SYRIEN/JORDANIEN
- mit ROTEL unterwegs durch Arabien-
5. - 18. April 1998
Teil 2: Jordanien

 

 

Damaskus - Amman/Jordanien
Von Nabatäern und bizarren Sandsteinformationen - Über Petra ans Rote Meer nach Al Aqaba mit Wadi Ram -
Am Toten Meer vorbei nach Damaskus
Zurück in die Heimat


Damaskus - Amman/Jordanien

An der Grenze zu Jordanien benötigten wir dreiviertel Stunden. Die Ausreise aus Syrien ging schnell. Während Rudi die Visa einholte, sonnten wir uns im Niemandsland. Es war sehr heiß geworden. Vom Bus aus beobachteten wir später die brutale Behandlung von gehorsamverweigernden Rekruten der jordanischen Armee. Bei brütender Hitze musste einer halbnackt von einer Seite zur anderen robben und wurde mit einer Peitsche geschlagen. Während dessen schwitzten sich seine Kameraden still stehend sicher fast zu Tode.
Kurz vorm Dunkelwerden kamen wir am Hotel "Cameo" in Ammán an. Dort trafen wir auch die andere Reisegruppe wieder. Hier standen auch noch zwei weitere ROTEL-Gespanne. Es waren die der wegen islamistischer Unruhen komplett ausgefallenen Ägyptenreise. Wir hatten im Hotel drei Zimmer zum Duschen geordert. Das Abendessen galt als ROTEL-Begrüßungsessen. Wir saßen auf der Hotelterrasse und erhielten das syrisch-jordanische Nationalgericht "Mansaf". In einer riesigen Schüssel befanden sich in Joghurt gekochtes sehr fettes Lammfleisch und Safranreis mit Pinienkernen. Hier konnten wir hemmungslos mit der (rechten!) Hand zugreifen. Aus Reis und dem Fleischsud dreht man mit den Fingern Bällchen. Doch aufgepasst: mit der linken Hand sollte man beim Essen nicht den Mund berühren, denn das wird als unappetitlich empfunden. Das war ein Gaudi, wenn sechs Leute gleichzeitig mit der Hand in eine Schüssel langen. Egal, wie es nachher auf der Tischdecke aussah, Hauptsache es schmeckte.

Ammán liegt auf 900 m NN, trotzdem waren es um 6 Uhr morgens bereits 21 C und nur 23 % Luftfeuchtigkeit. Das ist das trockene heiße Klima von Jordanien. Es war zwar wolkenlos, aber so diesig, dass wir vom Mt. Nebo überhaupt keine herrliche Sicht ins gelobte Land hatten. Hahaha!

"Frühmorgens hat man einen wunderschönen Blick über das Tote Meer bis nach Jericho, sieht die Mündung des Jordan und erkennt Jerusalem, das mit dem Horizont verschwimmt - den gleichen Blick hatte Moses, dem hier Gott das verheißene Land Moab zeigte..." [aus: MarcoPolo Jordanien, 1996]
"Steige auf den Gipfel des Gebirges Pisga und hebe deine Augen auf nach Westen und nach Norden und nach Süden und nach Osten und sieh es mit deinen Augen; denn du wirst nicht über den Jordan hier gehen... Und Mose stieg aus dem Jordantal der Moabiter auf den Berg Nebo, den Gipfel des Gebirges Pisga, gegenüber Jericho. Und der Herr zeigte ihm das ganze Land: Gilead bis nach Dan und das ganze Naftali und das ganze Land Ephraim und Manasse und das ganze Land Juda bis an das Meer im Westen und das Südland und die Gegend am Jordan, die Ebene von Jericho, der Palmenstadt, bis nach Zoar..." [5. Mose 3,27; 34,1-3]

Jerusalem konnten wir nur erahnen, das Tote Meer war gerade noch zu sehen. Das Klostergebäude von Siyagha, Zisternen und Einsiedlerzellen sind an den Grundmauern zu erkennen. Die schönsten Mosaike bedecken den Boden der byzanztinischen Basilika, die teilrekonstruiert auf dem Hügel steht. Es sind u. a. sehr realistische Jagdszenen oder eine Schafherde mit Hirte zu sehen; die Bäume wachsen nach oben, als sträubten sich die Blätter, von den Ziegen gefressen zu werden. Das Hauptmosaik ist beeindruckend: Mit einer Größe von 3 x 9 m ist es gut erhalten und stellt Szenen von Wein-Anbau ebenso dar wie Jäger und eine Auswahl an Tieren wie Panther, Bär, Fuchs, Löwe, Schaf und Hühner. Es waren wohlhabende Christen, die im 6. Jh. diese Mosaike in Auftrag gegeben hatten.
In Madaba besichtigten wir die Palästina-Landkarte, ein Kirchenmosaik aus byzantinischer Zeit, das 1896 mit der griechisch-orthodoxen St.Georgs-Kirche überbaut wurde. Die 6 x 15,5 m große Karte stellte ursprünglich das Gebiet von Unterägypten bis zum heutigen Libanon, zwischen Mittelmeer und etwa der Linie Ammán - Petra in eher panoramaartiger Ansicht da. Leider wurden große Teile infolge von Feuerbestattungen in der ursprünglichen Kirche, aber auch beim Neubau der Georgskirche beschädigt. Die Karte geht auf das 6. Jh. zurück und wurde aus etwa 2,3 Mio. Steinen zusammengesetzt. Im Zentrum ist Jerusalem mit dem Cardo Maximus und der Stadtmauer gut zu erkennen, aber auch das Tote Meer und der Jordan. Diese Fußbodenkarte ist schon faszinierend, auch hinsichtlich der Naturmotive: da jagt ein Löwe eine Gazelle, dort tummeln sich dicke Fische im Jordan und weichen vor dem salzigen Toten Meer zurück...
Auf der Weiterfahrt in Richtung Petra entdeckten wir die Nationalblume Jordaniens, die Schwarze Iris, die nur 14 Tage im Jahr blüht. Wir fuhren auf der alten Königsstraße "King's Highway". Hier konnten wir das faszinierende Resultat des im Tertiär entstandenen tektonischen Risses in der Erdkruste sehen: tiefe Schluchten, fast lotrechte Wände - sicherlich einer der schönsten Canyons der Welt. Von Wadi zu Wadi, 1.000 m runter, 1.000 m rauf, 1.000 m runter, 1.000 m rauf... Wir sahen das Wádi al-Wálá und vor allem den Grand Canyon von Jordanien, das bekannte Wádi al-Mújib. Der Blick in die gewaltige, durch tektonische Verschiebungen entstandene Schlucht ist überwältigend; deutlich sind die geologischen Schichtungen zu erkennen. Über 7 km schlängelt sich die Straße von 700 m Höhe den steilen Hang hinunter bis zum 4 km langen Talsohlen-Abschnitt auf 200 m, dann geht es ebenso steil wieder 10 km auf 900 m Höhe hinauf. Unser PAPA hatte ganz schön zu schnaufen und Karl zu tun, den Bus mitsamt Anhänger und 42 Leuten bergauf zu hieven. Im Grund des Wádi befand sich noch ein wenig Wasser, das von den Jordaniern auch noch abgepumpt und wahrscheinlich für die Bewässerung verwendet wurde. Die Pumpe machte einen höllischen Lärm.
Mittags picknickten wir am Straßenrand unter Aleppokiefern und aßen Obst und "Felafl", ein vegetarisches Gericht aus gebackenem Gemüsehack mit Salat im Fladenbrot. Wir kauften es in Madaba. Von ein paar kleinen Regentropfen ließen wir uns nicht abschrecken. In Karak fotografierten wir Burg und Stadtmauer. Hier kam ein Gewitterregen runter, der Straßen und Wege aufschwemmte. So beeilten wir uns mit dem Foto vor dem Haus, in dem gerade der Hadschi aus Mekka wiedergekommen war und der Eingang entsprechend geschmückt worden ist. Der Regen war schnell wieder vorüber; nur brachte er keine Abkühlung.

"Es ist jedes Jahr im islamischen Pilgermonat Dhul hiija das gleiche Bild: Zu Hunderttausenden versammeln sich im Innenhof der großen Moschee von Mekka gläubige Muslime aus aller Welt, um siebenmal die mit einem schwarzen Tuch verhängte Kaaba zu umkreisen und am Schluss den an der Südostecke des würfelförmigen Gebäudes eingemauerten Hadja Hadschar zu küssen, den Heiligen Schwarzen Stein." [aus: Naumann & Göbel "100 Weltwunder"]

Im Wádi al-Hasa entdeckten wir die schon vermissten Kamele. Kamele sind in der Wüstensteppe rar geworden. Die Beduinen befördern ihren Hausrat, ihre Zelte und ihre Herden schon lange nicht mehr mit Kamelen zu ihren Lager- und Weideplätzen. Heute kommen dabei LKWs und Traktoren zum Einsatz. Fahrende Schulen ziehen ihnen hinterher und vermitteln den Kindern die nötige Bildung. In der Kamelherde stakste zwischendrin, noch etwas unsicher, ein 4 Tage altes Jungtier. Während ich das Tierchen mit seiner Mutter filmte, hörte ich hinter mir ein zaghaftes Meckern. Wir staunten nicht schlecht, als wir nun auch noch ein 10 Stunden altes Zicklein sahen, das noch nicht die Kraft hatte, sich von allein aufzustellen. Die Beduinen verdienen ihren Lebensunterhalt mit der Zucht und dem Verkauf von Schafen und Ziegen. Vor dem Wádi Tafila sagte uns Rudi: "Jetzt um 15.40 Uhr haben wir in 1.100 m Höhe 34 C und 26 % Luftfeuchtigkeit. Und je mehr wir in den Süden kommen, desto heißer wird es." Nach dem Wádi Dana kam das Wádi Músa, unmittelbar vor Petra. Hier entspringt der Mosesbach, der auch Petra mit Wasser versorgt. Das Hotel "Al Anbat " (arabisch für Nabatäer) mit Campingmöglichkeit (Duschen und Toiletten) war unser Ziel. Der Übernachtungsplatz lag unterhalb der Straße und Karl und Rudi hatten ganz schön zu tun, den Hänger einzurangieren. Dank Karls bravourösen Fahrkünsten war das allerdings kein Problem. Eine Dusche nach dem heißen Tag war eine Wohltat. Anschließend gingen wir zum Buffet in das Hotel, bevor wir uns in unsere Kojen begaben.zum Anfang zurück

Von Nabatäern und bizarren Sandsteinformationen
- Über Petra ans Rote Meer nach Al Aqaba mit Wadi Ram -

Es war das zeitigste Frühstück, was ich bei ROTEL jemals zu mir nahm. Der Mond schien noch helle, um 5 Uhr morgens, als das Thermometer bereits 21 C zeigte. Wir erhielten ein Lunchpaket, bestehend aus zwei Tomaten, zwei Gurken, einer Orange, Käse, Wurst und Fladenbrot. Kurz vor 6 Uhr stand unsere Reisegruppe als erste vor den Toren der rosaroten Nabatäerstadt Petra. Das sicherte uns ein wenig Muße und Ruhe, bevor der Touristenansturm auf Petra beginnt. Täglich dürfen nur noch max. 1.500 Besucher die historische Stätte betreten.

Geschichte: "Die Nabatäer - ein semitischer Nomadenstamm - tauchen 312 v. Chr. zum ersten Mal nachweisbar aus dem Dunkel der Geschichte auf und werden 328 n. Chr. zum letzten Mal erwähnt. Woher sie kamen, darüber gibt es nur Spekulationen. ... Zu jener Zeit lebten die Nabatäer noch eher beduinisch, ... Sie hatten Petra als ihre Hauptstadt auserkoren, nicht zuletzt, weil sie zwischen Felsschluchten fast uneinnehmbar geschützt war, durch die nicht versiegende Quelle Ain Musa über ausreichendes Wasser inmitten wüstenhafter Landschaft verfügte und zudem günstig in bezug auf die Handelswege lag. ... In Petra lebten etwa 2.000 Menschen. ... Als reiches Händlervolk waren sie in der Lage, ihre Bauten durch Griechen und später Römer als "Gastarbeiter" sowohl konzipieren als auch erstellen zu lassen; nicht zuletzt dieser Import führte zu einer Vielfalt von Baustilen in Petra. ... während der islamischen Eroberung im 7. Jh. war Petra nur noch dünn besiedelt, bald verschwand es aus dem Bewusstsein. Erst der Schweizer Burckhardt, als Muslim verkleidet und auf dem Weg von Aleppo nach Schwarzafrika unterwegs, hörte 1812 von der geheimnisvollen Stadt und ließ sich unter dem Vorwand, am Grab Aarons beten zu wollen, von Beduinen nach Petra führen - er riss die Stadt aus ihrem langen Dornröschenschlaf." [aus: Tondok: "Reise Know-How Israel, Jordanien, Ost-Sinai", 1996]

Um Petra ausführlich zu besichtigen, benötigt man mehrere Tage, denn es gibt etwa 1.000 Gräber bzw. historische Stätten oder 3.000 in den Fels gehauene Räume zu sehen! Außerdem erstrahlen die bunten Fassaden je nach Tageszeit in tiefem Rot, in Rosa oder rötlichem Gelb. 2 km liefen wir den breiten Weg, der vom meist trockenen Bach Músa begleitet wird, entlang. Zunächst kamen wir an 3 Monolithen, von den Beduinen Dschinn-Blöcke genannt, und an dem Obeliskengrab vorbei, das aus zwei Stockwerken besteht und ursprünglich 7 m hoch war. In seinem Inneren fand man 5 Gräber, 4 dargestellt durch pyramidenförmige Pfeiler, und das letzte durch eine Statue zwischen den mittleren Pfeilern. Der Eingang zum Siq ist mit einem Damm versperrt, den bereits die Nabatäer als Schutz angelegt hatten und der in den 60er Jahren erneuert wurde, nachdem 28 Touristen im urplötzlich angeschwollenen Bach Músa innerhalb des Siq ertrunken waren. Der Siq, ein kilometerlanger Weg, ist von bis zu 200 m hohen Felswänden gesäumt. Bei genauer Betrachtung stellt man fest, dass die Wände durch tektonische Verschiebungen auseinandergedriftet sein müssen, so gut passen sie zusammen. Auf beiden Seiten begleiteten uns streckenweise 2 Wasserkanäle aus noch original erhaltenen 2.000 Jahre alten Tonröhren. Ebenfalls noch original erhalten sind die nabatäische Zisterne und Teile der gepflasterten Straße. Breitere Stellen des Siq schmückten die Nabatäer mit kleinen Altären und in Nischen gemeißelten Götterstatuen. Nach etwa 30 Minuten ging ein staunendes "Oh" durch unsere Gruppe, denn da tauchte es plötzlich aus dem schattigen Siq in einer Felsspalte auf:

"Geblendet von der Lichtfülle und ... von der Schönheit der gegenüberliegenden, beeindruckendsten Fassade Petras werden Sie einen Moment stocken vor Staunen: Sie stehen vor Khazne Faraun, dem so genannten Schatzhaus des Pharao, das meisterhaft aus dem roten Fels gearbeitet wurde, sowohl von der handwerklichen Seite als auch von seinen Proportionen her." [aus: Tondok: "Reise Know-How Israel, Jordanien, Ost-Sinai", 1996]

Wir sahen die 43 m hohe und 25 m breite Fassade in Hellrosa. Auf sechs korinthischen Säulen ruht eine Attika mit einem niedrigen Giebel, darüber ein dreiteilig gegliederter Bau, dessen mittleres Säulenpaar einen Rundbau (Tholos) einschließt. Auf ihm thront eine riesige, durch Gewehrkugeln angeschossene Steinurne, in der die Beduinen den Schatz des Pharao vermuteten. Das Gebäude diente wahrscheinlich als Grab eines Königs oder reichen Händlers. Der Gelehrtenstreit über Sinn und Baujahr der Khazne ist noch längst nicht ausgefochten. Das Innere war früher verputzt, wahrscheinlich sogar bemalt. Heute sieht man den natürlichen bunten und marmorierten Sandstein. Es ist faszinierend! (Zum Teil sind die bunten Decken vom Ruß geschwärzt. Der Grund: Bis in die Mitte der 80er Jahre lebten oder hausten die ortsansässigen Beduinen in den Höhlen. Momentan ziehen sie in die "neue Stadt" im Norden von Petra um.) Hier wurden die Schlussszenen der Filme "Indiana Jones" und "Der letzte Kreuzzug" gedreht. Die nabatäischen Gebäude, aus dem Fels herausgemeißelt, wurden von überhängendem Gestein beschützt und sind viel besser erhalten als spätere römische Gebäude. Ein Stück weiter stand ein kleines Teehäuschen, wo wir erst mal "Tschai bi nan'a", heißen süßen Tee mit Minze, tranken. Anschließend stieg unsere Gruppe den Höhenweg hinauf zum 65 m langen Opferplatz der Nabatäer. Er wurde mit den aus dem Stein gehauenen und nach Westen hin ausgerichteten Altären für Tieropfer benutzt. Deutlich zu erkennen sind noch die Abflussrinnen für das Blut. Der Opferplatz befindet sich so weit oben, weil die Nabatäer die Sonne vergöttlichten und ihr für heilige Zeremonien möglichst nahe sein mussten. Von hier aus hatten wir eine phantastische Sicht auf die Königswand und die Größe der Stadt Petra, von der jedoch erst kaum mehr als 1 % archäologisch freigelegt wurde. Mittlerweile war es schon ziemlich heiß geworden. Beim Herabsteigen kamen wir an den unterschiedlichsten Sandsteinformationen vorbei, u. a. einen Steinaltar in Pilzform, einen Löwenbrunnen - das Wasser floss ursprünglich aus dem Maul des 4,5 m langen und 2,5 m hohen Löwen -, dem Gartengrab und dem Statuen- oder Soldatengrab (den Namen gaben die drei Statuen in Fassadennischen, die auch wie Soldaten aussehen). Den gegenüberliegenden Bunten Saal (Triclinium) dekorieren 16 Halbsäulen mit Sandsteinadern in Pastelltönen zwischen Rot und Weiß, einzigartig in Petra. Hier fanden wohl Kultmahlzeiten für die Toten des Statuengrabes statt.
An einer Raststelle hatten wir unsere Lunch-Mittagspause, danach Freizeit. Es war brütend heiß und keine einzige Wolke am Himmel, bestimmt 35 C in der Sonne. Bertram und ich besichtigten die Königswand. Diese befindet sich im Jebel Khubta. Diese Wand wird so genannt, weil hier Mausoleen nabatäischer Könige und das eines römischen Statthalters in den Fels gemeißelt wurden. Im 1. Jh. entstand das kolossale Urnengrab mit weitem Vorplatz und Säulengängen zu beiden Seiten. Ganz oben auf dem Giebel über der Attika steht die Urne, die ausgeraubt war. Auch die Grabkammer ist von ihren Dimensionen beeindruckend, sie ist so groß (20 x 18 m), dass sie 446 zur "Kathedrale" von Petra geweiht wurde, wie eine griechische Inschrift besagt. Die Wände waren einst überputzt, da die Nabatäer an der natürlichen Maserung des Gesteins nichts Schönes fanden. Heute sieht man die auffallenden Muster im Sandstein. Es ist schwer, sich vorzustellen, wie die glatten Wände und scharfen Ecken mit solcher Präzision herausgemeißelt wurden.
Das benachbarte zweistöckige Korinthische Grab wurde nach dem Vorbild Khazne Farauns errichtet. Es erhielt seinen Namen von den angeblichen korinthischen Säulenkapitellen, doch tatsächlich handelt es sich um nabatäische Hörnerkapitelle. Links daneben steht das ursprünglich vierstöckige Palastgrab, Nachahmung eines römischen Palastes, und ist mit seinen vier Toren und 18 aus dem Fels herausgeschlagenen Säulen eines der größten Monumente Petras. Seine Bestimmung bleibt noch zu enträtseln. Erstaunen erweckte das große, in den roten Fels gehauene Amphitheater mit halbkreisförmiger Orchestra. Ursprünglich von den Nabatäern erbaut, wurde es von den Römern nach deren Gefallen umgestaltet, aber bereits 363 n.Chr. von einem Erdbeben zerstört. Ihm mussten ältere Gräber weichen, wie man an den Löchern im Fels oberhalb der letzten Reihe sieht. Nicht alle Höhlen um das Theater waren Gräber, manche von ihnen waren Häuser. Insgesamt fanden 7.000 bis 8.500 Zuschauer Platz. Unter dem Bühnenboden befinden sich Lagerräume und eine Nut, durch die der Vorhang bei Beginn der Vorstellung heruntergelassen werden konnte. Durch diese Nut wurde eine fast komplette Herkules-Statue wieder hergestellt. Langsam begaben wir uns dann in Richtung Ausgang. Für den Weg dahin benötigten wir fast 2 Stunden. Im Siq gab es wenigstens noch Schatten. Das Khazne erschien in hellem roten Sandstein; am Abend würde es golden sein. Aber die 2 km vom Siq bis zum Ausgang waren extrem. Kein bisschen Schatten, viel zu viel Staub von den Reitpferden, die man sich hier eigentlich mieten muss, egal ob man reitet oder nicht. Und unser Wasservorrat, den wir mitgenommen hatten, war auch zu Ende.
Um 15 Uhr wurden wir von Karl und Rudi vor dem Hotel Mövenpick abgeholt. Bis zum Abend wollten wir in Aqaba sein. Wir fuhren durch ein Tal, das ehemals Meer war, bis zum Desert-Highway, der gut ausgebauten Wüstenautobahn, die 300 km lang ist. Auf dem Highway fuhren wir bis ans Rote Meer. Hier gab es sogar Sandwüste. Jordanien war ein unvorstellbar reiches Land - reich an Vegetation, eine Kornkammer wie Ägypten. Am Jordan wuchsen Getreide, Gemüse und Obst, die Berghänge waren bewaldet mit Akazien, Eukalyptus und Mimosen. Aber das Land wurde rücksichtslos ausgebeutet. Von den Wäldern ist nach der gnadenlosen Abholzung kaum mehr etwas übrig, und mit Getreide, Gemüse und Obst hat man ein anderes Problem - Wasser. Das blaue Gold des Nahen Ostens ist knapp. Dennoch bemüht man sich, mit Aufforstungsprogrammen Jordanien wieder zu bewalden, und am Jordan hat man gelernt, auch mit wenig Wasser höchste Ernteerträge zu erzielen.

Fotostopps ließen uns einen Blick ins Wádi Ram und auf Elat und den Sinai werfen. In Aqabá übernachteten wir auf dem Campingteil des Hotels "Aqaba". Das andere ROTEL war schon einen Tag da. Das Einparken wurde zum richtigen Erlebnis. Der Hotelstrand war öffentlich und alle Araber kamen mit dem eigenen PKW. Durch das heiße Wetter waren viele Badegäste da, die unseren Standplatz verbaut hatten. Das Hotel wusste, dass wir kommen, aber hielt den Platz nicht frei, denn jeder Badegast muss Eintritt bezahlen und so kommt man zu Geld. Die Rezeption ließ die Besitzer der störenden PKW ausrufen. Aber nicht alle kamen. Und so zeigte Karl abermals seine hervorragenden Rangierkünste, was ich auch auf Video festgehalten habe. Als er nicht mehr weiterkam, mussten unsere Herren mit anpacken und den Hänger in die richtige Position schieben. Ein Taxi musste per Hand zur Seite gehievt werden. Dann koppelte Rudi wieder an und Karl setzte den Hänger an unseren Standplatz. Nach dem Aufbau nutzten wir die Gelegenheit und den Hotel-Strand, dessen Eintritt normalerweise 2,200 JD beträgt, um uns in den Fluten des Roten Meeres abzukühlen.
Es war bereits 18 Uhr, aber immer noch 31 C im Schatten. (Da kann es in Amman regnen und schneien, mögen die Wintertemperaturen in der Hauptstadt auf 5 Grad und weniger sinken - in Aqabá herrscht auch im Winter wenigstens mildes, zumeist frühlingshaftes Klima.) Und es kamen immer mehr Einheimische an den Strand. Während wir und andere Touristen in Badeanzügen kamen, badeten die einheimischen Erwachsenen stets mit T-Shirt, Hosen und manche Frauen sogar mit Schleier. Am Abend genossen Bertram und ich das Buffett im Hotelrestaurant. Die Terrasse war leider schon besetzt. Nachts sank die Temperatur nicht unter 27 C. Es wehte kaum ein abkühlendes Lüftchen.
Am nächsten Morgen um 6 Uhr waren es schon 28 C; und als die Sonne kam, wurde es schlagartig sehr heiß. Den Sonnenaufgang erlebte ich mit einigen anderen im wellenlosen und warmen Roten Meer. Den ganzen Tag hatten wir zur freien Verfügung. Am Nachmittag würde ein Ausflug in die Wüste Ram mit einheimischen Jeeps stattfinden, an dem wir natürlich teilnehmen wollten. Am Vormittag machten Bertram und ich einen Stadtbummel. Das Geschäftsleben ist voll und ganz auf Tourismus eingestellt. In einem von Rudi empfohlenen "Saftladen" gab es die verschiedensten frisch gepressten Fruchtsäfte. Wir entschieden uns für Grapefruit. Wenig später kamen noch mehr ROTELianer. Der Ladenbesitzer holte extra für uns die Markise raus, damit alle einen Schattenplatz bekamen. In Harouns Ramschladen "Bedwen-House" kann man schöne alte Dinge finden.

"Sammler von antikem Nippes sind in Haroun Khatibs Laden goldrichtig. Der gewiefte Händler bietet Münzen, Waffen, Säbel, Dolche, Muscheln, Holz- und Alabasterarbeiten, alte Postkarten, Tabakdosen und Schatullen feil - kurz alles, was schon Staub oder Patina angesetzt hat..." [aus: MarcoPolo "Jordanien, 1996]

Hier haben wir uns angesehen, wie die mit Sand gefüllten Flaschen hergestellt werden. Sie zeigen einfache Wüsten- und Oasenlandschaften, in 99,99 % mit Kamelmotiven. Haroun und Bertram kennen sich noch von vor 2 Jahren, als Bertram die gleiche Reise schon einmal unternahm. Wir hatten viel Spaß beim Unterhalten. Die von mir gefilmte gefüllte Flasche bekam ich als Andenken geschenkt. Und Bertram fand eine alte verstaubte Kaffeekanne aus Messing. Nach ungefähr 2 Stunden hatten wir von der Hitze genug. Mittlerweile waren es wieder ca. 35 C im Schatten. Zum Abkühlen gingen wir noch einmal an den Hotelstrand. Nur Bertram traute sich wieder nicht ins Wasser - Feigling. Karl und Rudi hatten eingekauft: es sollte Pellkartoffeln mit einer Joghurtsauce geben. Aber was für Kartoffeln: Da war eine fast zu viel für eine Person; sie passte kaum auf den Teller, so groß war sie.
Um 14 Uhr waren sie da, die Jeeps. In rasantem Tempo ging es raus aus Aqabá und hinein in die Wüste. Rudi fuhr mit einem eigenen Wagen, da der Ausflug eine Eigenunternehmung war und er im Falle eines Falles nicht haftbar gemacht werden könnte. Es war ein wunderbares Erlebnis. Leider fuhren die einheimischen Fahrer - unserer hieß Yassir - viel zu schnell. Jeder wollte der erste sein. Und wenn wir zum Fotografieren um einen Stopp baten, reagierten sie nicht sehr nett. Wir haben viel gesehen, jedoch ist die Wüste zu groß als dass wir bis zur Filmkulisse von "Lawrence von Arabien" gekommen wären. Dazu muss man schon mehrere Tage Kamelritt einplanen. Eine bizarre Schönheit - Das Wadi Ram gehört zu den großartigsten und faszinierendsten Wüstenlandschaften Jordaniens Es handelt sich um Verwerfungen von Sandsteinfelsen auf Granitsockeln, die im Zuge des Ostafrikanischen Grabenbruches (vor ca. 30 Mio. Jahren) angehoben wurden. Zwischen ihnen verläuft das Wadi. Diese Sandsteinberge machen die Faszination des Wadis aus: Die Erosion hatte viele Mio. Jahre Zeit, aus dem Sandstein bizarre Formen herauszufräsen und sie als Märchengebilde hinzustellen. Die Einmaligkeit des Wadi Ram wird durch die isoliert stehenden Felsmassive geprägt. Bewohnt wird das Wadi von den Howeitat Beduinen, die ihre Herkunft auf die Nabatäer zurückführen.
Auf unserer Tour haben wir auch die Felszeichnungen gesehen. 10 km tief im Wadi ist eine Felswand mit vielen Zeichnungen der Thamuds übersät, eines inzwischen ausgestorbenen Beduinenstammes, der in Texten aus dem 8. Jh. v. Chr. erwähnt wird. Eigentlich wollten wir zum Sonnenuntergang in der Wüste bleiben, aber die Sonne versteckte sich hinter Wolken. Ein kurzes Picknick mit Fladenbrot, Käse, Gurken und Tomaten, dazu süßen Tee und ein Bauchtanz von einem Fahrer und Kristina aus unserer Gruppe als Einlage. Gegen 20 Uhr waren wir wieder im Camp zurück. Nachts kam ein Sturm auf, aber er brachte keinen Regen.zum Anfang zurück

Am Toten Meer vorbei nach Damaskus

Am Morgen war es stark bewölkt, aber immer noch sehr warm. Um 7 Uhr brachen wir in Richtung Amman auf. Rudi erzählte, er hätte mit seiner Frau in Deutschland telefoniert; dort seien es um die 0 C und Tauwetter... Die Rückfahrt nach Amman erlebten wir auf der flachen Straße im Wadi Araba am Toten Meer, das von den Arabern noch heute Bahr Lut, Meer des Lot, genannt wird, entlang.

"Vor Jahrmillionen gab es an der Grenze der heutigen Länder Israel und Jordanien einen grabenartigen Erdeinbruch. An den tiefsten Stellen füllte sich diese Senke mit Wasser. So entstand das Tote Meer, ein 80 km langes und bis zu 18 km breites Gewässer. Seine Oberfläche liegt 400 m unterhalb der normalen Meereshöhe, und bis hinunter auf den Grund des Nordteils ist es noch einmal soviel." [aus: Naumann & Göbel: "100 Weltwunder"]

Es gab Gewitter und ziemlich starken Regen. Von Rudi erfuhren wir, dass in der vergangenen Nacht die obere Straße, die wir vor 2 Tagen befahren hatten, an einer Stelle durch einen Wolkenbruch stark überschwemmt worden sei. Wir sahen die Reste als Wassersturz im Wádi Mújib kurz vor der Mündung ins Tote Meer. Trotz Regen hatten wir in einer Höhe von 150 m u. NN 30 C und eine Luftfeuchtigkeit von 42 %. Beim Totes-Meer-Fotostopp herrschte solch starker Wind, dass ich erstens Schwierigkeiten hatte, die Kamera beim Filmen gerade zu halten und zweitens zusehen musste, dass mich der Wind nicht wegweht. Im Programm stand: "SENSATIONELLES BADE-ERLEBNIS AN EINEM STRAND MIT DUSCHE UND RESTAURANT..." Rudi stellte uns frei, ob wir auf den Programmpunkt verzichten, denn bei Wellengang ist es kein sensationelles Erlebnis, im Toten Meer zu baden. Da aber mindestens einer unbedingt baden wollte - und ich kann es verstehen, da er das erste Mal hier war -, stoppten wir für zwei Stunden am Dead Sea Resthouse mit Badestrand in der Nähe des Ortes Suwayma. Da hier Eintritt verlangt wird und Süßwasserduschen zur Verfügung stehen, ist der Strand - abgesehen von Wochenenden und Feiertagen - nicht überfüllt und daher recht gut für ein Kennenlernen der Salzbrühe geeignet. Ich probierte es aus, das Baden. Aber es war nicht sehr schön, denn durch die Wellen gelangt das Salzwasser (mehr als 30 % Salzgehalt) sehr schnell in die Augen, was sehr unangenehm ist. Aber selbst bei Wellengang schwimmt man immer "obenauf" - ähnlich einer Streichholzschachtel oder einem Schiff auf Wellen. Trotz des Windes führte eine israelische Kindertanzgruppe an verschiedenen Stellen des Strandes mehrfach denselben Tanz vor.
Als wir am frühen Nachmittag in Ammán auf 900 m NN am Hotel "Cameo" ankamen, bauten wir das ROTEL auf und wurden von Karl anschließend in die Innenstadt gefahren. Wir besichtigten die "Abu Darwish-Moschee", die mit ihrem schwarz-weißen Mauerwerk eine von vielen Stellen in der Stadt sichtbare Landmarke ist. Die Moschee ließ der Tscherkesse Hasan Mustafa Sharkas, der als Abu Darwish bekannt war, in den 20er Jahren des 19. Jh. mit schwarzen und weißen Steinen bauen. Hinein durften wir jedoch nicht. Der Eintritt war für uns, trotz Rudis Kontakten und Überredungskünsten, nicht gestattet. Dafür hatten wir vom Dach aus einen schönen Blick über die Stadt. Nächstes Ziel war das Grab "Al Kahf", die sogenannte Höhle der Siebenschläfer:

"Als sich unter Kaiser Decius 7 Christen in einer Höhle vor der Christenverfolgung versteckten, fielen sie in einen 200-Jährigen Tiefschlaf und erwachten erst, als das Christentum zur Staatsreligion avanciert war. Diese Legende fand auch Einzug in den Koran, wo in Sure 18 die sieben Männer 300 Jahre in Schlaf versanken." [aus: Tondok: "Reise Know-How Israel, Jordanien, Ost-Sinai", 1996]

Muslime ist die Höhle eine Pilgerstätte. Darin stehen acht aus dem Felsen gehauene Sarkophage für sieben Menschen und einen Hund. Durch ein Loch in einem der Sarkophage kann man mit viel Phantasie sogar Knochen ausmachen. Am Römischen Theater wurden wir später abgesetzt und 18 Uhr wieder abgeholt. Bis dahin konnten wir uns das alte, aber auch das moderne Ammán ansehen. Der monumental wirkende, vermutlich aus dem 2. Jh. stammende Steinbau des Römischen Theaters bot 6.000 Zuschauern Platz, es ist das größte Jordaniens. Die tragende Konstruktion wurde in den Hang eines Hügels gebaut. Die gesamte, erst ab 1957 frei gelegte Anlage ist so gut restauriert, dass man annehmen möchte, die Römer hätten erst gestern ihre Sitzreihen verlassen. Das zwei-, vielleicht ehemals dreistöckige Bühnengebäude wirkt mit seiner Breite von 95 m sehr massiv. Auffallend waren die Fernsehantennen auf vielen Häusern von Ammán: Viele haben die Form des Eiffelturms. Städteplanung ist hier unbekannt; jeder baut sein Häuslein wie er will. Außer für Moscheen haben die Jordanier bisher keine bemerkenswerte Architektur entwickelt. Es war nicht schön, bei so einem Gedränge durch eine arabische Stadt zu gehen. Der Suq war hier ganz anders als in Aleppo oder Damaskus. In einer von Touristen nicht begangenen Nebenstraße entdeckte ich - ich traute meinen Augen nicht - tatsächlich einen Wartburg, Made in DDR. Wieder am Hotel angekommen, nutzten Bertram und ich die Zeit bis zum Abendbrot, um den einmaligen Blick vom Hoteldach zu genießen. Lustig, wie die andere Gruppe, die wir hier wieder trafen, in Reih und Glied ihre Linsensuppe abholte, während wir auf unsere Spaghetti á la Karl warteten. Am Abend wurde es empfindlich kalt; eine Einstimmung auf zu Hause, denn die Reise sollte in 2 Tagen leider schon zu Ende gehen.

Bei wolkenlosem Himmel, aber nur 15 C verließen wir um 7 Uhr das Hotel. Rudi ermöglichte uns noch die Besichtigung der größten und auch schönsten Moschee von Ammán, der moderneren "King-Abdullah-Moschee". Sie wurde in den 60er Jahren von dem Deutschen Architekten J. Cejka entworfen und gebaut. Wir saßen in König Husseins Empfangssaal mit samtbezogenen Stühlen und Vorhängen aus Damaszener Seide, und wir nahmen im islamischen Parlament Platz, wo Porträts von König Hussein selbst und von seinem Großvater, König Abdullah, der in Jerusalem heimtückisch ermordet wurde, hingen. Schließlich bestaunten wir die Moschee, unter deren mit strahlend blauem Mosaik belegten Kuppel 3.000 Gläubige, von einem 8 Tonnen schweren Leuchter erhellt, beten können.

In Gerasa (Jarash) besuchten wir die weltweit besterhaltene römische Siedlung. Das antike Gerasa war einst eines der wichtigsten Handelszentren der Antike, eine wohlsituierte römische Provinzstadt. Seit der "Pax Romana", dem römischen Frieden im 1. Jh. v. Chr., wurde die Stadt auch eine wichtige Station für die nabatäischen Handels- und Karawanenwege. Die alte Stadt wurde 1806 von dem deutschen Reisenden Ulrich Seetzen wiederentdeckt; die Restaurierung begann 1925 unter britischer Regie. Noch vor der Ausgrabungsstätte steht der Triumphbogen, auch Hadriansbogen genannt. 129 n. Chr. wurde er anlässlich eines längeren Besuches Kaiser Hadrians als Stadttor gebaut. Früher war der Bogen 42 m hoch, heute nur noch 21 m. Den Eingang selbst bildet das Südtor. Im 2. Jh. v. Chr. erbaut, war es eins von insgesamt 4 Toren in der 3,5 km langen Stadtmauer. Vom obersten Rang des Südtheaters hatten wir einen grandiosen Blick auf die antike Stadt Gerasa und das dahinter liegende moderne Jarash. Das Auditorium des im 1. Jh. erbauten Theaters, das in den Hang gebaut wurde und im 8. Jh. schwer unter einem Erdbeben litt, bot 5.000 Zuschauern auf 32 Sitzreihen Platz. Die Ausrichtung nach Norden verhinderte, dass die Besucher des Halbrundtheaters von der Sonne geblendet wurden. Die Rückseite der Bühne war ursprünglich zwei Geschosse hoch und wurde jetzt bis zur ersten Stufe wiedererrichtet. Wenn man das Ovale Forum betritt, fällt das konzentrisch gelegte Pflaster des Platzes auf, der für zeremonielle, kommerzielle und politische Anlässe genutzt wurde. Seine Linie folgt den Kolonnaden. Interessant auch die Kanalisationsdeckel. Das birnenförmige Forum, das von 56 ionischen Säulen mit den Namensinschriften der edlen Spender geschmückt wird, und die Kolonnaden bildeten den Eingang zum Cardo Maximus, der von Säulen flankierte 700 m lange Kolonnadenweg zum Nordtor mit noch erhaltenem Original-Straßenpflaster. Noch heute kann man die Spuren der vielen tausend Wagenräder erkennen, die sich in das Pflaster eingraviert haben. Unter dem Pflaster lagen schon damals die noch heute erhaltenen Abwasserkanäle. Ab und zu sahen wir einen Kanalisationsdeckel. Als wir dem Cardo folgten, konnten wir uns mit etwas Phantasie vorstellen, welches Leben auf dieser einst von 260 zumeist korinthischen Säulen flankierten Straße herrschte. Die Säulen auf der linken Straßenseite sind unterschiedlich hoch; sie passten sich den dort stehenden Gebäuden in der Höhe an. Wir sahen das Marcellum und die spärlichen Reste der (dort vermuteten) Kathedrale, die auf den Fundamenten des nabatäischen Dhushara-Tempels errichtet wurde. Der südliche Tetrapylon bestand aus vier Sockeln, jeder vier Pfeiler stützend, die von einer Statue gekrönt wurden. Lediglich die Sockel wurden rekonstruiert. Die Kreuzung wurde in einen kreisförmigen Platz am Ende des 3. Jh. hineingebaut. Der Stadtbrunnen, das prächtig geschmückte, zweistöckige Nymphäum, wurde 191 n.Chr. errichtet. Das Erdgeschoss war marmorverkleidet, das Obergeschoss mit bemaltem Stuck (Pflaster) verziert. Es zählt zu den besterhaltenen Anlagen von Gerasa. Das Wasser floss als kleiner Wasserfall vor der Fassade in ein großes Becken an der Vorderseite und durch dessen Überlauf durch gemeißelte Löwenköpfe hinaus in die Abflussrinnen unterhalb der Straße. Imposant und ebenfalls gut erhalten ist der Artemis-Tempel aus dem 2. Jh.

"Artemis war die Schutzgöttin von Gerasa, ihr musste ein entsprechend großes Bauwerk errichtet werden. Um überhaupt eine ebene Fläche für die 161 x 120 m große Tempelplattform in der Hügellandschaft ausrichten zu können, wurden nördlich und südlich bis zu zweistöckige Gewölbe als Basis geschaffen. ...Lassen Sie sich nicht von der Vorhalle am Cardo täuschen, der eigentliche Tempel steht einige Stockwerke höher und weiter im Hintergrund: der Gläubige hatte einen Weg der Sammlung über sieben Treppenfluchten zu gehen, um in den Tempel zu gelangen." [aus: Tondok: "Reise Know-How Israel, Jordanien, Ost-Sinai", 1996]

Vom Cardo führten mehrere Treppen auf die Ebene hinauf, und erst ganz weit hinten ragt der Tempel empor. Von den ursprünglich 32 korinthischen 13 m hohen Säulen sind noch 11 erhalten. Sie werden auch die schwingenden Säulen genannt. Wir testeten das mit einem Taschenmesser, das zwischen Sockel und Säule gesteckt wurde. Da es windstill war, musste Rudi der Säule mit einem kleinen Schubs nachhelfen, damit wir über das Taschenmesser die feinen Schwingungen wahrnehmen konnten. Bei Wind schwingen die Säulen von allein. Südlich des Artemistempels liegen die Ruinen von mehreren Kirchen. Insgesamt 13 wurden freigelegt und es wird verbreitet geglaubt, dass es mehr als die gefundenen gibt. Im Westen der St.-Theodor-Kirche befinden sich die Kirchen von St. Cosmos & St. Damianus, St. Johannes und St. Georg. Dieser byzantinische Drei-Kirchen-Komplex war letzte Station unserer Besichtigung. Er wurde von Privatleuten aus Verehrung für die Heiligen Johannes der Täufer, Georg, Cosmos und Dimian gestiftet. Sie alle wurden um 530 v. Chr. auf den Grundfesten eines zerstörten Tempels erbaut. Die Dreiheit, ein Glaubenswert schon im vorchristlichen Orient, schlägt sich in der Architektur nieder. Die Kirchen haben eine gemeinsame Vorhalle, gemeinsamen Vorhof, gemeinsame Seitenmauern. Wir bewunderten die Bodenmosaiken, die die lebendige Natur zeigen: Hunde, Hasen, Hirsche und Pflanzen. Bevor wir zum Bus zurückkehrten, besuchten Bertram und ich auch das in Rekonstruktion befindliche Nord-Theater und die Bäder. Auf dem Fußweg neben der Flanierstraße begaben wir uns zurück zum Ausgang.
Gegen 11 Uhr fuhren wir zur jordanisch-syrischen Grenze. Während der Wartezeit unterhielten wir uns - in mehr oder weniger bröckelndem Russisch - mit russischen Pilgern, die auf dem Rückweg von Mekka nach Turkestan waren (über Jordanien, Syrien, Türkei, Iran, Aserbaidschan). Sie waren mit LKWs unterwegs, die ähnlich dem ROTEL zum Übernachten und Kochen Gelegenheit boten. So wurde die Zeit nicht lang. Gegen 15.30 Uhr erreichten wir den Campingplatz in Damaskus. Ein Teil der Gruppe war am Nationalmuseum ausgestiegen. Wir beide hatten jedoch keine Lust auf Museum. Wir packten derweil in aller Ruhe unsere Koffer. Es ist schon erstaunlich, wie schnell sich die Natur entwickelt, wenn die Sonne scheint. Die Bäume auf dem Campingplatz waren kahl, als wir vor 14 Tagen hier ankamen - und jetzt grünt und blüht alles. Bertram und ich unterhielten uns mit dem Führer der internationalen Encover-Reisegruppe, die von Katmandu bis London innerhalb von 32 Wochen unterwegs waren.
Am Abend bekamen wir unser Abschiedsessen im arabischen Restaurant "El Salam". Hier kommen keine Touristen und auch keine anderen ROTEL-Gruppen hin; nur Rudi, der besondere Beziehungen zum Inhaber hat. Die Tische waren herrlich mit Gemüseschalen und Dips gedeckt. Wir waren von den "mezze", den Vorspeisen, so begeistert, dass wir, als das Hauptgericht kam, eigentlich schon satt waren. Delikatesse des Hauses war "beid ghanam" (Hammelhoden). Alkoholische Getränke gab es - wie in Arabien üblich - nicht zu trinken. Dafür ein tolles erfrischendes Joghurtgetränk - Ayran. Irgendwann sahen wir auch kurz die dampfende vorbeifahrende "Hijaz Railway", die Damaskus mit Amman verbindet. Nach dem Essen fuhr uns Karl auf den Jabal Qássyún, den Damaszener Hausberg, sodass wir Damaskus bei Nacht erleben konnten. Von hier genießt man eine beeindruckende Aussicht über die ganze Stadt. Einige Moscheen waren beleuchtet, die anderen erkennt man an den Minaretten - 250 kleine grüne Punkte. Während des tollen Anblickes kam ein Gewitter mit herrlichen Blitzformationen auf. Die Tropfen, die kurz herunterkamen, waren enorm groß. Bis Karl gewendet und sich durch den Stau zu uns zurückgekämpft hatte, kamen wir in den Genuss eines herrlichen Feuerwerkes. Rudi sagte, es sei extra für uns organisiert, aber es war der 17. April: Nationalfeiertag in Syrien - deshalb das Feuerwerk. Auch auf dem Campingplatz regnete es kurz, wir konnten jedoch immer noch draußen sitzen, denn es waren um 22.00 Uhr noch 19,5 C.zum Anfang zurück

Zurück in die Heimat

Am letzten Morgen frühstückten wir um 8 Uhr. Danach packten wir bei herrlichem Sonnenschein die letzten Sachen ein. Wir konnten zusehen, wie das ROTEL zum Reinigen vorbereitet wurde. Erst gegen 10.45 Uhr fuhr uns Karl zum Flughafen, da unser Flug eine Stunde später als geplant gehen sollte. Am Flughafen herrschte Chaos. Unser regulärer Flieger, ein 400-Mann-Jumbojet, war überbucht. So wurden 3 Sondermaschinen vom Typ Boeing 727 eingesetzt, eine nach Frankfurt, zwei nach München. Rudi und die anderen zwei ROTEL-Reiseleiter organisierten das Einchecken ohne einheimisches Personal. So war unsere Gruppe zwar die letzte, die vom Campingplatz abfuhr, aber die erste, die eingecheckt hatte. Vor der Abflughalle mussten wir uns nun auch von Rudi verabschieden. Unser Flugzeug hatte den Namen "Palmyra". Wir flogen gegen 14.10 Uhr, fast zwei Stunden verspätet, ab. Unsere Flugzeit nach München betrug vier Stunden auf der Route Damaskusm - Ras Al Basit (Syrien) - Iskenderun Körfezi (Türkei) - Istanbul - Bulgarien - ungarische Tiefebene nördlich vom Balaton - München. Wir hatten eine herrliche Sicht zuerst über die Wüste, die wir überflogen, dann die türkische Küste. Und Istanbul war fast im Detail zu sehen, u. a. die beiden Brücken über den Bosporus. Wir sahen das Schwarze Meer und Bulgarien. Über Ungarn bewölkte es sich rasch, danach war gar nichts mehr zu sehen. Bei der Landung in München flogen wir durch mindestens sieben Wolkenschichten.
Um 17.10 Uhr hatten wir wieder heimatlichen Boden unter den Füßen, aber nur 8 C Lufttemperatur. Brrrr!!! In München trennten sich unsere Wege. Bertram musste nach Karlsruhe und ich nach Dresden. Bis zu meinem Nachtzug um 23 Uhr hatten wir noch Zeit. So gingen wir in ein griechisches Restaurant in München-Schwabing und Bertram brachte mich anschließend zum Bahnhof. In Dresden war ich am nächsten Morgen um 7.30 Uhr.zum Anfang zurück

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