SPANIEN
CASTILLA-LEÓN - ARAGÓN
16. August - 04. Oktober 1999
Teil 2: Aragón

 

 

Von Madrid durch das Iberische Randgebirge nach Teruel
Teruel
Durch die Montes del Maestrazgo ins Ebro-Tiefland
Ebro-Becken zwischen Zaragoza und LleidaZaragoza
Von Zaragoza zum Pyrenäenfuß
Durch die Vorpyrenäen nach Osten
Huesca
Durch die Hochpyrenäen nach Westen
Jaca
Urtümliche Westpyrenäentäler
Durch Westfrankreich nach Karlsruhe


"Aragón liegt im Nordosten Spaniens, dem fortschrittlichsten und am besten an Europa angebundenen Gebiet. Es ist eine der 17 spanischen Autonomien und besteht aus drei Provinzen (Zaragoza, Huesca und Teruel) mit 730 Gemeinden und 1.200.000 Einwohnern. Die Autonome Gemeinschaft Aragón erstreckt sich über 47.724 km2, das entspricht einem Zehntel Spaniens. Es gibt drei große Naturräume: im Norden die Pyrenäen, in der Mitte die Ebro-Senke und im Süden das Iberische Randgebirge. Dazwischen liegen zwei Übergangszonen: Die Vorberge der Pyrenäen und des Iberischen Gebirges. Daraus resultieren sehr unterschiedliche Klimate und Landschaften, die eine vorzügliche Natur von überwältigender Schönheit schaffen. Auf der anderen Seite gehört Aragón zu den spanischen Regionen, die herausragendes Kulturerbe mit hohem kulturellem Niveau verbinden." [aus: Broschüre "Aragón", Gobierno de Aragón - Dep. de Economia, Hacienda y Fomento]

Von Madrid durch das Iberische Randgebirge nach Teruel

Nachdem ich Regines Abflug gefilmt hatte, machte ich mich auf den Weg nach Aragón. Über die Autovía N-II ging es am schnellsten, dabei muss das Sistema Iberico - das Iberische Randgebirge - überquert werden, das sich zwischen Meseta (Zentral-Hochebene) und Ebro-Tiefland erhebt. Die Täler der Flüsse Henares und Jalón schneiden sich von Südwesten und Nordosten tief in das Gebirge ein und bilden eine markante Landschaftsgrenze. Diesen beiden Tälern folgt auch die Autovía und steigt daher von Guadalajara aus dem Henares-Tal folgend stetig an, um bis Sigüenza bei ca. 1.200 m NN die Passhöhe zu erreichen. Bei Medinaceli wird mit einigen steilen Kurven das Tal des Río Jalón erreicht, der zum Río Ebro fließt; so hat man immer Blick zur Abbruchkante des vom Fluss durchschnittenen Hochlandes.
Erstes Ziel war eigentlich Calatayud, aber ich verließ die Schnellstraße schon in Alhama de Aragón [648 m NN], einem Thermalbad, das den Römern als 'Aquae Bilbilitanae' bekannt war und dessen heutiger Name vom maurischen 'al-Hamma' abgeleitet ist, mit schönen Mudéjar-Häusern und einem etwas abgewohnt wirkenden Kurhaus. Ich blieb auf der alten N-IIa und erreichte Ateca, wo ich einen Dorfrundgang unternahm, weil es schon mit Transparenten, Girlanden und Blumen für die in der nächsten Woche stattfindende Fiesta geschmückt war. Zwischen Ateca und Calatayud war die Abbruchkante des Jalón-Tales besonders eindrucksvoll.
Im 8. Jh. errichteten die Mauren in der Nähe des römischen Bilbilis ihre Festung 'Kalat-Ayub' ('Burg des Ayub'), von der die Stadt Calatayud [522 m NN, 20.000 Ew.] ihren Namen hat. Auch heute noch wirkt der höher gelegene Stadtteil La Morería eher orientalisch denn europäisch und wird daher auch "Arabisches Viertel" genannt. Der achteckige Mudéjar-Turm der Kirche Colegiata de Santa María la Mayor diente ehemals der hiesigen Moschee als Minarett; das plattereske Portal ist sehr schön. Auch die Kirche San Andrés besitzt solch einen schönen Mudéjar-Turm. Oberhalb der Stadt auf einem Hügel finden sich noch die Reste des Castillo de Ayub. Calatayud gefiel mir sehr gut und so machte ich einen ausgedehnten Rundgang, als mein Handy klingelte - es war Regine. Sie war schon zuhause in Dresden angekommen, während ich gerade mal 250 km zurückgelegt hatte!!!
In Calatayud nimmt der Río Jalón den Río Jiloca auf, dessen Quelle in der Nähe von Teruel liegt und dem ich nun talaufwärts folgte. Nach 40 km kam ich nach Daroca [769 m NN, 2.900 Ew.], einer iberischen Gründung, deren Namen ebenfalls auf eine maurische Burg - 'Kalat-Daruka' - zurückgeht. Um die Stadt wurde im 13. und 14. Jh. eine 4 km lange Mauer mit über 100 Türmen errichtet, die heute zum Großteil verfallen ist; es sind aber noch die beiden Stadttore Puerta Alta und Puerta Baja sowie einige Türme erhalten, ebenso auf einem Hügel inmitten der verwinkelten Stadt die Überreste der arabischen Burg Castillo Mayor. Das alles ist auch heute immer noch sehr eindrucksvoll und Daroca gilt als eine touristische Hauptsehenswürdigkeit, nicht zuletzt auch wegen des 'Wunders der Messtücher'. Der Legende nach hinterließen im Jahre 1239 während einer Messe in der Nähe der Stadt sechs Hostien Blutspuren auf den Messtüchern, die in der romanischen Stiftskirche Colegiata de Santa María als Reliquien aufbewahrt und verehrt werden. Ursprünglich erhoben auch Calatayud und Teruel Anspruch auf diese Tücher. Man lud sie also auf einen Esel und ließ ihn laufen - er entschied sich für Daroca!
Ich verließ nun das Jiloca-Tal für einen Abstecher zur Laguna de Gallocanta und in die Montes Universales, eines Teils der Serranía de Cuenca. Die Laguna de Gallocanta - der größte spanische Steppensee mit maximal ca. 6,7 km2 - liegt einer weiten, flachen, abflusslosen Senke des Iberischen Randgebirges auf 1.000 m NN. Aufgrund des großen Einzugsbereiches von 530 km2 trocknet sie nur selten ganz aus, der Wasserstand ist allerdings stark niederschlagsabhängig. Als einzige größere Wasserfläche dieser Gegend hat sie besondere Bedeutung für wasser- und sumpfbewohnende Zugvögel; besonders zur Zugzeit im Herbst und im Frühjahr soll sie von ihnen geradezu belagert sein. Unter anderem macht hier fast die gesamte nordeuropäische Kranichpopulation auf ihrem Zug in die Extremadura Zwischenstation. Dies war früher nicht so extrem, aber seitdem um die Laguna herum der Getreideanbau intensiviert wurde, finden die Kraniche geradezu ideale Futterbedingungen vor; zu manchen Zeiten wurden 20.000 Individuen gleichzeitig gezählt. Andere Vogelarten, darunter Kolben- und Schnatterenten, kommen hier ganzjährig vor.
In der Nähe des Dorfes Gallocanta [1.000 m NN] steht auf einem Felsrücken mit guter Sicht auf die Wasserfläche die Ermita de Nuestra Señora del buen Suceso. Leider war ich jahreszeitlich noch zu früh dran, denn es gab gar nichts zu beobachten. Die Laguna war durch die Sommerdürre ziemlich ausgetrocknet, so dass die Vögel noch keine große Freude an ihr gehabt hätten; hier wären also die Winterregen dringend nötig dachte ich - und die sollten dann auch noch kommen.
Da es schon spät war, suchte ich einen Platz für die Nacht. Ich wollte mit Regine sprechen. In der Senke war mangels Transponder keine Verbindung zum Handy-Funknetz möglich, also war Telefon-Festnetz angesagt. In Bello fand ich endlich eine Zelle - und in Dresden war ständig besetzt!

Nachts hatte es ein wenig genieselt und der Morgen war zunächst grau in grau bei 17 °C. Bello liegt am "Ende der Welt" - es führen nur Schotterpisten weiter. Ich fand zum Glück die richtige und fuhr über die Sierra de Caldereros für eine kurze Strecke durch die Region Castilla - La Mancha. Vom Städtchen Orihuela del Tremedal [1.660 m NN] mit schöner Pfarrkirche (18. Jh.) ging es hinauf in die Sierra de Albarracín, einem Ausläufer der Montes Universales. Hier entspringen viele Flüsse wie Cuervo, Gallo, Guadalaviar, Jiloca, Júcar oder Tajo. Es herrscht Kiefernwald vor, auffällig die vielen Bartflechten an den Stämmen und Zweigen. Der Boden wird vor allem von Adlerfarn bedeckt, der Wald wird immer wieder durchzogen von vegetationslosen Geröllbändern. Nahe des malerischen Sommerkurortes Bronchales [1.750 m NN] liegt der höchste Gipfel Sierra Alta mit 1.856 m. Der Río Guadalaviar hat eine tiefe Schlucht eingeschnitten, der die Straße nach Albarracín folgt.
Das Dorf Albarracín [1.182 m NN, 1.200 Ew.] liegt in Hanglage über der Schlucht des Río Guadalaviar. Im 11. Jh. gründete die maurische Almoraviden-Dynastie Beni-Razin, von der der Ort seinen Namen hat, hier ein Taifa-Königreich. Zum Schutz vor den konkurrierenden Almohaden errichtete man eine Stadtmauer und verbündete sich mit Navarra. Mitte des 12. Jh. ging Albarracín an das christliche Adelsgeschlecht Azagra, um dann schließlich 1300 dem Königreich Aragón einverleibt zu werden. Das typische Ortsbild hat sich bis heute erhalten, Albarracín wurde komplett unter Denkmalschutz gestellt ('Monumento Nacional') und zählt zu den schönsten Orten Spaniens. Zwei Kirchen überragen die Häuser. Die Iglesia de Santa María gilt als ältester Kirchenbau aus der Mozaraber-Zeit, der aber erst im 16. Jh. seine heutige Form erhielt. Bedeutsamer ist die Catedral del Salvador, die von etwa 1200 bis 1600 er- und umgebaut wurde. Sie beherbergt einen beachtenswerten Kirchenschatz mit Gold- und Silberschmiedearbeiten und sieben flämischen Gobelins. Ich hatte das Glück zur Fiesta-Zeit anzukommen. Auf der Plaza Mayor war eine Tribüne aufgebaut und eine Arena abgegrenzt, in der gerade eine Musikkapelle ihr Bestes gab; in der Nähe feuerte jemand Knallkörper ab. Noch vom Parkplatz am Fluss, wo das Auto sinnvollerweise warten musste, waren Musik und Böller zu hören.
Südlich von Albarracín ähnelt das Gebirge dem Pfälzer Wald mit seinen Sandstein-Verwitterungsformen. Hier befinden sich zahlreiche Höhlen (Cuevas de Callejón y Navazo) mit Steinzeitmalereien, die ich auf einer längeren Wanderung erkunden wollte. Leider braute sich ein Gewitter zusammen, so dass ich meine Fahrt Richtungzum Anfang zurück

Teruel [915 m NN, 30.000 Ew.]

fortsetzte. Kurz vor der Stadt machte ich Siesta. Nach einiger Zeit war das Gewitter weitergezogen und die Sonne ließ sich nochmals blicken. Es war ein herrliches Bild: die untergehende Sonne im Rücken, auf einer Anhöhe Teruel im Abendrot, darüber die verschieden grauen Wolken des Gewitters. Beim Einbruch der Dunkelheit fuhr ich dann in die Stadt hinein, um an dem Park 'Los Jardincillos' gegenüber dem Bahnhof zu übernachten.

In der Nacht hatte es heftig geregnet und auch der folgende Tag war alles andere als trocken. So machte ich mich erst gegen 10 Uhr bei lediglich 14 °C zur Besichtigung der Provinzhauptstadt auf. Der Park bestand fast nur aus Pfützen. Von hier führt eine schöne, mudéjare Treppe zur Altstadt, die auf einem Plateau über dem Río-Turia-Tal liegt.
Teruel wurde bereits von den Iberern als 'Turba' gegründet. 218 v.d.Z. verwüsteten die Römer die Stadt als Rache für die Vernichtung von Sagunt durch Hannibal. Später geriet Turba unter maurische Herrschaft und wurde zu 'Teruel' (= Stier) umbenannt. Die christliche Reconquista eroberte die Stadt 1171 für Aragón, man beließ aber ausnahmsweise den Mauren und Juden großzügige Sonderrechte. Die kulturelle Vielfalt wirkte befruchtend und führte zu großem Reichtum, was sich noch heute an den Gebäuden und besonders an den Mudéjar-Türmen ablesen lässt. Im größten Teil des übrigen Spaniens setzte sich der katholische Klerus durch und unterdrückte diese Entwicklung. Leider erwischte es ab 1486 auch Teruel - ein Pogrom fand statt und die Juden und Mauren wurden vertrieben; 1502 musste die letzte Moschee schließen. Die Stadt erlebte einen Niedergang in die relative Bedeutungslosigkeit und wurde ironischerweise nur nochmals wichtig als Schauplatz einer entscheidenden Schlacht im Spanischen Bürgerkrieg 1937/38, bei der sie große Zerstörungen hinnehmen musste.
Trotzdem - Teruel gilt als Hochburg des Mudéjar-Stils in Spanien und die fünf prächtigen, über Straßen erbauten Mudéjar-Türme sind schon beeindruckend mit ihren Kacheln (span.: 'azulejos') und Ziegelsteinen. So besichtigte ich mehrere von ihnen: San Salvador, San Pedro, Kathedrale Santa María, San Martín.
In einem Anbau der Iglesia de San Pedro wird eine makabre Sehenswürdigkeit ausgestellt: 'Los Amantes de Teruel' (Die Liebenden von Teruel), zwei mumifizierte menschliche Skelette, die in Glassärgen aufbewahrt und für ca. 0,50 DM besichtigt werden können. Dabei handelt es sich der Legende nach um die Überreste eines unglücklich verliebten Paares: Im 13. Jh. wollte Diego García de Marcilla Isabella de Segura heiraten, doch verweigerte deren Vater die Zustimmung, da er seine Tochter reich verheiraten wollte. So zog Diego in die Fremde und kehrte nach fünf Jahren reich und anerkannt zurück - am Tag der Hochzeit Isabellas mit einem anderen. Sein Herz zerbrach und er starb, tags darauf folgte ihm die Geliebte ins Grab.
Außer ihrem schönen Turm hat die Catedral de Santa María auch ein bemerkenswertes Inneres zu bieten - diesmal war ich leider zu früh dran, es fand noch eine Messe statt und die Besichtigung war unmöglich! Hinter der Kathedrale befindet sich mit dem Palacio Epsicopal (Bischofspalast) ein typisch aragonisches Bauwerk mit unter Dachtraufen verlaufender Galerie, in dem heute ein Diözesanmuseum untergebracht ist. Auch die übrige Stadt gefiel mir recht gut und so verbrachte ich noch einige Zeit mit ihrer Besichtigung. Beim Weg über eine Brücke über die Schlucht begann es jedoch, in Strömen zu gießen, und so flüchtete ich ziemlich nass ins Auto.zum Anfang zurück

Durch die Montes del Maestrazgo ins Ebro-Tiefland

Meine Reiseroute führte mich nun durchs Maestrazgo, einen weiteren Teil des Iberischen Randgebirges. Zunächst überquerte ich den Hochwasser führenden Río Mijares und erreichte dann die Kleinstadt Mora de Rubielos [1.035 m NN, 1.400 Ew.] an einem Ausläufer der Sierra de Gúdar. Hier gab es eine Burg aus dem 13./14. Jh., die Plaza Mayor und die gotische Pfarrkirche Ex-Colegiata de Santa María aus dem 12. Jh. mit typisch aragonischem Vorplatz, von Profanbauten im Renaissancestil, geschmückt mit Wappen und schmiedeeisernen Arbeiten, zu besichtigen. Noch tiefer im Gebirge liegt Rubielos de Mora [1.300 Ew.], das im Mittelalter von starken Verteidigungsmauern umgeben war, von denen noch zwei Tore vorhanden sind, darunter die Puerta de San Antonio. Die Pfarrkirche wurde von 1604-1620 im Renaissance-Stil erbaut. Bei der Weiterfahrt entdeckte ich einen schönen Aussichtspunkt auf das Städtchen.
Der folgende Teil des Maestrazgo, Grenzland zwischen Catalunya, Aragón und Valencia, ist außerordentlich abgelegen und dünn besiedelt, es werden Höhen über 2.000 m NN erreicht. Leider hält auch hier der Fortschritt Einzug in Form von fürchterlichen Straßenneubauten, die sich in keinster Weise an die Landschaft und den zu erwartenden Verkehr anpassen, sondern für die die gesamte Landschaft verschandelt wird. Auch meine Strecke hatte es schon teilweise erwischt und so geriet die Fahrt zur Schlammschlacht und mein Bus wurde zum Ferkel. Ich durchquerte die Gebirgszüge Sierra de Nogueruelas mit der Passhöhe Puerto de Linares [1.720 m NN], Sierra de la Batalla mit dem Pass Puerto de Mosqueruela [1.475 m NN] und Sierra del Rayo, die alle zum Gebirgsstock der Sierra de Gúdar gehören. Das Wetter war beeindruckend schlecht für "spanische" Verhältnisse: nur 10 °C, tief hängende graue Regenwolken, stürmischer Wind, immer wieder Regenschauer, Nebelfetzen - richtig gespenstisch, auch durch die fehlende Besiedlung; es gibt nur immer wieder verlassene Bergbauernhöfe. Die Vegetation besteht aus Kiefernwäldern und Wacholderheiden, die offensichtlich als Viehweiden genutzt werden (oder wurden?), denn es gibt sehr viele, aus Schiefersteinen aufgeschichtete Begrenzungsmauern. Diese Gegend hier erinnerte mich an den Schwarzwald zuhause. Nur einige wenige Orte lagen an der Strecke, von denen mir ein paar im Gedächtnis blieben: Nogueruelas, Linares de Mora am Fuße des gleichnamigen Passes, das uneinnehmbare Cantavieja hoch auf der Kante des tiefen Flusstales Rambla de Cantavieja - hier konnte ich endlich mal wieder Lebensmittel einkaufen -, Mirambel und letztlich Las Planas, wo ich nach 186 Tageskilometern schon bei Dunkelheit, Regen und nur noch 10 °C eintraf und die Nacht verbrachte. Irgendwo im Gelände zu übernachten wäre sicher auch schön geworden, aber die Gegend war mir dafür einfach zu unheimlich!
Der Morgen begrüßte mich mit Kontrastprogramm: fast wolkenloser, strahlend blauer Himmel bei 11 °C. Zunächst ging es noch eine Weile durchs Gebirge. Entlang dem Stausee Embalse de Santolea wurde auch gerade die Straße erneuert und ein Gänsegeier-Schwarm zog vorüber. Beim Ort Castellote konnte ich einen Gänsegeier schön lange beobachten und einen Mann, der mit Esel zur Feldarbeit unterwegs war. Nahe des nächsten Ortes Mas de las Matas steht auf einem Hügel eine Kapelle, von wo man einen wunderschönen Blick auf den Ort und die ihn umgebende Huerta hat. Vorbei am Embalse de Calanda mit seinen Geier-Brutfelsen erreichte ich schließlich mein Ziel: Heute und die folgenden Tage wollte ich eine Region besuchen, die im "Reiseführer Natur - Spanien", Roberto Clabo, 1991 unterzum Anfang zurück

Ebro-Becken zwischen Zaragoza und Lleida

zu finden ist. Hier gibt es die so "typisch spanische" Landschaft: dürre, leere, baumarme Steppe.
Der Ebro entspringt im Kantabrischen Gebirge, nur 45 km vom Atlantik entfernt, fließt dann aber nicht dorthin, sondern Richtung Osten, wo er nach 910 km ins Mittelmeer mündet und damit der längste Fluss der Iberischen Halbinsel ist. Zunächst windet er sich zwischen Pyrenäen und Iberischem Randgebirge hindurch, um dann das Ebro-Becken zu durchfließen; das letzte Stück muss nochmals ein Küstengebirge durchschneiden.
Das Ebro-Becken entstand im Tertiär als Zwischensenke bei der Auffaltung von Pyrenäen und Iberischem Randgebirge (vergleichbar der Po-Ebene zwischen Alpen und Apennin) und war zunächst vom Meer bedeckt. Durch marine und Abtragungs-Sedimente verlandete es. Diese Sedimentablagerungen wurden anschließend, in regenreicheren Epochen als heute, von Flüssen durchschnitten. Tafelberge, die stufenweise zum Talboden hin abfallen, sind Zeugen dieser Vergangenheit; ihre maximale Höhe liegt bei 900 m NN. Die Flüsse waren bis in allerjüngste Zeit von dichten, urwüchsigen Galeriewäldern gesäumt, deren Grün in scharfem Kontrast zum umliegenden Steppenland stand. Heute sind nur noch Reste davon erhalten, denn die Wälder mussten Ackerland und Kiesabbau weichen.
Es handelt es sich um eines der niederschlagsärmsten Gebiete Europas, da es im Regenschatten aller umliegenden Gebirge liegt. Zusätzlich sind die wenigen Wälder durch jahrhundertelange Weidenutzung von Schafen und Ziegen stark degradiert, da kaum Jungpflanzen hochkommen. So besteht die heutige Vegetation des Ebro-Beckens überwiegend aus Steineiche, Aleppokiefer, Spanischem Wacholder und Kermeseichen-Gebüsch, die alle nicht gerne gefressen werden.
Die erste Etappe führte durch flaches, ebenes Tafelland zum Ort Andorra (nicht d a s Andorra in den Pyrenäen!), vorbei am Kraftwerk "ENDESA - central termica ′Teruel′". Das einzig Interessante an Andorra war ein Supermarkt. Als weitaus lohnender erwies sich Alcañiz [338 m NN, 12.800 Ew.], wo ich gegen Mittag bei leichter Bewölkung und 24 °C ankam: Das in einer Schleife des Flusses Guadalope gelegene alte Städtchen ist Mittelpunkt des Unter-Aragón und Zentrum der hiesigen Olivenölproduktion. Auf dem Hügel Pui Pinos thront das Castillo de los Calatravos aus dem 12. Jh., das im 18. Jh. wesentlich umgebaut und verändert wurde und heute als Parador dient. Im Stadtzentrum, an der Plaza de España, bilden das stadtwappengeschmückte Rathaus (16. Jh.) und die reich verzierte, italienisch anmutende Lonja (15. Jh., früher Börse oder Markthalle, heute Kulturhaus) ein sehenswertes Ensemble. Nicht weit davon steht die kathedralenähnliche, wuchtige Stiftskirche Colegiata de Santa María la Mayor von 1736 mit ihrem reich geschmückten Portal und dem weiten Innenraum, wo der mächtige Hauptaltar und die kuppelgekrönten Kapellen beeindrucken.
Es folgte noch jenes Stück Bergland, das der Ebro auf dem Weg vom Ebro-Becken zum Mittelmeer durchqueren muss. Hier fand gerade die Mandel-Ernte statt; es gibt sogar Mandel-Vollernter - ein gegabelter Traktor-Anhänger, der den Baum in die Mitte nimmt und eine regenschirmartige Plane auffaltet, dann wird der Baum geschüttelt und abgeklopft - und die Früchte fallen dank der Plane auf den Hänger. Am Abend erreichte ich bei leichter Bewölkung und 20 °C meinen Übernachtungsort Maella, wo eine gotische Burg aus dem 16. Jh. steht.

Der nächste Morgen war wolkenlos bei 14 °C. Dem Río Matarraña folgend, entdeckte ich beim Abzweig nach Fabara ein Hinweisschild auf ein Mausoleo Romanico (Römisches Grabmal), das ich mir anschauen wollte. Leider war es aber eingezäunt und abgeschlossen, den Schlüssel hätte man sich in Fabara holen können - zu den Bürozeiten des Rathauses, also fast nie! So ging's weiter Richtung Ebro. Plötzlich war die Abbruchkante erreicht und es ging in Serpentinen steil hinab zum Fluss, vorher aber machte ich noch mal Station an einem Bürgerkriegsdenkmal, von wo ich eine herrliche Sicht auf den Ort Mequinenza [74 m NN] mit Castillo und den Ebro-Stausee Embalse de Mequinenza hatte. Am Fluss nahm ich dann ein ausgiebiges Bad, da so etwas die letzten Tage zuerst wegen Kälte und dann mangels Wasser ausfallen musste.
Bei Mequinenza mündet der von Norden aus den Hochpyrenäen kommende Río Cinca in den Ebro. Ich folgte ihm flussauf, denn hier sollten noch Auwald-Reste erhalten sein. Der Cinca ist hier von zwei Straßen gesäumt, westlich die stark befahrene N-211, östlich eine nicht klassifizierte Nebenstraße, die später zum Feldweg werden sollte. Klar, dass ich die letzte nahm. Es waren Möwen und einige Seiden- und Graureiher zu beobachten, leider wurden sie durch so ein paar rasende Motorbootler aufgescheucht. Spanier müssen in der freien Natur immer irgendetwas Störendes machen: mit Land- oder Wasserfahrzeugen herumrasen, jagen, angeln, grölen, Feuer machen - einfach nur so die Natur genießen scheint ihnen unmöglich zu sein! Den versprochenen Auwald fand ich dann zum Glück doch noch. Als azonale Vegetation sieht er auch hier so aus wie in fast ganz Europa: Pappeln, Weiden, Lianen und ... Mücken! Aber es geht ihm nun an den Kragen - der Feldweg wird gerade zur Schnellstraße ausgebaut, dann gibt es beidseitig des Flusses nur noch rollendes Blech.
In La Granja d'Escarp [78 m NN], schon zu Katalonien gehörend, ging ich einkaufen, um dann nach Fraga, wieder in Aragonien, zu fahren.
Fraga [120 m NN] entstand aus einer Ansiedlung der Iberer in malerischer Lage am Hang des Río Cinca inmitten einer fruchtbaren Ebene. Die Römer nannten den Ort Gallica Flavia. Interessant an der mittelalterlich wirkenden Stadt sind die für Aragonien typischen Backsteinhäuser. Adelshäuser und die ursprünglich romanische Kirche San Pedro (12. Jh.), über einer Moschee errichtet und später umgebaut, sind die Sehenswürdigkeiten der Stadt. Ich stieg bei wolkenlosem Himmel und 30 °C zum höchsten Punkt des Ortes eine ziemlich steile Straße hoch und war dort ganz außer Atem, wurde aber durch eine schöne Sicht auf Stadt und Fluss entschädigt. Durch das enge Gassengewirr der Altstadt ging ich, die Plaza Mayor mitnehmend, zurück zu Fluss und Auto. Dort am Ufer der Cinca war ein Graureiher auf Beutesuche, keine 20 m von der lärmenden Autostraße entfernt. Bei der Suche nach der Ortsausfahrt fand ich zufällig einen Supermarkt, wo ich endlich neue Sandalen kaufen konnte - die Sohlen meiner alten waren schon total zerschlissen, ich hatte sie während der bisherigen 4 Urlaubswochen völlig abgelatscht.
Ich folgte der Cinca weitere 30 km flussauf durch eine grüne, fruchtbare Niederung, wo Obst und Gemüse angebaut werden. Unterwegs entdeckte ich Schwalbenschwanz-Falter und einen kleinen Bewässerungsbach, an dem Prachtlibellen flogen. Bei Albalete de Cinca wechselte ich auf die westliche Flussseite, wo sich eine Abbruchkante entlangzieht. Bei Alcolea de Cinca [186 m NN] flogen vor der Steilwand Alpenkrähen in der Thermik, die ich zunächst nur hörte, dann aber auch noch entdeckte.
Nach einigen Kilometern steht auf dem Plateau die Kapelle Virgen de la Chalamera, zu der ein besseres Bachbett als Weg hinaufführt. Da der VW - und ich - einiges gewohnt sind, schafften wir auch diesen Aufstieg. Dort oben befand sich ein wasserführender kleiner Tümpel mit Libellen und Fröschen. Auf dem Steppenboden liefen unzählige längs gestreifte Tausendfüßer umher, außerdem fand ich noch etliche andere Kleintiere. Die Kapelle war abgeschlossen und gab von außen nichts her. Also ging's wieder runter zur Cinca und nach Ballobar [153 m NN], von wo eine kleine, als "schön" markierte Straße durch die östlichsten Ausläufer der Monegros führt. Und wirklich - schön war die Strecke auch. Die Monegros sind ein steppenartiges Hügelland mit Tafelbergen und tiefen Erosionstälern, genau wie im Naturführer beschrieben. Ich sollte am nächsten Tag noch viel mehr davon entdecken; für heute war Übernachtungsplatzsuche angesagt.
In der Kleinstadt Sariñena [280 m NN] wurde ich fündig. Es war noch 21 °C warm bei wolkenlosem Himmel, und der ganze Ort war auf den Beinen, so dass auch ich nicht schlafen konnte. An einer Hauswand entdeckte ich eine Mittelmeergrille und einen jungen Mauergecko, an denen ich erstmals die 'Nightshot'-Funktion meiner Videokamera austestete. Dabei wird das Motiv mittels Infrarot-Strahler 'beleuchtet' - der Fotochip ist sowohl für sichtbares Licht als auch für kurzwelliges Infrarot empfindlich.

Sariñena liegt in der fruchtbaren Ebene des Río Alcanadre, ganz in der Nähe führt auch der Bewässerungskanal Canal de Monegros vorbei. Da es nachts ziemlich abgekühlt hatte und der Morgen wolkenlos bei 12 °C war, lag über den Feldern leichter Bodennebel. Auf einem Paprika-Feld wurde gerade geerntet, in der Nähe machte ich Frühstück und fand auch einen Brunnen, um den Wassertank wieder aufzufüllen. Zunächst wollte ich den zentralen Teil des Hügellandes Los Monegros erkunden, das sich zwischen Zaragoza und Lleida erstreckt und in der Sierra de Alcubierre 822 m NN erreicht. Von der Passhöhe über die Sierra de Pallaruelo [ca. 500 m NN] konnte ich hinter der Cinca-Ebene sogar die Pyrenäen erkennen.
Auf einem Hügel über dem Ort Castejón de Monegros [470 m NN] gibt es ein Castillo, von dem man wiederum eine herrliche Rundum-Sicht hat. Im Ort selbst schoss ich eine ganze Serie Schüler-Wandmalereien, die sich mit dem Thema Umweltschutz beschäftigen - hoffentlich denken sie als Erwachsene auch noch so!
Nochmals ging es über einen Pass, dort erkundete ich die Vegetation etwas genauer. Die Berglagen sind noch bewaldet, da es zur Nutzung zu steil und zu steinig ist. Der Wald wurde von Aleppokiefern mit einigen Steineichen gebildet, der Unterwuchs besteht aus Sträuchern wie Kermeseichen, Terpentin- und Mastixsträuchern. Am Fuß des Passes war ein Wasserloch, an dem ich eine Theklalerche beobachtete. Dort erklomm ich einen Tafelberg von ca. 50 m Höhe - das war eine tolle Sicht! Weiter ging es dann nach La Almolda [491 m NN]; unterwegs begegnete ich zwei riesigen Schaf- und Ziegenherden mit mehreren Hundert Tieren - durch die umgebundenen Glocken und das Mähen und Meckern waren sie meilenweit zu hören. In dieser Trockensteppe entdeckte ich auch einige bis 5 cm lange Riesen-Raubfliegen, die sich immer wieder auf den Boden setzten. Bei dem Ort war eine große Stall-Anlage für Schweine, Hühner und Schafe mit ihren charakteristischen, metallenen Silo-Türmen. Der Himmel war mittlerweile leicht bewölkt bei 26 °C.
Über Bujaraloz [327 m NN] führte der Weg nach Südwesten entlang der Montes de la Retuerta de Pina zum Río Ebro durch das Ödland 'Las Planas' mit einigen, zur Zeit fast ausgetrockneten, Wasserflächen. Nur die Laguna la Playa führte noch etwas Wasser. Wasservögel waren leider kaum zu sehen, jedoch war es interessant, in Ufernähe die zerfallenden Häuser, darunter ein ziemlich großes, zu sehen. Tauben und Stare hatten sich eingenistet und stürzten in Scharen heraus, als ich mich näherte. Nach einigen Kilometern kam ich an die Abbruchkante zum Ebro. Genau auf der Kante steht ein Kirchlein, von dem sich ein wunderbarer Blick ins Tal bot, die Ermita Virgen de Montler.
Das in der Nähe, ebenfalls am Ufer des Ebro gelegene Kloster Monasterio de Rueda wurde im Übergangsstil von der Romanik zur Gotik Anfang des 13. Jh. durch Alfonso II. gegründet, jedoch im Jahre 1835 aufgelöst. Es soll neben der sehenswerten dreischiffigen Kirche noch einen gotisch-byzantinischen Kapitelsaal, einen romanisch-gotischen Speisesaal, eine Bibliothek und eine Küche besitzen. Sehenswert sei auch der 1610 erbaute Palast der Äbte mit einer Fassade im Herrerastil. Leider befand sich die gesamte Anlage in Restaurierung und war daher nicht zu besichtigen. Nach Überquerung des Río Ebro führte die Landstraße A-1404 auf dem südlichen Hochplateau weiter nach Westen; es war nochmal ein schöner Blick hinunter ins Ebro-Tal. Unterwegs nahm die Bewölkung immer mehr zu, und am Abend sollte es auch noch regnen.
Das Städtchen Azaila [276 m NN] auf der Hochfläche der Meseta befindet sich auf geschichtsträchtigem Boden. Etwa 1 km vom Ort entfernt findet sich auf einem Hügel eine Acrópolis Ibérica, ein Dorf der Iberer aus dem 1. Jh. v.d.Z., genannt Cabezo de Alcalá. Es sind noch Reste von Straßen und Häusern sowie eine keltische Nekropole zu sehen. Der Himmel bewölkte sich langsam, es waren aber noch 26 °C.
Der folgende Ort westwärts, Belchite, wurde im Spanischen Bürgerkrieg (1936-1939) so stark zerstört, dass er von seinen Bewohnern verlassen wurde. Zum Gedenken wurde aber alles genauso belassen wie vom Krieg gezeichnet: Haus- und Kirchenruinen, Schutt, Bombeneinschläge, zerstörte Hauseinrichtungen...; ein sehenswertes Zeugnis jüngster spanischer Geschichte. Etwas nördlich wurde das neue Belchite erbaut; dort verbrachte ich die Nacht, in der es bei 20 °C einige Schauer gab. Zuvor hielt ich mich den restlichen Abend 5 km westlich am Fuß eines Hügels mit einer großen Wallfahrtskirche - Nuestra Señora del Pueyo - auf.

Auch der nächste Tag war wettermäßig nicht so schön, schon morgens war es bei 14 °C ziemlich wolkig. Der nächste Ort hätte auch Interessantes zu bieten: in Fuendetodos [180 Ew.] steht das Geburtshaus des berühmten Malers Francisco de Goya (1746-1828), das macht aber wohl erst um 10 Uhr auf und so verzichtete ich auf den kleinen Abstecher, denn Zaragoza, die Hauptstadt Aragóns, stand auf dem Programm. Dorthin waren es noch ca. 40 km durch das Hügelland 'Llanos de la Plana' [bis 715 m NN]. Hier waren die Talflächen und die Hangfüße landwirtschaftlich genutzt, während die mittleren und oberen Hügellagen Trockenvegetation in Form von Kleinsträuchern trugen. Ein paar kleine Dörfer lagen verstreut im ansonsten menschenleeren Gebiet; ich passierte Puebla de Albortón, Valmadrid und Torrecilla de Valmadrid - und dann lag es vor mir:zum Anfang zurück

Zaragoza [200 m NN, 600.000 Ew.],

Hauptstadt der gleichnamigen Provinz und Regionshauptstadt von Aragón, zugleich Sitz einer berühmten Universität. Leider hatte es sich inzwischen total zugehängt, der Himmel war bedeckt und grau in grau bei immerhin 27 °C, die Sonne schimmerte aber leicht durch. Ich suchte in altbewährter Manier, wie immer bei größeren Städten, einen Parkplatz am Stadtrand - so nahe, dass man problemlos ins Zentrum spazieren kann, aber weit genug weg, dass es nichts kostet. Diese Taktik klappt fast immer ganz gut, hier musste ich nur aufs andere Ebro-Ufer (das nördliche) fahren und stellte den Bus in ein Wohngebiet; da ist er auch sicherer als auf einem Touristenparkplatz! Jetzt nur noch den Fluss überqueren und nach 10 Minuten war ich im Zentrum. Von unterwegs hatte ich einen tollen Panorama-Blick auf die Silhouette von Zaragoza: Im Vordergrund der Río Ebro, dahinter die wichtigsten Sehenswürdigkeiten: Catedral La Seo, Palacio Arzobispal, Lonja, Ayuntamiento, Basílica de Nuestra Señora del Pilar und Puente de Piedra. Die Situation erinnert stark an den Canaletto-Blick (Dresdens Altstadt vom Neustädter Elbufer aus)!
Die meisten Sehenswürdigkeiten liegen an der 500 m langen Plaza del Pilar, die sich ca. 100 m entfernt parallel zum Ebro erstreckt. Zunächst begab ich mich zur Catedral La Seo, einer 1119-1520 an der Stelle der maurischen Hauptmoschee erbauten fünfschiffigen Kirche; das Hauptportal stammt von 1795. Das Innere enthält im Chor ein prachtvolles Gitter und spätgotisches Gestühl. Der Trascoro mit dem Christusaltar ist ein Meisterwerk der Renaissance. In der Capilla Mayor erhebt sich hinter dem Altar ein großer alabasterner Retablo, dessen drei große Bildtafeln Juan de Suabia ('Meister Hans aus Schwäbisch Gmünd'!!!) 1473-1477 schuf. Es gibt noch zahlreiche schöne Seitenkapellen, da jedoch wie fast immer das Fotografieren und Filmen verboten war und es unverständlicherweise auch keine Kaufdias gab, kann ich mich kaum noch daran erinnern.
Zurück auf der Plaza del Pilar passierte ich zunächst den Palacio Arzobispal (Erzbischöfliches Palais), ein klassizistisches Gebäude aus dem 18. Jh. Daneben steht die äußerlich schlichte Lonja, ein 1551 vollendeter stattlicher Renaissancebau mit einem einzigen großen Saal, der schönen Wappenschmuck und ein beachtliches Gewölbe aufweisen soll und früher als Börse diente; leider wird sie nur zu besonderen Anlässen geöffnet. Es folgte das Ayuntamiento (Rathaus), vor dem sich ein modernes Denkmal befindet.
Das größte historische Bauwerk Zaragozas und zugleich sein Wahrzeichen, die Wallfahrtskirche Basílica de Nuestra Señora del Pilar, auch Virgen del Pilar genannt, nimmt mit 132 x 67 m den größten Teil der Nordseite der Plaza del Pilar ein. Der Legende nach wurde diese Kirche am Ort eines Marienwunders erbaut, bei dem die Muttergottes am 2. Januar des Jahres 40 dem nach Compostela ziehenden Apostel Jakobus erschienen sein soll. Dabei hat sie wundersamerweise eine Säule (span.: pilar) hinterlassen, um die nacheinander mehrere Kapellen errichtet wurden. Die heutige Basilika besitzt eine große Mittelkuppel, zehn kleinere Azulejoskuppeln und vier hohe Ecktürme; sie wurde 1681 von Francisco Herrera dem Jüngeren begonnen und 1753 von Ventura Rodriguez fortgeführt, aber erst gegen Ende des 19. Jahrhunderts ausgebaut. Im klassizistisch gestalteten Inneren zeigt der Chor ein schönes Gitter von 1574 und ein prächtiges platereskes Gestühl von 1548. Auch das gotische Retablo aus z. T. farbigem Alabaster ist sehenswert. Im Ostteil des Kirchenraumes befindet sich die Capilla de Nuestra Señora del Pilar, das bedeutendste Heiligtum der Kirche. Es ist mit prachtvollen Deckengemälden von Alejandro González Velázquez ausgemalt; weitere Kuppeln tragen Deckenfresken von Bayeu (1781) und Francisco de Goya (1771). An der Westwand der Kapelle steht über drei kerzenbeladenen Altären die aus dem frühen 15. Jh. stammende kleine Alabasterfigur der Jungfrau auf dem silberbeschlagenen, marmornen 'Pilar' , die täglich mit einem neuen Umhang bekleidet wird. Zwischen der Kapelle und dem Hauptaltar im nördlichen Seitenschiff befindet sich ein Stein mit dem angeblichen Fußabdruck der Jungfrau, den viele Gläubige küssen. In der Basilika war Fotografieren und Filmen anscheinend erlaubt; als ich eintrat sah ich jedenfalls trotz genauem Hinsehen kein Verbot, und drinnen machten viele Leute Bilder. Nur beim Verlassen durch eine andere Tür entdeckte ich dort das bekannte Foto-/Video-Verbotsschild - aber ich hatte meine Bilder bereits im Kasten!
An der Westseite der Plaza del Pilar befindet sich noch ein interessanter Brunnen und ein weiterer Mudéjar-Turm, der Torreón de la Zuda, Relikt des ehemaligen maurischen Palastes, den der arabische Gouverneur im Jahre 918 errichten ließ. Von hier machte ich mich auf den Weg zur Einkaufszone, da ich hoffte, in der Provinzhauptstadt Kartenmaterial und Literatur über Aragón zu finden. Auf der Avenida de la Independencia, einer prächtigen, arkadengesäumten Promenadenstraße, war ich dann in einer großen Librería (Buchhandlung) auch erfolgreich. Nicht weit davon steht das ehemalige, im 15./16. Jh. in reichstem plateresekem Stil erbaute Monasterio de Santa Engracia, das 1809 durch die Franzosen fast völlig zerstört und 1898 wieder rekonstruiert wurde. Sein Alabasterportal aus der Gründerzeit blieb jedoch original erhalten und ist wirklich sehenswert. Ich marschierte in einem Bogen durch die östliche Altstadt zurück zum Bus. Dabei kam ich an der mudéjaren Iglesia de San Miguel mit schönem Turm vorbei, wo gerade eine Hochzeit stattfand (es war mal wieder Samstag). Auch die aus dem 14. Jh. stammende und im 18. Jh. wesentlich umgebaute Iglesia de Santa María Magdalena mit ihrem im Originalzustand erhaltenen herrlichen Mudéjar-Turm lag auf meinem Rückweg. Mit dem Bus fuhr ich dann zur letzten Station meiner Zaragoza-Besichtigungstour.
Weit im Westen der Stadt erbauten die Mauren unter Aben-Alfage im Jahre 864 das Castillo de la Aljafería als Lustschloss ihrer Könige, das zwischen 1030 und 1081 seine größte Erweiterung erfuhr. Nach Vertreibung der Mauren übernahmen Benediktiner das Schloss und richteten darin ihr Kloster ein. Im 14. und 15. Jh. wurde es als Schloss der Könige von Aragón genutzt. Auch die 'Reyes Católicos' (Katholische Könige) und schließlich die Inquisition residierten hier. Heute dient der Bau als Sitz des aragonischen Regionalparlaments. Obwohl 1809 während der französischen Belagerung größtenteils zerstört, ist es das einzige noch halbwegs erhaltene maurische Bauwerk Zaragozas! Erst im 20. Jh. machte man sich an den Wiederaufbau, der bis heute noch nicht abgeschlossen ist. Samstags ist der Eintritt frei, allerdings nur mit (ebenfalls kostenloser) Führung möglich. Leider wurde das Innere nur sehr grob rekonstruiert und ließ praktisch sämtliche Details vermissen; die original erhalten gebliebenen waren jedoch sehenswert.zum Anfang zurück

Von Zaragoza zum Pyrenäenfuß

Nördlich von Zaragoza am Río Gallego steht eine weitere Sehenswürdigkeit, die Cartuja de Aula Dei, ein 1564 von Fernando II. gegründetes Kartäuserkloster. Die Kirche, ein massiver Backsteinbau, besitzt ein kunstvoll gearbeitetes Portal. Den Kreuzung schmücken Bilder aus dem Leben des Hl. Bruno von Antonio Martinez; in der Klosterkirche mit ihrem schönen Rokokoportal findet man die wichtigste Sehenswürdigkeit: Fresken von Goya aus dem Leben der Hl. Jungfrau (1772). Aber die Einfahrt zum Gelände war verschlossen und weit und breit kein Hinweis auf Öffnungsmodalitäten zu sehen; so machte ich mein obligatorisches Bild der Außenansicht und fuhr weiter am Río Gallego entlang in ein schönes Auengebiet mit Riesenschilf bei Peñaflor. Die eingezeichnete Gallego-Brücke fand ich nicht und musste daher nochmals zurück nach Zaragoza, um von dort in westlicher Richtung zur Sierra del Moncayo [bis 2.315 m NN] weiter zu fahren, die zum Nordteil des Sistema Iberico (Iberisches Randgebirge) gehört.
Am Fuße des Gebirgsstockes auf dem Gebiet des Ortes Vera del Moncayo liegt das Monasterio de Santa María de Veruela, das einstmals bedeutendste Kloster Spaniens. Es wurde im Jahre 1146 von Zisterziensern am Platz der iberischen Siedlung La Oruña gegründet und im 15. Jh. vollendet; heute beherbergt es ein Jesuitenkolleg. Die Kirche des imposanten, von einer zinnengekrönten Mauer umgebenen Klosters stammt aus dem 13. Jh. und repräsentiert den Übergang von der Romanik zur Gotik. Das Klostergelände war leider abgesperrt und nur gegen einen Obolus zu betreten. Da sich jedoch etliche, vor allem ältere, Leute vor dem Eingang drängelten, sah ich von einer Besichtigung ab und machte mich auf, den Berg zu erkunden.
Ein Großteil des Berglandes ist zum Reservat 'Parque Natural de la Dehesa del Moncayo' erklärt. Die Hänge sind bewaldet, zunächst Kiefern, weiter oben aber folgt Laubwald aus hauptsächlich Rotbuchen, die in Südeuropa nur die Montanstufe besiedeln und hier in Nordostspanien die Südwestgrenze ihrer Verbreitung erreichen. Außerdem gibt es auch ein paar Fichten. An der serpentinenreichen Straße sind einige Parkplätze eingerichtet, an denen Info-Tafeln über das Gebiet aufgestellt wurden - eine Art Naturlehrpfad für Autofahrer. Die Straße wurde bis zum Ende der befahrbaren Strecke in 1.620 m NN am Santuario de Nuestra Señora del Moncayo immer steiler und steiniger. Vom Vorplatz bietet sich ein herrlicher Blick ins Tal des Ebro, aber der im Parterre des Gebäudes lärmende Kompressor störte die Ruhe ungemein; außerdem war es mit 13 °C ziemlich frisch. Vom Santuario aus gibt es etliche Wanderwege, auch bis zum noch 700 m höher liegenden Gipfel, die ich aber mangels Zeit und vor allem Kondition nicht weiter verfolgte.
So machte ich mich auf den Rückweg ins Tal, wobei ich in einiger Entfernung einen riesigen Windpark mit Dutzenden von Windrädern entdeckte (später fand ich heraus, dass es sich um die Montes de Castejón handelt, fast 50 km entfernt). Schon in der Dämmerung erreichte ich bei wolkigem Himmel und 21 °C mein Ziel Tarazona, das ich am nächsten Tag erkunden wollte.

Leider war es am anderen Morgen stark bewölkt mit einigen Regenschauern bei 13 °C. So musste ich gleich zu Beginn meines Rundganges eine längere Pause in einer Bar einlegen, wo ich mich aber sehr gut mit dem Wirt und zwei Gästen unterhielt. Erst nach etwa einer Stunde konnte ich aufbrechen. Das malerische alte Bischofsstädtchen Tarazona [475 m NN, 11.000 Ew.] am Río Queiles im Norden der Sierra de Moncayo ging aus der antiken iberischen Siedlung 'Turiasso' hervor. Zur Römerzeit gewann die Stadt durch den Eisenerz-Abbau an Bedeutung. Im Mittelalter erkoren die aragonischen Könige Tarazona vorübergehend zu ihrer Residenz; im Zentrum der Altstadt am Ufer des Queiles steht noch das ehemalige Königsschloss aus dem 14. Jh., heute Bischofspalais (Palacio Episcopal). Wegen der vielen Baudenkmäler im Mudéjar-Stil nennt man Tarazona auch 'Toledo von Aragón'. So weist die Kathedrale, erbaut von 1162-1235 nach der Rückeroberung der Stadt von den Mauren, einen typischen Mudéjar-Backsteinturm von 1588 auf; leider war sie wegen Renovierung geschlossen. Auch die älteste Kirche der Stadt, die Iglesia de Santa María Magdalena, wird von einem schönen, hohen Mudéjar-Turm überragt. Die Casa Consistorial (Rathaus), untergebracht in der ehemaligen Börse aus dem 16. Jh., besitzt eine äußerst prächtige Fassade mit Reliefs und Wappenfeldern; eine Bogengalerie im oberen Stockwerk verleiht dem Gebäude einen zusätzlichen Reiz. Besonders erwähnenswert finde ich die 1790-1792 erbaute Plaza de Toros Vieja (Alte Stierkampfarena), die aus einem vierstöckigen, ringförmigen Gebäude besteht, in dem sich 32 Wohnungen befinden. Sie wird heute zwar nicht mehr als Corrida genutzt, aber die Wohnungen sind zu richtig schnuckeligen Appartements umgebaut worden und wirken heute recht nobel.
Ich verließ Tarazona über das Bergland um den Ort El Buste und erreichte in dessen unmittelbarer Nähe einen schönen Mirador (Aussichtspunkt), der passenderweise den Namen 'El Balcón de El Buste' [805 m NN] trägt: Man hat dort wirklich einen schönen Blick über das Tal des Río Huecha zur Sierra del Moncayo. Bei Novillas überquerte ich den Río Ebro und drei Bewässerungskanäle, um Tauste zu erreichen, das zu den 'Cinco Villas' ('Fünf Dörfer', die anderen vier sind Ejea de los Caballeros, Sádaba, Sos del Rey Católico und Uncastillo) zählt. Der Ort liegt am Río Arba und besitzt eine sehenswerte, im Mudéjarstil erbaute Pfarrkirche, Iglesia Parroquial de Santa María, (1243 begonnen) mit schönem, 72 m hohem, achteckigem Turm und wertvollem, platereskem Retablo am Hochaltar.
Ganz in der Nähe liegen die Montes de Castejón [bis 750 m NN], ein Hügelland mit vielen Windrädern - offensichtlich handelt es sich um eine sehr windige Gegend. Ich versuchte in die Nähe einer solchen Anlage zu gelangen, blieb dabei aber fast stecken, denn der tagelange Regen hatte die unbefestigten Feldwege in Schlammlöcher verwandelt. Bei der Überquerung des Gebirges geschah es dann aber doch noch: Für eine kurze Rast fuhr ich, schon vorsichtig geworden, auf einen gekiesten Feldweg ab, nur ein paar Meter - aber der Kies deckte nur den Schlamm darunter ab. Ich saß fest und beim Versuch herauszukommen rutsche der Bus nur noch weiter den leicht abschüssigen Weg hinunter. Es wurde auch immer steiler, und schließlich stand ich 50 m von der Straße entfernt. Es gab keine Hoffnung mehr, aus eigener Kraft noch herauszukommen; also machte ich mich zu Fuß auf den Weg ins nächste Dorf Sierra de Luna [401 m NN], ca. 3 km entfernt, um Hilfe zu holen. Ein netter älterer Herr, vermutlich ein Bauer im Ruhestand, dem ich die Situation schilderte, war spontan bereit, mir zu helfen. Ich erklärte ihm, dass der vorgesehene Geländewagen genauso abrutschen würde wie mein Bus; also nahmen wir einen Traktor. Das Herausschleppen erwies sich als extrem schwierig, da auch der Traktor kaum Bodenhaftung hatte. Letztlich haben wir es aber mit vereinten Kräften von Traktor und Bus doch noch geschafft. Ich bot meinem Helfer Geld an, das der aber partout nicht nehmen wollte. So blieb mir nur, ihm herzlich zu danken. Ich machte immer wieder die gleiche Erfahrung: die einfachen Leute sind sehr nett und immer hilfsbereit!
Es war schon ziemlich spät geworden und mein heutiges Ziel - Sos del Rey Católico - nicht mehr erreichbar. Auf der Karte entdeckte ich in meiner Richtung in der Nähe von Luna [477 m NN] drei angeblich sehenswerte Kirchenbauten: die Iglesia de San Gil liegt auf einem Hügel über Luna und war nicht erreichbar, das Convento de Monlora habe ich nicht gefunden. Lediglich das Santuario de Nuestra Señora de Monlora fand ich lohnend; es liegt auf einem ca. 150 m hohen Bergrücken direkt über dem Tal des Río Arba de Biel und bietet einen schönen Anblick, außerdem hat man von da oben einen herrlichen weiten Blick übers Arba-Tal zu den Montes de Castejón. Nun waren es noch 25 km bis zum heutigen Übernachtungsort:
Bei Ejea de los Caballeros [340 m NN] handelt es sich um das antike 'Segia' der Iberer, das am Zusammenfluss von Arba de Luesia und Arba de Biel am Fuß der Pyrenäenzone liegt. Als Hauptort der 'Cinco Villas' entwickelte es sich zu einem bedeutenden landwirtschaftlichen und industriellen Zentrum. Ich bezog mein Nachtquartier auf einem Hügel inmitten der Stadt, auf dem sich früher eine Festung König Alfonsos I. befand, von der nur noch die weithin sichtbare Iglesia de Santa María aus dem Jahre 1174 erhalten ist. Ihr Mudéjar-Turm war von etlichen Storchennestern mit den zugehörigen Vögeln besetzt; da die Kirche bei Nacht angestrahlt wurde, filmte ich das Geschehen gleich mal.

Am Morgen machte ich bei wolkigem Himmel und nur 10 °C einen kleinen Stadtrundgang. Von meinem kirchengekrönten Übernachtungshügel stieg ich zur Altstadt hinab auf der Suche nach der romanischen Wehrkirche El Salvador von 1222, die leider total eingerüstet und auch gesperrt war, so zog ich unverrichteter Dinge wieder ab.
Danach kam ich nach Sádaba [430 m NN], das von einem großen, gut erhaltenen mittelalterlichen Castillo (13. Jh.) im Zisterzienser-Stil überragt wird, die einen quadratischen Grundriss und neun ebenfalls quadratische Türme besitzt. Bemerkenswert ist auch die gotische Pfarrkirche Iglesia Parroquial de Santa María aus dem 14. Jh., deren achteckiger Turm als schönes Beispiel für die gotische Baukunst Spaniens gilt.
Nördlich und nordöstlich von Sádaba steigt das Gelände stetig an, das Ebro-Tiefland geht hier in die Vorpyrenäen über, die dem Pyrenäen-Hauptkamm vorgelagert sind und z. T. auch schon beachtliche Höhen von 1.500-2.000 m NN erreichen.zum Anfang zurück

Durch die Vorpyrenäen nach Osten

Über den Puerto de Sos [856 m NN] geht es weiter nach Sos del Rey Católico [520 m NN, 900 Ew.]. Dieses Festungsstädtchen auf einem Ausläufer der Sierra de la Peña hat sich sein mittelalterliches Stadtbild mit Stadtmauer und schönen Stadttoren weitgehend bewahrt. Hier wurde 1452 im Palacio de Sada (12. Jh.) der spätere König Fernando de Aragón, genannt 'el Rey Católico', geboren. An der Plaza de la Villa stehen das Renaissance-Rathaus Casa de la Villa (16. Jh.) und die schöne Lonja Medieval mit Gartenanlage; vom Platz kommt man zur romanischen Pfarrkirche Iglesia Parroquial de San Esteban (11./12. Jh.) mit einem Figurenportal und sehr gut erhaltenen Wandmalereien aus dem 14. Jh. Oberhalb der Kirche am höchsten Punkt des Ortes stehen die Reste des Castillos (12. Jh.) mit gut erhaltenem Turm; von hier oben hatte ich einen schönen Blick über Ort und Umgebung. Auf der Weiterfahrt durchquerte ich eine zu Navarra gehörende Enklave von wenigen Quadratkilometern und entdeckte auch einen charakteristischem Bauernhof mit einer Art Futterturm.
Auf dem Felshang Ayllón über dem Ort erhebt sich eine einst mächtige Burg aus dem 12. Jh., von der Uncastillo (un castillo = eine Burg) seinen Namen ableitet; heute ist davon nur noch ein einsamer Turm übrig. Von den Kirchen ist die romanische Santa María la Mayor mit ihrem sehr schönen Südportal und dem plateresken Kreuzgang besonders zu erwähnen. Die Casa Consistorial (Rathaus) zeigt eine reich gearbeitete Fassade. Wegen seines mittelalterlichen Gepräges mit den hübschen engen Gassen wurde Uncastillo offiziell zum kunstgeschichtlich interessanten Ort erklärt ('Conjunto Histórico Artístico').
Von Uncastillo führt die schöne kleine Landstraße A-1202 durch die Sierra de Luesia mit dem Ort Luesia, über dem ein Castillo thront, nach Osten Richtung Huesca. Der nächste Ort Biel-Fuencalderas besteht aus zwei 10 km auseinander liegenden Teilen. Im mittelalterlichen Städtchen Biel [760 m NN] steht ein romanischer Turm aus dem 11. Jh. Auf der Weiterfahrt durch die Sierra de Salinas nach Ayerbe überquere ich den Puerto Sierra Mayor [902 m NN]; von ihm hat man einen wunderbaren Panoramablick auf die Sierra de Santo Domingo [Santo Domingo: 1517 m NN] und die Sierra de Loarre [Pusilibro: 1597 m NN]. Zu erkennen sind Agüero, Riglos mit seinen 'Mallos', und sogar das Castillo de Loarre.
Schließlich erreichte ich das Städtchen Ayerbe [582 m NN] bei leichter Bewölkung und 18 °C. Hier gilt der Palacio des Marqués (15. Jh.) mit seiner schönen Fassade als sehenswert. Er wurde für Hugo de Urries, einen Diplomaten am Hofe der Reyes Católicos, erbaut. Heute befindet sich darin eine Bank. Auch der Torre del Reloj (Uhrturm) fiel mir auf; er ist ein Überbleibsel der früher hier stehenden Kirche Santa María de la Cueva. Beide Gebäude liegen an der Plaza de Ramón y Cajal de Santiago, wo sich auch einige Läden und Cafés befinden. Etwas abseits steht noch die Pfarrkirche Iglesia Parroquial, früher Teil eines Dominikanerklosters, mit einem schönen Holzportal; ich entdeckte sie erst am nächsten Morgen, da ich fast davor übernachtete.
Da es noch lange hell sein würde, beschloss ich, noch am Abend nach Riglos [678 m NN] zu fahren, um die besonders sehenswerten Felswände Mallos de Riglos zu besuchen, die ich schon vom Puerto Sierra Mayor aus 12 km Entfernung entdeckte. Dabei handelt es sich um 600 m senkrecht aufragende Felsen, die als Mekka der spanischen Freikletterer-Szene gelten - und es waren auch einige Gruppen unterwegs. Mich interessierten besonders die Spalten und weißen Flecken in den Wänden: Gänsegeier-Nester, darunter die vom Kot bespritzten Stellen. Es flogen auch Dutzende Geier herum, zusätzlich gab es Alpenkrähen zu hören und sehen. Die Kletterer haben bestimmte Routen, von denen sie nicht abweichen dürfen, um die Vögel nicht zu sehr zu stören. Da es nun schon dämmerte, fuhr ich zur Übernachtung nach Ayerbe zurück. Abends gingen noch einige Regenschauer nieder.

Am nächsten Morgen bei bedecktem Himmel und nur 11 °C machte ich noch einen kleinen Rundgang durch Ayerbe, bevor ich zum Castillo de Loarre [1.100 m NN] aufbrach, das ca. 10 km entfernt am Fuß der Sierra de Loarre liegt. Dabei handelt es sich um eine der schönsten romanischen Burgen Spaniens, die König Sancho I. Ramírez ab 1076 am Ort des römischen Kastells 'Calagurris Fibularia' erbauen ließ; bis ins 12. Jh. war sie auch Residenz. Ein doppelter Mauerring mit Rundtürmen umgibt die Anlage, aus der der rechteckige Bergfried und die Kirche Santa María hervorragen. Diese gehört zu einem in der Burg befindlichen Augustinerkloster und wurde über einer Krypta erbaut. Zuerst fuhr ich am Castillo vorbei den Berg weiter hoch, um die Anlage von oben zu fotografieren. Wieder zurück entdeckte ich ein Zelt und einen Kombi mit deutscher Nummer "EE" (Elbe-Elster-Kreis, Bad Liebenwerda), davor eine junge Familie mit zwei Kindern beim Camping-Frühstück - das erinnerte mich sehr an meine Vor-Wohnmobil-Zeit mit meinem alten VW-Passat Kombi! Ich näherte mich vorsichtig, um die Leute nicht zu erschrecken; ich wollte mich etwas unterhalten. Sie waren sehr nett und - sie kamen aus Dresden; das Auto war nur vom Bruder/Schwager geliehen. Wir tauschten Reiseerlebnisse aus, dabei erfuhr ich, dass sie zwei Wochen Pyrenäen bei ziemlich schlechtem Wetter hinter sich hatten und am nächsten Tag zurückfahren müssen - die Armen! Ich hatte noch viel Zeit, aber die drei Stunden, bis um 10 Uhr das Castillo endlich seine Pforten öffnet, waren mir dann doch zu lange; so verabschiedete ich mich, nicht ohne vorher die Adresse der Dresdner erhalten zu haben.
Für heute stand hauptsächlich noch Huesca auf dem Programm, aber der nächste Ort Bolea [685 m NN] wirkte ziemlich attraktiv mit seiner ihn überragenden Kirche auf einem Hügel. Die Gassen waren sehr eng und ich fand nur mit Mühe den Weg zur Plaza Mayor und einen Parkplatz für den Bus. Dort stand eine weitere Kirche, Iglesia de Santo Tomás. Den Hügel erstieg ich zu Fuß und besichtigte die dort aufragende imposante Stiftskirche Colegiata Iglesia Parroquial de Santa María. Danach gings dann endgültig weiter nachzum Anfang zurück

Huesca [488 m NN, 45.000 Ew.].

An den Abhängen eines Hügels über dem Río Isuela gelegen, ist Huesca die Hauptstadt der gleichnamigen Provinz.
Ich suchte zuerst einen Aussichtspunkt auf - das im Westen der Stadt auf einem Hügel gelegene Santuario de San Jorge, von dem ich einen schönen Blick auf Huesca hatte. Es gab sehr viele Wohnblocks zu sehen und mittendrin eine Erhebung mit Kirche - dort muss das Stadtzentrum liegen. Die Kirche erwies sich als gotische Kathedrale aus dem 13./16. Jh., die an der Stelle eines römischen Tempels, einer Kirche der Westgoten und einer arabischen Moschee errichtet wurde. Sie besitzt ein schönes, figurenreiches Hauptportal von 1305. Im dreischiffigen Inneren gilt der alabasterne Hochaltar von 1520-1533 als das Meisterwerk des Bildhauers Damián Forment. Gegenüber der Kathedrale steht das 1578 im Renaissancestil errichtete Ayuntamiento (Rathaus), dessen Vorhalle und Treppenaufgang mit Skulpturen von Juan Miguel de Orliens ausgeschmückt sind. Grausige Berühmtheit erlangte die Stadt durch das hier stattfindende Ereignis der "Glocke von Huesca": Im 12. Jh. rief König Ramiro II. seine Vasallen unter dem Vorwand zusammen, eine Glocke einzuweihen, die in ganz Aragonien zu hören sein soll. Die aufmüpfigsten 16 der angereisten Edelleute wurden enthauptet, ihre Köpfe in Glockenform angeordnet und einer als Klöppel darüber gehängt - das war wirklich im ganzen Land zu hören!! Die Innenstadt mit ihren schmalen Sträßchen wird umschlossen von der Ringstraße Coso Alto - Coso Bajo. An ihrem Rand liegt der Parque Municipal, den ich nach der Stadtbesichtigung zur Entspannung aufsuchte - bei wolkigem Himmel und 22 °C war das sehr angenehm; ganz in der Nähe hatte ich auch geparkt.
Auf der Weiterfahrt Richtung Osten passierte ich nach 5 km bei Quicena [476 m NN] die Ruinen des 1085 von König Sancho I. Ramírez zur Rückeroberung von Huesca gegründeten Monasterio de Monte Aragón, das 1835 aufgegeben wurde und kurz darauf niederbrannte. Die in der Nähe bei Ibieca [640 m NN] liegende Iglesia de San Miguel de Foces (13. Jh.) mit Wandmalereien und einer Marienstatue habe ich trotz Suche nicht gefunden; so fuhr ich durch das schöne Hügelland der südlichen Sierra de Guara mit den Flüssen Río Alcanadre und Río Isuala. An einer Brücke über ersteren stürzten sich Bungee-Springer aus Deutschland (!) in die Tiefe. Vorbei an dem malerisch liegenden Radiquero erreichte ich das in herrlicher Lage an einen Felsen am Rand der Río-Vero-Schlucht gebaute Alquéar [660 m NN, 310 Ew.], das von einer Burg mit Stiftskirche überragt wird. Die von den Mauren errichtete Burg (Alcázar) wurde von Sancho Ramírez erobert, im 11./12. Jh. baute man die heute noch erhaltenen Befestigungsmauern und eine Kirche, die 1530 durch den Neubau der Colegiata ersetzt wurde. Der Río Vero führt durch eine eindrucksvolle Schlucht (Cañón del Río Vero) bis zu einer Römerbrücke (Puente romano de Villacantal). Nach wenigen Kilometern, es begann schon zu dämmern, traf ich bei leichter Bewölkung und 18 °C in Barbastro ein, wo ich neben dem Busbahnhof, der in einer großen Halle untergebracht ist, übernachtete. Der Lärm war zwar lästig, aber ich bin da ja einiges gewöhnt und konnte sehr gut schlafen.

Am Morgen besichtigte ich zunächst bei leichter Bewölkung und 15 °C meinen Übernachtungsort. Barbastro [215 m NN, 16.000 Ew.] liegt im Zentrum der fruchtbaren Somontano-Landschaft am Ausgang zweier wilder Pyrenäen-Hochtäler am Río Vero. Die Stadt wurde zur Römerzeit von Decius Brutus gegründet, nach dem sie den Namen 'Brutina' erhielt. Unter den Mauren als Markt für landwirtschaftliche Produkte bekannt, wurde sie unter christlicher Herrschaft zum Bischofssitz und blieb es bis heute. Am 11.08.1137 wurde hier auf einer Ständeversammlung die Vereinigung Kataloniens mit Aragonien beschlossen. Zugleich erfolgte die Verlobung von Petronila, der Tochter des aragonischen Königs Ramírez II., mit Ramón Berenguer IV., dem Grafen von Barcelona. Die spät gotische Kathedrale, eine für das 16. Jh. in Spanien typische Hallenkirche, wirkt durch die zierlichen Pfeiler sehr hoch. Die Stadt machte auf mich einen sehr negativen Eindruck, es gab kaum schöne, ruhige Ecken oder Plätze, alles war heruntergekommen und dreckig, und überall lärmte der Verkehr oder irgendwelche Baumaschinen. Insgesamt halte ich Barbastro für eine der am wenigsten attraktiven Städte Spaniens, jedenfalls derer, die ich bisher kenne. Daher verließ ich die Stadt auch sehr schnell wieder Richtung Pyrenäen.
Das nordöstlich von Barbastro zwischen Río Cinca und Río Noguera Ribagorzana gelegene Gebiet wird als Ribagorza bezeichnet. Es umfasst die ganze Vielfalt der Pyrenäenlandschaft von den Vorbergen bis zu den höchsten Gipfeln im Maladeta-Massiv. Seit der Jungsteinzeit besiedelt, trägt die Architektur doch überwiegend romanische Züge. Im Mittelalter war Ribagorza eine wichtige Grafschaft des Königreichs Aragón.
Zunächst folgte ich (wieder mal) dem Río Cinca flussauf. Er fließt hier durch ein ausgeprägtes Alluvial-Tal, d. h. der Talgrund ist mit Schwemmstoffen (Sand und Kies) eben aufgefüllt und der Fluss mäandriert auf dieser Ebene hin und her. Ich entdeckte eine Fischzuchtanlage, die genau in dieses Gebiet hineingebaut war - das nächste richtige Hochwasser wird sie sicherlich wieder entfernen. Zwar fühlen die Leute sich sicher, da oberhalb zwei Stauseen (Embalse de El Grado und Embalse de Mediano) mit zugehörigen Kraftwerken liegen, die auch die Wassermassen zurückhalten sollen, aber bei einem richtigen Unwetter nützt das auch nichts mehr. Man beobachtet diesen Fehler immer wieder: Industrie- und manchmal auch Wohngebiete werden genau in die Überflutungszone großer Flüsse hineingebaut und hinterher kommt man mit Hochwasser-Schutzmaßnahmen nicht mehr hinterher - siehe Daimler-Benz in Rastatt und Wörth.
Bei El Grado [467 m NN] befindet sich die Staumauer des ersten Stausees, an der ich eine interessante Entdeckung machte: Noch vom Bau der Mauer stehen in regelmäßigen Abständen Hunderte kleine Stahlarmierungen heraus - und auf jeder saß eine Mehlschwalbe, andere flogen aufgeregt vor der Staumauer umher. Es waren sicherlich an die 1.000 Tiere, die sich die Thermik hier zu Nutze machten, um Fluginsekten zu jagen. Vermutlich sammelten sie sich schon zum Flug nach Afrika, wo sie überwintern.
Oberhalb des Stausees steht eine ziemlich große Kirche, die zu einem modernen Heiligtum gehört. Schon seit 1084 verehren die Einwohner dieser Region die Marienstatue Nuestra Señora de Torreciudad, die sich in einer kleinen Einsiedelei befand. 1975 wurde der heutige Wallfahrtsort Torreciudad [600 m NN] eingeweiht, und zwar auf Initiative des 1992 selig gesprochenen Monsignore José María Escrivá de Balaguer, der 1928 die Vereinigung Opus Dei (eine Art kirchlicher Geheimdienst) gründete. Auf eine genauere Erkundung dieses auf Gruppen-Pilgerreisen eingerichteten Areal verzichtete ich. Von hier oben bietet sich jedoch ein schöner Blick auf den Embalse de El Grado.
Über Puebla de Castro [649 m NN], das auf Ruinen einer römischen Siedlung entstand und eine romanische Kirche aus dem 11. Jh. besitzt, und den Embalse de Barasona am Río Esera erreichte ich Graus [604 m NN, 3.300 Ew.]. Das alte Dorf umgibt die unregelmäßig angelegte Plaza de España, deren alte Häuser mit Fresken, geschnitzten Balken und Ziegelsteinlauben geschmückt sind.
Das malerische Dorf Roda de Isábena [700 m NN] besticht durch seine faszinierende Berglage und die hier unerwartete Kathedrale mit ihrem schönen Kreuzgang. Sie wurde von König Sancho Ramírez gegründet und 1067 eingeweiht, die Bauarbeiten zogen sich jedoch noch über Jahrhunderte hin, der Kreuzgang entstand im 12. Jh.
Über La Puebla de Roda [743 m NN] mit seiner aus dem Jahre 1067 stammenden Wehrkirche erreichte ich das am Río Isábena gelegene Monasterio de Obarra, zu dem eine altertümliche, hoch gewölbte Bogenbrücke hinüber führt und das aus mehreren Gebäuden und Kapellen besteht. In einem Brombeergebüsch war eine ganze Kolonie von Laubheuschrecken beheimatet, die sich bei ihren Aktivitäten gut filmen ließen.zum Anfang zurück

Durch die Hochpyrenäen nach Westen

Das Bergsträßchen über Espés und Abella zum Collado de Fadas fand ich nicht bzw. war nur eine für den Bus zu steile Schotterpiste. Also ging es über Bonansa zum Collado de l'Espina [1.407 m NN], wo ich bei bewölktem Himmel aber immerhin noch 20 °C die Dunkelheit abwartete, um dann in einem der kleinen Dörfchen zu übernachten. Auf dem Pass hörte ich aus einem Seggenried einen Ruf, der von einer Kröte oder Grille stammen musste; leider habe ich den Urheber auch im ‚Nightshot'-Infrarotlicht der Videokamera nicht entdecken können. Der nächste Ort, Laspaúles [1431 m NN], diente mir als Nachtquartier. Bis zum Morgen kühlte es auf 11 °C ab.
Am 23.09. erreichte ich den Collado de Fadas [1.470 m NN], von wo es ziemlich steil ins Tal des Río Esera hinunter ging, der im Maladeta-Massiv entspringt. Dort befinden sich die höchsten Pyrenäen-Gipfel Pico de la Maladeta [3.308 m NN] und Pico de Aneto [3.404 m NN].
Als Tor zur Maladeta fungiert Benasque [1.138 m NN, 1.250 Ew.]. Von außen ziemlich unattraktiv mit seinen vielen, zur Sommerzeit meist leer stehenden Hotelbauten, hat sich der historische Ortskern mit seinen schiefergedeckten, dunklen Steinhäusern jedoch gut erhalten. Alte Herrenhäuser wie der Palast des Grafen von Ribagorza säumen die engen Gassen; an der Plaza del Ayuntamiento stehen herrlich bemalte Arkadenhäuser und die Kirche aus dem 12. Jh. Benasque entwickelte sich seit dem 17. Jh. zur Sommerfrische für den spanischen Wohlstand.
Nach der Ortsbesichtigung machte ich noch einen kleinen Fußmarsch einen Hang hoch, in der Hoffnung, einen schönen Aussichtsplatz zu finden, was mir aber nicht gelang; jedoch entdeckte ich eine für mich neue Buntschrecken-Art, die in größerer Anzahl im Unterwuchs saßen und nur durch ihr Zirpen auffielen.
Dann fuhr ich weiter das Valle de Benasque hoch, das vom Río Ésera durchflossen wird. Von der Straße A-139 zweigen einige Schotterpisten ab, sie selbst endet im Nichts an einer Absperrung, aber man hatte eine schöne Aussicht. Ich fuhr die Straße zurück, um verschiedene Seitenwege zu erkunden.
Der erste Abzweig führte an Almwiesen mit Unmengen von "Wald-Krokussen"(?) (span.: azafrán silvestre), dem unerwartet großen Gebäude Hospital de Benasque und den Sumpfwiesen des Plan d'Estañ vorbei nach La Besurta mit der Hütte "La Renclusa" auf 1.900 m NN. Der dortige Parkplatz war überfüllt, denn von hier aus kann man den Gipfel des Pico de Aneto in einer Tagestour erreichen, allerdings sind ca. 1.500 Höhenmeter zu überwinden, wofür ein geübter Wanderer mindestens 5 Stunden nur für den Hinweg benötigt. Da diese Tour für mich außerhalb jeglicher Diskussion lag, machte ich nur eine ganz kurze Wanderung auf dem Weg durch den Macizo de la Maladeta, bei der ich viele Heuschrecken, darunter Nördliche Warzenbeißer, und Pflanzen (Alpenrosen, Eisenhut u.a.) entdeckte und filmte. Der Blick zum Gipfel Pico de Aneto [3.404 m NN] wurde durch dicke Wolken verdeckt, die mit hohem Tempo vorbeizogen.
Der nächste Abstecher zum Plan de Turpi galt einem botanischen Wanderweg, dem ich ein Stück folgte und einige interessante Pflanzen und Tiere fand, und dem alten Heilbad Baños de Benasque [1.700 m NN], dessen heißes Wasser aus fünf verschiedenen Quellen stammt.
Bei L'Acampamén gibt es einen Natur-Campingplatz mit Toilettenhäuschen und Wasserstelle; da niemand weit und breit zu sehen war, nutzte ich die günstige Gelegenheit, meine Bus-Toilette zu leeren und den Wassertank zu füllen.
Kurz vor Benasque zweigt eine richtige Straße zum Wintersport-Ort Cerler [1.500 m NN] ab, einem echten Saisondorf, wo im Sommer überall gebaut und repariert wird. Unterhalb Cerler auf 1.400 m NN liegt in einer Kurve der Aussichtspunkt Mirador de Benasque, von dem sich ein herrlicher Blick ins Valle de Benasque und auf den Ort Benasque bietet. Cerler passierend, fuhr ich noch weiter bergauf in Richtung des Tuca Zibollés [2.749 m NN] bis zum riesigen Parkplatz Choza de L'Ampriu [2.000 m NN], wo einige Skilifte ihren Ausgang nehmen; es wurde gerade noch ein weiterer angelegt. Zum Übernachten war es hier zu unruhig, auch der Parkplatz in Cerler erschien mir nicht geheuer, so fuhr ich wieder zurück ins Tal nach Benasque.

In aller Frühe am nächsten Morgen - es wurde bei starker Bewölkung und nur 9 °C gerade hell - fuhr ich zum 2 km entfernten Nachbarort Anciles [1.100 m NN], der sehr urtümlich wirkt; hier schien die Neuzeit noch nicht richtig angekommen zu sein. In der Morgenstille wirkten die steinernen Häuser und die Kirche besonders urig, es gibt hier auch einige Bauernhöfe, wo man Pferde zum Ausreiten leihen kann. Anciles gilt als besonders schönes Pyrenäendorf.
Mich zog es weiter in die Bergwelt. Zunächst ging es südwärts Richtung Aínsa, dann aber den Hang hoch über Chía [1222 m NN], von wo ich eine herrliche Aussicht in das im Morgennebel liegende Valle de Benasque und die umgebenden Berge genoss, zum Puerto de Sahún [1.989 m NN]. Es ging steil bergauf über Schotter- und Sandpisten, vorbei an Kuh- und Schafherden bis zum Pass, der einen überwältigenden Blick ins vom Río Cinqueta durchflossene Valle de Gistaín mit seinen Dörfern und zum zweithöchsten Pyrenäenberg Posets [3.375 m NN] bot. Die Abfahrt war noch steiler und schwieriger - sogar einen Bach musste ich durchqueren - und ich war froh, nicht diese Richtung hinauf gefahren zu sein. In Plan hatte ich wieder die "Zivilisation" in Form einer normalen, geteerten Straße erreicht. Nach 12 km mündet das Valle de Gistaín ins Valle de Bielsa, das vom Río Cinca durchflossen wird, weitere 8 km flussauf liegt Bielsa [1.023 m NN, 450 Ew.], ein typisches Bergdorf, das sich noch einen speziellen Dialekt des Aragonischen - das 'belsetán' -, und eine besondere Art des Karnevals erhalten hat. Auch die Kirche aus dem 15. Jh. ist original erhalten. Bielsa gilt als Tor zum östlichen Teil des Parque Nacional de Ordesa y Monte Perdido. Hier beginnt das Valle de Pineta, ebenfalls vom Río Cinca durchflossen, der am Nordhang des Monte Perdido [3.355 m NN] entspringt. Auf 13 km führt eine Straße hindurch bis zum 'Parador Nacional de Monte Perdido'. Dort befindet sich auch ein Campingplatz, wo ich bleiben wollte. Jedoch gingen von da nur steile Hochgebirgs-Wanderwege ab, für die ich nicht ausgerüstet war.
Also fuhr ich nach Bielsa zurück, und dort die - durch den Túnel de Bielsa von Frankreich kommende - A-138 südwärts nach Aínsa [589 m NN, 1.600 Ew.] am Zusammenfluss von Río Cinca und Río Ara. Die ehemalige Hauptstadt des kleinen mittelalterlichen Königreichs von Sobrarbre (11. Jh.), das die Täler von Bielsa, Broto, Gistain und Puértolas umfasste, ist noch von einem Mauergürtel umgeben und steht unter Denkmalschutz. Die Altstadt stellt ein harmonisches, ockerfarbenes Gebilde dar und gilt als Juwel aragonischer Baukunst. Die von Säulengängen umgebene Plaza Mayor (12.-13. Jh.), die romanische Kirche Santa María de la Asunción (12. Jh.) und die maurische Burg mit arkadengesäumten Burghof und fünfeckigem Wehrturm (11. Jh.) sind schon beeindruckend.
Nun fuhr ich weiter westwärts, dem Río Ara folgend. Das Städtchen Boltaña [643 m NN] mit seiner Hügellage, auf dessen höchstem Punkt die Kirche 'Iglesia de San Pedro Apostol' (16. Jh.) steht, empfand ich recht hübsch. Weiter in Richtung Fiscal hat der Fluss eine Gesteinsfalte hervortreten lassen die sich als Garganta del Río Ara wie ein Grat durchs Tal zieht. Schließlich erreichte ich den Touristenort Broto [905 m NN, 500 Ew.] und seinen schön gelegenen Nachbarort Oto [913 m NN], wo ich bis zum Einbruch der Dunkelheit Rast machte; zum Schlafen fuhr ich dann nach Broto zurück.

In dieser Nacht hatte es heftig geregnet und auch der Morgen war grau und wolkenverhangen bei 14 °C. Ich wollte heute eigentlich den westlichen Teil des Ordesa-Nationalparks erkunden. Am Ortsrand von Torla [1.033 m NN] ist ein Parkplatz mit Bus-Pendelverkehr ins Valle de Ordesa - an sich eine ideale Sache, um den Park vor zu viel Autoverkehr zu schützen. Allerdings wird für Wohnmobile umgerechnet rund 20 DM Parkgebühr verlangt (ohne Bus-Ticket!). Dies und vor allem das mehr als besch... Wetter hielten mich letztlich davon ab, diesen bedeutenden Park zu besuchen.
Also fuhr ich unverrichteter Dinge weiter westwärts über den Puerto de Cotefablo [1.423 m NN] ins Valle de Tena nach Biescas [875 m NN]. Hier gab es verschiedene Läden, wo ich Lebensmittel, aber auch einige Landkarten erstand. Das Wetter wurde immer schlechter, als ich nordwärts den Río Gallego entlang Richtung Puerto de Portalet (1.794 m NN) fuhr. Am Stausee Embalse de Búbal verließ ich die Hauptstraße A-136, um zu einem Aussichtspunkt in Hoz de Jaca [1.272 m NN] zu gelangen, von dem sich eine herrliche, wenn auch regengetrübte Sicht auf den Stausee bot. Vorbei an Panticosa [1.184 m NN] führt eine Straße in engen Haarnadelkurven durch die beeindruckend tiefe und schmale Schlucht Garganta del Escalar zum Thermalbad Balneario de Panticosa [1639 m NN], das in einem Bergkessel am Südhang des Berges Vignemale (3.298 m NN) liegt und über sechs schwefel- und radonhaltige Quellen verfügt. Hier war es mit dem Wetter dann ganz vorbei und bei 16 °C goss es in Strömen. Als der Regen kurzzeitig nachließ, machte ich mich auf, den Ort etwas zu erkunden. Es gibt hier ein Spielcasino, das von einem schönen Park umgeben ist, und einen kleinen See, an dessen Ufer einige Angler mit beinlangen Stiefeln und Regenschirm im Wasser standen und ihrem Hobby nachgingen. Im wieder einsetzenden Regen ging es zurück ins Valle de Tena und noch ein St´ück nordwärts bis zum Stausee Embalse de Lanuza, an dessen Ufer sich in malerischer Lage der Ort Lanuza [1.300 m NN] befindet; diesen Anblick hatte ich schon bei der Einreise entdeckt, aber leider nicht im Bild festgehalten. Nach einem kurzen Fotostopp machte ich mich auf den Weg südwärts entlang des Río Gallego über Biescas und Sabiñánigo nachzum Anfang zurück

Jaca [820 m NN, 14.000 Ew.]

"Die alte Pilgerstation Jaca liegt auf einem fruchtbaren Plateau am Río Aragón, dem Fluss also, der der ganzen Region seinen Namen gab. Die Altstadtgassen fügen sich zu einem sehenswerten Ensemble zusammen, das architektonisch durch ein neues Kongresszentrum und eine olympiareife Eislaufhalle ergänzt wurde. Hier trainiert eine der besten Eishockeymannschaften des Landes. Fast ebenso groß wie die Altstadt ist die mächtige fünfzackig-sternenförmige Zitadelle, die noch heute als Garnison dient." [aus: DuMont Reise-Taschenbuch "Pyrenäen", 2000]

Ich erreichte Jaca am Samstag Nachmittag. Es hatte unterwegs aufgehört zu regnen und so und begab ich mich gleich auf Besichtigungstour. Das bedeutendste Bauwerk stellt die Catedral de San Pedro dar, die 1040 - 1076 unter König Ramiro I. als erste romanische Kirche Spaniens errichtet wurde. In der gotischen Zeit wurde sie teilweise umgebaut und erhielt später ihre platereske Ausschmückung. Die Kathedrale hat die Form einer Basilika mit drei Schiffen, einem Querschiff und drei halbrunden Apsiden. Das im Kreuzgang untergebrachte Museo Diocesano mit einer der größten Sammlungen romanischer Kirchenmalerei in Spanien war leider geschlossen. So besichtigte ich noch die Altstadt mit ihren schönen Häusern, dem plateresken Renaissance-Rathaus und einem Uhrturm, der zum nicht mehr vorhandenen Königspalast gehörte. Am Rand der Altstadt standen in einem Grünzug mit Spielplätzen etliche abstrakte Skulpturen, die mir sehr gefielen.
Auf der Suche nach einem Aussichtspunkt fuhr ich zunächst erfolglos einige Stellen ab, so auch das Dörfchen Asieso auf einem Plateau knapp außerhalb Jacas, zu dem nur eine sehr steile, löchrige Piste hinauf führt. Dann entdeckte ich die Zufahrt zu einem alten Fort auf einem Hügel oberhalb Jacas, dem Castillo de Rapitan. Die Straße führte in 14 Kehren von 820 m NN auf 1160 m NN. Neben der nicht mehr genutzten Festung hatte man ein großes Vielfamilien-Wohnhaus gebaut, das aber offenbar nicht bewohnt ist und langsam verfällt. Von hier oben hatte ich einen wunderbaren Blick auf Jaca, das Tal La Canal de Berdún mit dem Río Aragón und die südlich davon liegende Sierra de Oroel.
Eine wunderschöne Bergstrecke vorbei an der Peña de Oroel [1.769 m NN] und über den Pass Puerto de Oroel [1.080 m NN] fuhr ich nun weiter zur Sierra de San Juan de la Peña, die ein wahres Kleinod beherbergt; entsprechend dramatisch war auch die Szenerie: Die Straße führte in einen unheimlichen Wald, es wurde neblig mit nur ca 50 m Sichtweite: Plötzlich tat sich eine Lichtung auf und nur schemenhaft konnte ich eine doppeltürmige Kirche erkennen. Sie gehört zum Monasterio de San Juan de la Peña [1.115 m NN], stellt allerdings einen moderneren Teil dar. Das ursprüngliche Kloster liegt in dieser waldreichen Gegend einzigartig unter Felsvorsprüngen und ist eines der ungewöhnlichsten romanischen Bauwerke.

"Im 9. Jh. entstand das Kloster unter einem gewaltigen überhängenden Felsblock (span.: peña), der es nahezu zu erdrücken scheint. Die drei Apsiden wurden direkt in den Stein geschlagen und dem Kreuzgang dient der mächtige Steinbrocken als Gewölbe. Das Kloster wurde bald nach der Gründung ein geistiges Rückgrat des christlichen Widerstands gegen die Mauren und Zufluchtsort für viele Mönche. Das schnell an Ruhm gewachsene Kloster war den Adeligen und Königen aus Aragón bald ein würdiger Ort für ihre letzte Ruhestätte." [aus: DuMont Reise-Taschenbuch "Pyrenäen", 2000]

Unterhalb des Klosters liegt der Ort Santa Cruz de la Serós [788 m NN], wo ein weiteres reiches Kloster stand, das 992 von König Sancho Garcés II. zusammen mit seiner Frau Doña Urraca gegründet wurde. Erhalten geblieben ist lediglich die romanische Kirche aus dem 11. Jh. mit achteckigem Glockenturm. Als ich dort ankam, dämmerte es bereits. Ich fuhr noch ein kleines Stück weiter bis nach Puente la Reina de Jaca [608 m NN], wo ich mir zum Samstag Abend in einem kleinen Restaurant ein warmes Abendessen gönnte, während draußen bei 17 °C ein Gewitter niederging. Die Nacht verbrachte ich auf dem Parkplatz des Lokals, denn mein Zielgebiet für die nächsten Tage lag hier genau vor mir.zum Anfang zurück

Urtümliche Westpyrenäentäler

Im Natur-Reiseführer werden 4 Täler der Westpyrenäen als Hauptreiseziel behandelt:

"Die Täler verlaufen in Nord-Süd-Richtung, sind ohne Orientierungsprobleme befahr- oder begehbar und bieten durch ihren augenfälligen Greifvogelreichtum gerade auch dem interessierten Nicht-Spezialisten überaus faszinierende Eindrücke. Neben dem Schwerpunkt Greifvögel erwartet den Besucher aber auch eine herrliche Landschaft und eine von mikroklimatischen Einflüssen geprägte Vegetationszonierung.
Die Hauptstraße von Jaca nach Pamplona verläuft im Tal des Río Aragón, in dem die 4 beschriebenen Täler enden. Jedes Tal kann von hier aus einzeln befahren werden, durch Querverbindungen gelangt man jedoch auch weiter oberhalb von Tal zu Tal.
Das Gebiet gehört zu den am dünnsten besiedelten Zonen Spaniens (15 Bewohner/km2) und ist bisher von negativen menschlichen Einflüssen fast verschont geblieben. Steile, unzugängliche Felswände und Schluchten bieten unzählige Nistmöglichkeiten für Greifvögel. Auch die klimatischen Gegebenheiten begünstigen durch ihren Übergangscharakter vom Pyrenäen-Hochgebirge zu den trockenen, steppenartigen Gebieten südlich des Río Aragón eine artenreiche Tier- und Pflanzenwelt. Die südlichen Talenden liegen auf etwa 600 - 800 m Höhe, und auf befahrbaren Wegen gelangt man bis etwa 1.800 m Höhe. Das beschriebene Gebiet ist regenärmer und sonnenreicher als die viel stärker unter dem Einfluss der Atlantikwolken stehenden weiter westlich gelegenen Täler. Das Nahrungsangebot für die großen Greifvögel ist vor allem durch die extensiv betriebene Schaf- und Ziegenhaltung sehr gut. Gerade in den höheren Lagen verbringen die Herden den Sommer meist ohne Hirten, und im Winter folgen viele Greifvögel den Herden in die Trockengebiete des Ebro-Tals. Lokale Naturschutzorganisationen koordinieren darüber hinaus die Bestückung abgelegener Futterstellen mit Tierkadavern aus Schlachthöfen und Milchviehzuchten. Das Gebiet mit seiner enormen ökologischen Bedeutung sollte unbedingt so erhalten werden." [aus: Roberto Cabo: "Reiseführer Natur - Spanien", 1991]

Die beiden östlichen, zu Aragón gehörenden Täler Valle de Hecho und Valle de Ansó zeigen im unteren Bereich noch deutlich mediterranen Einfluss, während sie im oberen Bereich bis in die alpine Zone hineinreichen. Diese beiden Täler wollte ich mir genauer ansehen.
Der Morgen war wolkenlos bei 9 °C und es hatte sich Nebel gebildet. Entlang des Río Aragón Subordán dem Valle de Hecho folgend, erreichte ich nach 24 km das Dorf Hecho [833 m NN, 800 Ew.], wo ich auf der Suche nach Fotomotiven, frischem Brot und einem Café einen Morgenbummel machte. Besonders auffällig waren die Naturstein-Häuser mit ihren gemauerten Rundkaminen, aber auch am Dorfrand aufgestellte Skulpturen aus Marmor oder Metall; immer im Juli/August findet hier ein Workshop von Künstlern statt.
Nur 2 km hinter Hecho liegt das Dorf Siresa [900 m NN], das sich durch die beeindruckende Iglesia Monasterio de San Pedro auszeichnet. Sie ist der einzige Überrest des im Jahre 833 von Conde Galindo Arnárez I. gegründeten Monasterio de Siresa. Schon 1252 waren davon nur noch Ruinen übrig; in der Folgezeit wurde die Kirche wieder aufgebaut, ihr wertvollstes Inventar fiel 1345 jedoch einem Brand zum Opfer. 1931 wurde sie zum "Monumento Nacional" erklärt, 1946-48 und 1990-95 fanden Restaurationen statt. Ich hatte Glück - weil eine Bus-Reisegruppe gerade eine Besichtigung machte, konnte ich auch ins Innere der Kirche gelangen und so bei mittelalterlichem Chorgesang (vom Band) die Statuen von San Pedro und María und zwei schöne Retablos (Hochaltäre) bewundern.
Das Tal des Río Aragón Subordán verengt sich nun zur Schlucht Boca del Infierno (= "Höllenschlund") mit senkrechten Wänden. An den Ufern des reißenden Baches leben Wasseramseln und Gebirgsstelzen. Die Straße passiert mehrere in den Fels gesprengte Tunnels und nach 12 km endlich weitet sich das Tal wieder. Dort wurde früher Erz abgebaut, die Häuser der Bergarbeiter sind z. T. noch erhalten und die Stelle heißt "La Mina", heute gibt es in der Talweitung einen Campingplatz. Ich fahre die Straße noch 5 km weiter hoch, bis ein Bach den Weg abschneidet. Hier in ca. 1.800 m Höhe gibt es Almen mit Kühen und viele Wanderer. Der Blick auf die umgebenden Gipfel der West-Pyrenäen, darunter den Monte Campanil (2.331 m NN), ist einfach schön.
Auf dem Rückweg nach Hecho musste ich einige Zeit hinter einer Rinderherde herfahren, da es keinerlei Möglichkeit zum Vorbeifahren gab. Von Hecho aus führt eine Querstraße über einen Pass hinüber ins Valle de Ansó, das vom Río Veral durchflossen wird und dessen südlichen Teil ich zunächst erkundete. Vorbei an dem verlassenen Dorf Sta. Lucia erreichte ich die vom Río Veral ausgewaschene Schlucht Hoz de Biniés, in der es laut mehrerer Reiseführer Unmengen von Greifvögeln in vielen Arten geben soll. Dafür war ich wahrscheinlich jahreszeitlich zu spät dran, jedenfalls konnte ich bei einem kleinen Fußmarsch nur etliche Gänsegeier erspähen. Also fuhr ich nach Biniés [681 m NN], wo ich etwas oberhalb des Ortes bei einem Aussiedlerhof Siesta hielt. Dabei entdeckte ich einige seltsame Verwitterungsformen: Hügel mit tief eingeschnittenen Abflussrinnen, auf deren Spitze ein einzelner gestielter Stein stand. Erst in der Dämmerung bei leichter Bewölkung und 20 °C fuhr ich weiter zu dem in eindrucksvoller Lage auf einem Hügel liegenden Ort Berdún [688 m NN], wo ich übernachtete.

Tags darauf war es stark bewölkt bei 11 °C und ich erkundete zuerst ein weiteres Tal, durch das laut der meisten Landkarten keine Straße führt; nur die Michelin-Karte erwies sich wieder mal als beste. 6 km westlich von Berdún mündet der Barranco de Fago in den Río Veral. Sein Tal wird doch von einer Straße durchquert. Zwischen Majones und Fago steigt sie stark an und folgt in Windungen der Schlucht in der ich auch Gänsegeier entdeckte. Fago [888 m NN] liegt weltabgeschieden am oberen Ende der Schlucht. Hinter Fago stand ein Schild, dass die weitere Straße wegen Baustelle gesperrt sei - und das nach fast 20 km. Aus lauter Ärger fuhr ich erstmal trotzdem weiter: Es gab zwar eine Baustelle, aber für PKW und Kleinbusse war sie passierbar; das Schild direkt hier zeigte nur LKW-Sperre! Kurz danach erreichte ich die Querstraße vom Valle de Roncal zum Valle de Ansó, dessen Hauptort und oberen Teil ich gestern ausgespart hatte.
Ansó [860 m NN, 500 Ew.] wartet mit Naturstein-Häusern auf, auch die Gassen sind mit Natursteinplatten belegt. Dazu passt die robust wirkende spät gotische Pfarrkirche. Die Bewohner des Dorfes haben sich bis heute ihren alten Dialekt, ihre Trachten und Gebräuche erhalten. Ich machte hier noch meinen letzten Großeinkauf in Spanien, denn ich wollte noch heute über den Pyrenäen-Hauptkamm nach Frankreich wechseln.
Von Ansó gibt es eine 14 km lange Straße talaufwärts nach Zuriza [1.100 m NN]. Auch hier verengt sich das Tal zu einer, wenn auch nicht ganz so engen, Schlucht. Der Ort selbst besteht nur aus einigen Hütten und einem Campingplatz. Von hier ging es hoch zum Puerto de Zuriza (?) [1.290 m NN], der die Grenze zur REGION und PROVINZ NAVARRA darstellt. Das folgende Valle del Roncal, wo ich im Ort Isaba endlich eine Tankstelle fand, wird vom Río Esca durchflossen und führt nordwärts zum Pass Col de la Pierre Saint-Martin [1.760 m NN]. Da ich aber möglichst weit westlich die Pyrenäen überqueren wollte, fuhr ich über Uztárroz auch noch ins obere Valle de Salazar, das zum Pass Puerto de Larrau [1.573 m NN] nach Frankreich führt. Hier oben blühte gerade der Ginster in herrlichem Gelb. Zwischen den Ginstergebüschen lagen moorige Flächen und Almen in verschiedenen Grüntönen - es war ein herrliches Farbenspiel. Ein paar Ziegen- und Schafherden verbrachten wohl den Sommer in völliger Freiheit ohne Hirten.zum Anfang zurück

Durch Westfrankreich nach Karlsruhe

Nach kurzem Gefälle ging es erneut ein Stück aufwärts zum Pass Col d'Erroymendi [1.362 m NN], um dann sehr steil in Kurven und Serpentinen hinunter nach Larrau [636 m NN] zu gelangen (726 Höhenmeter auf 7 km). Der weitere Weg war reines "Kilometerfressen"; erst bei Dunkelheit erreichte ich die Hafenstadt Bayonne an der Mündung des Flusses Adour in den Golfe de Gascogne, die ich aber nur als Schlaf-Zwischenstation nutzte. Tagespensum: 217 km.
Den nächsten Tag ging ich erst mal geruhsam an, indem ich zu einem Punkt am Meer fuhr, den ich von früheren Reisen schon kannte: Plage des Casernes, 25 km nördlich von Bayonne. Entgegen des Namens gibt es hier kein Militär, sondern einen winzigen Parkplatz, der zu dieser Jahreszeit angefahren werden darf und direkt hinter den Dünen liegt. So sind es nur 100 - 200 m bis zum Wasser. Der Wind war recht stark und die Brandung ziemlich hoch - leider zum Baden zu kalt (jedenfalls für mich). So genoss ich den Anblick des faszinierenden Atlantischen Ozeans, rief auch noch Regine auf Arbeit an - direkt vom Strand! Zurück am Parkplatz, unterhielt ich mich beim Kaffee noch mit 2 jüngeren Männern, die ebenfalls mit - selbstgebautem - Wohnmobil unterwegs waren.
Der Rest des Tages bestand aus Fahren, Fahren, Fahren... Um dem immensen LKW-Verkehr auf den Hauptstraßen zu entkommen, suchte ich mir weniger befahrene Nebenstraßen aus, was aber durch ständiges Kartenlesen die Fahrt doch ziemlich verlangsamt. Über Bordeaux, wo ich absichtlich durch die Innenstadt fuhr, um etwas Abwechslung zu bekommen, Jonzac, Cognac, Matha und Aulnay erreichte ich am Abend Melle, das Zentrum der Poitou-Esel-Zucht. Dabei handelt es sich um die größte Eselsrasse der Welt; leider konnte ich unterwegs keinen einzigen entdecken. Wahrscheinlich muss man hier längere Zeit zubringen, was ich sowieso mal vorhabe. Momentan jedenfalls habe ich nur ein Ziel: nach Hause. Heute gefahren: 402 km.

Am Morgen ging es in aller Frühe weiter. Über Lezay, Couhé, Gençay, Chauvigny, Loches, Montrichard, Chaumont, Herbault, Oucques und Châteaudun erreichte ich bei Regenwetter Chartres mit seiner legendären Cathédrale de Nôtre-Dame, die ich unbedingt als Zwischenziel sehen wollte:

"Zauberhafte Kathedrale in der weiten fruchtbaren Ebene der Beauce, die ihre spitzen Türme unvergleichlich über die Dächer des alten Chartres in den Himmel reckt. Sie ist berühmt für ihre Architektur, ihre Statuen und ihre Glasfenster. Sie zieht jedes Jahr ca. 3 Millionen Touristen an, dies "Akropolis von Frankreich", wie Rodin die Hochebene betitelte, in der sich das Wunder aus Stein erhebt. "Es ist in Chartres", schreibt Emile Male, "wo der enzyklopädische Charakter der mittelalterlichen Kunst am deutlichsten zum Ausdruck kommt." Die Kathedrale ist der sichtbar gewordene Gedanke des Mittelalters selbst: Es fehlt hier nichts wirklich Wesentliches. Ihre tausend Figuren, gemalt oder in Stein gehauen, bilden ein in Europa einzigartiges Ensemble." [aus: Knaurs Kulturführer "Frankreich", 1979]

Direkt neben diesem Weltwunder fand ich sogar einen Parkplatz - ein weiteres Wunder. Das überschwängliche Lob all der Reiseführer war angebracht. Die Kathedrale ist wirklich imposant mit ihren zwei verschiedenen Türmen und den herrlichen Rosetten. Das Innere erschlägt einem schier und wartet mit dem dritten Wunder des Tages auf: nach den Erfahrungen in Spanien hatte ich mich schon auf "Heimlichfilmen" eingestellt - aber es war gar nicht verboten! So konnte ich das Bauwerk erkunden und interessante Teile ganz ohne Stress auch ablichten. Trotz eigener Dokumentation erstand ich auch noch etliche Kauf-Dias, da man es so nicht hinbekommt; die Angst vieler Einrichtungen vor Hobbyfotografen, die keine Bilder mehr kaufen würden, falls man sie selbst machen kann, ist bei gutem Angebot unverständlich - man müsste sich aber etwas mehr anstrengen, denn manche der angebotenen Bilder konnte man wirklich nicht anschauen!!
Nach der Besichtigung der Kathedrale fand ich zunächst mit dem Bus kaum noch eine Ausfahrt aus der Innenstadt, war letzlich aber doch erfolgreich. Das nächste Zwischenziel war die Région Parisienne; über kleine Nebensträßchen ging es weiter Richtung Rambouillet, in dessen Nähe (bei Ecrosnes) ich Siesta hielt, um in der Nacht über Versailles, Saint-Germain-en-Laye und Maisons-Lafitte nach Sartrouville zu gelangen, wo ich nach den heutigen 465 km übernachtete und den ganzen nächsten Tag bei alten Freunden verbrachte.

Tags darauf fuhr ich nach Paris hinein, um noch ein paar Leute zu besuchen und den beiden größten asiatischen Supermärkten von Paris und Europa(?) - Paris Store und Tang Frères - einen längeren Besuch abzustatten. Da ich so früh dran war, ging alles ganz glatt ohne große Warterei und so konnte ich noch am Vormittag die Heimreise antreten.
Über Noisiel, Coulommiers, Sézanne, Vitry-le-François, Commercy, Pont-à-Mousson, Saint-Avold und Saarlouis setzte ich meine Reise fort. nach zwei Tagen Zwischenstopp bei verwandten im Saarland machte ich mich schließlich endgültig auf den Heimweg und traf am Abend in Rüppurr ein.zum Anfang zurück

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