischof Acosta gegründete Universität besitzt eine platareske Fassade. Die gotischen Kathedrale, schönstes und bedeutendstes Bauwerk der Stadt, wurde im 12. Jh. im romanischen Stil begonnen und ab 1232 gotisch fortgeführt. Der 72 m hohe barocke Glockenturm, Wahrzeichen der Stadt, ist im 18. Jh. vollendet worden. Wir waren zu früh dran, um hineinzugehen. Gegenüber der Kathedrale stehen hübsche uralte Häuser.
Unsere Weiterfahrt in Richtung Soria führte uns nun nach Gormaz (958 m NN), wo sich die Reste einer einst gewaltigen arabischen Burg aus dem 10. Jh. erheben. Hier oben wurde ebenfalls gebaut, aber die Aussicht auf die Hochebene war genial. Im Ort füllten wir unseren Wassertank auf. Wasserquellen muss man nutzen, wie sie kommen, damit wir nicht wieder einen leeren Tank haben wie in Pedraza. Auf der Suche nach einem Fotomotiv für das Castillo fand Bertram am Feldrand mehrere Wespenspinnen und anderes Getier. Also, das muss man ihm lassen: einen Blick dafür hat er ja. Mir wäre nie aufgefallen, dass dort etwas im Gras sitzt!
Nächste Station war Berlanga de Duero (922 m NN). Der Ort ist heute noch von Mauern umschlossen. Hier besichtigten wir die schöne Stiftskirche La Colegiata von 1530 und das großartige Castillo mit mächtigem Bergfried und zwei Mauerrringen. Als wir oben auf dem Berg am Fuße des Castillos standen, sahen wir einen Mountainbiker mit seinem Rad den Berg zum Castillo hinauffahren. Der hatte ganz schön zu tun, den steilen Hang hinaufzukommen.
Auf schönen alten Landstraßen kamen wir über den Ort Bordecorex, wo wir die Samenkapseln eines Leinfeldes im Winde wispern hörten, nach Almazán (950 m NN). Das kleine, über dem linken Ufer des Río Duero gelegene Städtchen besitzt noch Reste alter Mauern und Tore und mehrere, ursprünglich romanische Kirchen, die interessanteste: Iglesia de San Miguel. Es wehte immer ein starker, fast orkanartiger Wind, die Temperatur lag jedoch bei 37 °C.
Und wieder waren wir abends auf der Suche nach einem Badeplatz am Río Duero. Es schien, als hätten wir Pech. Erst an der letzten möglichen Stelle vor Soria, bei Ribarroya, klappte es. Der Fluss war hier recht flach und bildete einen kleinen Arm, in dem die Strömung nicht ganz so stark war. Hier konnten wir im Wasser plantschen (zum Schwimmen war es dann doch zu flach) und Haare waschen auf eine neue Art: einfach untertauchen und rubbeln. Es wurde ein gemütlicher Abend mit einem schönen Sonnenuntergang.
Kurz vor Einbruch der Dunkelheit bewältigten wir die letzten 15 km nach Soria, immer vor der Gewitterfront her, die über der Sierra de Guadarrama wütete. Unsere Vermutung: diese Nacht würde es regnen. Wir übernachteten in Soria vor einem Friedhof nach 154 Tageskilometern. Gegen 22.10 Uhr brach ein orkanartiger Sturm los, dass wir dachten, das Auto fliegt weg. Aber es regnete nicht und auf über 1.000 m Höhe waren es noch 31 °C!zum Anfang zurück

Soria

Morgens schien die Sonne wieder; es waren schon 28 °C, aber sehr schwül. Soria (1.063 m NN, 32.000 Ew.) war im Mittelalter eine wichtige Grenzstadt an der Duero-Linie, die das christliche vom maurischen Spanien trennte. Für heutige Verhältnisse ist sie relativ wenig entwickelt.
Bei der Stadtbesichtigung sahen wir die Catedral de San Pedro (12./16. Jh.), die u. a. ein platareskes Portal besitzt. Die Iglesia de Sto. Domingo aus der zweiten Hälfte des 12. Jh. zeigt die schönste romanische Kirchenfassade der Provinz Soria. Der Figurenschmuck des Portals gibt Szenen aus der Schöpfungs- und Heilsgeschichte wieder. Eine Plaza de Toros, eine Stierkampfarena, findet man in fast jedem Ort - auch wenn er noch so klein ist. Kurze Erholung im Parque Municipal Alameda de Cervantes. Unser Eindruck von Soria: es ist eine hässliche, stinkende und dreckige Stadt, ähnlich Ciudad Real (Castilla - La Mancha, Frühjahr 1999), aber nicht ganz so schlimm.zum Anfang zurück

Durch Naturparks nach Burgos

Über landschaftlich sehr schöne Straßen, auf denen man leider nirgendwo anhalten konnte, fuhren wir später weiter. Der Embalse de la Cuerda del Pozo (1.100 m NN) war interessant: Aufgrund des niedrigen Wasserstandes waren wir in der Lage, die ehemalige Landschaft auszumachen: aus dem Wasser ragten ein Kirchturm und eine noch halbwegs erhaltene Fabrik. Wie an jedem Wasser trafen wir auch hier den "Normalspanier" bei einem der Lieblingshobbys - Angeln.
In Vinuesa füllten wir unsere Nahrungsmittelvorräte auf, denn die sahen nur noch mager aus. Danach durchquerten wir das Reserva nacional de Urbión. Hier waren wir endlich einmal allein und konnten in Ruhe auf einem Waldweg in 1.650 m Höhe picknicken. Das Problem unserer Tour: Wenn man eine schöne Stelle für eine Pause gefunden hatte, dauerte es nicht lange und mindestens ein Spanier hält sich in der Nähe auf. So zum Beispiel an der Laguna Negra de Urbión. Obwohl richtig abseits auf 1.700 m Höhe gelegen, herrschte hier der Sommersonnenausflugsverkehr und der Ort war total überfüllt. Kein Wunder: die meisten Spanier bleiben während ihrer Ferien im eigenen Land. Also fuhren wir gleich weiter, wie immer, wenn möglich, auf Nebenstraßen. Der Vorteil: man hat seine Ruhe vor Rasern; die nutzen die Schnellstraßen. Später fanden wir eine Möglichkeit zum Aufstieg auf den 2.229 m hohen Berg Urbión. Der Waldweg wurde so schlecht, dass wir das Auto in ca. 1.800 m Höhe stehenließen und zu Fuß weiter gingen. Wir wussten jedoch nicht, dass sich der Weg über etliche Kilometer hinzog. Nach ½ Stunde Fußmarsch gaben wir auf. Wir hatten noch nicht genügend Kondition für solche Touren. Dafür wurden wir mit einer herrlichen Aussicht belohnt.
In Kastilien gibt es bei den Dörfern und vor allem in Waldgebieten sogenannte Erholungsplätze (area recreativa) mit Tischen, Sitzgelegenheiten und Grillmöglichkeiten. An den Wochenenden ist dort bis frühmorgens die Hölle los. Auf einem solchen Erholungsplatz machten wir unsere Abendbrotpause. Zum Übernachten war es uns jedoch nicht geheuer, so dass wir kurz vor Dunkelheit in den nächsten Ort, San Leonardo de Yagüe, gefahren sind. Wir hatten bis dahin 148 km zurückgelegt; mittags war es leicht bewölkt und 30 °C auf 1.000 m; abends noch 25 °C.

Am nächsten Morgen fuhren wir gegen 8 Uhr in den Parque natural Cañón del Río Lobos. Auf einer Wacholderheide frühstückten wir zuerst ausgiebig. Mit 12 °C war es noch relativ kalt. gegen 10.30 Uhr begannen wir unsere Fahrt durch den Cañón, eine herrliche durch Erosion des Flusses Río Lobos entstandene Schlucht mit viel Grün. Am Ende der Straße ließen wir den Bus stehen und unternahmen einen schönen Spaziergang bis zur Ermita de San Bartolomé, einer kleinen Felsenkapelle. Neben dieser befindet sich eine Höhle, die uralte Gravuren und Felszeichnungen beherbergen soll. Aber es waren viel zu viele Leute da, die Krach machten und die Höhle war völlig verrußt von Lagerfeuern. Wir zogen es vor, weiter zu gehen und die ruhigeren Stellen des Parks aufzusuchen. Es war jedoch nicht einfach, weil viele Leute quatschend und keifend durch die Gegend latschten, anstatt die Natur zu genießen. Wir schafften es dennoch, Gänsegeier beim Anflug auf ihre Brutfelsen zu beobachten. Auf dem Rückweg fanden wir noch herrliche Wasserfauna mit massig Fröschen.
Nach dem Besuch im Parque natural Cañón del Río Lobos begaben wir uns wieder auf die Hochebene. Auf dem Pico de Navas gibt es einen Aussichtspunkt, den Mirador de Costalago, von dem wir einen tollen Blick auf die Costalago-Ebene hatten. Bertram begab sich auf Heuschreckensuche und war überhaupt nicht mehr wegzubekommen. Von hier an war die Straße nur noch ein Forstweg (camino forestal) mit herrlicher Landschaft, Weiden und Kühen, was wir sehr genossen haben. Dann nahmen wir einen anderen Weg nochmals durch den oberen Teil des Parque natural Cañón del Río Lobos und kamen zur Puente de los Ojos, einer Brücke mit mehreren Bögen über den Oberlauf des Río Lobos. Aber - wo war der Fluss? Der Río Lobos war an dieser Stelle total ausgetrocknet, während wir bei unserem Spaziergang durch den Cañón am Unterlauf noch Wasser gesehen haben.
Nächstes Ziel unserer Reiseplanung war das Arlanza-Tal, ein wenig bekannter Nationalpark. Ich wollte unbedingt auf einen Campingplatz, um Haare zu waschen, und Bertram suchte eine Tankstelle, die auch nicht so üppig gesät waren. Also stellten wir die Tour durch das Arlanza-Tal um und zäumten das Pferd von hinten auf. Das Monasterio de San Pedro de Arlanza ist nur noch eine Ruine, die zur Zeit restauriert wird. Einen Teil durften wir nicht mehr besichtigen. Von einer Touristenführerin wurde uns gesagt, die gesamte Anlage sollte abgeschlossen werden (obwohl laut Anschlag bis 20 Uhr geöffnet sein sollte und wir 18 Uhr da waren). Eine spanische Familie, die nach uns kam, durfte rein... Das haben wir nicht verstanden.
Nun gut, wir setzten unsere Tour fort und erreichten nach 151 km Covarrubias (883 m NN, 650 Ew.), wo es einen Campingplatz der 1. Kategorie gab. Zuvor sahen wir uns etwas von der hübschen alten Stadt an, die einst Mittelpunkt des kastilischen Fürstentums war: das Stadttor "Arco del Archivo del Adelantamiento de Castilla", den "Torreón de Fernán Gonzáles", das Haus mit schiefem Turm, und die danebenliegende "Iglesia de San Cosme y San Damián". Wir konnten die Fütterung der Mehl- und Rauchschwalbenbrut beobachten - wie die Jungen mit aufgesperrten Schnäbeln in Reih und Glied auf dem Nest saßen und nach Futter riefen... In der "Iglesia de Santo Tomás" wurde wahrscheinlich für eine Aufführung geprobt, weshalb keine Besichtigung möglich war. Das Zusammenspiel von Orgel und Flöte hörte sich gut an. Vor der Kirche stand ein riesiger dreieckiger Lebensbaum. Darunter ein Tisch, an dem mehrere alte Leute saßen und Karten spielten. Man sieht die Spanier häufig draußen sitzen und Karten spielen, Zeitung lesen oder einfach nur miteinander reden. Der Campingplatz "Covarrubias" hatte einen Swimmingpool, den wir sofort nach unsrer Ankunft aufsuchten, um uns abzukühlen. Ach, war das schön - und die warme Dusche danach noch viel besser! Anschließend bereitete ich unser Abendessen vor - wir aßen häufig solch einfache Dinge wie Teigwaren mit herrlichen Soßen - während Bertram sich mit einem neu angekommenen Gast unterhielt. Er hieß Pedro und war mit seiner Harley-Davidson auf dem Weg von Salamanca nach Barcelona. Wir luden ihn zum Essen ein. Von Pedro, der perfekt deutsch spricht (sein Vater ist Deutscher), bekamen wir ein paar Tipps für unsere Weiterfahrt. Nach dem Essen, zu dem Pedro einen Rotwein aus der Region besorgt hatte, lud er uns in die Campingplatzbar zu u. a. "Carajillo con hielo" (Espresso mit Schuss auf Eis) ein. Danach spazierten wir in den Ort und kehrten in der Bar "Ticky" ein. Es waren abends immer noch 25 °C und wir machten es uns draußen gemütlich. Später fragte Pedro, ob wir "noch ′ne Runde gehen" wollen; das heißt hier in Spanien soviel wie: "Gehen wir in die nächste Kneipe?". Erst gegen 1.30 Uhr kehrten wir auf den Campingplatz zurück; es war frisch geworden, die Temperatur auf 18 °C gesunken. Wir verabredeten uns für den nächsten Morgen zum Frühstück.

Als gegen 8 Uhr die Sonne am wolkenlosen Himmel aufging, waren es nur noch 8 °C. Wir wollten nicht allzu spät aufbrechen, doch 9 Uhr war Pedro immer noch nicht aufgestanden, es waren wohl ein paar Bacardi-Cola zu viel. Bertram ging ihn wecken und nach einer kalten Gesichtsdusche war er wieder voll da. Ja, er ist wohl ein waschechter Spanier - und der kommt nicht vor 10 Uhr aus den Federn...
Gegen 10.15 Uhr konnten wir unsere Zelte abbrechen. Pedro wusste noch nicht genau, ob er heute oder erst morgen weiterfährt. Wir machten kurz Station an der mozarabischen Ermita de Santa Cecilia aus dem 12. Jh. Dann ging′s weiter nach Santo Domingo de Silos, einer schönen mittelalterlichen Kleinstadt. Man könnte denken, die Zeit sei stehengeblieben, wären da nicht die vielen Autos. Das Kloster wurde vermutlich schon im Jahre 593 von dem Westgotenkönig Reccared gegründet, von den Mauren zerstört und in den Jahren 1047-1073, als der hl. Dominikus von Silos Abt war, wieder mit Leben erfüllt. Für die Besichtigung des Monasterio mussten wir Eintritt bezahlen. Wir sahen den Kreuzgang und das war es schon. Der zweigeschossige Kreuzgang ist von verschiedenen Künstlern mit herrlichen Kapitellen ausgestattet worden, die Fabelwesen, Löwen, Hirsche, Adler, andere Vögel und reiches Rankenwerk zeigen. In den vier Ecken des Kreuzganges fanden wir je zwei Reliefs mit Motiven aus dem Neuen Testament. Die mudéjare Decke des unteren Kreuzganges ist mit Szenen mittelalterlichen Lebens bemalt. In der Nordgalerie befindet sich das Grab des hl. Dominikus. In die Kirche kamen wir zunächst nicht hinein. Es war ein bisschen enttäuschend - aber dann fanden wir doch den Kircheneingang; er war außerhalb und es kostete nichts. Auf dem Parkplatz, wo wir das Auto abgestellt hatten, trafen wir die ROTEL-Konkurrenz "Meierhofer Hotelreisen", die sich auf einer Reise auf dem Jakobsweg befanden. Die Gruppe, in der viele ROTEL-Aussteiger dabei gewesen sein sollen, hatte gerade Mittagspause. Wir wollten gerade aufbrechen, als eine Harley mit Pedro an Bord vorbeikam, so dass wir uns noch einmal verabschieden konnten.
Nächstes Ziel war die Yecla-Schlucht. Auf einem Steg gelangten wir durch die schmale 200 m lange Schlucht, die entlang der Straße führte. Normalerweise können hier Gänse- und Schmutzgeier, Kolkraben, Blauelstern und einige andere Vögel beobachtet werden. Aber daraus wurde nichts. Hinter uns drängelte ein Paar, 50 m hinter uns hörten wir eine Horde Kinder - da kann man Beobachtungen vergessen!
Auf der Landkarte fanden wir einen Aussichtspunkt, zu dem eine schwierige/gefährliche Strecke führt. Trotz fehlendem Wegweiser fanden wir die Auffahrt zum Pico de la Sierra (1.327 m NN), auf dem ein Funkturm steht. Die Straße war eine Piste, mehr ausgetrockneter Bach als Feldweg. Aber unser Bus hat die steile Auffahrt geschafft - und wir konnten eine herrliche Aussicht genießen. Leider war es diesig, so dass Burgos vor unseren Blicken verschwand.
Über weite gelbe Felder fuhren wir weiter nach Lerma (752 m NN, 2.500 Ew.); gegründet im 8. Jh. Wir machten hier einen kleinen Stadtrundgang: Der Palacio Ducal (Herzogspalast) an der Stirnseite eines riesigen Platzes war ziemlich heruntergekommen. Er wurde 1614 von Fray Alberto de la Madre de Dios errichtet. Die Kirche Monasterio de San Blas rechts neben dem Palast wirkte ebenfalls heruntergekommen. In der Stiftskirche Colegiata de San Pedro, die - wie üblich - während der Siesta geschlossen war, soll sich das Bronzegrabmal des Erzbischofs Cristóbal de Rojas von Sevilla befinden.

Heute hatten wir Pech, einen Badeplatz am Río Arlanza zu finden. Alle Abzweigungen von der Straße führten in die Irre oder an zu hohe Ufer. Ca. 20 km vor Burgos hielten wir unsere Siesta in einem der seltenen Wäldchen.zum Anfang zurück

Burgos

Nach insgesamt 141 Fahrtkilometern kamen wir im Dunkeln in der Provinzhauptstadt (860 m NN, 156.000 Ew.) an. Da es noch herrlich warm war, unternahmen wir gleich einen Stadtspaziergang. Es war unheimlich viel los: lustwandelnde Menschen unter der Platanenallee, Fußball spielende Kinder auf der Plaza Mayor... Kathedrale und Stadttor wurden herrlich angestrahlt. Wir übernachteten in der Nähe des Castillos.
Am nächsten Morgen, der uns bei starker Bewölkung begrüßte, begannen wir unseren Erkundungsgang durch Burgos. Fast der gesamte Altstadtkern nördlich des Río Arlanzón, der durch die Stadt fließt, überdauerte die Jahrhunderte. Zuerst wollten wir zum Castillo, das 1736 durch ein Feuer zerstört und zurzeit restauriert wurde; deshalb konnten wir es nicht besichtigen. Aber wir hatten eine grandiose Sicht auf die eng bebaute Stadt. Die Iglesia de San Esteban, die noch nicht geöffnet hatte, wurde in den Jahren 1280-1350 in gotischem Stil erbaut und verfügt über ein figurenreiches Westportal mit schöner Fensterrose.
Unübersehbar erhebt sich auf einer Terrasse am Fuß des Burghügels das UNESCO-Weltkulturerbe Catedral de Santa María, in ihrer Gesamtanlage und durch die Fülle plastischer Kunstwerke eine der eindrucksvollsten gotischen Kirchen. Der aus marmorartigem weißen Kalkstein errichtete Bau wurde 1221 mit der Grundsteinlegung durch Fernando II. begonnen; die drei Schiffe und die Portale waren bis zur Mitte des 13. Jh. fertig gestellt. Die Türme entstanden im 15. Jh., die letzten Arbeiten dauerten jedoch bis ins 16. Jh. an. Die nach Westen gerichtete Hauptfassade wird dominiert von den prachtvollen durchbrochenen Helmen der beiden 84 m hohen Haupttürme, die 1458 durch Johannes von Köln (Juan de Colonia) ausgeführt wurden. Die Kathedrale wurde um 9.30 Uhr geöffnet.

"Rodrigo Ruy Díaz de Vivar zählte zu jenen kastilischen Granden, die mit allen Wassern gewaschen waren. Als dem Adeligen für einen seiner kostspieligen Feldzüge wieder einmal das nötige Kleingeld fehlte, bat er einen jüdischen Geldverleiher um ein Darlehen, wofür er ihm eine mit Gold und Edelsteinen gefüllte Truhe als Sicherheit anbot. Der Geldverleiher gewährte den Kredit. Doch als er den Holzkasten öffnete, entdeckte er nur wertlose Steine..." [aus: "Schätze der Menschheit", 1995]

Dieser sagenhafte "cofre del Cid" mit seinen schweren Metallbeschlägen, noch heute bis zum Rand mit Steinen gefüllt, steht in der Kathedrale. Rodrigo Díaz (El Cid) fand hier neben seiner Gemahlin unter der Vierung seine letzte Ruhestätte. Innerhalb der Kathedrale herrschte wieder einmal Foto- und Filmverbot. Wenn man den Hauptaltar und den Kreuzgang sehen wollte, musste man einen relativ hohen Eintritt zahlen. Der weitere Rundgang führte uns zum Arco de Sta. María, ein von zwei halbrunden Türmen flankiertes Stadttor, das gestern abend angestrahlt war. Der Triumphbogen wurde im 14. Jh. in die Stadtmauer gebrochen. Statuen kastilischer Helden und Könige bewachen den Eingang zur Stadt. Das massive Bauwerk enthält neben sieben großen Kriegerstatuen Bildnisse des siegreichen Karl V. und von El Cid.
Wenn man auf den Brücken des Arlanzón steht, glaubt man gar nicht, dass man sich in einer Großstadt befindet. Der Fluss hat hier richtige Flussauen und windet sich in leichten Kurven durch das Bett. Wir konnten sogar eine Schwanenfamilie entdecken.
An der Plaza de Calvo Sotelo sieht man die für Burgos typischen verglasten Balkone, bei uns auch als Loggia bekannt. Über die C. San Juan kamen wir an der Plaza San Juan zur Iglesia de San Lesmes, die im 14./15. Jh. errichtet wurde.
Wir legten in der "Orleans-Cafetería" an der Plaza de España, wo das moderne Burgos beginnt, eine kleine Pause ein. Schließlich war es schon fast Mittag bei 31 °C und wir hatten noch nicht gefrühstückt und mächtigen Hunger. Verschiedene Tapas besänftigten unsere Mägen. Danach setzten wir unseren Rundgang fort.
Vor dem Theater steht das El-Cid-Denkmal. El Cid ist der spanische Nationalheld und die Leitfigur des Kampfes der Christen gegen die maurische Herrschaft. Der in Vivar bei Burgos geborene Ritter Rodrigo Díaz de Vivar kämpfte zunächst unter König Sancho II. von Kastilien gegen dessen Bruder Alfons VI. von León und erwarb sich durch seine Tapferkeit seinen ersten Beinamen ′El Campeador′ (′Der Schlachtensieger′). Nach der Ermordung Sanchos 1072 schloss er sich Alfons VI. an, der nun Herrscher beider Königreiche war. Im Jahre 1081 kam es zum Bruch, und Rodrigo Díaz wurde verbannt. Nach der Aussöhnung mit Alfons VI. eroberte er 1095 Valencia gegen die Almoraviden und fiel fünf Jahre später bei der Verteidigung dieser Stadt.
Die Casa del Cordón verdankt ihren Namen dem ′cordón′, der Kordel um die Kutte der Franziskaner, die das Portal des zwischen 1482 und 1492 für den Obersten Heerführer von Kastilien errichteten Hauses schmückt. In ihm empfingen die Katholischen Könige im Jahre 1497 Christoph Kolumbus nach seiner Rückkehr von seiner zweiten Reise in die Neue Welt. Danach kamen wir zur Iglesia de San Lorenzo und von dort zur Iglesia de San Gil aus dem 14. Jh. Diese konnten wir nicht besichtigen, weil gerade Trauungen stattfanden.
Dafür blieben wir ungefähr 1 Stunde davor stehen, um die Hochzeitsgesellschaften zu sehen. Ein paar junge Männer schmückten gerade ein Hochzeitsauto: zuerst füllten sie es mit aufgeblasenen Luftballons, dann packten sie es liebevoll in Toilettenpapier ein. Wir wussten nicht, ob die Zeremonie bereits begonnen hatte und wann das Brautpaar aus der Kirche kommen würde. Also warteten wir. Nach und nach kamen immer mehr Hochzeitsgäste: die Herren in feinen Anzügen, die Damen in Abendkleidern, je nobler, desto mehr Aufmerksamkeit. Dann kam noch ein Hochzeitsauto. Es war die nächste Gesellschaft; die Braut ähnelte mehr einer Matrone neben dem zierlichen Bräutigam. Mittlerweile war es schon 13 Uhr. Bis das erste Hochzeitspaar mit dem Fotografieren fertig wurde und zu seinem Auto zurückkehrte dauerte es einige Minuten. Es war köstlich anzusehen, wie Braut und Bräutigam das Auto aus dem "Geschenkpapier" wickelten und sich dann hineinsetzen wollten und auf ′zig Luftballons trafen. Sie warfen diese hinaus und die Kinder und Gäste liefen um die Wette, die meisten Ballons zu erwischen und knallen zu lassen.
Nun brachen wir auf; zuvor hatten wir in einem hübschen Fischgeschäft ein Stück Thunfisch gekauft - ich wusste gar nicht, dass dieser so groß ist! Über die C. del Puerto del Rey und die C. de la Llana de Afuera gelangten wir zur arkadengesäumten Plaza Mayor, die wir schon gestern Abend kurz gesehen hatten. An ihrer Südseite steht das 1791 erbaute Rathaus. Auf der Platanenallee war mittlerweile ähnlich viel Betrieb wie am Abend. Dazu spielte eine gute Jazzband. Ich entdeckte zwei Jungen, die dazu tanzten und am Musikpavillon baumelten.zum Anfang zurück

Auf dem "Camino de Santiago" nach Palencia

Gegen 14.30 Uhr verließen wir Burgos in Richtung Palencia. Wir befuhren nun einen Teil des "Camino de Santiago", der von Frankreich bis Santiago de Compostela führt. (Bis dahin wären es von hier aus noch 520 km.) Er war im Mittelalter die Route der Wallfahrer aus Mitteleuropa zum Grabe des Apostels Jakob (Apóstol Santiago) in Santiago de Compostela, gesäumt von romanischen Klöstern, Stiften und Andachtsstätten sowie von Hospitälern und Rasthäusern.
In Olmillos de Sasamón füllten wir unseren Wassertank auf. Neben einem Gehöft steht die stattliche Burg Castillo de las Cartagena aus dem 15./16. Jh. mit Türmen wie im Märchen.
Das Convento de San Anton ist zwar verfallen, aber die Straße führt durch einen seiner Bögen hindurch - gewaltig! Über Castrojeriz (808 m NN) kamen wir nach Frómista [1.000 Ew.], einer ehemaligen Pilgerstation am Jakobsweg. Fotostopps an der Iglesia de Sta. María del Castillo, und der Iglesia de San Pedro. Die Iglesia de San Martín (1066) ist noch heute Wallfahrtsort auf dem Jakobsweg. Die Backsteinkirche ist der Rest eines Benediktinerklosters und besitzt einen achteckigen Vierungsturm und zwei Rundtürme an der einfachen Hauptfassade.
Die Landschaft dient Dank der Bewässerung durch den Canal de Castilla als fruchtbare Getreideebene; leider mit nur wenigen Schatten spendenden Bäumen. Wir hielten unsere Abendsiesta in einem der raren Eichenhaine, bevor uns eine 8 km lange schnurgerade Straße bei immer noch 24 °C nach Palencia führte, wo wir dann auch übernachteten. Unsere Tagesetappe: 145 kmzum Anfang zurück

Palencia und Valladodid

Bei nur 15 °C begannen wir am nächsten Morgen die Stadtbesichtigung der Provinzhauptstadt Palencia (700 m NN, 75.000 Ew.). Vor der Catedral San Antolín war eine überdachte Sitzreihe aufgebaut. Hier konnten sich die Leute anstellen, die eine Ausstellung in der Kirche ansehen wollten; irgendwelche Gemälde. Wir fragten, ob wir uns die Kirche ansehen können; nein, hieß es, nur mit Eintrittskarte für die Ausstellung. Also sahen wir die schöne Kathedrale nur von außen. Sie wurde schon unter den Westgoten begonnen und romanisch vollendet, bis auf den Südturm.
Die Calle Mayor war noch total ausgestorben. Die meisten Einwohner schliefen offenbar noch. Auf der Plaza Mayor entdeckten wir einen kleinen Trödelmarkt und die Iglesia de San Francisco befand sich offenbar in Restauration. Nördlich der Stadt steht auf einem Hügel die kleine Ermita Cristo de Otero, Ziel einer alljährlich im April stattfindenden Wallfahrt von Palencia aus. Das Gotteshaus (von Kanonikus Juan de Tordesillas) wird überragt von einer 20 m hohen Statue des Santo Cristo Rey. Von hier oben hatten wir eine schöne Sicht auf Palencia.
Die Weiterfahrt nach Valladolid organisierten wir auf kleinen Nebenstraßen durch herrliche weite Felder und Wiesen. Wir machten Station in dem kleinen Ort Baños de Cerrato (731 m NN). Hier besuchten wir die kleine Basilika San Juan Bautista de Baños aus dem Jahre 661. Diese wurde vom Westgotenkönig Recceswinth als Dank für seine Heilung durch die hier befindliche Quelle gestiftet und im 9. Jh. erneuert. Sie ist wohl eine der ältesten Kirchen der Iberischen Halbinsel. Im Inneren tragen Hufeisenbögen auf einfachen Säulen mit Blattkapitellen drei Schiffe. Wir ließen es uns nicht nehmen, von der Quelle zu trinken und uns etwas zu wünschen.
Valladolid (694 m NN, 330.000 Ew.), das auf der fruchtbaren Hochebene von Altkastilien liegt, ist eine hässliche Industriestadt, größtes und modernstes Industriegebiet Kastiliens. Das alte Valladolid erinnert noch an die Pracht vergangener Tage, da Kastiliens Könige ihre Höfe eng mit der Stadt verflochten hatten, u. a. heiratete hier das katholische Königspaar Isabel und Fernando, und Christoph Kolumbus trat von hier aus seine letzte Reise an. In der Provinzhauptstadt leben 330.000 Ew. Das ehemalige Collegio San Gregorio hat ein wundervolles isabellinisches Portal. Der beeindruckende Bau wurde in der Rekordzeit von nur acht Jahren (1488-1496) erstellt. Neben seiner eigenen Pracht - filigrane Ornamente der Arkaden des Innenhofs und der Hauptfassade - beherbergt er das interessanteste Museum der Stadt, das Museo Nacional de Escultura mit einem repräsentativen Querschnitt bedeutender spanischer Bildhauer. Wir besichtigten die Retablen aus der Kirche San Benito. Gegen 13.45 Uhr wurden alle Besucher hinausgeworfen, denn da endete die sonntägliche Gratisbesichtigungszeit; die Siesta ist den Spaniern heilig.
Wir marschierten sofort zur Iglesia de San Pablo. Glück gehabt - wir konnten gerade noch eine Runde durch die hohe Kirche laufen, bevor wir auch hier hinausgeworfen wurden. Erst dann genossen wir in der Mittagshitze bei 31 °C die schöne, zwischen schlichten Ecktürmen emporsteigende Außenfassade, ein Werk des Simon von Köln.
In der Kirche San Benito war gerade eine Messe zu Ende, so dass wir auch diese Kirche ganz kurz besichtigen konnten, bevor bis 19 Uhr zugesperrt wurde. Die Kirche wurde 1499-1504 mit einer mächtigen offenen Turmhalle erbaut. Erst von weitem erkennt man die ganze Schönheit, die die Säulen ausmachen.
Die Plaza Mayor ist ein weiter, von Arkaden eingefasster Platz; es war nicht auszumachen, ob quadratisch oder rechteckig. Mitten in einem Meer von hässlichen Neubauten steht die Casa de Cervantes. Hier wohnte Miguel de Cervantes Saavedra von 1603 bis 1606. Das hübsche, völlig von Efeu und wildem Wein überwachsene Häuschen erinnert ein wenig an das uralte Valladolid; vor dem Haus floss einst der Río Esgueva, den hier eine kleine Brücke überspannte. Die Kathedrale wurde auch gerade restauriert; der 1580 vom Architekten Juan de Herrera begonnene Bau ist bis heute nicht vollendet.zum Anfang zurück

Von Valladolid nach León

Auf der Weiterfahrt erreichten wir nach 50 km Coca (790 m NN, 2.000 Ew.). Das hiesige Castillo de Fonseca wurde Ende des 15. Jh. von arabischen Architekten geplant und ganz aus Backstein erbaut, mit rötlichen Farben und in geometrischen Formen. Eine Brücke über den Burggraben führt durch das stattliche Haupttor Arco de la Villa hinter den ersten Verteidigungswall. An den Ecken des Walles, den wir auf dem inneren Wehrgang umwanderten, erheben sich mächtige polygonale Türme, die wiederum mit kleinen Wehrtürmchen versehen sind. Früher war es Sitz von Isabella der Katholischen - heute beherbergt es eine Agrarschule. Das Castillo kommt einem Märchenschloss gleich. Wir konnten zwar den Wehrgang fast umrunden; das Innenleben durfte nur gegen Eintritt besichtigt werden.
Diesmal übernachteten wir in Arévalo (826 m NN, 7.000 Ew.). Wir standen vor dem dortigen Castillo, wo ab 19 Uhr der Tummelplatz der Einheimischen entstand. Als der Wind drehte, roch es penetrant nach dem nahen Schweinestall. Also suchten wir uns in dem engen Ort ein anderes Übernachtungsplätzchen, was nicht ganz ohne Schwierigkeiten abging. Als wir durch eine schmale Gasse kamen, nahmen wir beim Um-die-Kurve-biegen die Plastikstühle eines Restaurants mit. Der Besitzer hatte diese direkt am Bordstein aufgestellt und auf der anderen Seite stand ein parkendes Auto. Der Besitzer schimpfte hinter uns her. Soll er seine Stühle doch weiter auf den Platz stellen...

Am Morgen spazierten wir gegen 8.15 Uhr durch den noch relativ menschenleeren Ort. Die Plaza de la Villa ist weitläufig, mit hellen Steinen gepflastert und gesäumt von alten Häusern, deren oberes Stockwerk, von Holz- oder Steinsäulen gestützt, weit hervorspringt und so schattige Arkadengänge schafft. Leider machte alles einen ziemlich verfallenen Eindruck, aber trotzdem einen bleibenden von der Lebensweise der Menschen Kastiliens. An der Ostseite der Plaza ragen die beiden großen Mudéjartürme der Kirche San Martín empor; an der Westseite steht die Kirche Santa María. Über dem Río Adaja thront das Castillo aus dem 14. Jh.; hier verbrachte Isabella die Katholische ihre Kindheit. Wir hatten die Burg schon am Vorabend gesehen; beeindruckend ist die Torre de Homenaje, rein kam man aber nicht, also setzten wir unsere Reise fort.
Nächste Station war Madrigal de las Altas Torres (810 m NN), 24 km westlich von Arévalo. Der Geburtsort von Isabella II. ist von einer Stadtmauer umgeben. Der ehemalige Herrscherpalast, wo Isabella bis zu ihrem vierten Lebensjahr wohnte und wo ihr Heiratsvertrag mit Ferdinand von Aragonien geschlossen wurde, beherbergt heute ein Kloster. In einer Bar tranken wir erst mal einen Kaffee, da wir noch nicht gefrühstückt hatten. Die Bar stand an einem Platz, auf dem eine provisorische Stierkampfarena aufgebaut war. Madrigal besitzt keine eigene Arena. Also muss der größte Platz herhalten, der mit Eisentoren und -gittern versehen wird, so dass kein Zuschauer in Gefahr gerät. Das Ereignis sollte am 15. September stattfinden. Mehrere Männer waren damit beschäftigt, den Weg, den der Stier getrieben werden wird, ebenfalls mit Eisengittern abzuzäunen. In einer carnicería, einer Metzgerei, sah ich ein Foto vom Anfang des 19. Jh. Es zeigte wie gerade ein Stierkampf auf dem Platz an der Bar stattfand, wahrscheinlich wurde er schon immer als Stierkampfarena genutzt.
Mittags bei wieder 31 °C und wolkenlosem Himmel waren wir in Medina del Campo (721 m NN, 20.000 Ew.), wichtiger Eisenbahn- und Straßenknotenpunkt; bis zum 16. Jh. einer der wichtigsten Handelplätze Europas; die Katholischen Könige erhoben ihn zur Residenz. Hier starb Isabella 1504. Wir fanden den Weg zum Castillo de la Mota nicht auf Anhieb. Das Castillo aus dem 15. Jh. ist eine der schönsten Burgen in Spanien, außerdem frisch restauriert, und man konnte es kostenlos besichtigen. Die untere Etage war restauriert und zeigt u. a. die Kapelle, den schönen Innenhof und einen Speisesaal. Bis heute haben wir nicht gewusst, wie so eine Festung, ein Castillo, von innen aussieht - und wir waren angenehm überrascht. Über die Hauptgeschäftsstraße kamen wir zur weiten Plaza Mayor. In der Bar "Monte Carlo" unternahmen wir etwas gegen Wassermangel. Die Straße vor der Bar war wie in Madrigal de las Altas Torres für den Stiereintrieb vorbereitet. In ganz Kastilien waren in der Woche vom 12.-19.09.1999 Fiestas und jeden Tag mindestens 3 Stierkämpfe. Im Hospital Simon Ruiz (im 16. Jh. vom gleichnamigen Kaufmann und Bankier errichtet) sollen heute noch die Krankensäle zu sehen sein. Das Hospital wird gerade total restauriert. Das sonst darin befindliche Gesundheitszentrum war kurzerhand in Container ausgelagert. Zuletzt sahen wir uns den Palacio de Dueñas, ein prächtiges, Wappen geschmücktes Adelshaus, und dessen schlichten Innenhof an.
Gegen 13.45 Uhr fuhren wir auf der Schnellstraße N-IV nach Tordesillas (702 m NN, 8.000 Ew.). Das Städtchen, auf einer Anhöhe über dem Río Duero gelegen, war ursprünglich ein alter kastilischer Markt. 1494 einigten sich im Kloster Santa Clara nach einem Schiedsspruch Papst Alexanders VI. die Kolonialmächte Spanien und Portugal auf den "Vertrag von Tordesillas", der die damals bekannte Neue Welt und noch zu entdeckende Gebiete unter beiden Ländern aufteilte. Auch hier bereitete man sich auf die Fiesta "Toro de la vega" vor, in deren Mittelpunkt der Stierkampf steht. An der Plaza Mayor tranken wir eine Horchata - in Castilla-León ein seltenes Vergnügen; anscheinend sind Horchatas hier nicht so bekannt wie in Südspanien.

Über Torrelobatón (754 m NN), das von einem gut erhaltenen Castillo aus dem 13. Jh. überragt wird, das Monasterio La Espina mitten im Wald und Castromonte kamen wir nach Medina de Rioseco (735 m NN, 5.000 Ew.). Die Kirche San Francisco wird nicht mehr genutzt und verfällt so vor sich hin. Die trapezförmige Plaza Mayor lag verlassen im Sonnenschein - Siesta. An einer Ecke steht eine Statue des Dichters Diego Romero. Die Hauptstraße des Ortes war besonders interessant: alle Häuser stehen auf dicken Holzpfählen (neuere Häuser haben Betonpfeiler), die eine Art Arkadenstraße bilden. In der Kirche Sta. María de Mediavilla wurden wir dumm angemacht, weil ich gefilmt habe; das Schild "Filmen und Fotografieren verboten" hatten wir nicht gesehen.
Wir setzten unsere Reise fort und suchten wieder mal ein Plätzchen am Wasser. An einer Schleuse am Canal de Campos gab es einen Picknickplatz. Wir beschlossen, dort unsere Siesta zu halten und zu duschen. Kaum waren wir da, kam ein Jugendlicher auf einem knatternden Moped vorbeigefahren, kehrte um und fuhr wieder zurück. Man ist doch nirgendwo allein! Wenig später entdeckte Bertram jemanden mit blauem Käppi hinter einem Gebüsch, der immer zu uns her schaute. Ich nahm das Fernglas, winkte ihm. Da kam der Opa hervor, spazierte auffällig unauffällig in unsere Richtung, setzte sich etwa 20 m vom Auto entfernt auf einen Baumstumpf und tat so als würde er Zeitung lesen. Dann ging er über die Schleuse, verschwand hinter dem hier befindlichen alten Speicherhaus. Zuerst dachten wir, er wäre nun in sein Dorf zurück gekehrt, aber Bertram entdeckte später das blaue Käppi im Gebüsch neben dem Speicherhaus. Erst als Bertram ihn fragte, warum er uns versteckt beobachte und nicht offen mit uns rede, verschwand der Alte. Nun konnten wir in Ruhe Haare waschen, das wie im Frühjahr mit der Gießkanne durchgeführt wurde. Zum Baden stieg Bertram kurz in den Kanal. Ich wollte das nicht, also nahmen wir die Gießkanne und duschten mich mit der Brause so ab. Ich befand mich gerade wieder im Handtuch, als ein Auto mit einem Paar angefahren kam. Er ging zum Kofferraum, holte sein Angelzeug heraus und gaffte und stierte, während ich versuchte, mich irgendwie anzuziehen ohne das Handtuch zu verlieren. Bertram fragte den Mann, ob es denn interessant sei, so zu gaffen, wir würden seine Frau ja nicht genauso begaffen; da packte er sein Zeug wieder ein und sie fuhren den Weg zurück, den sie gekommen waren. Während Bertram später auf Insektenpirsch ging, bereitete ich das Abendbrot vor. Als wir gerade beim Essen saßen, kam ein Mann mittleren Alters auf dem Fahrrad langsam über die Brücke gefahren, stellte sich scheinheilig auf die Schleuse, zündete sich eine Zigarette an und rauchte, während er immer wieder zu uns rübergaffte. Wir gafften zurück. Da wurde der Mann nervös, setzte sich auf sein Fahrrad und fuhr am Kanal zurück. Aber er konnte das Gaffen nicht lassen. In dem Moment stolperte er und fiel beinahe vom Fahrrad und mitsamt diesem fast in den Kanal. Ich musste so lachen. Strafe muss sein! Danach hatten wir Ruhe.
Zum Übernachten fuhren wir aber dann doch in das nächstgelegene Dorf, Cuenca de Campos (775 m NN). Es waren einfach zu viele Leute vorbeigekommen, als dass wir hier noch sicher wären. Tagespensum: 179 km. Die Stelle war relativ ruhig, doch gegen 1.30 Uhr morgens wurden wir von einem Kläffer geweckt, der einfach nicht wieder aufhören wollte zu bellen. Erst als Bertram mit einem Stein nach dem Köter warf, gab der Ruhe.

Morgens suchten wir uns einen schönen Platz im Feld zum Frühstück. Es wehte ein starker Wind aus Ost und brachte dunkle Schlechtwetterwolken mit. Das Thermometer zeigte lediglich 14 °C. Später stieg es auf 27 °C, der Wind schwächte etwas ab; in León hatten wir später sogar wieder 30 °C.
Auf unserem Weg kamen wir durch eine regelrechte Geisterstadt: Villacreces. Sie stand zwar noch auf der Landkarte, aber die Leute, die wir nach dem Weg dorthin fragten, schauten uns ganz entgeistert an. Als wir die Stadt erreichten, wussten wir warum: Viel war nicht mehr übrig, der Ort seit mindestens 10 Jahren verlassen. Das einzige intakte Gebäude war der Kirchturm. Die anderen Häuser fallen in sich zusammen, bis nur noch ein Lehmhaufen übrig ist. Das ist der Vorteil von Lehmziegelbauweise: man spart die Abbruchkosten. Auf der Weiterfahrt - die Straße hier war zum ausgewaschenen Schotterweg verfallen - sahen wir auf den Feldern Turmfalken. Leider konnten wir sie weder filmen noch fotografieren. Sobald der Bus hielt, waren sie weg; manchmal schon allein bei der Annäherung. Also werden hier auch Falken zum Zeitvertreib abgeschossen.
Nächste Station war der Ort Grajal de Campos. Wir besichtigten die Iglesia Parroquial, die Pfarrkirche an der Plaza Mayor. Es ist eine schöne alte Kirche mit knarrenden Dielen. Die Gebäude an der Plaza Mayor sind sehr alt und schön, aber leider auch sehr verfallenen. Sie gehören zu einem ehemaligen Adelspalast. Das Castillo sahen wir nur von außen; an einer Seite lugte sogar eine Kanone aus der Mauer.
Später kamen wir nach Sahagún (836 m NN). Es ist keine schöne Stadt, und sie gibt nicht viel her. Lediglich die romanische Iglesia de San Tirso ist mit ihrer seltenen Lehmziegelbauweise sehenswert. Drinnen schlicht gehalten, aber prunkvolle Prozessionsstatuen aufgebaut. Die meist Marienstatuen sind mit Tüll und dunklem Samt bekleidet.
Auf dem weiteren Weg nach León kamen wir durch typische leónesische Landschaft, am Horizont sahen wir die Bergspitzen des Kantabrischen Gebirges, der Grenze zur Region Asturien. Wir hielten Siesta am Monasterio San Miguel de Escalada, ausnahmsweise einmal mittags. Das Monasterio öffnete erst um 17 Uhr wieder seine Pforten. Drinnen waren nur noch die Säulen zu sehen, aber keine Einrichtungsgegenstände mehr. Mit viel Fantasie konnten wir uns einigermaßen vorstellen, wie es mal hier drinnen ausgesehen hat. Das Kloster wurde 913 von Mönchen aus Córdoba gegründet und ist eines der schönsten Beispiele für mozarabische Kirchenarchitektur in Spanien. Dies kommt besonders in den Hufeisenbögen des südlichen Seitenschiffs und den westgotischen und maurischen Reliefs in den Apsiden zum Ausdruck.
Wir erreichtenzum Anfang zurück

León

gegen 18.30 Uhr. Die Provinzhauptstadt (837 m NN, 139.800 Ew.) entstand um das Jahr 70 n. Chr. aus der siebten römischen Legion und kam so zu ihrem Namen. Ab 914 bildete sie das Zentrum des Königreiches León und einen der ganz wichtigen Knotenpunkte auf dem Jakob-Pilgerweg.
Es erwies sich als äußerst schwierig, in der vielbefahrenen Stadt einen Parkplatz zu finden. Am Paseo de la Contesa de Sagasta, einer Hauptverkehrsstraße in der Nähe der Gta. Guzmán el Bueno, konnten wir einen ergattern. Da wir keine Lust hatten, bei dem Lärm zu übernachten, beschlossen wir, die Besichtigung am Abend durchzuführen.
Über die verkehrsreiche Av. de Ordoño II/Generalísimo Franco gelangten wir zur Catedral de Santa María de la Regla, die zurzeit teilweise restauriert wird. Da um 19 Uhr die Siesta endete, kamen wir in den Genuss der schönen Kathedrale aus dem 13.-15. Jh. - ohne etwas bezahlen zu müssen. Die eindrucksvolle Kirche hat eine Länge von 91 m und ist eines der hervorragendsten Werke der Frühgotik auf spanischem Boden. Die aus dem 13. bis 20. Jh. stammenden 12 m hohen Glasgemälde nehmen eine Fläche von 1.800 m2 ein; die ältesten sind die der mittleren Chorkapelle und die in den Rosenfenstern der West- und Nordseite. Ihre Lichtwirkung ist wunderschön.
An der kleinen, von Arkaden eingefassten Plaza Mayor steht das stattliche zweitürmige Alte Rathaus (Consistorio Antiguo) von 1677. Die Plaza soll, wenn Markt abgehalten wird, einnehmenden Charme und Lebendigkeit haben. Am Abend wirkte sie eher ruhig.
Durch die vielen Fußgängerzonen gelangten wir zu der ab 1056 erbauten Real Basilica de San Isidoro, deren Turm in die Stadtmauer integriert ist. Wir konnten die Basilika noch kurz besichtigen, bevor die nächste Messe anfing. Die Kirche hat große Bedeutung für die spanischen Katholiken: Die Gebeine des heiligen Isidro, Bischof von Sevilla und wichtigster westgotischer Kirchenlehrer, wurden 1063 von Ferdinand I. aus Sevilla hierher überführt.
Entlang der mächtigen Stadtmauer (Muralla) spazierten wir zur Puerta del Castillo, einem Stadttor von 1759, und dann langsam zum Auto zurück. An der Plaza Sto. Domingo in der Nähe der Kathedrale steht als auffälligstes Gebäude die Casa de Botines, ein ulkiges Haus des katalanischen Architekten Antoni Gaudi. Es wurde von diesem 1894 im neogotischen Stil fertig gestellt; heute befindet sich hier eine Pfandleihe.
Zum Übernachten sind wir auf der Provinzstraße LE-311 aus León heraus gefahren. Es erwies sich als schwierig, einen geeigneten Übernachtungsort zu finden, denn bei den Orten handelte es sich um Straßenkäffer ohne Zentrum. Dazu kam, dass die Straße neu gemacht wurde und man kaum runterfahren konnte. Erst in Pedrún de Torio fanden wir - nach insgesamt 239 km - am Ortsende oben auf dem Berg einen ruhigen Platz fernab der Rennstrecke. Wir unterhielten uns kurz mit einem hier wohnenden ehemaligen Gastarbeiter; er freute sich deutsch zu sprechen. Sein Sohn ist in Deutschland verheiratet; seine Enkel wollen aber nicht spanisch mit ihrem Großvater reden.zum Anfang zurück

Durch das Kantabrische Gebirge nach Zamora

Nun führte uns unsere Reise an den nördlichsten Punkt Castilla-Leóns und ein kleines Stück durch das Kantabrische Gebirge nach Asturien, weil es keine andere Straße gab. Morgens in Pedrún de Torio zeigte das Thermometer 12 °C, die Fernsicht war super. Mittags zog stärkere Bewölkung auf und die Temperatur stieg auf 27 °C.
Durch die Schlucht Las Hoces, wo wir Gletschermühlen - das sind riesige Löcher in den Flusssteinen mit einem kleinen kugelrunden Stein darin - sahen, kamen wir nach Felmín. Von hier aus führte ein laut Straßenkarte gefährlicher Weg hinauf ins 1.370 m hoch gelegene Valporquero. Die Straße war verbreitert worden und gar nicht mehr gefährlich. Bei dem Ort gibt es die Cuevas de Valporquero, prächtige Tropfsteinhöhlen, die wir besichtigen wollten. Wir zogen uns schnell wärmere Sachen an, als es anfing zu gießen. Schnell liefen wir zum Ticketschalter und besorgten uns zwei Eintrittskarten. Wir hatten Glück: um 11 Uhr, also 5 min später, begann eine Führung. Als wir mit dem guída, dem Führer, bereits drinnen waren, kam eine deutsche Reisegruppe hinterher. Der Reiseleiter fragte unseren Führer, ob er übersetzen dürfe. Wir freuten uns, denn es war für mich nicht immer leicht, die Spanier zu verstehen. Die Höhle ist "erst" 2 Mio. Jahre alt; für ihre Dimension ist sie unheimlich schnell gewachsen. Vor 400 Jahren wurde sie entdeckt.
Die Reisegruppe gehörte zu Kögel-Radreisen aus Bayern. Sie fahren oder radeln den Jakobsweg entlang, übernachten in 5-Sterne-Hotels, die Räder können auch im Bus-Anhänger transportiert werden; das ist mal eine andere Art, Urlaub zu machen. Gegen 13.30 Uhr frühstückten wir ausgiebig auf dem Mirador Atalaya etwas oberhalb von Valporquero. 14.30 Uhr setzten wir unsere Reise fort.
Vom Puerto de Pajares, der auf 1.364 m NN gelegenen Grenze zwischen den Regionen Castilla-León und Asturien, hatten wir eine wunderbare Sicht auf das Kantabrische Gebirge. Die Straße hinauf war schwierig, die hinab extrem steil. Mit durchschnittlich 12 %-igem, einmal 17 %-igem Gefälle überwanden wir einen Höhenunterschied von fast 1.000 m. Die hinauf kraxelnden Lkws kamen kaum vom Fleck, so quälten sie sich die Steigung hinauf. Und das alles, um die Mautgebühren der parallel, aber durch Tunnel verlaufenden Autobahn A-66 zu sparen. Auf dieser Autobahn fuhren wir nach Castilla-León zurück.
Unsere geplante Route mussten wir dann etwas umstellen. Die Höhenstraße, die wir ursprünglich fahren wollten, war wegen einer Sprengung noch 2 Stunden gesperrt. (Sprengungen der Hänge sind notwendig, um die Straßen zu verbreitern.) Wir wählten also die Strecke am Embalse de los Barrios de Luna entlang. Dieser Stausee führte auch kaum noch Wasser. Wir konnten die Baumallee entlang des ursprünglichen Flusslaufes deutlich erkennen. Die Baumstümpfe existierten noch. Die Umwegstrecke durch das Tal war landschaftlich nicht so schön. An einem Pass auf einer Hochebene in 1.300 m Höhe hielten wir unsere Abendsiesta. Es zog bald ein sehr starkes Gewitter auf, die Temperatur ging zurück auf 14 °C. Und dann begann es fürchterlich zu regnen, 2 Stunden lang. Wir dachten es hört überhaupt nicht mehr auf. Als es dann doch aufhörte, wollten wir in den nächsten Ort zum Übernachten fahren. Da entdeckten wir in der Dämmerung eine riesige Brandfläche, wo es nach dem Regen extrem nach verbranntem Holz roch. Es war schwierig, in den Bergdörfern eine waagerechte Standposition zu finden. In Los Bayos (ca. 1.400 m NN) hatten wir Glück. Es war köstlich: Als wir eine Weile gestanden haben, kam ein älterer Herr aus dem nahe liegenden Haus und linste zu uns rüber. So als wollte er wissen: Was ist das? Er traute sich auch nicht näher zu kommen. Er ging kurz zurück und kam wieder raus. Vielleicht hat er ja auch ein Gewehr geholt... Tagespensum heute: 191 km.

Am nächsten Morgen kehrten wir zum abgebrannten Hang zurück und sahen das ganze Ausmaß des Buschbrandes: bis kurz vorm Ort war alles schwarz. Solche Brände entstehen bei dieser Trockenheit im Sommer häufig. Schuld daran sind sicherlich in erster Linie die Raucher. (Spanien ist das Raucherland Nr. 1 in Europa; jeder zweite pafft; in allen öffentlichen Einrichtungen und Geschäften ist Rauchen erlaubt.) Der unachtsame Spanier wirft die noch glühende Kippe einfach aus dem Autofenster. Aber wir sahen auch die grüne natürliche Seite des Tals.
Auf dem Weg nach Ponferrada erlebten wir den Kohlebergbau. Die Straße war von Kohlelastern überfüllt, die Landschaft verdreckt. Am Embalse de Barcena sahen wir eine Kohlebahn, die langsam vom Industriegebiet zum Kraftwerk dampfte, das sich am Ufer des noch relativ viel Wasser führenden Stausees befand.
In Ponferrada (543 m NN, 63.000 Ew.), waren wir am späten Vormittag. Hier trafen wir einige Pilger, die sich auf dem Camino de Santiago befanden. Diese erkennt man sofort an ihrem Outfit, ob sie zu Fuß unterwegs sind oder den Weg per Drahtesel bestreiten. Sie tragen einen großen Rucksack mit baumelndem Kochtöpfchen und haben meistens einen Pilgerstock dabei. Den Camino de Santiago erkennt man an Straßenschildern mit der (stilisierten) Jakobsmuschel, die wie eine Sonne oder das Symbol "Licht einschalten" aussieht. Das Castillo de los Templarios, eine der bedeutendsten Burganlagen Spaniens, schaut aus wie im Märchen Dornröschen, aber hier verlangte man schon für den Wehrgang Eintritt. Also sahen wir es nur von außen. In der gotischen Kirche Nuestra Señora Sta. María de la Encina kehrten während unserer Anwesenheit auch einige Pilger ein.
Nach Ponferrada besuchten wir Villafranca del Bierzo, ebenfalls Station auf dem Pilgerweg. Hier gibt es die romanische Iglesia de Santiago, die gebaut wurde, um gestrauchelten Pilgern eine Zuflucht zu geben. Neben der Kirche steht die alte Pilgerherberge, die mittels Spendengeldern gerade restauriert wird, sie war schon gut belegt.
Vom Mirador "Balcón del Bierzo" in Santalla hatten wir eine schöne Aussicht auf das Bierzo-Tal, aber eine nicht so schöne auf die dunklen Wolken, die immer mehr Besitz vom Gebirge ergriffen. An der Straße stand ein großmäuliges Hinweisschild auf das Menschheits-Kulturerbe "Las Médulas". Wir waren neugierig, obwohl weder im Baedeker- noch im Kulturführer darauf hingewiesen wird. Die rot leuchtenden Berge waren ja auch faszinierend. Hier gibt es Goldminen aus der Römerzeit mit weit verzweigten Wasserleitungen - manchmal mehr als 40 km lang, breiten Stollen, großen Kegeln, Teichen, Schachteinfahrten, Schluchten und Höhlen. Wir fanden davon allerdings nichts. Der Weg zu den Höhlen war nämlich kurzerhand gar nicht beschildert. Nur wenn man sich einen teuren guída nimmt, kommt man offensichtlich in den Genuss, die alte Goldmine zu sehen. Und um zum Aussichtspunkt auf die roten Berge zu gelangen, musste man noch 5 Kilometer laufen. Dazu hatten wir absolut keine Lust mehr. Im Gegenteil: Wir ließen uns das eine Lehre sein und wollten nie wieder einem Hinweisschild auf ein Kulturgut folgen, das nicht in einem unserer Führer stand.
Wir fuhren nun durch eine herrliche Landschaft. Das Tal war so eng, dass man sich wundern muss, dass hier überhaupt eine Straße durchführt. Und diese war nicht einmal zu schmal. Noch bemerkenswerter für uns waren die Dörfer, wie sie sich an und in die Hänge schmiegten. Dass man überhaupt dort bauen konnte... Auch hier in dem schönen Waldgebiet gab es wieder riesige Brandflächen, die meisten schon längere Zeit zurück liegend. Dort kommt das Grün langsam wieder durch.
Wir fanden einen relativ ebenen Standplatz zum Übernachten in dem kleinen Bergdorf Silván auf 950 m Höhe. Hier oben lebten die Menschen scheinbar um Jahrhunderte zurück versetzt. Abends wurden die Kühe und Esel von den Wiesen ins Dorf hinein getrieben und beim Besitzer abgeliefert. Wir waren d a s Weltwunder. Die Menschen hier haben wohl noch nie einen (ausländischen) Wohnbus gesehen. Ein jüngerer Mann erklärte einer Dame, das sei eine "coche travallero", ein Reiseauto; das war richtig süß. Als es dunkel wurde, kam ein Mann in Jogginghosen und nacktem Oberkörper und ging zu dem alten, vergammelten Fahrschul-Auto neben uns. Er ließ den Motor lange laufen und stank uns ein, schaute in den Kofferraum, so als würde er nachsehen, ob noch alles da ist. Dann fuhr er den steilen Berg weiter in das Dorf hinein. Wahrscheinlich dachte er, wir wollten ihm sein Auto klauen. Warum kommt er sonst aus dem Bett und fährt es weg? - Wir jedenfalls würden uns doch ein viel besseres Auto aussuchen!!! Heute haben wir eine Strecke von 217 km hinter uns gebracht. Erstaunlich war: Um 21.30 Uhr waren es auf 950 m NN immer noch 21 °C, und das Anfang September!

Wir haben herrlich geschlafen. Es war so ruhig wie lange nicht mehr. Am anderen Morgen unterhielten wir uns kurz mit einem Bauern, der seine Kühe wieder auf die Weide treiben wollte, um so den Dorfbewohnern die Angst zu nehmen. Die Kirche, vor der wir übernachtet hatten, besitzt einen schönen alten spanischen Kirchturm: ein flacher Steinbau mit zwei Löchern für die Glocken. Eine Treppe führt an der Hinterseite hinauf; der Glöckner läutet heute immer noch manuell.
Nach dem Frühstück setzten wir unsere Reise durch die Montes de León fort. Auf einem Pass in 1.300 m Höhe konnte sich Bertram nicht zurückhalten. Etwa eine Stunde verbrachten wir bei der Heuschreckenjagd. Über Robledo de Losada, wo es noch runde Speicherhäuser gibt, und Nogár kamen wir zum Canal Romano de Peña Aguda auf 1.265 m Höhe. Diese von den Römern erbaute Wasserleitung ist insgesamt 90 km lang und wurde genutzt, um das Wasser in die Goldminen von Las Médulas zu transportieren. In der Sierra de Cabrera überquerten wir am Alto del Peñon auf 1.840 m Höhe nach extrem ansteigender Straße die Provinzgrenze zwischen León und Zamora. Von weitem sahen wir die Rauchsäule eines Buschbrandes. Der Rauch färbte die Wolken mit einem Ton zwischen rot und lila. In der Ferne waren die Berge von Portugal zu sehen. Die hinab führende Straße war zwar erst neu gemacht, ging aber schon wieder kaputt. Man hatte Sand aufgeschüttet, um die Straße zu verbreitern, dabei aber offensichtlich die Erosion vergessen. An der Talseite rutschte der Sand weg und nahm die Straße mit; nun hatte sie wieder ihre ursprüngliche Breite. Hätte man das EU-Geld nicht für andere Dinge verwenden können, als es auf solche Art und Weise regelrecht zu verschwenden?
Auf der Weiterreise kamen wir am Castillo von Puebla de Sanabria (1.700 Ew.) vorbei und sahen auch den Ort selbst. Dann führte uns der Weg durch das Reserva Nacional de la Sierra de la Culebra mit einer herrlichen Buschlandschaft immer an der portugiesischen Grenze entlang. Am Embalse del Esla de Ricobayo wollten wir übernachten. Die alte Straße war unterhalb der neuen noch ein Stück erhalten. In der Dämmerung, nach dem Abendessen, nahmen wir ein kurzes Bad im kalten Stauseewasser. Wir mussten fast einen halben Kilometer bis zum Ufer laufen. Vom Auto aus sah es gar nicht so weit aus. Bei vollem Stausee wäre der Weg nicht so weit gewesen. Als es dunkel wurde, war es uns auch nicht mehr geheuer. Allzu viele Geräusche haben wir gehört. Wir sind halt wieder zu nahe bei einer Stadt, als dass man noch in der Wildnis übernachten könnte. Also fuhren wir noch ein Stück weiter und übernachteten nach 202 km in Palacios del Pan in der Nähe von Zamora. Mit dem Wetter hatten wir wieder unheimliches Glück. Nachdem es morgens nur 12 °C waren, zeigte das Thermometer um die Mittagszeit 28-30 °C bei leichter Bewölkung. Und abends waren es immer noch 18 °C.zum Anfang zurück

Zamora

Am Morgen - es waren 17 °C - fuhren wir in die Provinzhauptstadt Zamora (649 m NN, 65.000 Ew.) hinein. Im südlichen, etwas erhöht gelegenen Teil der Altstadt, die von alten Befestigungen mit Stadttoren umgeben ist, erhebt sich nahe am Río Duero die größtenteils romanische Kathedrale (1151-1174). Der viereckige Turm ist schlicht; die Kuppel besitzt ein mit schuppenartigen Steinplatten gedecktes Dach. Das Innere birgt ein beachtenswertes Chorgestühl (1480) von Rodrigo Alemán, der in seinen Schnitzereien neben Heiligen auch Figuren der Antike und derbe, lebensfrohe ländliche Szenen darstellte. Die Capilla Mayor, die einen Marmorretablo besitzt, war für eine bevorstehende Hochzeit geschmückt. Die Grabmäler in der Kathedrale sind wunderbar filigran gestaltet; beachtenswert die Steinmetzarbeit des Grabes des Doctor Grado in der Capilla San Juan. Das Castillo, in dem heute eine Kunstschule untergebracht ist, war wegen Restauration geschlossen, aber der Park sehr schön. An der Südseite der kleinen Plaza de Claudio Moyano steht die außen eindrucksvolle Reliefs tragende romanische Kirche San Cipriano aus dem 12. Jh., deren Gitterwerk in der Apsis das vermutlich älteste in Spanien ist. Vorbei am Palacio de los Condes Alba y Aliste, heute Parador Nacional, kamen wir zur Plaza Mayor. Das Rathaus stammt von 1622.zum Anfang zurück

Durch die Agrarsteppe nach Salamanca

Bertram hatte irgendwann einmal im Fernsehen einen Beitrag über Großtrappen gesehen. Diese sollten hier in der Nähe leben. Also begaben wir uns in die Agrarsteppe zu den Lagunas de Villafáfila (ca. 700 m NN). Wir stellten das Auto bei Gluthitze in der Salina Grande ab. Diese war nämlich ausgetrocknet. Nur ein kleines Rinnsal existierte noch. Dort fanden wir Heuschrecken, Frösche und in unterschiedlichen Farben schillernde Libellen. Leider waren sie viel zu schnell, als dass wir sie mit der Videokamera einfangen konnten. Ein Schäfer auf seinem Esel trieb seine Schafe an unserem Bus vorbei und schaute immer wieder verstohlen zu uns. Wir sahen hier zwar das Schild der Begrenzung des Vogelschutzgebietes, aber noch keine Großtrappen. Auf einem Schotterweg konnten wir um das Gebiet herum fahren. Dann ließen wir das Auto stehen und liefen über die Steppe in Richtung Vogelschutzgebiet. Immer schön langsam mit dem Fernglas im Anschlag. Und dann sahen wir sie - zuerst nur die Köpfe, dann die ganzen Tiere: 13 Großtrappen. Wir haben sie gefunden!!! Sie befanden sich zunächst ca. 300 m von uns entfernt, aber flüchteten bis auf mindestens einen Kilometer. Wir gingen zum Auto zurück und verbrachten etwa 3½ Stunden hier. Leider kamen die Großtrappen nicht mehr zu ihrem alten Platz zurück. Sie waren jetzt etwa an dem Ort, wo wir vorher die Libellen gesehen hatten. Sie beobachteten uns offenbar immer noch - und jeder Mensch bedeutet Gefahr.
Irgendwann brachen wir auf und fuhren langsam an dem gesamten Schutzgebiet vorbei. Hier gab es sogar ein Vogelobservatorium. Dieses war zur Zeit geschlossen, es würde auch erst zur nächsten Brutsaison wieder für Besucher offen stehen. Dann führen die Lagunen auch Wasser; jetzt war alles ausgetrocknet und die Enten und andere Wassertiere verschwunden. Die Taubenhäuser, die es hier gibt, sind zum Teil uralt. In einem inneren Mauerring befinden sich die Bruthöhlen und in dem äußeren ein paar Ausfluglöcher. Teilweise sind diese runden Häuser schon restauriert.
Die Kleinstadt Toro (754 m NN, 9.800 Ew.) lag auf unserem Weg; also machten wir kurz Station. Aber wir waren etwas enttäuscht. Die Stiftskirche Santa María La Mayor ist das bedeutendste Kirchenbauwerk der Stadt. Im Innern soll in der Sakristei das Gemälde (La Virgen de la Mosca = Maria mit der Fliege) von Fernando Gallego zu sehen sein, das als eines der besten Porträts von Isabella der Katholischen gilt. Und natürlich entdeckten wir am Eingang ein riesiges Schild "Fotografieren und Filmen verboten". Also gingen wir auch nicht rein. Die Sicht auf La Vega de Toro, die fruchtbare, grüne Ebene, war dafür um so schöner.
Kurz nach 19 Uhr fuhren wir weiter nach Alba de Tormes (821 m NN, 4.200 Ew.). Wir wollten im Restaurant "Alameda", das uns Pedro empfohlen hatte, die Spezialität des Hauses, cochinillo (Spanferkel) essen. Der Weg war elend lang, die Straße führte nicht durch die Dörfer hindurch sondern verzweigte sich einfach; immer wieder mussten wir nach dem Weg fragen. Wenn wir das gewusst hätten, wären wir sicherlich die Schnellstraße gefahren. Als wir - nach 216 Tageskilometern - vor dem Hotelrestaurant standen, sah man uns "mitleidig" von oben bis unten an, fragte uns aber nicht nach unseren Wünschen. Offenbar waren wir zu schäbig angezogen fär das Restaurant. Nebenan befand sich eine Bar, wo mehrere Familien Karten und anderes spielten. Hier richteten wir die Gräße von Pedro aus, aber scheinbar kannte man ihn hier doch nicht so, wie er dachte. Spanferkel gab es auch nicht, also bestellten wir uns Paella; wenn wir schon in Spanien sind, muss man auch Paella essen. Leider waren mehr Garnelen als alles andere auf dem gelben Reis. Ich wusste nicht so richtig wie man diese isst; vielleicht habe ich mich auch zu dämlich angestellt. Jedenfalls war es mir peinlich, mit den Fingern zu essen und ich versuchte es mit Messer und Gabel. Aber die beste Lösung war es wohl nicht. Serviert wurde die Paella übrigens nach 22 Uhr, denn ab da ist Essenszeit. Wir übernachteten vor dem Restaurant im Bus.

Der nächste Morgen begrüßte uns bei 14 °C und ziemlich starker Bewölkung. Weil wir schon mal da waren, machten wir auch einen Spaziergang durch Alba de Tormes, mit 18 Kirchen einer der wichtigsten Wallfahrtsorte des Mittelalters. Auf dem Torre de la Armería saßen viele Störche. Sie versammelten sich hier wohl, um gemeinsam in den Süden aufzubrechen. Die Plaza Mayor war noch recht leer. Wir hatten die Möglichkeit, die reich ausgestattete Kirche des Karmeliterklosters "La Anunciación" zu besichtigen. Hier befindet sich das Grab der Santa Teresa de Ávila. Die Überreste der Heiligen - Herz und Arm - werden über dem Altar in einem Schrein aufbewahrt, der ein Geschenk der Infantin Isabel Clara Eugenia ist, der Tochter Philipps II. Durch ein Fenster konnte man in das Zimmer hinein sehen, in dem Teresa gestorben sein soll. Als wir in die Nähe des Altars kamen, zog jemand einen Vorhang hinter einem Gitter zu. Wahrscheinlich konnten hier die Nonnen in Ruhe beten, ohne die Kirche betreten zu müssen.zum Anfang zurück

Salamanca

Wir brauchten von Alba de Tormes nicht mehr lange bis in die Provinzhauptstadt Salamanca (802 m NN, 167.000 Ew.). Diese Stadt wurde wegen der Fülle ihrer alten Bauten in ihrer Gesamtheit zum Nationaldenkmal erklärt und von der UNESCO in die Liste des Kulturerbes der Menschheit aufgenommen. Die ausnahmslos aus goldgelbem Stein aus Villamayor errichteten Bauten verleihen der Altstadt im klaren Licht der Meseta einen überwältigenden Anblick.
Vor unserem Stadtrundgang frühstückten wir in unserer Parklücke. Zuerst besuchten wir das Convento de San Esteban. In der Klosterkirche, 1524-1610 erbaut, bekamen wir ein wenig von einer Messe vor dem vergoldeten Hauptaltar von José de Churriguera (1693) mit. Die Fassade ist mit überreichem platareskem Dekor überzogen.
Salamancas Plaza Mayor gilt als der harmonischste und schönste Hauptplatz ganz Spaniens. Felipe V. gab das barocke Kunstwerk 1729 in Auftrag, um die Stadtväter für ihre Treue zu belohnen. Die quadratisch anmutende, jedoch leicht trapezförmige Plaza ist von einheitlichen, dreistöckigen Häusern mit Arkaden umgeben. Bis ins 19. Jh. wurden hier Stierkämpfe abgehalten.
Durch die kleine C. de Meléndez kamen wir zur Doppelkathedrale von Salamanca. Die Besichtigung der 1513 begonnenen, aber erst 1733 vollendeten Catedral Nueva mit spätgotischen, plataresken und barocken Formelementen war kostenlos. Das reich ausgestattete, 104 m lange und 48 m breite Innere der Kirche ist trotz des Choreinbaus durch seine Weiträumigkeit und Höhe (38 m) von großer Wirkung. Unmittelbar südlich an die Neue Kathedrale stößt die romanische Catedral Vieja an, die wir durch einen Zugang vom rechten Seitenschiff der Neuen Kathedrale aus erreichten. Sie wurde um 1100 gegründet und wohl noch vor 1200 vollendet. Für die Besichtigung mussten wir pro Person 300 Pts. Eintritt bezahlen. Wie immer waren Video und Foto verboten. Im Innern beeindruckte uns ein monumentaler Retablo von Nicolás Florentino (1445) mit 53 Darstellungen aus der Geschichte Christi und dem Leben Mariae. In einem Kapitelsaal fanden wir eine Renaissanceorgel aus der Universität; eine der ältesten Orgeln Europas aus buntem Holz. Darunter ein Grabmal; das Besondere: die Dame trug Plateauschuhe, um an Größe dem Herren gleichzukommen. Also sind Plateauschuhe keine Erfindung der 70er Jahre des 20. Jh., die gab es schon im 15. Jh.
Die Iglesia La Clerecía von 1617 konnten wir wegen der Siesta nicht mehr besichtigen. Gegenüber steht die Casa de las Conchas (Haus der Muscheln). Es war der Stadtpalast des Talavera Maldonado, der als Ritter des Santiago-Ordens sein Haus mit 365 Jakobsmuscheln verzieren ließ, die je nach Sonnenstand ein reizvolles Schattenspiel werfen. Heute ist hier eine Bibliothek untergebracht.
Die 1218 gegründete weltberühmte Universidad de Salamanca genoss damals ein ebenso großes Ansehen wie etwa die Universität von Paris. Zu ihren Glanzzeiten im 16. Jh. lebten und lernten bis zu 12.000 Studenten in der Stadt. Die Hauptfassade wurde 1534 mit ihrer verschwenderischen Fülle plataresken Schmucks an den einfachen Bau des Instituts angefügt. Sie ist

"Das unübertroffene Meisterwerk dieses Kunststils in Spanien. Über den beiden Türen reihen sich auf drei Feldern aufs Feinste ausgefüührte Steinmetzarbeiten aneinander, unterbrochen von Pilastern. In der Mitte der ersten Etage erkennt man ein Medaillon mit dem Bildnis der Katholischen Könige; darüber das Wappenschild Karls V. und der kaiserliche Doppeladler; wiederum darüber den Papst, von seinen Kardinälen umgeben, rechts davon Venus, Priamos und Bacchus sowie links Herkules, Juno und Jupiter. Am rechten Pilaster im ersten Feld erkennt man über dem Totenkopf einen Frosch, Glücksbringer der Studenten." [aus: Reiseführer Baedeker "Spanien", 1998]

Ohne die Beschreibung hätten wir den Frosch nie gefunden. Es hatte ziemlich lange gedauert; alle anderen Leute um uns herum suchten ebenfalls den winzigen Frosch.
Der Puente viejo romano überspannt 400 m weit den Río Tormes und wurde gerade mittels EU-Geldern restauriert. Von den insgesamt 26 Brückenbögen sind immerhin noch 15 Originale aus dem 1. und 2. Jh. erhalten.zum Anfang zurück

Mit einem Abstecher nach Portugal in die Sierra de Gredos

Wir verließen Salamanca etwa gegen 16.30 Uhr, fuhren durch verschiedene Dehesas weiter und entdeckten hier auch wenige der Zuchtstiere, die in den Stierkampfarenen ihr Ende finden Das im 13. Jh. von Alfons VII. von León errichtete Castillo Buen Amor in Villanueva de Cañedo diente den Katholischen Königen als Stützpunkt im Kampf gegen Isabellas Halbschwester Juana ′La Beltraneja′ um die Krone von Kastilien. Heute ist es Teil einer privaten Finca und deshalb wohl nur in Ausnahmefällen zu besichtigen. Nach unserer 2 Stunden langen Abendsiesta in einer Dehesa fuhren wir weiter in Richtung portugiesische Grenze. Eigentlich wollten wir in Ledesma (780 m NN) übernachten. Doch dann passierte folgendes:
Auf der Plaza Mayor kam eine Familie in die Nähe unseres Busses. Mutter und Tochter setzten sich auf eine Bank, der Vater holte eine Federzug-Pistole unter dem T-Shirt hervor, zielte auf den Baum und schoss. Herunter fiel ein Spatz. Der kleine Sohn, nicht älter als 5 Jahre, hob ihn auf und steckte ihn in eine Plastiktüte. Der nächste herab geschossene Spatz wollte davonlaufen, Vater und Sohn hinterher. Während sich der Vater das Blut an einer Bank von der Hand wischte, schlug der Junge den Vogel so lang auf den harten Boden bis dieser starb. Da flippte Bertram aus. Er fragte den selbst ernannten Jäger, was er mit den Vögeln machen wollte. - Wir trauten unseren Ohren nicht; die wollten die Spatzen fressen! Das kann doch nicht wahr sein! Das Schießen von Singvögeln ist nach EU-Recht grundsätzlich verboten. Jedes Mal, wenn ein Auto kam, versteckte der Mann die Pistole unter seinem T-Shirt, aus Angst die Polizei könnte vorbeikommen. Nun begann Bertram immer dann zu hupen, wenn der Kerl auf die Vögel zielte. Diese schreckten auf, flogen aber dummerweise nicht fort, sondern setzten sich immer wieder auf den Baum. Zu schade, dass wir keine Vogelsprache beherrschen, um sie zu warnen. Wir drohten, ihn bei der Polizei anzuzeigen - ich hatte die Tat kurz gefilmt; schließlich wusste ich nicht, wie der Vogelmörder reagiert, wenn er merkt, dass er gefilmt wurde. Wir fuhren weg; er kam uns angstvoll hinterher. Leider hatte Ledesma keine Guardia Civil, die überregionale Polizei. Wir fuhren nun zum Übernachten nach Villaseco de los Reyes, ca. 20 km entfernt. Man weiß ja nie, inwieweit ein Ort bei solch einem Vorfall zusammenhält In einer Bar tranken wir noch ein Gläschen Rotwein zur Beruhigung. Unser Tagespensum: 120 km. Die ganze Nacht, bis 7.30 Uhr morgens, gewitterte es und goss in Strömen.. (Wir sind erst Tage später auf eine Guardia Civil - Station getroffen; von einer Anzeige haben wir dann aber abgesehen; wir wollten uns nicht nochmals dermaßen aufregen. Außerdem würden die Beamten nicht viel ausrichten können. In Spanien werden Singvögelmörder eben noch nicht so streng verfolgt wie z. B. in Italien.)

Als wir dann gegen 8 Uhr - es war dann endlich hell - aufstanden, hatte sich das Wetter beruhigt; das Thermometer zeigte aber nicht mehr als 14 °C. Auf der Weiterfahrt entdeckten wir in einer Dehesa die Iberischen Schweine (cerdo iberico), die noch eine gewisse Ähnlichkeit mit Wildschweinen haben; sie sind klein, schlank und - schwarz; viel schöner als die fetten rosa Zuchtschweine.
Bei Pereña sollte es einen Fotoblick auf den Río Duero geben. Wir fuhren hin und zurück insgesamt 10 km, immer durch völlig verbranntes Gebiet, wo es erst vor zwei Tagen gefackelt haben muss, aber den Duero haben wir nirgends gesehen. Das war wohl wieder nur ein Satz mit X.
Wir sahen den Fluss dann an der Grenze zu Portugal. Dort ist er aufgestaut und über die Staumauer führt eine Straße. Auf der portugiesischen Seite soll es laut Straßenkarte den Aussichtspunkt Durao auf 727 m NN geben. Den haben wir auch aufgesucht. Zuerst mussten wir von über 1.000 m NN auf 300 m NN hinunter, um die Staumauer zu überqueren. Dann auf über 700 m wieder hinauf. Unser Bus hatte ganz schön zu tun. Es war wunderbar; sogar Gänsegeier nisteten in den Felsspalten. Wir hatten vor, einen anderen Weg wieder zurückzufahren, denn laut spanischer Landkarte gab es bei Barca de Alva eine Brücke mit Grenzübergang nach Spanien. Durch das wunderschöne Gebirgstal des Ribeira de Mós in Portugal fuhren wir zu diesem Ort. Am Duero gab es sogar schon Mittelmeervegetation mit Kakteen und Palmen. Ja, die Straße mit dem Europaschild "Portugal" war fertig, auch die portugiesische Straße zum Fluss. Was fehlte, war die Brücke. Und von spanischer Seite gab es auch keine Anzeichen einer Straße. Offensichtlich war hier mal ein Grenzübergang geplant, wurde aber nie gebaut. Laut Michelinkarte gab es auch keinen Übergang an dieser Stelle. Also mussten wir am Duero wieder zu unserer Staumauer kommen, um nach Spanien hinüberzugelangen. Die Straße wand sich entlang des Hanges, es war unendlich weit. Anschließend mussten wir wieder bis auf 1.0000 m Höhe hinauf; die Fahrerei war ganz schön anstrengend.
Bei Hinojosa de Duero wurden wir angehalten; hier fand gerade ein Radrennen statt und die Fahrer mussten jeden Augenblick kommen. Zuerst sah es nach Motorradralley aus; lauter Motorradfahrer mit Nummern in rasender Geschwindigkeit; erst dann die Materialwagen und die Rennfahrer. Offenbar handelte es sich um ein Jugendrennen. Und niemand sagte uns, wann wir weiterfahren konnten. Erst als wir Zivilautos in der Gegenrichtung gesehen hatten, trauten auch wir uns weiterzufahren.
Wir übernachteten nach 191 gefahrenen Kilometern in Lumbrales (700 m NN).

Am nächsten Tag hatten wir wieder den besten Sonnenschein. Morgens waren es zwar nur 14 °C, aber im Laufe des Tages erwärmte sich die Luft auf 27 °C.
Wir frühstückten in einer Dehesa, bevor wir nach Ciudad Rodrigo (623 m NN, 16.000 Ew.), aufbrachen. Ihren Namen verdankt die Stadt Conde Rodrigo González, der ′seine Stadt′ im 11. Jh. von den Arabern zurück eroberte. Die bis zu 13 m hohen Stadtbefestigungen (murallas) sind rund 2.200 m lang und umringen die gesamte Altstadt. Sie stammt aus dem 12. Jh., doch wurde bis ins 18. Jh. an ihr weiter gearbeitet. Rathaus und Post sind in Palästen aus dem 15. bzw. 16. Jh. untergebracht. Der Bau der romanischen Catedral Santa María wurde Mitte des 12. Jh. begonnen. Wir betraten die Kathedrale durch zwei reich geschmückte Portale und erblickten im Innenraum das prachtvolle Chorgestühl von Rodrigo Alemán (1498). Der Alcázar, das Castillo de Enrique II. de Trastamara wurde zwischen 1334 und 1379 von König Enrique II. von Kastilien erbaut und dient heute als Parador-Hotel; es wurde gerade restauriert. In dem friedlichen Städtchen war viel los, denn Dienstag ist Markttag. Wir schauten nur kurz in die Markthalle hinein, waren aber gleich wieder draußen. Einfach zu viel Getümmel und Geschiebe.
Später kamen wir in die Sierra de la Peña de Francia, deren grüne Bergzüge nach der Weite der kastilischen Meseta eine willkommene Abwechslung boten. Auf dem Berg Peña de Francia (1.732 m NN) steht ein Kloster, das Monasterio Nuestra Señora de la Peña de Francia. Hier soll ein französischer Pilger eine Statue der hl. Jungfrau gefunden haben. An dieser Stelle befindet sich heute eine winzige Kapelle. Von hier oben hatten wir einen tollen Ausblick auf die Sierras und in Richtung La Alberca. Interessant war für uns die riesige Sonnenuhr, in die man sogar hineingehen konnte.
La Alberca (ca. 1.200 m NN, 1.000 Ew.) selbst ist eine schöne alte Siedlung. Das Dorf steht unter Denkmalschutz und zählt zu den reizvollsten Spaniens. Hier scheint die Zeit stehen geblieben zu sein; unverkennbar drückt sich die arabische Vergangenheit in den engen Gassen, den Häusern mit vorspringenden Stockwerken und der von hölzernen Arkaden gesäumten Plaza Pública aus.
Seit Ciudad Rodrigo fuhren wir die Strecke, die eine Etappe der 54. Spanienrundfahrt, der Vuelta, sein sollte, nur in entgegengesetzter Richtung. (Anm.: Die Etappe von Béjar nach Ciudad Rodrigo gewann später Jan Ulrich.) Die Abfahrt nach La Alberca war extrem steil und kurvig. Alle Achtung an die Rennfahrer, die diese Strecke bergauf fahren müssen. In einer Spitzkurve dieser Straße, so sagte uns Pedro damals, sollte man gut im Río Batueca baden können. Wir haben den Weg gefunden. Am Ende des Weges stand eine Ermita, aber auch viele Autos, so dass wir zum Anfang des Weges zurückfuhren. Dort stand nur ein Auto mit Madrider Kennzeichen. Wir fanden eine Stelle, die tief war, aber wo man gut in den Fluss einsteigen konnte. Es war eine Wonne. Kurze Zeit später kamen zwei Wanderer an uns vorbei. Wir trafen sie später wieder; es waren Deutsche, die mit dem hinter uns stehenden Mietwagen unterwegs waren. Wir haben uns gut unterhalten. Später habe ich auf die bewährte Art und Weise Haare gewaschen, bevor wir weiterfuhren. Wir fühlten uns dann etwas beobachtet. Eine Art Parkwächter spazierte immer hin und her.
Wir fuhren noch ein Stück weiter; unsere Straße führte nun ein kleines Stück durch die Region Extremadura. Hier fanden wir ein Stück alte Straße, wo man uns von der neuen Straße nicht sah, und wo wir unsere Abendsiesta hielten. Zum Übernachten fuhren wir in den Ort Sotoserrano in der Extremadura.

Gegen 8 Uhr und bei herrlichem Sonnenschein ging′s am nächsten Morgen weiter in Richtung Béjar. Es war eine landschaftlich sehr schöne Strecke, leider aber eine neue Straße - und somit keine Anhaltemöglichkeit.
Im malerischen Miranda del Castañar wurden wir auf die bald stattfindenden Fiestas eingestimmt. Wir hörten schon von weitem die Musik. Als wir in den Ort hineinkamen, fielen uns die vielen Zugvögel auf: zuerst die Schwalben, die sämtliche Stromleitungen besetzt haben - und dann die musikalischen. Das waren festalisch bekleidete Jugendliche, die offensichtlich die Nacht durchgefeiert haben. Sie spielten die unterschiedlichsten Instrumente und zogen von Tür zu Tür durch die alte Stadt. An einem Haus klingelten sie, wünschten "Guten Morgen" und spielten weiter. Die Dame des Hauses kam heraus und brachte ein Tablett mit Gebäck heraus. Bertram und ich wurden festgehalten und mussten mit essen. Dann gab es noch ein Glas mit Kirschen, aber mehr als alkoholisierte! Sie waren ziemlich stark, zu viele darf man nicht davon essen, wenn man dann noch Auto fahren will. Vor dem Castillo war wieder eine provisorische Stierkampfarena aufgebaut. Ein älterer Mann ging mit einem Schlauch über den Platz und spritzte ihn sauber. Wahrscheinlich fand die letzte Nacht hier ein Kampf statt. Wir waren von den alten schiefen Häusern und engen Gassen begeistert. In der einzigen Bäckerei des Ortes holten wir uns frisches Brot für das Frühstück.
Der Ort Béjar (950 m NN, 17.500 Ew.) liegt in reizvoller Lage auf einer Anhöhe über einem bergumrandeten Tal, an den westlichen Ausläufern der Sierra de Gredos. Bedeutendstes Baudenkmal ist der festungsartige Palacio Ducal, der Palast der Herzöge von Béjar aus dem 16. Jh. Uns hätte das oberhalb des Ortes gelegene Santuario El Castañar (1.050 m NN) interessiert. An dieser Stelle soll im Jahr 1447 einigen Mönchen die Hl. Jungfrau erschienen sein, die seither Schutzpatronin der Stadt ist. Hier soll sich auch die wahrscheinlich älteste Stierkampfarena Spaniens aus dem 16. Jh. befinden. Wir hatten keine Chance dorthin zu gelangen. Alle Zufahrtsstraßen wurden durch die Polizei gesperrt; nur Toreros durften hinauf fahren. Wir hatten ursprünglich vor, zu versuchen, zum Stierkampf mit der einzigen Torero-Frau zu gehen. Aber als wir diesen Zulauf sahen, verging uns die Lust. Die Einheimischen marschierten bereits gegen 12 Uhr zur Arena, obwohl der erste Stierkampf erst 17.30 Uhr beginnen sollte. Und hinterher wird gefeiert bis spät in die Nacht hinein und weiter bis zum Morgengrauen (das ist hier gegen 8 Uhr).
Über den uralten Bergort Candelario setzten wir unsere Reise fort. Wir mussten mehrmals nach dem Weg fragen, so verwinkelt und schmal waren die Gassen. Manchmal hatte ich Angst, dass wir mit dem Hochdach an einem Balkon hängen bleiben. In El Barco de Ávila (1.014 m NN) machten wir am Castillo de Valdecorneja mit seinen vier Türmen vor dem Panorama der Berge der Sierra de Gredos einen kurzen Fotostopp, bevor wir in die Sierra weiterfuhren. In Hoyos del Espino bekamen wir ein kleines bisschen vom Feeling einer Prozession mit, hier fand gerade eine statt. Sie führte die große Straße entlang; wir fuhren einfach hinter unserem Vordermann den Berg hinauf und fanden so eine Abkürzung und mussten nicht hinter dem Prozessionszug herfahren.zum Anfang zurück

Wanderung in der Sierra de Gredos

Die Sierra de Gredos ist das westlichste und höchste Massiv der Cordillera Central, des Kastilischen Scheidegebirge, das Alt- und Neukastilien trennt und hauptsächlich aus Granit besteht. Hinter Hoyos del Espino führte eine kleinere Straße zur Plataforma auf 1.770 m Höhe in der Sierra de Gredos.
Wir kamen am späten Nachmittag nach 137 Fahrkilometern dort an. Das Wetter war so schön, dass wir gleich noch einen Spaziergang unternahmen. Morgen wollen wir eine Wanderung, die der Naturführer vorschlägt, unternehmen. Wir waren ganz schön geschafft, als wir nach 100 m Steigung auf der Wiese Prado de las Pozas ankamen. Deshalb beschlossen wir, heute nur noch bis zum Refugio zu laufen; das war aber auch noch ziemlich weit entfernt. Unterwegs entdeckten wir u. a. Enziane, verschiedene Heuschreckenarten, zwei Spanische Gebirgseidechsen mit grün schillerndem Schwanz und Iberische Steinböcke auf dem nächsten hohen Felsen. Der Abstieg gestaltete sich etwas schwierig, denn wir hatten den regulären Weg verloren. Aber wir kamen heil auf der Plataforma an.
Zum Abendessen fuhren wir ca. 1 km vom Parkplatz weg, da hier noch unheimlich viel los war. Erst als es dunkel wurde, kamen wir zum Parkplatz zurück. Wir konnten ohne Probleme in freier Natur übernachten, denn hierher kamen nur Wanderer, die entweder abends losgingen und in einem Refugio übernachteten, oder am frühen Morgen aufbrachen.

Eigentlich wollten wir beizeiten los, aber wir haben beide verschlafen; es wurde schon hell, als wir aufwachten (da war es bereits 7.30 Uhr). Nach dem Frühstück brachen wir dann auf.
Nach 100 m   d i e   Überraschung: etwa 10 m vor uns querte eine Steinbockfamilie den Weg, um zur Tränke zu kommen. Früh waren noch nicht so viele Leute unterwegs, so dass wir dieses Glück hatten und die scheuen Tiere beobachten konnten.
Der Wanderweg war zuerst noch gepflastert und wurde früher als Schaftrieb benutzt. Der Aufstieg war steil. Kurz vor jeder Bergspitze, dachten wir, wir hätten es geschafft, aber da kam der nächste Berg, der noch steiler schien. Wir schnauften ganz schön, kamen langsam voran, aber hielten durch. Wir wurden von vielen schnelleren Wanderern und Spaziergängern überholt.
Nach fast drei Stunden waren wir oben auf 2.100 m. Es war bezaubernd, ringsum die Spitzen der 2½-Tausender zu sehen. Wir liefen durch eine Ginsterheide, aber im Sommer ist sie lediglich grün; im Frühjahr muss die Natur hier zauberhaft sein. Und es gibt bestimmt viel mehr Tiere. Wir trafen nur auf Eidechsen und Heuschrecken. Und dann sahen wir die Laguna Grande, die unser Ziel war. Sie befand sich etwa 200 m unter uns. Dahinter erhob sich der Circo de Gredos, ein Halbkreis von Bergen am Talschluss. Der Abstieg zum See dauerte noch einmal eine ¾ Stunde. Im normalen Wanderschritt benötigt man laut Ausschilderung für die 4 km 2½ Stunden. Als wir endlich nach 3¾ Stunden am Wasser ankamen, waren wir ziemlich fertig. Der Himmel zog sich langsam zu und die Temperatur war ziemlich niedrig; wir befürchteten, dass es noch zu regnen anfängt. Also machten wir uns nach einer kurzen Rast auf den Rückweg. Zum Refugio an der Laguna Grande hätten wir sicherlich noch einmal ½ Stunde benötigt. Den steilen Aufstieg zum Circo schafften wir ohne Pause in 1 Stunde - 300 Höhenmeter. Dann wussten wir, dass es hauptsächlich nur noch bergab ging. Nun konnten wir uns wieder besser auf unsere Naturbeobachtungen konzentrieren. Und wieder entdeckten wir die Steinböcke. Zuerst dachte ich, oben auf dem Felsen sitzt ein Mann mit Hut, aber durch das Fernglas betrachtet, wurde der Hut zu zwei Hörnern, die einem Steinbock gehörten. Später auf der Plataforma trafen wir die Münchner (Wahlspanier) wieder, denen wir auf dem Circo begegnet waren. Die beiden sahen zwar keine Steinböcke, dafür aber Gämsen.
Bis zur Plataforma zurück brauchten wir "nur" 3 Stunden. Wir waren fix und fertig, aber die Tour war auch schön. Wir beschlossen, noch eine Nacht hier zu übernachten. Und so kam das stolze Auto-Tagespensum von 2 km zustande: 1 km zum Essensplatz und 1 zurück!zum Anfang zurück

Ávila

Morgens waren es nur 11 °C. Aber dafür befinden wir uns auch auf 1.770 m Höhe. Nach einem schönen Frühstück machten wir uns auf den Weg nach Ávila (1.130 m NN, 50.000 Ew.).
Die letzte Provinzhauptstadt auf unserer Reise ist gleichzeitig die höchst gelegene Stadt Spaniens; sie befindet sich in 1.130 m Höhe auf einer Bergkuppe des iberischen Zentralgebirges. Um ihre Eroberung Ávila so gut wie möglich vor neuen Zugriffen zu schützen, ließen die kastilischen Könige die Stadt mit einer 3 m dicken, 12 m hohen und 2,5 km langen Mauer befestigen. Diese gewaltige Stadtmauer, von 1090-1099 erbaut, umschließt das historische Zentrum noch heute und ist die besterhaltene Stadtmauer Spaniens. 88 halbrunde Türme im Abstand von 20 m verleihen der Verteidigungsanlage einen imposanten Anblick. Neun Tore gewähren Einlass in den Stadtkern. Ansonsten waren wir von der immer so hoch gepriesen Stadt etwas enttäuscht.
Am südlichen Teil der Stadtmauer stand das Geburtshaus der Hl. Teresa von Ávila. An dessen Stelle wurde 1638 die Kirche des sich dahinter anschließenden Klosters der Unbeschuhten Karmeliterinnen, der Convento de Santa Teresa de Jesús, erbaut. Die verhältnismäßig schlichte barocke Fassade zeigt über dem Portal eine Statue der Heiligen. Sehenswertester Raum im Inneren ist das Geburtszimmer der Teresa, das zu einer überschwänglich ausgestatteten Barockkapelle umgestaltet wurde. Im Zentrum des Altars steht eine reich verzierte, mit Schmuck und kostbaren Stoffen behängte Statue der Mystikerin, die der Künstler Gregorio Fernández im Moment der Kreuzesvision darzustellen versuchte.
Am Ostrand der Altstadt, innerhalb des Mauerrings, steht die mächtige Catedral de San Salvador, 1091 begonnen, aber erst im 14. Jh. vollendet. Der Chor ist Teil der Stadtbefestigung. Von den beiden Türmen der Westfassade, wo sich der Haupteingang befindet, ist nur der aus dem 14. Jh. stammende nördliche ausgebaut. Wir sahen das Bauwerk hauptsächlich von außen. Auch hier verlangte man Eintrittsgebühr. Wenn wir alle Eintritte bezahlt hätten, wären sicherlich allein dafür 500,- DM zusammen gekommen.
In der Markthalle besorgten wir uns einige Lebensmittel bevor wir die Stadt verließen.zum Anfang zurück

Auf dem Rückweg nach Madrid

Unsere Weiterreise in Richtung Madrid unternahmen wir wieder auf Nebenstraßen. Dort kamen uns ′zig holländische Wohnmobile entgegen. So viele Wohnmobile haben wir weder im Mai noch jetzt insgesamt gesehen. Wir nehmen an, dass es sich um eine Pilgergruppe handelte, die per Wohnmobil unterwegs war.
Am Río Alberche fanden wir eine schöne Stelle, an der man im Fluss baden konnte. Da das Wetter super schön und sonnig war, wollten wir ein letztes Mal baden gehen. Es war nur ein spanisches Anglerpaar hier; er angelte, sie sonnte sich. Wir suchten uns ein Plätzchen etwas abseits von den beiden, damit wir uns gegenseitig nicht störten. Kaum waren wir im Wasser, bemerkten wir, dass der Mann sich mit seinen Angeln immer gekonnter vor seine Frau stellte, die sich oben ohne sonnte. Dann musste sie sich ein T-Shirt anziehen und kurz darauf sind die beiden abgezogen. Da nun das schöne Plätzchen auf dem Felsen mitten im Fluss frei war, siedelten wir um. Das Schwimmen durch den Río Alberche war gar nicht so einfach bei der Strömung, aber wir haben es geschafft. Nach etwa 1½ Stunden setzten wir unsere Reise fort, die uns noch einmal durch die Sierra de Gredos führte. (Anm.: Ein Teil dieser Strecke war später Bestandteil einer Etappe der Vuelta.) Wir übernachteten nach 226 Fahrkilometern in Cerberos.

In einer schönen Dehesa frühstückten wir ausgiebig. Morgens um 8 Uhr hatten wir 17 °C und herrlichsten Sonnenschein. Mittags waren es dann auf nur 600 m Höhe 31 °C. Bertram fand auf seiner Pirschtour in der Dehesa die Schrotpatronen, mit denen die selbst ernannten Freizeitjäger die Blauelstern, Wiedehopfe und andere Vögel zum Vergnügen abschießen.
Kurz bevor sich der Kreis unserer Rundreise bei El Escorial schloss, überquerten wir die Grenze zur

Region Madrid

Wir starteten nun einen zweiten Versuch, Valle de los Caídos zu sehen. In den Jahren 1940 - 1958 ließ General Franco ca. 13 km nördlich von El Escorial ein Totenmal für die auf seiner - faschistischen - Seite Gefallenen des Spanischen Bürgerkriegs erbauen, das "Monumento Nacional de Santa Cruz del Valle de los Caídos", das "Tal der Gefallenen". Wir mussten je 800(!) Pts. Eintritt bezahlen - eine Frechheit. Das Eingangstor zum Gelände liegt mehrere Kilometer unterhalb der eigentlichen Gedenkstätte, die wir über eine Bergstraße erreichten. Schon auf halber Strecke erblickten wir von einer Brücke aus den von einem 150 m hohen Kreuz überragten Eingangsbereich der Basilika. Die gesamte Anlage ist in ihrer erdrückenden Monumentalität ein Paradebeispiel für die architektonische Gigantomanie des Faschismus. Über dem Eingang zur in den Fels gesprengten Basilika sahen wir eine riesige Pietá von Juan de Ávalos. Nach der "kleinen" Eingangshalle betraten wir das immense, 262 m lange Hauptschiff der Basilika. An den Wänden hängen Kopien Brüsseler Wandteppiche, in kleinen Kapellen befinden sich Marienbilder, allesamt den Krieg verherrlichend. Die 42 m hohe Vierungskuppel ist mit Mosaiken geschmückt. Zwischen Altar und Chor befindet sich das Grabmal des Diktators Francisco Franco, vor dem Altar das des Gründers der faschistischen Falange-Partei Spaniens, Primo de Rivera. Rechts vom Altar sind in Gewölben unter der Capilla de los Caídos 40.000 Särge mit den nationalistischen Gefallenen des Bürgerkrieges aufgestellt. Der "Pfarrer" bereitete gerade eine neue Messe vor. Die Orgel spielte dazu ein "böses" Lied; wir kommen nicht auf den Namen, es wird jedoch oft in Vampir- und Horrorfilmen gespielt. Es war richtig gruselig. Als wir die Basilika verlassen hatten, sahen wir die Besucher der Messe. Ich sagte noch zu Bertram: "Die gehen hier in die Messe wie andere Spanier zur Hochzeit, nämlich in Abendkleidern." Doch wir wurden kurz darauf aufgeklärt: Ich sah eine Brautjungfer und die Herren mit einer weißen Nelke im Knopfloch, das Zeichen der Faschisten. Wie kann man nur an einem solchen Ort heiraten? Aber die spanische Oberschicht ist nach wie vor großenteils noch immer faschistoid!
Die Seilbahn zum Fuße des 150 m hohen Kreuzes war außer Betrieb. Aber wir mussten ja nicht unbedingt hinauf. Hinter dem Berg, am anderen Ende der Basilika, steht der ältere Teil der Anlage, die Philipp II.(?) erbauen ließ. Heute wird es als Herberge für spezielle und ausgewählte Leute genutzt.
Wir hatten noch einen halben Tag Zeit, bis zu meinem Abflug. Wir wollten deshalb den Palast El Pardo nahe Madrid besuchen. Aber erst hatten wir Schwierigkeiten, in dem Straßengewirr ohne Beschilderung die richtige Abfahrt zu finden. Dann war Samstag und am Wochenende finden überall Volksfeste statt. So auch in El Pardo, so dass wir nicht zu den Sehenswürdigkeiten gelangten. Also machten wir uns auf den Weg in Richtung Flughafen Madrid.
Wir suchten das Plätzchen am Río Jarama bei Belvis de Jarama auf, wo Bertram vor drei Wochen auf meine Ankunft gewartet hat. Ich sortierte meine Sachen und die, die ich mit nach Deutschland nehmen wollte. Wir machten uns ein letztes Mal ein schönes Abendessen. Aber wir waren wieder nicht allein. Zweimal kam ein und derselbe Mann vorbei. Dann noch zwei Radfahrer. Und dann eine riesige Herde Schafe, die zum Teil sehr neugierig waren. Wir übernachteten dann - nach 187 Fahrkilometern - in Barajas, dem Ort, der sich direkt am Flughafen befindet. Nachts waren es noch 26 °C. Man merkt, dass man in der Zentralebene ist.zum Anfang zurück

Auf Wiedersehen...

Wir standen schon um 6 Uhr auf. Es war mit 20 °C der wärmste Morgen im ganzen Urlaub. 25 Minuten später fuhren wir zum Flughafen, haben aber den Weg nicht gleich gefunden. Dann standen wir auf dem falschen Terminal. Wir dachten, der Abflug erfolgt von Terminal T-2, wo ich damals ankam. Doch wir mussten zu T-1 laufen; ein elend weiter Weg und wir kamen mit total ausgetrocknetem Hals dort an. Ich erwischte für beide Flüge (Madrid-München; München-Dresden) Fensterplätze. Bertram wollte versuchen, meinen Abflug zu filmen. Er wollte noch zwei Wochen bleiben und die Region Aragón abklappern, bevor er mit dem VW-Bus zurück nach Deutschland kommt.
Um 7.55 Uhr wurde unser Flugzeug abgedockt; ich konnte von meinem Fenster aus einen herrlichen Sonnenaufgang beobachten. Um 8.10 Uhr hoben wir dann ab. Es lag Dunst über Madrid, aber ich konnte unseren gestrigen Standplatz entdecken. Die Flugroute in 10.700 m Höhe: Madrid - Pamplona - Toulouse - Lyon - Genf - Zürich - Bodensee/Kempten - München. Ich habe während des Frühstücks die Pyrenäen wunderbar gesehen; danach wurde es sehr bewölkt. Erst über den Alpen klarte es wieder auf. Herrlich, wie die Bergspitzen über die Wolken hinaus guckten. Der Mont-Blanc war wie immer mit viel Schnee bedeckt. Dann der herrliche Bodensee... und wir befanden uns schon im Landeanflug auf München. Wie klein das Olympiastadion war! Die Flugzeit betrug 2½ Stunden.
Um 11.15 Uhr hatte ich in München Anschluss nach Dresden. Wir flogen mit einer kleinen Maschine von Augsburg Airlines, die im Auftrag der Lufthansa unterwegs war. Es war ein eigenartiges Gefühl; nie zuvor bin ich mit einem Propellerflugzeug geflogen - war ganz schön laut.
In Dresden gab es keinen Temperaturschock: hier war das schöne Wetter angekommen und die Temperaturen wie in Madrid: um die 30 °C.zum Anfang zurück

Copyright © 1999/2003 Regine & Bertram Werle. Alle Rechte vorbehalten

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